Zorn.

Macht kreativ. Ist es ein psychopathologisches Symptom, was uns daran hindert, vom Zorn, den wir empfinden, einen Schritt weiterzugehen?
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Ein extrem komplexes Thema, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, zu beginnen.

Ungerechtigkeit macht mich zornig. Aber viel zorniger noch macht mich der ständige Versuch, mich mit meinem Zorn ungebremst gegen die Mauer fahren zu lassen. Die ewige Abwiegelung meines sehr berechtigten Zornes in der allgemeinen Öffentlichkeit. Das ständige Degradieren meines Zornes zu einem sehr niederen Gefühl des Neides und der Mißgunst, das Degradieren meiner Person zum "Gutmenschen". Der ständige Zynismus, dem man begegnet, wenn man sich heute noch über das System und seine Ungerechtigkeit aufregt, Die Arroganz, die einem entgegenschlägt, man würde völlig blauäugig in das System starren und die Zusammenhänge nicht begreifen. Um all diesem zu begegnen, braucht man nur einmal die Online-Ausgabe des Spiegels lesen, hier vorallem Jan Fleischauers Kolumnen, wieso der überhaupt im Spiegel schreiben darf ist mir ein ewiges Rätsel, oder man kommentiere einmal in den Foren des Spiegels oder der Süddeutschen, warte ein wenig ab und schon hat man die komplette Klatsche der sogenannten Besserwissenden an der Backe.

Na gut. Menschen sind divers, ich erkenne das an. Die Höhe allerdings findet sich in den Talkshows wieder, in denen jene "Volksvertreter" sitzen, die vom Kreissaal über den Hörsaal in den Plenarsaal gewandert sind. Die mittlerweile oben Genanntes öffentlich behaupten dürfen und immer noch wiedergewählt werden. Ist ja kein Wunder, irgendwie, daß wir nicht mehr für voll genommen werden.

Es ist doch ein psychopathologisches Symptom, wenn ich mich für die schallenden Ohrfeigen, die ich am Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag erhalte, auch noch bedanke!

Stockholm-Syndrom? Depression? Vater-Staat-Komplex?Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Ich wundere mich.

Aber mal ganz im Ernst-psychologisch ist doch das Verhältnis des Bürger zu seinem Staat extrem interessant. Wir mögen ihn, irgendwie, denn er ist ja besser als-na sagen wir mal-Nordkorea. Es könnte immer noch Schlimmer sein. Wie können die meisten, die ihn vor uns vertreten, die Symbolfiguren der Regierung und der Wirtschaft, nicht ausstehen, gar ertragen. Wir erfahren körperliche Mißempfindungen, wenn manche von ihnen anfangen zu sprechen, hier sei einmal Ursula von der Leyen erwähnt. Wir verachten gar manche von diesen Symbolfiguren, weil sie nicht einmal den Versuch unternommen haben, ihren Verrat am Eid (Dienst am Volke), zu vertuschen, und hier nenne ich ganz besonders Gerhard Schröder und seine Regierungsmischpoke.

Aber trotzdem-trotz aller Verachtung und Zorn, den wir diesen Leuten entgegenbringen, betrachten wir sie doch ganz liebevoll. Wenn sie denn einmal sich als Mensch präsentieren. Wie z.B. bei Stefan Raabs neuer Polit-Talkshow. Da findet man einen Kubicki "cool". Mit manchen hat man sogar noch Mitleid, z.B. Helmut Kohl. Oder heute sehnt man sich nach einem Strauss oder Adenauer zurück. Rössler, z.B. findet man auch irgendwie süß. Oder den Lindner, naja, eben den FDP-Kindergarten.

Nee, also, ich kann das nicht verstehen. Das sind die Leute, die Hartz4 verbrochen haben, die Leute die das Betreuungsgeld durchbringen, die Leute, die sich auf Ehrenworte berufen. Wenn das jemand in meinem Bekanntenkreis machen würde, wäre der nicht mehr Freund oder Bekannter.

Ich verstehe nicht, warum Menschen Angst davor haben, zornig zu sein. Oder-vovor haben Menschen eigentlich Angst? Vor mehr Arbeit? Mehr Verantwortung? Meine Güte, heutzutage braucht es doch keine gewalttätige Revolution mehr! Es geht ganz einfach: Würden mehr als 50% Der Bundesbürger für 24 Std einfach mal jeglichen Konsum verweigern-das wäre doch schon der Obergau.

Jaja.. das fällt alles auf uns zurück, ich weiß. Na und? Ist doch egal! Es fällt sowieso alles auf uns zurück, da kann man es auch schon mal krachen lassen. Man kann den Konsum auch mal für 48 Std. verweigern.. oder für 72 Std. schön gestaffelt. Was soll denn passieren? Das die Stromkosten steigen? Das tun sie sowieso.

Die Frage ist doch, wer hier das Sagen hat. Und womit erreicht man das am Besten? Mit dem Zeigen, wer das Sagen hat. Und wie können wir es zeigen? In dem wir genau das lassen, was wir sollen: konsumieren. Wir ignorieren! Niemand schaut Fernsehen-jedenfalls nicht Montag-bis Donnerstag, zur schönsten Talkshow-Zeit. Wir haben keine Lust auf steigende Stromkosten? Abschalten-Kerze an. Nebenbei, kein Internet.

Natürlich ist diese Totalverweigerung nicht vollkommen mit allen Konsequenzen durchdacht, aber ich denke, genau das, nämlich die Verweigerung vom Erwarteten, die Weigerung zwischen Pest und Cholera zu wählen, die Weigerung jegliches Konsumverhalten zu zeigen, ist eine gute Möglichkeit, gewaltlos das Stopschild auszufahren.

Wir könnten an diesen Tagen auch Tauschbörsen aufmachen...Biete selbsgestrickten Schal für Kerzen. Oder-habe einen halben Laib Brot, hätte gerne Marmelade dafür. Oder aber, wir könnten natürlich auch uns an Plätzen versammeln und jeder bringt was mit und wir essen und wärmen uns gemeinsam und erzählen miteinander, an diesen Tagen der Konsumverweigerung.

Nachsatz: den Tante-Emma-Laden, sofern noch existent, möchte ich nicht verweigern. Aber die großen Ketten, die Konzerne, die möchte ich verweigern.

Lasst uns doch kreativ sein!

20:20 18.11.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

KaEff

Forscherin aus Leidenschaft. Streitbarer Geist, der oft verneint-aber nicht immer. Wenn ich etwas hasse, dann Ignoranz und Dummheit.
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