RE: Plädoyer für einen Systemwechsel | 14.05.2014 | 22:09

Bei der heutigen deutschen Betriebsrente handelt es sich um eine freiwillige Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Unternehmen. Die Betriebsrente kann auch kollektiv im Rahmen von Tarifverhandlungen ausgehandelt werden. Das sich zur Zahlung einer Altersversorgung verpflichtende Unternehmen legt das Geld in der Regel auf den Kapitalmärkten an und bildet gleichzeitig in der Bilanz Pensionsrückstellungen.

Im System Beveridge hingegen wäre die Betriebsrente gesetzlich verpflichtend und würde nach meinen Vorstellungen nicht bilateral zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausgehandelt. Auch würde ich die Kapitalmärkte außen vor lassen wollen.

Was die heutige Grundsicherung betrifft, so handelt es sich um eine Sozialleistung - es gelten die Prinzipien des deutschen Sozialrechts. Dazu gehören eine Bedürftigkeitsprüfung sowie komplizierte Berechnungsmethoden.

Bei einer Grundrente nach Beveridge könnte man unabhängig von der Bedürftigkeit einen Pauschalbetrag auszahlen. Insofern würde es sich um eine Art Grundeinkommen für Rentner handeln.

RE: Plädoyer für einen Systemwechsel | 14.05.2014 | 20:18

Es ist richtig: im Jahr 2013 wurden die gesamten Ausgaben der deutschen Rentenversicherung in Höhe von rund 250 Mrd. Euro zu etwa einem Drittel aus Steuermitteln finanziert. Doch wenn in Zukunft eine Grundrente vollständig steuerfinanziert sein würde und eine menschenwürdige Höhe von meines Erachtens 900 Euro monatlich erreichen soll, dann müssten mehr als das Doppelte der heute rund 80 Mrd. Euro jährlich aufgebracht werden.

Außerdem hat sich gezeigt, dass sich innerhalb des „Systems Bismarck“ keine wirklich adäquate Betriebsrente entwickeln konnte. Deshalb plädiere ich dafür, den Beveridge-Prinzipien zu folgen und eine verpflichtende Betriebsrente einzuführen. Aus meiner Sicht sollte jedes Unternehmen auf Grundlage seiner Lohnsumme einen Beitrag in eine staatliche Renteninstitution einzahlen. Die finanziellen Zuflüsse würden direkt an die Rentnergeneration weitergeleitet. Somit wäre die Betriebsrente ein umlagefinanziertes Verfahren; ein Kapitalstock würde nicht aufgebaut.

Eine kapitalgedeckte private Rente sollte m.E. nicht mit staatlichen Geldern unterstützt werden, weil ich eine „Beveridge-Rente aus wohlfahrtsstaatlicher Sicht für ausreichend halte.

RE: Plädoyer für einen Systemwechsel | 14.05.2014 | 14:22

Interessant zu hören, dass sich auch Frankreich bei der Rente in Richtung des "Systems Beveridge" bewegt. Bislang haben vor allem kleine Länder in Europa dieses Modell angewandt. Vielleicht geht von einem großen Staat wie Frankreich ja eine Signalwirkung für die gesamte EU aus.

RE: Wirtschaftswissenschaft in der Kritik | 24.03.2014 | 14:55

Vielen Dank für Ihr positives Feed-back.

Nach meiner Kenntnis bauen ausschließlich die Denkschulen der Klassik und Neoklassik ihre Modelle auf dem "Homo oeconomicus" auf. Keynes zum Beispiel hat diese Prämisse nicht verwendet.

Ihre Gedanken zu "Wirtschaftsphilosophen" teile ich. Die "Wirtschaftsethik" sollte als Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaft an Bedeutung gewinnen.

RE: Soziales statt Bedingungsloses Grundeinkommen | 26.11.2013 | 18:21

Zu Ihrer Frage nach meinem Menschenbild: es bewegt sich in der Mitte zwischen Hobbes und Rousseau. Die Befürworter eines BGE scheinen mir, das m.E. zu optimistische Menschenbild eines Rousseau zu präferieren.

RE: Soziales statt Bedingungsloses Grundeinkommen | 25.11.2013 | 22:32

Ein BGE würde den Menschen soviel Autonomie verschaffen, dass ihr Sinn für ein solidarisches Miteinander verkümmern könnte. Schon heute wird von vielen Leuten ein zunehmender Egoismus beklagt. Ein BGE würde diesen Egoismus womöglich verstärken, weil eine Einbindung in die Gemeinschaft durch die bedingungslose Zahlung einer Geldsumme nicht mehr erforderlich wäre. Eine derartige Gesellschaftsform wollen die meisten Menschen nicht. Aus diesem Grunde sind wohl fast alle Leute gegen ein BGE.

RE: Soziales statt Bedingungsloses Grundeinkommen | 25.11.2013 | 18:33

Die Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) brandet immer wieder mal auf, um dann wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden. Nach meiner Einschätzung wird ein BGE wohl niemals Realität werden. Denn ein Gemeinwesen kann nur funktionieren, wenn sich vom Prinzip her alle Mitglieder für die Gemeinschaft engagieren - sei es durch Erwerbsarbeit oder durch sonstige Betätigungen.

Freilich gibt es in jedem Staat Menschen, die sich ausklinken und nichts für die Gesellschaft tun. Doch diese stellen eine Minderheit dar. Eine gesetzliche Regelung aber, die vom Grundsatz her allen Menschen die Möglichkeit eröffnet, bedingungslos ein Einkommen zu erhalten, widerspricht m.E. dem Gerechtigkeitsempfinden der allermeisten Menschen.

Um gleichwohl die derzeit bestehenden sozialen Missstände zu überwinden, sollte durchaus an eine Art Grundeinkommen gedacht werden, das allerdings nicht völlig bedingungslos daherkommen sollte.

RE: Potenzielle Chance für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN | 30.09.2013 | 17:25

Gute Fragen. Ich vermute, dass viele linksliberal eingestellte Menschen nach 1982 SPD gewählt haben. Dafür spricht, dass prominente linksliberale Politiker wie Günter Verheugen oder Ingrid Matthäus-Maier von der FDP zur SPD gegangen sind. Auch werden einige Linksliberale ihr Kreuzchen bei den Grünen gemacht haben. Und ich gehe davon aus, dass manche weiterhin FDP gewählt haben, weil ja einige linksliberale Politiker in der FDP geblieben sind.

Was das Personal betrifft, so könnten m.E. einige Grüne aus der Generation der 30- bis 50jährigen eine linksliberale Linie vertreten. Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern - geprägt durch Bündnis 90 - sowie in Baden-Württemberg und Hessen sehe ich grüne Politiker mit linksliberalem Profil.

Inhaltlich müssten sich die Grünen verstärkt Fragen zuwenden, die mit Datenschutz und den neuen Herausforderungen des Internet zu tun haben. Dies sind Themen, die letztlich die Piratenpartei umtreibt; die sich aber offenbar nicht als Partei etablieren kann. Somit bleibt auf diesen Feldern nun reichlich Raum für die Grünen. Wirtschaftspolitisch müssten linksliberale Grüne in hohem Maße für eine ökologische und soziale Marktwirtschaft eintreten, die vor allem kleine und mittlere Unternehmen fördert.

RE: Frage des Tages zum Wahlergebnis | 22.09.2013 | 17:01

Wahlbeteiligung: 77%

CDU/CSU: 39%

SPD: 28%

Grüne: 9%

LINKE: 8%

FDP: 6%

AfD: 4%

Piratenpartei: 3%

Sonstige: 3%

RE: Prism, Tempora und die Piratenpartei | 27.06.2013 | 23:32

Netzpolitik stellt aus meiner Sicht ein Querschnittsthema dar, welches in alle gesellschaftlichen Bereiche hinein wirkt. Insofern müsste die Piratenpartei umfassende Kompetenzen in allen politischen Ressorts vorweisen. Was Prism und Tempora anbelangt, so sind auch solide außen- und sicherheitspolitische Kenntnisse erforderlich. Außerdem sind langjährige praktische Erfahrungen nötig, um das politische Geschäft zu beherrschen. In Sachen Kompetenz und Erfahrung erscheint mir persönlich die Piratenpartei etwas defizitär. Insofern halte ich es eher für zielführend, dass sich die bereits im Bundestag vertretenen Parteien stärker in Sachen Netzpolitik engagieren.