kapturak

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RE: You'll never stand alone - Pseudofans am Millerntor | 28.03.2010 | 18:42

Um der mehr oder weniger im Einvernehmen geführten Debatte ein wenig gegenzusteuern - man sollte doch auch die in diesem Beitrag beschworene Authentizitätsattitude hinterfragen.
Die auf den ersten Blick sehr verständliche Abwehrhaltung gegen die Vereinnahmung des Klubs durch "Pseudofans" ist durchaus ambivalent.
Der Vorgang ist vergleichbar mit ähnlichen Reaktion auf die Übernahme von subkulturellen, alternativen Phänomenen (Punkmusik, Szeneviertel) durch einen breiteren mainstream und die Einbeziehung in den kapitalistischen Verwertungsprozess (wo die meisten dieser Phänomen ja ohnehin bereits sind).
Ob es sich dabei um linksalternativ geprägte Viertel in Berlin oder Hamburg oder linksalternativ geprägte Vereine wie St. Pauli handelt - es dringt in den Debatten doch immer auch das Beharren auf eine scheinbare Echtheit und eine gewisse Exklusionshaltung (gegen äußere Eindringlinge, fremde Elemente) durch.
Der "Pseudofan" ist kein "echter" Fan, Traditionen werden beschworen, geradezu absurd, kollektividentitäre Tugenden wie Treue und die (Mit)Leidensfähigkeit für den eigenen Verein (wie sonst nur für das Vaterland) angerufen.
Dem werden dann in beinahe verschwörungstheoretischer Manier die "Unterwanderungen" durch Auswärtige entgegengesetzt; am liebsten versehen mit dem Stereotyp des schwäbischen Invasoren (für dessen Brandmarkung in Berlin auch schon mal auf antisemitisches "Schwaben raus!" Repertoir zurückgegriffen wird). Den Eindringlingen haftet z.B. als "Erfolgsfans" ein fast parasitärer Ruch an.
Die "ehrliche Fan-Kultur" wird einer angeblichen Tarnung gegenübergestellt (als ob Fan-Kultur nicht immer ein Form von Tarnung wäre und überhaupt nicht jegliche Erscheinungsform eine Verkleidung darstellte).

Hin und her gerissen zwischen der Befürwortung eines linksalternativen, möglicherweise auch immer noch proletarischen positiven Identifikationsobjektes und der Kritik am Authentizitätsanspruch und der unterschwelligen Fremdenfeindlichkeit,
ein echter Pseudofan des FC St. Pauli und des vollkommen traditionslosen Red Bull Leipzig!