Wirtschaftsradio: Frequenzen als Ressourcen

Weltradiotag (3). Radio ist nicht nur Hörfunk. Die Trends zur drahtlosen Kommunikation sind fast überall zu besichtigen; vor allem aber in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die UNESCO setzt mit dem Weltradiotag auf gesellschaftliche Themen: der 13. Februar soll demnach ein Tag sein, an dem das Radio als Medium gefeiert, die internationale Kooperation zwischen Sendeanstalten oder –unternehmen verbessert, und Radiostationen zur Förderung des Informationszugangs, zur freien Meinungsäußerung und Gleichberechtigung von Männern und Frauen per Radio ermutigt werden sollen.

Die chinesische technische Zulassungsbehörde für Radiogerät und Frequenzen definiert das Schwerpunktthema des Weltradiotags 2014 allerdings wesentlich technischer, und über das klassische Radio hinaus. Der 13. Februar ist demnach ein Tag, an dem sich das Bewusstsein für die Tatsache schärfen soll, dass Frequenzbereiche zu den natürlichen Lebensgrundlagen gehörten. Legale drahtlose Sendungen – das klassische Radio, die Mobiltelefonie oder das Internet der Dinge – müssten mit den Frequenzressourcen sparsam umgehen, und für illegale Ausstrahlungen sei in China kein Platz. Der letzte Punkt korreliert ideologisch mit einem eher „politischen“ als technischen Thema: die Kampagne gegen „die drei Falschheiten“. Das heißt: es soll gegen illegale Medien vorgegangen werden, die „Gerüchte verbreiteten“, einer oftmals gar nicht interessierten Kundschaft aggressiv Werbeflächen aufdrängten oder Informationen bzw. Nachrichten nach den Wünschen zahlungskräftiger Auftraggeber gestalteten. Diese Anti-Falsch-Kampagne begann Berichten zufolge am 4. Januar und soll voraussichtlich bis Ende März andauern.

Für Länder, in denen das telefonische oder fernmeldetechnische Festnetz nie eine vergleichbar weite Verbreitung gefunden hat wie in Nordamerika oder Europa, ergibt eine erweiterte Perspektive auf den drahtlosen Funk, über den Hörfunk hinaus, sicherlich Sinn. 2007 erreichte das Breitband nur ein Prozent der Afrikaner, und nur vier Prozent hatten Zugang zum Internet. Gleichzeitig stieg aber vor sieben Jahren lt. BBC der Gebrauch von Mobiltelefonen in Afrika zweimal so schnell wie im weltweiten Durchschnitt. Und 2011 sollen bereits 13,5 Prozent der afrikanischen Bevölkerung Internetzugang gehabt haben.

Anstelle von Internetbanking zahlen viele Afrikaner allerdings per Mobiltelefon. In Kenia, lt. „Economist“ das weltweit führende Land bei der Zahlung per Mobiltelefon, soll etwa ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes inzwischen auf diesem Wege verarbeitet werden. Kioskhändler „an der Ecke“ bieten nicht nur Prepaid-Karten für die „on-air-Zeit“ an, sondern auch Geldguthaben zur Aufladung.

Das Potenzial ist beträchtlich: nur 15 bis 20 Prozent der afrikanischen Bevölkerung soll im vergangenen Jahr über Bankkonten verfügt haben, aber 60 bis 70 Prozent verfügten über Mobiltelefone, so ein transnationaler Entwickler von Zahlungssystemen.

In China steht die drahtlose Kommunikation auf vielen verschiedenen Beinen. Obgleich längst kein klassisches Entwicklungsland mehr, verzichtet man auch hier beim Rundfunk keineswegs auf die Kurzwelle. Insbesondere von unerwünschten – ausländischen – Radiodiensten belegte Frequenzen werden von der Volksrepublik aufwändig gejammt oder mit chinesischen Inlandsdiensten doppelt belegt, um die missliebigen Botschaften möglichst auszublenden oder ihren Empfang in China doch wenigstens zu erschweren.

Als im April 2013 der Verwaltungsbezirk Lushan in der Provinz Szechuan von einem schweren Erdbeben betroffen war, startete der chinesische Hörfunk nach eigenen Angaben eine Art Rotkreuzrundfunk auf zwei Kurzwellen- und einer UKW-Frequenz. Bereits im Oktober 2011 habe eine Plenarsitzung des 17. ZK der KP Chinas diese Frequenzen im 12. Fünfjahresplan der VR China vorgesehen, so das chinesische Inlandsradio im April 2013.

Während in China also auch beim Inlandsradio der Gebrauch der Kurzwelle selbstverständlich ist, gönnt sich der Rundfunk in Deutschland das knatternde Medium nur noch zu ganz besonderen Gelegenheiten. Immerhin: nachdem der Auslandssender „Deutsche Welle“ sämtliche Kurzwellensendungen aus Deutschland eingestellt hatte, übernahm der Norddeutsche Rundfunk die Tradition. Allerdings nur einmal im Jahr: an jedem 24. Dezember strahlt man aus Hamburg die Sendung „Gruß an Bord“ aus – über Mittelwelle und seit 2012 auch wieder per Kurzwelle, von 20 bis 24 Uhr MEZ. Dazu wurden 2013 Sender in Nauen (Brandenburg), Issoudun (Zentral-Frankreich) und in Moosbrunn (Österreich) angemietet.

Mehr zum Thema


» Weltradiotag (2), 26.01.14
» Weltradiotag (1), 24.01.14
» Im Neuland, 25.07.13

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 11