Akademisierung verdirbt Politiker

Erschwindelter Lebenslauf Petra Hinz wurde freigesprochen. Da tut sich die Frage auf: Müssen Politiker heutzutage fürchten, ohne akademischen Lebenslauf nicht ernst genommen zu werden?
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Petra Hinz hat an einem Berufskolleg die Fachhochschulreife erworben, anschließend ein Praktikum bei einer Bank und danach eine Ausbildung im Bereich Moderation und Kommunikation absolviert.

In der irgendwann angeblich Arbeiterpartei gewesenen SPD sollte einer Karriere damit eigentlich nichts im Wege stehen, Leute mit Berufsausbildung brauchen auch eine Stimme.

Andererseits muss erwähnt werden, dass Petra Hinz den sozialen Gedanken, der von ihrer ehemaligen Partei zumindest propagiert wird, nie wirklich verstanden zu haben scheint, geschweige denn umgesetzt hat - das geht aus den Vorwürfen des Mobbings und der Steuerhinterziehung gegen ihre Person hervor.

Dennoch sollte der Fakt des erschwindelten Lebenslaufes zum Nachdenken anregen. Schließlich mehren sich die Fälle von Plagiaten in Promotionen oder Unregelmäßigkeiten im Lebenslauf von Politikern in den letzten Jahren zusehends.

Geht es dabei schlicht um Anerkennung? Oder ist der Weg in verantwortungsvolle Positionen in der Partei ohne akademische Titel ein steinigerer?

Natürlich sieht in einer leistungsorientierten Gesellschaft wie der unsrigen ein abgeschlossenes Hochschulstudium für die meisten erst einmal besser aus als eine Berufsausbildung. Aber gerade für die breite gesellschaftliche Mitte brauchen wir in der politischen Mitte starke Leute, die nicht alles akademisieren und Pläne, Geschehnisse und ihre Folgen für jeden verständlich vermitteln können. Und gerade die Sozialdemokraten können hier in der Verantwortung gesehen werden, entsprechende Kandidaten zu fördern. Schließlich ist ebendiese, meist verwendete, so genannte Bildungssprache einer der großen Gründe für die Politikverdrossenheit junger oder bildungsarmer Menschen.

12:28 05.10.2016
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