Der Leidtragende

Glosse zum Thema Gesellschaftskritik
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Dass es im Leben nicht stetig nach oben gehen kann erscheint logisch. Das es aber auch wieder bergab gehen kann, ist auch irgendwie logisch, aber in dem Sinne wohl, das der Leidtragende mit seinen eigenen Augen sehen soll, wie die Bahn so langsam talwärts fährt. Da stellt sich aber doch die dringende Frage: Wie kommt er aus dem Tal der Tränen wieder heraus? Oder: Wie konnte es dazu kommen? Und was hat er falsch gemacht? Vielleicht sagt er in der ersten Wut: Ich habe nichts aber auch garnichts falsch gemacht, es lief doch alles so gut wie kann es dann sein, das ich hier so unsanft gelandet bin? Ein Sprichwort sagt: „ Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung“. Aber wo keine Einsicht herrscht, kann es auch keine Besserung geben. Aber auch mit Wut ist da nichts auszurichten, die prallt an der nächsten Wand ab wie ein Gummiball. Aber auch mit Schreien läßt sich an der Situation nicht viel ändern. Außerdem ist eine solche „Schreierei“, sehr strapaziös und kann im schlimmsten Fall dazu führen, das er seine Stimme vorübergehend verlieren wird. Er sollte vielleicht seinen Kopf einmal bemühen und zu Denken anfangen, um seine Gedanken zu sortieren. Weiterhin sollte er seine Misere rein intellektuell lösen und alle Wut und dass Geschrei zur Seite schieben. „Alles Leben ist Problem lösen“, so definierte der berühmte Prof. Karl Popper einst das Leben. Ob der Professor an dieser Stelle Recht hat, mit seinen philosophischen Erkenntnissen, sei dahin gestellt. Der Leidtragende jedoch, hat im Moment tatsächlich jede Menge Probleme um die Ohren sowie einen Schwarm voller Fliegen, die sein Gesichtsfeld filigran bearbeiten, bis ihm Übel davon wird. Dann verliert der Leidtragende die Fassung und schreit laut: „Jetzt reicht es!“ Prompt macht er sich auf den beschwerlichen Weg nach Oben, bis er erstaunt bemerkt, das alle Fliegen verschwunden sind. Daraufhin musste er herzlich lachen, auch wenn der Weg nach Oben, sicher noch ein „Weilchen“ dauern wird.

23:00 09.07.2016
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Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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