Der alte Mann mit der goldenen Uhr

Kurzgeschichte über das Thema Abschied, etwas versteckt in meinem prosaischen Text zu finden
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Der alte Mann mit der prunkvollen goldenen Uhr, saß mir in der Bahn direkt gegenüber. Er trug ein modisches lilafarbenes Hemd, welches ihm gut stand, doch sein Gesicht, war mit Falten nur so übersät, wies aber eine gesunde Bräune auf, so als ginge der Mann regelmäßig unter die Sonnenbank oder er kam gerade aus dem Urlaub zurück. Aber nicht nur seine Uhr war extravagant, sondern auch seine Schuhe waren es, die vorne an der Spitze mit klitzekleinen Diamanten bestückt waren, die den Schuhen ein teures, schickes und edles Aussehen verliehen und ganz in roter Farbe gehalten waren, welches ihnen eine besondere Note gaben. Aber auch jener alte Mann, der in seinem letzten Jahrzehnt stand, war etwas Besonderes, so wie er vor mir saß in der Bahn, spürte ich doch das ihn eine recht lebhafte Aura umgab und der Herr ausgezeichnete Manieren haben musste. Hinter den Gläsern seiner getönten Brille, verbargen sich seine stahlblauen Augen, die wie dass azurblaue Wasser der Südsee wirkten. Der Mann war eine Erscheinung der besonderen Art, der alle Fahrgäste in den Schatten stellte, bald so, als wären sie nicht vorhanden. Doch mit einem Mal stand der alte Mann kurz auf und ich sah plötzlich seine schneeweißen Zähne (in seinem Alter sicher ungewöhnlich), die so herrlich glänzten wie bester Marmor und doch konnten die Zähne nicht echt sein, vermutlich waren es Jacketkronen, die sich der Mann wohl leisten konnte. Vielleicht sogar aus beruflichen Gründen, denn ich konnte mir gut vorstellen, das er einmal ein brillanter Schauspieler gewesen ist, auch wenn ich ihn in diesem Augenblick nicht so recht zu ordnen konnte. Ihn jedoch zu fragen, ob er ein Mime sei, war mir doch etwas peinlich und ich wollte ihm seine Pose die er ausstrahlte, so lässig auf dem Sitz postiert, nicht zerstören, sondern sie lassen wie sie jetzt nun einmal ist. Ja dieses Kunstwerk von einem Mann, sollte so bleiben wie es ist und niemand sollte es wagen, daran zu rütteln oder es gar zerstören zu wollen. Denn dann würde das Kunstwerk “alter Mann“ tatsächlich zerstört werden, da es sich aber bei dem Mann um ein echtes Kunstwerk handelt, ist jenes natürlich geschützt und vor Angriffen möglicher Feinde gut gewappnet. Denn wertvolle Kunst, ist kein „Kitsch“ und der alte Herr gibt sich ja auch wie ein Künstler, sogar von Weltrang, der natürlich beschützt werden muss und dass nicht nur, weil er mit dieser gewöhnungsbedürftigen Bahn fährt, sondern es nach

Abschied aussieht, auch wenn dem alten Mann dies noch

nicht bewußt geworden ist.

14:10 29.04.2016
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Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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