Gier.

Hunger nach Liebe. Die Definition von Begrifflichkeiten zum Verständnis der Zusammenhänge. Heute: die Gier. Vom Haben zum Sein.
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Wir werfen ja allenthalben mit diversen Begrifflichkeiten um uns, mehr oder weniger intellektuell, aber was bedeuten sie eigentlich? Was ist Würde, was ist Respekt.. was ist Demut?

Ich mag ja Details. Ohne Details ist man nicht in der Lage, das große Ganze in all seinen Ausprägungen zu erfassen, so wie man ohne das große Ganze als Umriss nicht in der Lage ist, die Details zu sehen.

Es gibt die Forderung nach Aufzeigen der Alternativen zum Bestehenden (diese Gesellschaft). Jahaaa. Aber das ist nicht so einfach, wir müssen ja erstmal die Wurzel des Übels geklärt haben.

Gier. Ok. Gier, die Wurzel allen Übels.

Nein.

Warum sind Menschen gierig? Waren sie immer schon gierig? Waren Einige schon immer gieriger als Andere? Welchen Vorteil verschafft die Gier?

Wir müssen doch immer fragen: Welchen Vorteil hatte etwas in welchem Zusammenhang, und warum sollte das heute kein Vorteil mehr sein?

Nehmen wir mal die Gier: Da läuft eine Gruppe Homo sapiens sapiens durch die Steppe, erjagt sich ein riesiges Stück Fleisch für die Sippe, bringt es nach Hause zur Höhle, wo der Rest der Sippe darauf wartet. Es wird auseinander genommen, ein Feuer wird geschürt und Fleisch wird gebraten. Da kommt irgendseo ein Typ, brüllt und schlägt sich auf die Brust, reisst das Fleisch vom Feuer und versucht sich das größte Stück zu nehmen. Was passiert?

Vermutlich bekommt er vom Clanführer dermaßen eine gescheuert, daß er in die hinterste Höhlenecke fliegt.

Weil: Das Überleben der Gruppe durch z.B. genügend Nahrung für jeden von dem was da ist, muss gesichert sein. Da kann nicht jeder kommen und nehmen was er will. Da muss geteilt werden.

Gier hat also in diesem Setting keinen Vorteil. Wenn es darum geht den Bestand der Gemeinschaft zu sichern.

Was ist eigentlich Gier? Also vorallem im materiellem Sinne. Wann hat sie sich ausgeprägt und warum?

Ich denke, man muss sich, um Gesellschaft zu verändern vorallem die Psychologie der die Gesellschft treibenden Strukturen anschauen. Man muss das Ding "Gesellschaft" therapieren. Aber dazu muss man an die Wurzeln.

Analyse:

Gier ist das Mittel zum Zweck. Der Weg. Das Ziel ist der Vorteil, den man sich im Wettbewerb verschafft. Der Wettbewerb ist nötig, um sich herauszustellen aus der Masse. Mehr Vorteil, desto besseres Alleinstellungsmerkmal. Wenn man aus der Masse heraussticht, wird man besser gesehen. Wenn man besser gesehen wird, wird man von Vielen besser gesehen. Wird man von Vielen besser gesehen, hat man eine besser Chance mehr Anerkennung zu finden. Viel Anerkennung equals mehr Selbstwert. Bedeutet: Ich kann mich selbst lieben, weil mich soviele Andere endlich erkannt haben und mir meinen Wert bestätigt haben.

Gier, das ist in aller erster Linie die Gier nach Liebe. Nach Selbstwert. Nach Bestätigung. Der Mittel zum Zweck.

Bedeutet es nun, daß die Gierigsten am wenigsten geliebt wurden? Vermutlich nicht. Aber in einer Gesellschaft, in der die Erziehung der vorangehenden Generationen vorallem auf dem Credo " Wenn du tust was ich will, dann liebe ich dich" beruhte, wenn also die Anerkennung einer Person abhängig von seiner Leistung ist, dann prägen sich eben solche Dinge aus. Und nun haben wir den Salat.

Geliebt werden will jeder. Um seiner selbst willen. Aber wir haben gelernt, daß es nicht um das geht, was wir sind, sondern um das, was wir haben und tun.

Denn je höher der Status des Kindes, desto aufgewerteter ist der Status der Eltern , in vielen Fällen. Und hiermit erklärt sich auch der unglaubliche Boom der sogenannten "Hochbegabten".

Was können wir daraus folgern? Ich folgere mal für mich: Die Begriffe Würde, Respekt und Demut, die in einer Gesellschaft wie unserer extrem wichtig sind für das Zusammleben, können nicht mit Inhalt gefüllt werden, solange das Individuum ständig um Liebe und Anerkennung, um die Bestätigung seines Selbstwertes, ringen muss. Jene Begriffe haben nämlich dann überhaupt keinen Platz.

Erst wenn man in der Lage ist, sich geliebt und bestätigt zu sehen, weil man so ist, wie man ist, und das kann ich aus eigener Erfahrung behaupten (und der Weg dauert mittlerweile um 35 Jahre), ist man in der geistigen Verfassung, sich überhaupt mit solchen Begriffen auseinanderzusetzen.

Also: der erste Paradigmenwechsel der passieren muss ist in aller erster Linie jener:

Synthese:

Der Wert eines Menschen definiert sich nicht über das was er hat oder arbeitet. Er ist definiert darüber, daß er ist. Der Mensch ist liebenswert, weil er ist. Nicht, weil er hat.

Ich mag Dich, denn Du bist da.

12:20 19.11.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

KaEff

Forscherin aus Leidenschaft. Streitbarer Geist, der oft verneint-aber nicht immer. Wenn ich etwas hasse, dann Ignoranz und Dummheit.
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KaEff

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