KairaMainhattan

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RE: Es wird nicht lange dauern | 22.01.2014 | 23:06

Genau die angemessene Besprechung zu diesem Tatort, Herr Dell, und lustig noch dazu! Den Tatort allerdings fand ich ganz und gar nicht lustig. Beim Zuschauen kam ich mir ziemlich dämlich vor: Die Verantwortlichen setzen anscheinend eine "Vorabendsoap-Verblödung" des Großteils der ZuschauerInnen voraus. Eine derart "brüllende Gesellschaftskritik" , eingebettet in einen "hochkomplexen, wahnsinnig spannenden Kriminalfall" würden 12-jährige HauptschülerInnen ihrem ambitionierten GesellschaftskundelehrerInnen um die Ohren hauen, wenn dieser der auf die Idee gekommen wäre, dieses "Krimi-Machwerk" zur Veranschaulichung gesellschaftlicher Widersprüche, sozialer Ungleichheiten ect. in den Unterricht einzubringen. Jedoch gut für die Kinder: man hat nicht allzuviel Blut zu sehen bekommen, keine abgeschnittenen Zungen, verstümmelte Sexualorgane u. ä. Gräulichkeiten. Und auch gut: Der nächste Tatort wird sicherlich besser!

RE: Bombe | 07.11.2013 | 22:44

o. k. Gerne ohne Meret Becker! Und Her M. Maticevic darf bleiben! Aber auf diesen scheint Herr Graf ja sowieso nur ungern zu verzichten? Wieviele Filme hat er in den letzten Jahren eigentlich ohne Herrn M. M. gedreht? Wie lange das wohl noch so weiter geht?

Also, ich muss passen: Das Schaffen von Herr Graf, der das "Königreich des Erzählenmüssens" erobert hat, gibt tatsächlich mehr her, als das Wirken eines Herrn Bohn. Nach dieser Erkenntnis verlasse dann mal diesen Strang. Wer hätts auch gedacht! (Auch ich meine: Herr Bohn kann an manchen Stellen noch dazulernen!) Einen schönen Gruß an dieser Stelle an Herrn Dell! Aber Herrn Dell gings ja in seiner Kritik auch um Kritik an den Machenschaften des MDRs. Das glaube ich, verstanden zu haben. Wobei Kritik am angeschlagenen Sender sich zur Zeit ja beinahe jede/r erlauben kann. Lustig finde ich jedoch, dass ausgerechnet der Tatort des ungeliebten, na ja, besser: des "nicht anerkannten" Herrn Bohn an dieser Stelle so lebhaft diskutiert wird.

RE: Irgendwas mit Afrika | 07.11.2013 | 21:23

Herr Dell, Sie haben deutlich gemacht, warum ich mir diesen Film nicht anschauen werde. Ihre Eindrücke vom Film überzeugen mich, ohne den Film selbst gesehen zu haben. Danke auch dafür! Betrüblich; bzw. schlimm finde ich, dass sich Frau Links Schaffen immer mehr in Richtung Degeto-Schmonz entwickelt und die meisten Kritiker nicken das ab. Das kann doch nicht sein?

Das finde ich auch nicht gut für Frau Link, dass ihrem Schaffen so wenig Kritik entgegengesetzt wird. M. E. hat sie sie mit ihrem ersten Film "Jenseits der Stille" ihren eigenen Stil (weniger laut, sensibel, Behandlung der universalen Thematik des Selbstfindungsprozesses: warum nicht? Mich zumindest interessieren derartige Themen, wenn sie gut, bzw. wenig mainstreaming-lastig entwickelt werden) sehr gut eingeführt. Meinem Geschmack nach werden ihre Filme immer schlechter (in Richtung Degeto), was ich sehr schade finde.

Mich stört jetzt nicht, dass Frau Link überhaupt in Marokko gedreht hat. In Interviews vor dem Film hat sie m. E. glaubhaft ihren Bezug zum Land geschildert. Warum soll ein Künstler auch nicht beim persönlichen Bezug ansetzen? Machen doch die meisten Kunstschaffenden so. FilmemacherInnen müssen auch nicht unbedingt bei abstrakten, verkopften Haltungen ansetzen.

Leider empfinde auch ich das Endprodukt (den Film) verkitscht, auch stört auch ungemein, dass die gediegene Bürgerlichkeit, die Frau Link gerne abhandelt, diesmal in Afrika ihre exotische Kulisse findet. Bei Frau Link beschäftigen sich zwar glücklicherweise keine "taffen Frauen" vor landschaftlich reizvoller Kulisse mit ihrer Selbstfindung, sondern Männer. Also der gleiche Mist, wie in den Degeto Filmen schon zigmal gezeigt.

Wobei "das größte Krisengebiet immer noch die deutsche Seele ist". Die obige Bezeichnung "Herrenmenschen" in diesem Zusammenhang finde ich allerdings gewagt, bzw. übertrieben. Auch priviligierte, seelisch angeschlagene Menschen dürfen ins Ausland reisen oder sich dort für längere Zeit nieder lassen, ohne sich zuvor durch die Methodik langwieriger Psychotherapien den Menschen im afrikanischen Norden zumutbar gemacht zu haben. Und es dürfen auch Filme darüber gedreht werden.

Allerdings hätte Frau Link beim Drehen in Nord-Afrika die Sensibilität, mit der sie das Innenleben ihrer Filmfiguren beleuchet, entschieden mehr auf das geografische, kulturelle Umfeld ihrer Drehorte ausrichten sollen. So diesbezüglich unüberlegt dürfte eine anerkannte Filmemacherin wie Frau Link einfach nicht vorgehen. Der fertige Film trägt m. E. ein deutliches, unangenehmes Geschmäckle.

RE: Bombe | 07.11.2013 | 12:07

@DONKISCHOTT: Das íst auch mein Fazit - zumindest auf die letzten 5 Tatort-Jahre bezogen. Danke Herr Dell auch für die Angabe der Kritik aus der Berliner Zeitung. Hier sieht man es ja ähnlich.

Mein Vorschlag: Herr Bohn und Herr Graf drehen zusammen eine Folge mit dem neuen Frankfurter Tatort Team. Herr Bohn entwickelt die Personenprofile, Teamkonstellation ect. (Personen ohne auffallende Traumatisierungen) und Herr Graf bekommt die Möglichkeit, das Thema der Gentrifizierung noch einmal in einer anderen Stadt künsterlisch zu bearbeiten (aber wahrscheinlich hat er an Frankfurt ja weniger Interesse als an München?). Frankfurt kanns brauchen. In dieser Stadt laufen außerdem auch nicht nur kalte, desilluisionierte Menschen rum, ein Blick ála Graf (Blick in die Vergangenheit, schrullige, bzw. individuelle Leute) darauf könnte nicht schaden. Dabei sollte Herr Graf aber höchstens ein oder zwei und aller- aller- allerhöchstens drei Nebenstränge in die Handlung einbauen. Bilder ähnlich wie beim "Untergang des Hauses Holzers", einschließlich der Szene im hauseigenen Schwimmbad, gerne mehr davon! Die tolle Praktikantin könnte auch mal nach Frankfurt reinschnuppern. Herr Graf und Frau Levhin kennen sich ja bereits und verstehen sich anscheinend gut.

Wiesbaden würde sich auch für das Thema Gentrifizierung eignen (auf das ich mich bei Herrn Graf gefreut hatte. Leider ließ mich Herr Graf dann recht verwirrt in meinem Fernsehzimmer zurück). Aber hier sitzt ja bereits der LKA Mann Murot (leider). Dieser würde sich vermutlich auch nicht so viel von Herrn Böhn und Herrn Graf dreinreinreden, bzw. sich die Dialoge (ha, ha, ha. Hallo Lilly) im Munde verdrehen, lassen. Man stelle sich die drei mal zusammen vor! Das ginge ja gar nicht. Aber es ist ja abzusehen, dass F. Murat nicht alt in Wiesbaden wird. Ich wünsche ihm natürlich nichts Schlechtes. Ein längere, bzw. sehr lange medizinische Kur könnte ich mir für ihn gut vorstellen. Am besten im Ausland, im außereuropäischen. Mit psychosomatischer Ausrichtung. Vielleicht in Afrika? Ein langer Selbstfindungstripp auf dem afrikanischen Kontinent wäre auch denkbar.

RE: Bombe | 04.11.2013 | 17:01

Herr Dell, selten habe ich eine solch einseitige und unprofessionelle"Kultur-Kritik" wie die vorliegende gelesen. Ich kann nur vermuten, dass Sie selbst in ähnlichem Alter sind, wie das junge Tatortteam? Haben Sie den Anspruch, dass Tatort KommissarInnen eine politisch korrekte Vorbildfunktion vermitteln sollen? Sie regen sich über das - m. E. vordergründige, und nach ihrer Ansicht vermutlich reaktionäre - Geschlechterbild auf, das in diesem Tatort vermittelt wird. Deutlich ist ja, dass Sie Herrn Bohn nicht viel oder sogar gar nichts zutrauen. Und arroganter Weise den Zuschauern auch nicht. Denn von diesen sind einige sehr wohl in der Lage, bei der Darstellung der Kunstfiguren!!! das Spiel mit vordergründigen Klischees zu erkennen.

Mir gehen beim Lesen dieser Rezension ähnliche Assoziationen durch den Kopf, wie oben zu lesen bei "hunter." Sie, Herr Dell, schreiben in Ihrer Kritik: ""Kalter Engel" sei "unfreundlich zu Frauen."Das ist so nicht richtig. Richtig ist, dass sich die jungen Kommissare ausgesprochen machohaft und unfreundlich gegenüber der Praktikantin verhalten. Ihrer Chefin gegenüber jedoch (verständlicherweise) nicht. Des Weiteren ist nur einer der Kommisare ein ausgesprochener Weiberheld und Macho. Der andere weniger, dieser nickt den ersten eher ab.

Dargestellt wird hier ein recht realistisches Teamgefüge. Männliche Polizeibeamte sind auch in der Realität häufig keine Intellektuellen und Frauenversteher. Ins Team kommt dann die klügere und gebildetere Praktikantin. Dass die Jungs diese versuchen, wegzubeissen, das kommt ebenso vielerorts genau so vor. Dabei wird auf die - je nach Herkunfts- und Bildungsmilieu - angelernten Verhaltensmechanismen zurückgegriffen. Die Figur der Johanna zeigt neben ihren Vorzügen (sie bringt eindeutig die cleverste analytische Denkweise mit und trägt damit wesentlich zur Aufklärung des Falles bei. Und das bereits in der ersten Folge!) auch Fehler: sie ist etwas besserwisserisch und praktisch unbeholfen. So wie die jungen Kommissare auch ihre Fehler haben. Und die Chefin auch. Realistisch eben. Dass in dieser Konstellation der Chefin nicht viel anderes übrig bleibt, als "muttihaft" (dieser Ausdruck stammt aus Ihrer Feder, Herr Dell und ist Ihrer eigenen Sichtweise geschuldet) zu agieren, ist auch nicht verwunderlich.

Nun die Frage: Wer kommt denn in diesem Gefüge am schlechtesten weg? Die Schlauste (Praktikantin), die Einflussreicheste (Chefin) oder die spätpupertär agierenden und mehr oder weniger machohaften Jungs, die mit einer guten praktischen Intelligenz ausgestattet sind? Das hat m. E. vom Betrachtenden ab. Der- oder diejenige, - Achtung: Klischee! - der/die selbst vom ehemals traditionellen Geschlechterbild geprägt ist, fühlt sich vielleicht durch das vordergründig reaktionäre Gehabe der Jungspunde bestätigt, ebenso können Student/innen, die ihr erstes Genderseminar hinter sich gebracht haben, hier Diskriminierung gegenüber Frauen entdecken. Der vielseitig gebildete, lebenserfahre, feministisch geprägte Zuschauer wird nicht unbedingt bei der Betrachtung dieser ersten! Folge eines neueingeführten Tatortteams in der allgemeinen Aussage "Unfreundliches Frauen gegenüber" erkennen.

Hier kommen meiner Betrachtung nach die Männer schlechter weg als die Frauen. Leben wir denn in den 1980iger-Jahren, als die "emanzipierte" Frau in Filmen überwiegen vorlaut, dominant oder "frech" dargestellt wurde und die Kommissarinnen noch alle besonders taff sein mussten? "Starke Frauen" eben. Diese Einseitigkeiten wollen wir doch hinter uns lassen!

Ich frage mich jedoch, was Sie Herr Dell, denn für ein Frauenbild in der Tiefe ihrer Seele mit sich tragen? Schließlich sind Sie der jenige, der die sehr gute, charismatische Schauspielerin Frau Levshin als "irgendwie angesagtes Girl des deutschen Films" bezeichnet. Wo bleibt der Respekt? Und bei der Betrachtung der Frauenfiguren des Tatortteams "biederste Muttihaftigkeit" und eine Figur als "Mutti für die Kinder aus Erfurt" erkennen kann. Sind die dargestellten Frauenfiguren Ihnen etwa nicht taff und sexy genug ("muttihaft" ist nicht sexy, s. a. bei Frau Merkel)?

Mir hat dieser Tatort im Großen und Ganzen gut gefallen. Vor allem sehe ich großes Potential in der Entwicklung der Figuren des Teams. Die Personen sind realistisch und glaubhaft angelegt mal davon abgesehen, dass es etwas unwahrscheinlich ist, dass so junge Kommisare bereits im gehobenen Dienst gelandet sind. Anderes sieht es m. E. mit den Dialogen aus. Diese sind alles andere als ausgefeilt und originell. Die guten Schauspieler, hier vor allem natürlich Alina L., die auch hier sehr gut - sehr gut im Sinne von zurückhaltend, auf Entwicklung hin gespielt - müssen hierbei leider hinter ihren Möglichkeiten bleiben. (Die meisten Tatorte lassen auch nichts anderes zu). Der Eindruck, dass Herr Bohn es sich hierbei recht einfach gemacht hat (und wohl auch keine hochkreative Lust dabei verspürt hat), kann nicht von der Hand gewiesen werden. Auch ist die Story als solche nicht wirklich neu. Durchschnittlich eben. Aber was will man von einem neu eingeführten Tatort auch erstmal erwarten? Auf jeden Fall: viel Potential nach oben. Und wie oben beschrieben: Die Darstellung der Figuren empfinde ich eher innovatiov als reaktionär. Was eben, wie fast immer, nicht auf den ersten Blick für die meisten zu erkennen ist.

Ich will auch keine KommissarInnen mit traumatischen Erfahrungen / Familienhintergründen / tödlichen Krankheiten ect. sehen. Und Klamauk, ála Münster auch nicht mehr.