Nordkorea: Meisterkurse und Gepflogenheiten

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Seidenstraße 1 - Duisburg

Über den Strukturwandel in Duisburg und über eine neue Ära für den größten europäischen Binnenhafen schrieb am Monatsbeginn der "Guardian", im Rahmen einer Serie über "Städte an der neuen Seidenstraße". Gefördert wird die Serie, in der der Artikel erschien, von der Rockefeller Foundation. Zitiert wurde unter anderen der Hafendirektor, Erich Staake.

Zehntausend Eisenbahnkilometer, von Chongqing nach Weißrussland, würden oft in fünfeinhalb Tagen zurückgelegt; während für die 1.300 Kilometer von Brest an der weißrussisch-polnischen Grenze bis nach Duisburg sechs Tage erforderten.

"The Chinese and the Kazakhs drive thousands of kilometres a day, they really work hard. It’s ridiculous, really. Of course we are trying to work out why this is happening. You know how many train drivers’ unions we have, and the Poles are not much better," says Staake.

Das chinesische Magazin "Guanchazhe" berichtete über die gute Presse für Duisburg, aber - sei es der Kürze halber, sei es aus politischen Gründen - ohne Gewerkschaftsschelte:

Manche Deutsche sehen die Ursache für das "Geschwindigkeitsproblem" in einer schlechten Effizienz bei den gr0ßen europäischen Eisenbahnunternehmen, und das Offensichtliche sei, "dass Chinesen extrem fleißig sind".

Seidenstraße 2 - Prag

Laut einer von Radio Prag zitierten Meldung verlegt die amerikanische Energiebehörde EIA ihr europäisches Regionalbüro von der bulgarischen Hauptstadt Sofia nach Prag.

Die Verlegung könne mit Interessen des Unternehmens Westinghouse in Tschechien zusammenhängen, außerdem werde ein Zusammenhang mit dem wachsenden Einfluss Russlands und Chinas auf den europäischen Energiemarkthinter dem Schritt vermutet.

Nordfernsehen

Angesichts hartnäckiger Gerüchte, Nordfernsehen sei in Südkorea verboten, sieht sich der südkoreanische Auslandsradiosender KBS World Radio dazu veranlasst, das endlich mal richtig zu stellen:

Das Gerücht stimmte bis Februar 1998.

US-Verhandlungsstand mit Nordkorea

KBS World Radio fasste die jeweiligen Positionen in einem Bericht zum ASEAN-Regionalforum Anfang August so zusammen:

Die USA drängen derzeit Nordkorea dazu, praktische Maßnahmen zur Denuklearisierung zu ergreifen. Die USA fordern eine endgültige und vollständig überprüfte Denuklearisierung (FFVD). Nordkorea konzentriert sich dagegen auf eine Erklärung des Kriegsendes. Das Land will sich ein "Sicherheitsventil" sichern, bevor Diskussionen über die Denuklearisierung richtig beginnen.

Ebenfalls laut KBS sagte US-Außenminister Michael Pompeo auf seinem Rückflug vom Regionalforum (und weiteren Südostasienterminen), Nordkoreas Außenminister Ri Yong-ho habe in der Vorwoche Nordkoreas Zusage der Denuklearisierung deutlich gemacht.

Der Nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, John Bolton, hatte zuvor betont, Präsident Donald Trump gebe Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un einen Meisterkurs in Denuklearisierung und Öffnung.

Einen Geschichtskurs erhielt Ri Yong-ho jedenfalls laut dem iranischen Auslandsradio IRIB während eines Treffens mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani:

Mit Blick auf den Austritt der USA aus dem Atomabkommen hat Irans Präsident die Arbeit der US-Regierung im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen und erklärt: Washington ist das unglaubwürdigste und unzuverlässigste Land auf der Welt, das keine seiner Verpflichtungen einhält.

Dies betonte Hassan Rohani bei seinem Treffen mit dem nordkoreanischen Außenminister Ri Yong-ho am Mittwoch in Teheran. Während er hervorhob, dass Iran für die Herstellung von Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel sei, unterstrich Rohani, die Entwicklungen in der genannten Region seien für Teheran von besonderer Wichtigkeit.

Relativ zurückhaltend äußerte sich IRIB zufolge der nordkoreanische Außenminister:

Ri Yong-ho widmete sich auch dem Austritt der USA aus dem Atomabkommen und der Wiedereinführung der Iran-Sanktionen und bezeichnete dies als einen falschen Schritt, der zudem gegen internationale Gepflogenheiten verstoße.

Bloomberg deutete die Iran-Reise Ri's , die ebenso (vermutlich) Kim Jong-uns Reise nach Singapur zum Treffen mit Trump per Flugzeug der Air China erfolgte, als neuestes Beispiel größerer diplomatischer Freiheit Nordkoreas in der Folge des Gipfeltreffens mit US-Präsident Trump am 12. Juni.

Laut NHK veröffentlichte das nordkoreanische Außenministerium in den Massenmedien des Landes eine Erklärung, der zufolge Washington seine Geheimdienste zur Erstellung verschwörerischer Dokumente zu Nuklearthemen anhalte und einen Vorwand erfinde, Sanktionen gegen Nordkorea zu verschärfen. Man könne keine Fortschritte bei der Umsetzung der Nuklearisierung und anderer Vereinbarungen aus dem Treffen zwischen Kim und Trump vom 12. Juni erwarten, und es gebe keine Garantie dafür, dass die koreanische Halbinsel stabil bleiben werde.

Letzte Dinge

Am 29. Juli fand in der nordostchinesischen Stadt Harbin eine Zeremonie für die acht Tage zuvor verstorbene Japankriegsveteranin Li Min statt, an der führende Politiker und Genossen des "Volkskongresses" auf Provinzebene, der Heilongjianger Provinzregierung, der Konsultativkonferenz und der Militärs Heilongjiangs, Freunde, Verwandte und frühere Provinz- und Parteifunktionäre teil nahmen.

Li Min galt als Chinesin koreanischer Nationalität. Laut KCNA erhielten Li's Angehörige ein Kondolenzschreiben Kim Jong-uns, der außerdem einen Kranz schickte.

10:23 10.08.2018
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Geschrieben von

JR's China Blog

Marxisten können die Zukunft vorhersagen. Das mit der Vergangenheit ist komplizierter.
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