RE: UNICEF, bitte keine Doppelmoral mehr | 20.07.2021 | 04:34

In dem Buch "Circumcision: The Painful Dilemma" der verstorbenen Rosemary Romberg, das ich im März 2021 in einer vollständig revidierten Fassung herausgegeben habe, zitiert sie aus Remondino (1974) und Bryk (1967) entsprechend. In der deutschsprachigen Version "Beschneidung: Das schmerzhafte Dilemma", die in Kürze erscheint, lautet eine entsprechende Passage:

"Der Hottentotten-Stamm Afrikas praktizierte keine Beschneidung, sondern eine teilweise Kastration, wobei ein Hoden ihrer männlichen Säuglinge entfernt wurde. Die Spekulationen über die Motivation für diese Praxis reichen von »die jungen Männer zu besseren Läufern machen« 17 bis zu »die Geburt von Zwillingen verhin­dern«18 in einem Stamm, der routinemäßig den kleineren Zwilling tötete.18

Einige Gruppen perforierten nach einer Vorhautamputation die Eichel. Durch die Eichel wurde ein Metallstab mit einer kleinen Kugel an jedem Ende getragen, von denen einige glaubten, dass dies ein sexuelles Stimulans sei.19 Andere Gruppen setzten ein ähnliches Gerät wie einen Holzstift ein, der die Vorhaut über die Eichel infibulierte, als männlicher Keuschheitsgürtel.20

»Die extremste Praxis bestand darin, die Haut vom Nabel bis zum Anus eines jungen Bräutigams abzuziehen, einschließlich der Haut des Penis und des Hodensacks. Dies geschah unter den Jesiden in Vilâyet Assir im Jemen.«

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17 Remondino PC. History of Circumcision. NY: Ams Press Inc.; 1974: 60 (Originalausgabe, F.A. Davis Co., 1891)

18 Bryk F. Sex & Circumcision: A Study of Phallic Worship and Mutilation in Men and Women. North Hollywood, CA: Brandon House; 1967: 123-4.

19 Ebd., S. 134, 211-2.

20 Ebd., S. 227-8."

RE: UNICEF, bitte keine Doppelmoral mehr | 19.07.2021 | 18:51

Hannes Müller weist korrekt darauf hin, dass mir ein sachlicher Fehler unterlaufen ist:

"Leider steht in dem guten Artikel falsch: "Entfernung der Klitoris", wo eigentlich stehen müsste: "Entfernung der Klitorisspitze". Die Klitoris wird bei FGM nie entfernt, sie ist ein 10-12cm großes Organ, das mit 2 Schenkeln bis an die Vagina heranreicht."

Da ich die Originalnachricht an UNICEF nicht verändern möchte, hier die Korrektur.

RE: Jungen seit fünf Jahren rechtlos | 12.12.2017 | 18:09

Den Fokus nur auf religiös motivierte Genitalverstümmelungen zu setzen, ist nicht zielführend. Statistisch gesehen sind wohl deutlich mehr als die Hälfte der Vorhautamputationen medizinische Fehldiagnosen (die sog. "natürliche Phimose"), ein weiterer Teil muslimisch und ein winziger Bruchteil jüdisch motiviert.Auch andere Religionsgruppen können sich nicht auf Religionsfreiheit berufen, wenn durch Forderungen der religiösen Erwachsenen Rechte Dritter (in aller Regel die ihrer eigenen Kinder) beeinträchtigt werden, z.B. das Schlagen von Kindern als Erziehungsmaßnahme ("Zwölf Stämme") oder das Verweigern von Bluttransfusionen (Zeugen Jehovas). Schlagen nein, Genitalverstümmeln ja - das ist m.E. absurd.Da Religionsfreiheit kein Recht hat, die Rechte Dritter einzuschränken, liegt hier auch kein Grundrechtskonflikt zwischen Religionsfreiheit (der Eltern) und körperlicher Unversehrtheit (des Kindes) vor. Auch das Erziehungsrecht der Eltern darf hier nicht greifen, da das Erziehungsrecht kein Freibrief für Willkür ist - nur leider tut es das aufgrund der Bundestagsentscheidung vom 12.12.12 - zum Schaden von männlichen Kindern. Der Staat hätte hier sein Wächteramt ausüben müssen.

RE: Drei Jahre Beschneidungsgesetz | 11.12.2015 | 20:09

Sehr guter Kommentar zum 3. Jahrestags des Ungesetzes § 1631d BGB, vielen Dank dafür.

Und nein, die Debatte ist Ende 2012 nicht verstummt und wird auch nicht mehr verstummen.

RE: Unaussprechliche Verstümmelungen | 25.08.2015 | 15:35

Einer der vielen angeblichen Gründe, hinter denen sich viele Bundestagsabgeordnete 2012 versteckt haben, war die Schutzbehauptung, es gäbe ja gar keine betroffenen Männer und Jungen. Das hier vorgestellte Buch ist ein weiterer Beitrag dazu, solche Schutzbehauptungen ad absurdum zu führen.

Dabei spielt es sachlich gar keine Rolle, wie viele Männer weltweit sich wegen der ihnen aufgezwungenen, medizinisch unnötigen Beschneidung als Betroffene fühlen und wie sehr sie darunter leiden. Betroffen sind grundsätzlich 100 % der beschnittenen Jungen und Männer, weil ihnen allen ein gesundes Körperteil mit über 16 wichtigen Funktionen genommen wurde. Unrecht darf sich m.E. nicht über Quantitätsargumente wegdiskutieren lassen, und Menschenrechtsverletzungen schon gar nicht.

RE: Unaussprechliche Verstümmelungen | 25.08.2015 | 15:31

Alle anderen Herren Richter, die sich nicht diesen beiden mutigen koelner Richtern angeschlossen haben, ihnen nicht beigestanden sind.

Es haben sich ja mittlerweile schon diverse Richter und Juristen sehr kritisch zum sog. "Beschneidungsgesetz" (diesem Fremdkörper in der deutschen Gesetzeslandschaft) geäußert. Die juristischen Kommentare verfestigen sich längst zu einer klar ablehnenden Grundhaltung. Sollte dieses "Gesetz" irgendwann in hoffentlich nicht allzu weiter Ferne vor dem BVerfG landen, ist es sehr gut möglich, dass es - wie so viele verfassungswidrige Gesetze der letzten beiden Regierungen - einkassiert wird. Zu Recht.

RE: Unaussprechliche Verstümmelungen | 25.08.2015 | 11:44

Welche Richter sollen hier gemeint sein, NIL? Das Kölner Landgericht hatte klar Körperverletzung erkannt und ein Urteil gefällt.

RE: Brit Shalom statt Beschneidung | 16.05.2015 | 09:54

Ich habe den Hinweis bekommen, dass es anscheinend doch schon ein entsprechendes Buch für Muslime gibt:
http://blog.kathrinerdmann.de/tag/kaan-goektas/

RE: Brit Shalom statt Beschneidung | 15.05.2015 | 16:59

Sie wissen, dass Ihre Behauptung unwahr ist, Dame.von.Welt.

1. Die Debatte ging im Juli 2012 erst richtig los, nachdem die Europäische Rabbinerkonferenz am 13. Juli mir sehr harschen Vorwürfen an die Presse ging.

2. Mein Wutausbruch (kein Gedicht!) nach dem Ansehen eines Dokumentarfilms über Beschneidungen, bei denen die nicht narkotisierten Babies wie am Spieß schrieen und einer sogar anschließend starb, war vom 6.12.2012, da war die Debatte längst in vollstem Gange.

3. Es gibt kein Hassgedicht von mir, nur ein "Gedicht zur Abschaffung der Menschenrechte für Jungen in Deutschland" vom 11.12.2012. Ich hasse keinen einzigen Menschen, auch wenn Ihnen das vielleicht nicht in Ihr Weltbild passt.

Hier geht es um ein Buch, das richtungsweisend für junge jüdische Familien sein kann, von zwei jüdisch-gläubigen Autorinnen aus den USA geschrieben, die (wie auch mindestens 70 % der Deutschen) dieses blutige Ritual nicht länger gutheißen. Es geht um die Grundrechte von Kindern, um sonst nichts. Ihnen noch einen schönen Abend.

RE: Brit Shalom statt Beschneidung | 15.05.2015 | 15:49

"Warum hat sich die (zu weiten Teilen hysterisch geführte) Diskussion damals fast ausschließlich auf Juden und ihre Kinder beschränkt, die doch nur einen Bruchteil der Einwohnerschaft der Muslime ausmachen?"

Die Debatte wurde aus heutiger Sicht wesentlich dadurch angeheizt, dass jüdische Religionsvertreter schon sehr früh mit pauschalen Antisemitismus-Vorwürfen gegen Beschneidungskritiker argumentierten. Zudem verhinderte die Zielvorgabe der deutschen Bundesregierung, möglichst schnell eine Regelung zu finden, "die jüdisches und muslimisches Leben in Deutschland weiterhin möglich macht", eine ruhige, sachliche Debatte.

"Gibt es [...] auch ein Buch über „Beschneidungsalternativen“ für muslimische Knaben?"

Mir ist bisher keines bekannt.

Kinder haben nach der Geburt keine Religion. Niemand wird als Christ, Moslem oder Buddhist geboren, sondern erst dahingehend sozialisiert, oder auch nicht. Jüdisch-gläubige Menschen haben für sich definiert, dass ein Kind, das von einer jüdischen Mutter geboren wurde, automatisch jüdisch ist. Kinder sind ab der Geburt Träger aller Grundrechte und Menschenrechte. Das sehen mittlerweile auch immer mehr jüdische Eltern so und möchten daher die Genitalien ihrer Söhne nicht mehr dem Primat ihrer Religionsgemeinschaft "opfern". Dieses Buch ist ein Angebot an moderne jüdische Eltern.