Zurück in den 60ern

Rassismus Der Tod von Michael Brown und weitere Aktionen, in welchen Afroamerikaner in den USA scheinbar grundlos getötet wurden, zeigt: Rassismus ist immer noch ein großes Problem
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Ganz so schlimm wie in den 60ern mag der Rassismus in den USA nicht mehr ausgeprägt sein: Eine Sitzordnung im Bus oder eine systematische Nichtzulassung von Afroamerikanern an Universitäten sind nicht mehr vorhanden. Und dennoch ist der Rassismus noch immer ein großes Problem, welches nicht einfach ignoriert werden sollte. Gerade der Fall von Michael Brown, der letzten Sonntag erschossen wurde, obwohl er sich nicht gewehrt hatte, sogar die Hände hochnahm und unbewaffnet war, zeugt davon. Auch der Umstand, dass die örtliche Polizeieinrichtung sich nicht gerade um eine Aufklärung des Falls bemüht, zeigt, dass Afroamerikaner in den USA immer noch diskriminiert und schlecht behandelt werden.

Doch die Liste an Beispielen lässt sich noch fortführen. Nur ein Beispiel: Auch der Afroamerikaner Eric Garner wurde in New York von Polizisten niedergerrungen und starb, obwohl Videoaufnahmen beweisen, dass er sich nicht wehrte und die Beamten zuvor nicht angriff. Und auch Meinungsumfragen unter afroamerikanischen Menschen zeigen: Sie fühlen sich diskriminiert, untergeordnet. Der Hass auf "die Anderen" ist in den USA immer noch tief verankert, der Rassismus blüht dort. Man mag meinen, die Wahl Obamas sei ein Zeichen gewesen, dass der Rassismus in den USA endlich nach und nach eindämmt. Aber: Nachdem die Euphorie über den Wahlsieg des ersten schwarzen Präsidenten abdämmte, nahm die Rate an Rassismus-Taten wieder zu. Auch Straßenkämpfe zwischen schwarzen Demonstranten und der überwiegend weißen Polizei erinnern an Bilder aus den 60ern und zeigen: Wirklich fundamental abgebaut wurde der Rassismus nicht. Nicht in den USA, nicht weltweit.

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Denn auch in Deutschland ist Rassismus durchaus vorhanden: Ausländer werden am Arbeitsplatz oder im Alltagsleben diskriminiert, nicht selten ausgeschlossen. In Deutschland spielen dabei auch noch Rechtsextremisten ein, die ihre falschen Ideale vertreten und nich davor zurückschreiten, sie gewaltsam in die Tat umzusetzen.

Einigen mag sich da die Frage stellen: Hat sich wirklich so viel seit den 60ern getan? Die Welt ist ein Stück toleranter geworden - ja. Aber: Um ein wirklich reibungsloses Leben zwischen noch so verschiedenen Kulturen und Menschen zu gewährleisten, muss sich noch einiges tun. Sowohl in den USA als auch in Deutschland und vielen anderen Ländern. Chauvinismus ist immer noch weit verbreitet - und das, obwohl unsere Gesellschaft doch so oft behauptet, sie sei so tolerant. Sind wir nicht, zumindest ein beunruhigender Teil von uns nicht. Und wir sollten etwas dafür tun, dass wir nicht in ähnliche Zustände wie in den 60ern zurückfallen, sondern uns nach vorne entwickeln.

12:40 15.08.2014
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Geschrieben von

Kaisan

Freund von Musik (vornehmlich alle Arten von Rock, Punk, Jazz, Blues und Reggae), Gitarrist, gute Literatur, Schreiben jeglicher Art.
Kaisan

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