Das rote Logo der Bank über den Besetzern

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Keine 500 Meter von der Düsseldorfer Königsallee, der Edelshoppingmeile der Landeshauptstadt entfernt haben Demonstranten der Occupy-Bewegung ihre Zelte aufgeschlagen. Es ist der Versuch, etwas gegen die weltweite Ungerechtigkeit und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich auch in diesem Land zu unternehmen. In Düsseldorf findet man Massenproteste wie sie in New York stattfinden jedoch nicht. Zwischen fünf und 20 Menschen leben in diesem Camp. So waren auch am zweiten Weihnachtfeiertag Demonstranten zwischen ihren Zelten anzutreffen.

Von Jan Felix Walther

Der Rauch vom Küchenzelt zieht durch das Camp und vom andauernden Regen haben sich kleine Pfützen auf dem Boden gebildet. Drinnen im Zelt ist es düster, da der Generator ausgeschaltet worden ist, um Benzin zu sparen. Benzin zählt nämlich zu den Dingen im Düsseldorfer Occupy-Lager, die ständig knapp sind. Irgendwann schmeißt Jakob ihn dann schließlich doch an, da Daniela sonst nicht sieht, was sie im Zelt kocht. Dass sich im Camp direkt vor der Düsseldorfer Johanneskirche geduzt wird, ist für alle selbstverständlich.

Daniela blickt auf den mittlerweile summenden Generator, während sie Gründe nennt, die sie und die anderen dazu bewegen, in diesem kleinen Zeltdorf zu leben. Sie sagt, in den USA müssten Studenten teilweise extrem hohe Schulden machen, um überhaupt die Grundlage für eine Arbeit zu erhalten. Dann verweist sie auch auf Deutschland. „Die Schere zwischen Arm und Reich geht auch hier immer weiter auseinander“ erklärt Daniela und muss dann den Abgasen des Generators ausweichen.

Jakob, der bis eben damit beschäftigt war, den Generator anzuwerfen, steht nun etwas außer Atem vor dem Küchenzelt. Er findet, dass man bei sich selbst anfangen müsse, um etwas zu verändern. Seit dem 19. September lebt er daher mit mal mehr und eher weniger anderen Demonstranten im Düsseldorfer Camp. „Ich könnte jetzt auch Zuhause Playstation spielen und mich vollfressen“ sagt er dann. Aber man bräuchte nicht viel mehr, als sie im Lager hätten, fügt er noch hinzu. Eine Jack-Wolfskin Jacke schützt ihn vor der Kälte.

Aus dem Küchenzelt steigt mittlerweile Rauch. Der provisorische Schornstein funktioniert nämlich nicht richtig. Daniela versucht, dem Qualm auszuweichen, während sie von den Menschen spricht, die dieses Lager am Martin-Luther-Platz in Düsseldorf ablehnen. Oft seien dies ältere Leute, die meinen, dass so wenige nichts bewirken könnten, sagt sie. Allerdings verweist sie dann sofort auf die „Occupy Düsseldorf“-Seite auf Facebook. Über 3000 Menschen gefalle diese Seite. Laut Daniela sähen viele diese Unterstützung im Internet nicht.

Vom Camp aus kann man die Hauptgeschäftsstelle der Düsseldorfer Stadtsparkasse erkennen. Mittlerweile ist es dunkel geworden und das rote Logo der Bank scheint auf die Zelte der Besetzer. So bleibt am Ende des zweiten Weihnachtfeiertages die Frage, wie viel man tatsächlich verändert, wenn man in einem Zeltdorf lebt, das zur Zeit keine sichere Stromversorgung hat, und dort mit ein paar Gleichgesinnten über die Probleme des Landes diskutiert und gegen sie demonstriert.

Daniela wird am Abend jedenfalls wieder nachhause fahren. Sie könne es sich nicht erlauben, im Winter krank zu werden, da sie arbeiten müsse. Aber im Sommer, wenn es wärmer wird, dann will sie im Camp ihr Zelt aufschlagen. Dass es dann noch ein Camp vor der Johanneskirche in Düsseldorf geben wird, davon ist sie fest überzeugt.

21:00 10.01.2012
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Geschrieben von

Jan Felix Walther

Journalist - Musikbegeistert - Student
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Jan Felix Walther

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