Kleine Fluchten (2)

Begegnung in Oranienbaum Hier stießen wir auf Touristen aus den Niederlanden, die in den blauen Osten Deutschlands radelten
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Auf dem Weg nach Dessau trafen wir in einem Gasthaus am Rande des Marktes in Oranienbaum zwei niederländische Radfahrer mittleren Alters, die sich bei Radler, Kartoffelsalat und Würstchen als Fans des Bauhauses, der Dynastie der Oranier und des Rechtspopulisten Thierry Baudet ("eccentric type") zu erkennen gaben. Sie wollten weiter ins östliche Sachsen, um einen persönlichen Eindruck von jener deutschen Region zu gewinnen, in der –wie sie gehört hatten- eine rechte Partei vor dem Griff zur politischen Macht stehe. Wir sagten ihnen, dass dies eher unwahrscheinlich sei, jedenfalls bemühe sich die CDU dort nach Kräften, die Wähler des rechten Lagers für sich zu gewinnen.

Wir waren irritiert. Orangefarbene AfD-Sympathisanten? Um nicht unfreundlich zu sein, lenkten wir das Gespräch von der politischen Lage in Deutschland auf die hiesige Schloss- und Parkanlage im niederländisch-barocken Stil, die die Frau des Fürsten, eine Prinzessin aus dem Hause Oranien, im späten 17. Jahrhundert hatte errichten lassen. Die niederländischen Touristen nahmen das Thema dankbar auf, erklärten uns die historische Bedeutung der Oranier für ihre Geschichte und zeigten uns an der Geometrie des Marktes und des Ortes die niederländischen Traditionen im Städtebau. Sie lobten die internationale Orientierung der Oranier, die sich von der heutigen Gleichmacherei in EU-Europa unterscheide.

Dann wurde es Zeit aufzubrechen. Sie wollten heute noch nach Leipzig, wir zu den Meisterhäusern. Wir wünschten einander eine gute Fahrt.

23:54 23.07.2019
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Geschrieben von

koslowski

"In Saloniki / weiß ich einen, der mich liest, / und in Bad Nauheim./Das sind schon zwei." (Günter Eich, Zuversicht)
koslowski

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