Über das Nicht-Rauchen

Moment auf Moment. Ungefähr ein halbes Jahr hatte ich weniger geraucht. Momentan rauche ich gar nicht mehr. Woran liegt's?
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Ausgerechnet jetzt, wo das Rauchen so viel gesünder werden soll, habe ich einstweilen aufgehört, also vor der Schockbildervorschrift (ab 2016) und vor einer engeren Reglementierung der Zusatzstoffe im Tabak. Dabei wartet der Tabak, den ich im vorigen Jahr (legal) angepflanzt und geerntet habe, noch auf seine Verarbeitung.

Und verarbeiten werde ich ihn. Ich mag keine Verschwendung, und es gibt genug Freunde, die sich über einen guten Batzen Tabak als Geschenk freuen werden. Ich werde mir das nicht bezahlen lassen. Nicht, weil es illegal wäre - das ist mir egal -, sondern weil Tabak nun einmal gesundheitsschädlich und mitunter tödlich ist. Davon möchte ich nicht profitieren.

Meine Raucherpause begann an einem Wochenende im Januar. Ich wollte mir gerade eine Zigarette drehen und legte den Tabak dann wieder beiseite, weil ich ihn in dem Moment gar nicht brauchte. Und vielleicht eine halbe Stunde später wiederholte sich das Spiel. So läuft das jetzt seit über vier Wochen; inzwischen allerdings mit dem Unterschied, dass ich keinen gebrauchsfertigen Tabak mehr bei mir habe. Ich müsste erst einmal losfahren und mir welchen kaufen.

Ungefähr drei Tage lang habe ich den "Entzug" körperlich und seelisch gespürt: permanent etwas erhöhte Temperatur, Schweißausbrüche und eine leichtere Reizbarkeit als sonst. Seitdem zuckt meine Hand wohl manchmal zur Hemdtasche, aber ich begreife sofort, dass da nichts mehr ist. So gesehen fehlt mir der Tabak nicht. Aber unter Freunden, bei einem Bier oder Kaffee, fehlt mir das Rauchen natürlich schon. Selbst wenn ich für den Rest meines Lebens abstinent bleibe, werde ich in solchen Momenten wohl mindestens flüchtig bedauern, dass ich nicht mehr mitrauche.

Vor allem hat mich aber überrascht, wie leicht mir der Verzicht, alles in allem, doch gefallen ist. Fange ich wieder an, und will dann erneut aufhören, habe ich vielleicht weniger Glück damit. Denn es scheint viel von der Biochemie und von der aktuellen seelischen Verfassung abzuhängen. Ich musste keine der Empfehlungen befolgen, die einem von Ratgebern oft nahegelegt werden: die Gegenwart rauchender Menschen meiden, Gewohnheiten beenden, die mit dem Rauchen Hand in Hand gingen. Das wäre bei mir z. B. der Kaffee unterwegs, den ich nach wie vor in einer Raucherkneipe trinke, oder die Arbeitspausen.

Und natürlich ist es auch eine Geldsache. Der Preis pro Tabakbeutel war kürzlich nochmals um 20 Cents gestiegen. Mich heute an Tabaksteuern dumm und dämlich zu zahlen, um dann vorzeitig ins Gras zu beißen und die Rentenversicherung zu schonen ist eine Vorstellung, die mich nicht nur gelegentlich ängstigt, sondern geradezu ärgert, und es ist ja auch nicht so, dass um die neunzig gesparte Euro im Monat in meinem Leben keinen Unterschied machen.

Aber hätte ich rauchende Freunde und Bekannte auch nur einstweilen meiden müssen, um meinen von-Moment-zu-Moment-Verzicht weiter durchhalten zu können, hätte ich mir schon längst wieder eine Zigarette angesteckt. Und ich werde gut auf mein Mundwerk aufpassen. "Gute Ratschläge" werde ich steckenlassen. Sie werden so gut wie nie gebraucht, und schon gar nicht ungefragt.

Davon abgesehen halte ich mich immer noch für einen Raucher. Ich bin ein Raucher, der gerade nicht raucht. Ich gehöre im Zweifel zur Partei der Raucher.

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» Über das Rauchen, 09.10.13

09:15 21.02.2014
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