Viel Öl, aber wer will es haben?

Venezuela/China Neue Handelsabkommen stärken die Rolle Venezuelas als Ölgigant. Doch viele Facharbeiter haben das Land verlassen
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Viel Öl, aber wer will es haben?

Am Dienstag unterzeichneten Chinas Partei- und Staatschef Xi Jinping und der venezolanische Präsidente Nicolas Maduro in Caracas mehrere Handelsabkommen, zu denen laut BBC sowohl venezolanisches Öl und venezolanische Mineralien gehörten als auch eine Kreditlinie von vier Milliarden US-Dollar. Xi hielt sich im Zug einer Lateinamerikareise in Veezuela auf. Weitere Stationen waren Brasilien, Argentinien und Kuba.

Involviert war China im venezolanischen Ölgeschäft ohnehin schon - finanziell in einem Maße, so der Schwerpunktblogger Thomas W. O’Donnell, dass es erfolgreich mit der Einstellung weiterer Finanzierungen drohen könne, wenn man in Venezuela nicht auf seine Vorstellungen eingehe.

Chinas Kapazitäten zur Verarbeitung von schwerem, teerähnlichen Öl wie dem aus Venezuelas Orinoco-Gürtel hielten sich 2012 diesem Bericht zufolge noch in Grenzen, und man hatte es angeblich auch nicht eilig mit Erweiterungsinvestitionen - zumindest nicht bei Ölfeldern im chinesischen Inland. In Venezuela mag das anders aussehen. Auch wenn manche Manager der staatlichen venezolanischen PDVSA ihren chinesischen Kollegen in dieser Hinsicht nicht viel zutrauten - über das technologische Know-how zur Förderung schweren Öls scheint China zu verfügen. Wenn es die Vorrichtungen dazu bauen will, kann es das vermutlich mit eigenen Mitteln.

Dafür spräche auch, dass China offenbar weltweit eine Bereitschaft mitbringt, für eine relativ schlechte Rendite zu investieren. Kommt noch - wie im Fall des Handels mit Venezuela, ein energiewirtschaftlicher Nutzen hinzu, dürfte das der Investitionsbereitschaft ebenfalls nicht schaden.

Angesichts der Tatsache, dass sich aus Chinas Außenhandelsüberschüssen ohnehin beträchtliche Überschüsse ergeben, die irgendwo investiert werden müssen, kann Beijing bei der Wahl der passenden Objekte ohnehin nicht wählerisch sein. (Eine Erfahrung, die deutschen Anlegern bekannt vorkommen mag.)

Ein Mindestmaß an längerfristiger politischer Stabilität in Venezuela vorausgesetzt, werden China seine Investitionen dort zugute kommen. Für Venezuela selbst gilt das allenfalls in Grenzen. Rafael Ramirez, seinerzeit sowohl Chef der PDVSA als auch Ölminister des Landes und auch jetzt noch Chef des nationalen Ölunternehmens PDVSA, wurde von der BBC mit einer Bemerkung aus dem September 2012 zitiert, dass von den 640.000 Barrel Öl täglich, die das Land nach China exportiere, 200.000 Barrel die venezolanischen Schulden bei Beijing bedienten.

Vor allem aber führen Venezuelas innenpolitischen Verhältnisse zu wirtschaftlichen und technischen Blockierungen, bei deren Auflösung Beijing oder sonstige ausländische Interessenten nicht helfen können oder wollen.

2003 feuerte der damalige venezolanische Präsident Hugo Chávez laut dem britischen "Economist" nach politischen Auseinandersetzungen im Unternehmen 18.000 bis 20.000 Mitarbeiter. Rafael Ramirez machte es damals laut "Economist" zur Unternehmensrichtlinie, dass nur noch Chavez-Unterstützer eingestellt werden dürften.

Dass Kompetenzen leiden, wenn die politische Farbe zum wichtigeren Kriterium wird, dürfte eine Binse sein.

Eine Minderheit der Gefeuerten blieb dem "Economist" zufolge in Venezuela, aber tausende von ihnen verließen das Land und fanden neue Jobs in Kanada, den USA, Mexiko, am Persischen Golf oder in Malaysia und Kasachstan. Nicht zuletzt Kanada, dessen Öl dem venezolanischen Schweröl ähnlich sei, profitiere von den Zuwanderern, und Kolumbien, dessen Ölproduktion in der ersten Hälfte des vorigen Jahrzehnts von 687.000 auf 526.000 Barrel am Tag gefallen sei, produziere jetzt eine Million Barrels täglich. Viel davon verdanke das Land venezolanischen Fachkräften.

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12:04 25.07.2014
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Geschrieben von

JR's China Blog

Marxisten können die Zukunft vorhersagen. Das mit der Vergangenheit ist komplizierter.
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