Wochenrückblick: Taiwan, Korea, MH17

Fakten & etwas Meinung Die Reihung entspricht in etwa dem persönlichen Aufmerksamkeitsgrad des Bloggers.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

-

Taiwan: KMT ersetzt Spitzenkandidatin im Präsidentschaftswahlkampf

Die regierende KMT hat ihre Spitzenkandidatin Hung Hsiu-chu auf einem außerordentlichen Parteitag fallengelassen und durch ihren Parteivorsitzenden Eric Chu ersetzt. Hintergrund »hier.

Laut ersten Meldungen erhielt Eric Chu 812 von 891 abgegebenen Stimmen - ein der Öffentlichkeit relativ gut vermittelbares Ergebnis. Ein Wahlsieg in den Präsidentschaftswahlen im Januar dürfte für die KMT allerdings immer noch in weiter Ferne liegen.

-

China händchenhaltend mit Nordkorea Südkorea Korea?

Neben Japan gilt Südkorea als Amerikas engster militärischer Verbündeter in Ostasien. Laut "Washington Times" ist das Verhältnis nicht spannungsfrei. Dass Südkorea ein Angelpunkt in der Regional Comprehensive Economic Partnership sei, wird vom Artikel wohl überbetont - selbst Japan beteiligt sich an diesem Freihandelsprojekt -, aber dass Seoul der Stationierung von THAAD-Abwehrsystemen im Land nicht zustimmen mag, dürfte aus amerikanischer Sicht ein Problem darstellen. Vermutet wird eine Rücksichtnahme Seouls auf Beijinger Interessen.

Allerdings vermittelt der Artikel - unter Zuhilfenahme von Zitaten - den Eindruck, dass Washington einem südkoreanischen Balanceakt zwischen Amerika und China durchaus etwas abgewinnen könne, wenn Beijing seinerseits konkrete Änderungen an seiner Nordkoreapolitik vornehme.

Südkoreanisches Interesse an einem TTP TPP-Beitritt wird Berichten zufolge von der Obama-Administration nicht mit allzu großer Begeisterung aufgenommen - jedenfalls nicht, so lange das Abkommen mit den bereits bestehenden Partnern nicht vom US-Kongress angenommen worden sei.

Änderungen der chinesischen Koreapolitik gegen den Willen Pyongyangs sind »erfahrungsgemäß wenig wahrscheinlich - sie setzen nach derzeitigem Stand offenbar bilateralen Konsens voraus. Man muss also nett zur Nervensäge sein und schickt zum runden Geburtstag wichtige Gäste.

Was von "Stars and Stripes" am Donnerstag übel vermerkt wurde: "wie zwei siegreiche Athleten" hätten sich Nordkoreas Oberbefehlshaber und Parteichef Kim Jong-un und sein chinesischer Gast Liu Yunshan benommen. Aber - auch bei "Stars and Stripes" müssen Zitate weiterhelfen - dass ein führender Chinese an den Feierlichkeiten zum 70. Gründungstag der nordkoreanischen Arbeiterpartei teilgenommen habe, solle Pyongyahg bei der Gesichtswahrung helfen und somit eine Kursänderung erleichtern. (Sagt ein chinesischer Nordkoreaforscher.)

Just darum habe Washington es womöglich auch abgelehnt, die bei dieser Gelegenheit in Pyongyang abgehaltene Militärparade zu kommentieren, so der Chinesischdienst der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap vier Tage vor dem Stripes-Artikel, also am vorigen Sonntag. Das Weiße Haus und das State Department hätten sich nicht geäußert. Womöglich warte Washington die Rückkehr Liu Yunsahns nach Beijing ab, um dann auf diplomatischen Kanälen mehr über etwaige Ergebnisse der Gespräche Liu Yunshans mit Kim Jong-un zu erfahren.

Zu Parks US-Besuch meldete Radio Japan am 17.10.15:

Some Americans have raised questions about Park's appearance at a military parade in China last month, along with Russian president Vladimir Putin. Obama asked Park to speak out against China if it failed to abide by international norms and rules. Speaking at a joint news conference with Obama, Park explained she attended the event to seek cooperation from China and Russia on North Korea.

Yonhaps chinesischer Dienst am 27.08.15 zum Thema südkoreanischer Beziehungen zu China: [Am 27. August]

fragten Journalisten [oder fragte ein Journalist] auf der ordentlichen Pressekonferenz des Außenministeriums, "chinesische Truppen nahmen am Koreakrieg teil. Ist es angemessen, dass die südkoreanische Präsidentin an der chinesischen Militärparade teilnimmt?" Der Sprecher des Außenministeriums [chinesisch: Lu Guangyi] antwortete darauf, die Aktivität erinnere an den vor siebzig Jahren errungenen Sieg und sei daher von großer Bedeutung. Er sagte, ziehe man die freundschaftlichen und kooperativen Beziehungen der Nachbarstaaten zu China in Erwägung, so könne China auf der koreanischen Halbinsel und hinsichtlich der [koreanischen] Vereinigung eine positive Rolle spielen. In Anbetracht dessen, dass koreanische Patrioten seinerzeit von China aus ihre Widerstands- und Unabhängigkeitsbewegung gegen Japan geführt hätten, habe Präsidentin Park sich entschieden, an der Militärparade teilzunehmen.

Parks Amtsführung wird von Wählerinnen und Wählern auch an einem erfolgreichen Umgang mit Pyongyang gemessen: die Lautsprecherkrise im August habe die Präsidentin schnell und geräuschlos aus der Welt geschafft, so die "Washington Times" (wie oben verlinkt). Das habe sich positiv auf ihre Umfragewerte ausgewirkt.

-

Berichte zum MH17-Flug (Ukraine)

Bei den vielen Fragen, die zum Abschuss der malaysischen Verkehrsmaschine mit einiger Wahrscheinlichkeit - zumindest einstweilen - offen bleiben, scheint mir der in der FC geäußerte »Verdacht, ein für Russland oder für die von Russland unterstützten Separatisten in der Ukraine entlastendes / die Ukraine belastendes Gutachten solle verhindert oder verschleiert werden, einen wesentlichen aber naheliegenden Erklärungsansatz auszuklammern: dass nämlich ein zur Zeit wieder weitgehend eingefrorener militärischer Konflikt in der Ukraine möglichst nicht wieder angeheizt werden soll.

Momentan sieht man in einer Veröffentlichung weitergehender Informationen womöglich ein Risiko, gerade wenn der Abschuss direkt oder indirekt Moskau angelastet würde. Wären die Kämpfe in der Ukraine zur Zeit in vollem Gange, oder sollten sie eines Tages wieder in vollem Gange sein, wäre es - vorausgesetzt, meine oben genannte Annahme geht in die richtige Richtung - nicht unwahrscheinlich, dass die Untersuchungsberichte der Öffentlichkeit dann zugänglich gemacht würden.

Es ist nachvollziehbar, dass Menschen über Hintergründe Bescheid wissen wollen. Insbesondere ist es begreiflich, wenn Menschen Bescheid wissen wollen, die von dieser Tragödie dadurch unmittelbar betroffen sind, dass sie Angehörige und persönliche Freunde verloren haben.

Sie werden nicht aufhören, Fragen zu stellen. Aus der einen oder vom anderen Quelle wird es Antworten geben. So oder anders.

P.S.: Nicht unterschätzt werden sollte die Bereitschaft zum Durchstechen von Informationen. Die Zeiten, in denen Informationsträger sich lieber eine Zichte ansteckten als dass sie ins Plaudern gerieten, sind vorbei - for better or worse.

Note

Dieser Blogger bloggt. Kommentieren wird er erst wieder ab 01.01.16. Etwaige Fragen an PM-Ersatz: duibudui@hotmail.de (keine Antwortgarantie).

Updates/Related

Russia's changing story, Ivshina/BBC, 16.10.15
MH17 Knowns, BBC, 14.10.15

12:24 17.10.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

JR's China Blog

Wer Demokratie für selbstverständlich hält, hat sie vermutlich geschenkt bekommen.
JR's China Blog

Kommentare