Die Verborgenen

Drama des Glücks wegen
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Nicht die Exaltierten mit ihren Gewinn bringenden Lächeln halten die Welt, die Öffentlichkeit in Atem, sondern die, die das Scheinwerferlicht bewusst meiden und zugleich mächtige Figuren sind. Sie ziehen die Fäden im Hintergrund, die niemand so recht zu kennen scheint.
„ Das hinter dem Berg halten“, wird hier das probate Mittel zu sein, wie die „ Herrschaften im Dunklen“, wohl zu bezeichnen sein werden. Denn der Schatten fällt auf sie, wie anderseits die Sonne im Zenit, auf die Häupter der ahnungslosen Menschen fällt. Er bietet zusätzlich Schutz vor neugierigen Blicken und taucht die Verborgenen in ein schwarzes Nichts, so wie schwarze Tinte sich auf ein weißes Blatt dort tropfenförmig ausbreitet.
Diese Verborgenen, werden und wollen sich eben niemals öffentlich zeigen und kennen die Bühne nur von den hinteren Reihen, denn das gleißende Scheinwerferlicht, mögen sie nicht, denn sie möchten lieber unerkannt, sozusagen „ inkognito“ bleiben, doch ihre kalten
Herzen machen ihre Seelen zu Eis, so als wären sie auf Koks oder einer ähnlichen Droge verfallen, - aber wer weiß das schon so ganz genau!
An ihren zarten Händen klebt ihr Blut wie Klebstoff. Der Lebenssaft der „kalten Herzen“, so könnte man es interpretieren, der so kalt aufbereitet ist wie die Leichen im Keller der Autopsie, dessen Farbe jedoch rötlich bleibt, bis ins Rote tendierend, wie die Lippenstifte so mancher hübscher Frauen, wohl aussehen mögen. Würde man jetzt jedoch ein Licht anknipsen, so würde man die Verborgenen deutlich erkennen, die dann krampfhaft ihre Hände schützend vor ihr Gesicht halten würden, um
ihre Identität nicht preisgeben zu müssen. Doch irgendeine Menschenseele würde das grelle Licht beizeiten wieder ausschalten, damit die Verborgenen, auch verborgen bleiben, so wie sie es wohl auch gerne haben wollen. Die Exaltierten jedoch, gehen den umgekehrten Weg. Sie scheuen das Scheinwerferlicht nicht und im Gegenteil, tanzen sie auf der Bühne wie kleine Kinder und lutschen eifrig, aber versteckt, noch an ihren Daumen, obwohl sie doch längst Erwachsene sind. Sie verheizen sich jedoch im Rampenlicht, dort wo nur die Show existiert und weniger der Mensch als Individuum wahrgenommen wird.

Auch wenn der Applaus des Publikums, die Exaltierten entzücken mag wie in einer Extase ähnelnd, ist das auf der Bühne stehend, eine anstrengende schauspielerische Darbietung, die die Verborgenen lediglich zur Kenntnis nehmen und darüber ihr eisiges Schweigen legen.
So sind die Verborgenen, den Exaltierten immer einen Schritt voraus, auch wenn ihre wahre Identität niemand kennt; selbst die Exaltierten kennen sie nicht, die im gleißenden Scheinwerferlicht der Bühne, ihren Exhibitionismus frönen. Doch die vermeintlich Glücklicheren sind wohl auf Seiten der Verborgenen und nicht auf Seiten der Exaltierten. Denn sie spielen ihr Glück ausschließlich auf einer Vielzahl von Bühnen auf der Welt. Ihr wahres Glück jedoch, wird wohl wie bei den Verborgenen, im Verborgenen liegen, so wie es wohl auch am Idealsten für sie sein wird.

16:42 31.08.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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