Kein Licht am Ende des Tunnels

Syrien Die Staatlichkeit Syriens wurde erfolgreich untergraben - jetzt beginnt der Streit darüber, ob sich daraus vor allem Risiken oder Gelegenheiten ergeben

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Nicht.
Nicht.

Foto: zeevveez / Flcikr (CC)

Wenn man wissen will, was nicht passieren wird, muss man einen Beitrag von Thomas L. Friedman lesen. 2003 schrieb er einen Wutartikel über Frankreich, weil Paris den Irak-Krieg nicht mitmachen wollte. Die Ergebnisse gaben damals eher Frankreich Recht. 2010 sprach sich Friedman für eine industrielle Zusammenarbeit zwischen Amerika und China aus, die auf Blaupausen aus Amerika und ausführende Arbeit aus China hinauslief, und ein Mathematik-Professor rechnete ihm vor, warum das schon von den Zahlen her nicht funktionieren würde. Davon, dass rein ausführende Arbeit mit Chinas Plänen ohnehin nicht viel zu tun habe, sprach nur Gomory.

Friedman wird also wissen, wovon er redet, wenn er jetzt ein arabisches Sprichwort zitiert: "wenn du dir einmal an einer Suppe den Mund verbrannt hast, wirst du für den Rest deines Lebens über jeden Joghurt pusten."

Wolle man den Bürgerkrieg in Syrien beenden und das Land auf einen demokratischen Weg bringen, müsse eine ausländische Macht Syrien wieder aufbauen, schrieb Friedman am Samstag in der "New York Times" - und er nominiere gewiss nicht die USA dafür. Andere Mächte seien an dieser teuren Aufbaumaßnahme auch nicht interessiert, und er gehe davon aus, dass der Bürgerkrieg so lange andauern werde, bis die Kriegsparteien erschöpft seien. Man solle aber die "guten" Rebellen (Friedman selbst verwendet die kritischen Anführungszeichen) unterstützen, wo sie erkennbar seien - aber man möge nicht unterschätzen, wie viele Syrer den tyrannischen Bashar al-Assad unterstützten, aus Furcht, nach dem Regime kämen entweder Hobbes oder Khomeini.
Allerdings habe es im Libanon vierzehn Jahre gedauert, bis die Bürgerkriegsparteien dort erschöpft waren, so Friedman.

John McCain, Präsidentschaftskandidat der Republikaner im Jahr 2008, kritisierte Präsident Obama am Sonntag in einem "FoxNews"-Interview dafür, eine "rote Linie" (hinsichtlich des Einsatzes chemischer Waffen in Syrien) überhaupt gezogen zu haben: zum einen - und diesen Punkt ließ McCain im weiteren unbeleuchtet - sei das schon an sich ein Fehler, und zum anderen habe das eine "grüne Linie" für die syrische Regierung für alles bedeutet, was unterhalb dieser Schwelle lag und ebenfalls katastrophal sei. McCains Schlüsse aber sind andere als Friedmans: keine Bodentruppen, aber eine "Sicherheitszone" in Syrien. Die israelischen Luftschläge hätten ja schließlich gezeigt, dass man in den syrischen Luftraum durchaus eindringen könne.

Barack Obama dürfte unter Druck stehen. Seine Agenda sei der Aufbau Amerikas, erklärte er in einer Rede in West Point, im Dezember 2009:

Ich achte auf die Worte Präsident Eisenhowers, der in einer Diskussion unserer nationalen Sicherheit sagte: 'jeder Vorschlag muss in einem größeren Zusammenhang erwogen werden: der Notwendigkeit, ein Gleichgewicht in und zwischen nationalen Programmen aufrechtzuerhalten.'

Friedman unterstützt diese Sicht offenbar, im Gegensatz zu McCain. Allerdings verlor McCain vor fünf Jahren auch darum den Präsidentschaftswahlkampf gegen Obama, weil er sich für wirtschaftliche Probleme nie sonderlich interessiert hatte.

Möchte man hoffen, dass Friedman diesmal Recht behält? Im amerikanischen Interesse wäre das. Und im syrischen Interesse wäre es gewesen, Amerika, Europa, die Türkei und einige arabische Staaten hätten die syrische Souveränität und die Entscheidungen des UN-Weltsicherheitsrates von vornherein geachtet, anstatt sie mit "nicht-tödlicher" Unterstützung (USA) oder auch sehr viel tödlicherer Unterstützung von anderen Seiten zu untertunneln.

Es bleibt abzuwarten, was die amerikanische veröffentlichte Meinung Präsident Obama nahelegen wird, und wie intensiv der entsprechende Druck sein wird. Das Council on Foreign Relations, ein Think Tank, veröffentlichte am 30. April in seiner Publikation "Foreign Affairs" einen Beitrag von John Mueller, Ohio State University, der argumentierte, der Einsatz chemischer Waffen durch das syrische Regime solle die amerikanische Politik nicht davon abhalten, ihre Beteiligung an Konflikten im Ausland zu begrenzen.

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JR's China Blog

Ich bin ein Transatlantiker (NAFO)

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