Trump, Kim, und die Liebe zum Volk

Wochenendlinks Gipfel in Singapur / Syrien / Leistungsschutzgesetz / Erich Maria Remarque

1. Trump-Kim-Gipfel

Hat US-Präsident Donald Trump dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un mehr versprochen, als in der gemeinsamen Erklärung steht? National Public Radio (NPR) ahnte am Mittwoch, einen Tag nach dem Treffen, Böses.

Anders als deutsche Medien verlinkt NPR dabei auch auf die nordkoreanische Quelle, die Anlass zu solchen Besorgnissen gibt. Deutsche Medien setzen gemeinhin keine solchen Links: vielleicht fürchten sie ein nordkoreanisches Leistungsschutzgesetz.

Am Donnerstag legte "Time" mit Details nach: Kim habe Trump um eine Aussetzung der Militärmanöver mit Südkorea gebeten, und Trump habe dem per "Schuss aus der Hüfte" zugestimmt. Dabei sei das ein Thema, das zuvor nicht zwischen den Unterhändlern beider Seiten verhandelt worden sei, so "Time".

Die deutschsprachige Nachrichtensendung des nordkoreanischen Kurzwellen- und Internetdienstes "Stimme Koreas" brachte die Meldung über die zum Teil bestätigten (Aussetzung der Militärmanöver) und zum Teil nicht bestätigten ("Gleichzeitigkeit" gegenseitiger Leistungen) wie üblich erst einen Tag nach KCNA, am Donnerstag (Audiodatei - Modulation leider sehr mäßig).

Dichter dran an den Quellen war die "Voice of America" mit einem Interview, noch am 12.06.18.

VoA: Was glauben Sie, was hat er über Sie gedacht, nachdem er abgereist war?

Trump: Ich glaube, er mochte mich, und ich mag ihn. Und ich weiß über die Vergangenheit Bescheid, und, wissen Sie, niemand braucht mir zu erzählen, dass er ein rauer Typ ist. Das muss oder musste er sein. Aber wir sind gut miteinander klargekommen. Er ist klug, er liebt sein Volk, und er liebt sein Land. Er will eine Menge guter Sachen, und darum macht er dies.*)

VoA: Aber er hat sie hungern lassen. Er hat sich brutal ihnen gegenüber verhalten. Er liebt sein Volk trotzdem?

Trump: Schauen Sie, er hat getan was er getan hat, wenn man es betrachtet. Aber ich muss mich nach dem Heute richten, und nach dem gestrigen Tag, und nach den letzten paar Wochen, weil diese Sache in dieser Zeit passiert ist. Noch einmal: ohne die Rhetorik und die Sanktionen - die Sanktionen waren sehr wichtig - die Sanktionen bleiben, bis wir sehen, das wird passieren. Wir sehen jetzt schon etwas davon, aber die Sanktionen werden bleiben, bis wir wirklich beginnen, die Nuklearwaffen zu demontieren, oder bis wir sie demontieren.

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*) "dies" bezieht sich vermutlich auf die Verhandlungen

2. Syrien

Wer baut Syrien wieder auf? Ein Artikel im Heise-Onlinemagazin "Telepolis" wägt Assads Optionen - und die der EU. Mehr zu den Alternativen, die sich dem syrischen Regime bieten, in diesem Beitrag vom Oktober 2017.

3. Leistungsschutzgesetz

"... die Geschichte der Kanzlerin, die sich für ein Gesetz einsetzt, das direkt aus dem Medienkonzern ihrer Freundin Friede Springer stammt."

Ich bin ein Transatlantiker. Zukünftig kann ich ja immer noch verlinken, was nord- und südamerikanische Zeitungen über mein Land schreiben.

4. Sommerlektüre

"Im Westen nichts Neues" ist bestimmt ein gutes Buch. Dass ich es nicht so richtig mag, liegt vermutlich an den Leuten, die es lesen und lesen lassen. Der wirkliche Schlüsselroman zum 120. Geburtstag Erich Maria Remarques: Der Schwarze Obelisk, veröffentlicht 1956.

Wenig zeitaufwändig (so lange man nicht selber weiterliest): Literatur zum Hören. Das deutschsprachige südkoreanische Auslandsradio (KBS World Radio) bietet dienstags in der zweiten Hälfte seiner einstündigen Sendung einen Überblick über südkoreanische Romane und Erzählungen. Die ganze Sendestunde des vorigen Dienstags ist einstweilen beim Worldwide DX Club herunterladbar, mit Vorstellung eines Romans, der auch auf Deutsch erhältlich ist und Koreas jüngere Geschichte - in Nord- und Südkorea - aus Sicht eines frühen Überläufers beschreibt.

Auf Kurzwelle ist das deutsche Programm von KBS World Radio während der Sommerzeit täglich von 22 bis 23 Uhr auf 3955 kHz gut zu hören - die Programme beginnen von montags bis samstags mit einer Nachrichtensendung und einer anschließenden Vertiefung zweier Nachrichtenthemen. Nach insgesamt rund 15 Minuten Politik folgen dann kulturelle und alltägliche Informationen über Südkorea.

Update (16.06.18)

Am 3. Juni 1963, vor 55 Jahren, starb der türkische Dichter Nazim Hikmet im Moskauer Exil. In Deutschland kennt man von ihm wohl vor allem dieses Gedicht:

Leben einzeln und frei
wie ein Baum und dabei
brüderlich wie ein Wald,
diese Sehnsucht ist unser.

09:40 15.06.2018
Geschrieben von

JR's China Blog

Marxisten können die Zukunft vorhersagen. Das mit der Vergangenheit ist komplizierter.
JR's China Blog

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