Die Kälte des politischen Geschäfts

Essay zum Thema Politik und ihre weitreichenden Folgen
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Dass hämische Gesicht dieses Politikers dreht sich inklusive seines breiten Mundes – jetzt vorallem wegen der Bundestagswahl – direkt in Richtung der Wähler und streckt ihnen (rein bildlich übertrieben dargestellt), seine lange und klebrige Zunge gierig entgegen, um ihnen damit sozusagen ihre Stimme zu entlocken, auf die der Politiker besonders aber jetzt vor dieser bestimmten Wahl dringend angewiesen ist.
So ein Politiker ähnelt eben einem gefräßiger Hai, der keine Moral zu haben scheint, wenn er auf “Stimmenfang” ist. Erst wenn er vom Wahlvolk gewählt worden ist – besonders aber als Kanzler – schielt ein Jota mehr “Moral” aus seinen sonst so machtversessenen Augen, dessen kalten Blick man ja als Bürger schon gewohnt ist.
Gewinnt ein Politiker so eine Bundestagswahl ist er natürlich happy. Alle insgesamt genommen sind es auch, besonders aber der neue Kanzler und seine Untergebenen, aber auch seine Wähler müssen hier in erster Linie gennant werden. Diese frenetisch in die Hände klatschen, wenn ihr siegreicher Politiker mit einem gekonntem und strahlendem “Siegerlächeln” vor die Öffentlichkeit tritt. Es brandetet nun von Seiten der Wähler ein stürmischer Beifall auf, der an Lautstärke nicht zu überbieten ist. Minutenklang wird er anhalten, ehe der gewählte Politiker in dem Getöse überhaupt zu Wort kommen wird.
Dass das Volk, die Wähler und die Bürger sich auf so einer Veranstaltung derart schnell zu solchen Beifallsbekundungen hinreißen lassen, weiß der siegreicher Politiker nur allzu gut.
Doch die „menschliche Wärme“ die die Wähler dem neuen Helden der Politik durch lautes Zurufen skandieren, kann jedoch recht plötzlich erkalten, so wie bei frostiger Kälte, das Wasser zu Eis gefrieren kann – macht solche Kälte auf den Menschen bezogen jedoch recht einsam wie wir wissen. Also umgibt den hochrangigen Politiker vielleicht bald so eine frostige Kälte, welches der Preis dafür ist, so ein bedeutsames Amt überhaupt bekleiden zu dürfen.
So muss dieser Politiker sich aber im Klaren darüber sein, auf dem Gipfel der politischen Macht angekommen, auch immens vor Kälte dafür bitter zu frieren. Und trotzdem wird er herzlich strahlen können, wenn er auf einer seiner Wahlkampfveranstaltungen seinen Wählern von der Bühne herab, seine politischen Parolen in das Mikrofon was vor ihm steht, laut hinein posaunt. So dass hoffentlich seine Wähler die besonders wegen ihm zu dieser an diesem Tag im Regen stattfindenden Veranstaltung gekommen sind, in die richtige Stimmung versetzen kann. Doch der düstere, schwarze Himmel an diesem trüben Tag und der aufkommende Nieselregen, lässt zunächst keine gute Stimmung bei seinen Wählern entfachen.
Denn bereits seit einer halben Stunde hält der siegreiche Politiker seine freundschaftliche Rede und dies bei Regen und Kälte, die seine Wähler an diesem trüben Tag, aber nicht so recht „erwärmen“ kann. Die ersten davon machen sich bereits kopfschüttelnd und mit säuerlichen Mienen auf den Heimweg und versprühen natürlich keinerlei Heiterkeit mehr.
Die jedoch geblieben sind, trotzen dem Dauerregen mit ihren zum Teil übergestülpten Regenjacken, um die Rede ihres gewählten und taufrischen Kanzlers ungestört vom schlechten Wetter weiter verfolgen zu können.
Die „Strahlkraft“ dieses neuen Kanzlers an diesem trüben Tag, ist jedenfalls auf dieser Veranstaltung und bei diesem unschönen Wetter und bei seinen Wählern nicht so recht spürbar: aber es werden sicher noch viele Veranstaltungen dieser Art folgen. Und vielleicht brandet dann hin – und wieder einmal, dieser frenetische Beifall seiner Wähler auf (vorallem wenn das Wetter sich einmal von der schöneren Seite zeigt ), den der neue Kanzler sich doch so sehr herbei wünscht.
Im „Bad der Menge“ aber, wird dem Parvenü der Politik, die Kälte seines Amtes doch schon sehr bald bewusst werden und zwar indem Augenblick, wenn er auf einer der Veranstaltungen wo er auftritt, dort fleißig die Hände seiner Anhänger schütteln muss, er seine menschliche Kälte verständlicherweise weder verbal noch mit ernsten Mienen wird ausdrücken wollen.

22:25 26.09.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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