Ein Mann im Cafe

Satire über die Menschlichkeit
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Im Café gleich um die Ecke, war er seit längerem schon, ein einträglicher Gast. Statt dort jedoch Alkoholisches zu bestellen, z.B. das Übliche, wie Bier oder Whisky, trank er lieber eine Tasse Schokolade, welches wohl Kinder gerne bevorzugen und Erwachsene wie er es war, es vielleicht aus Verlegenheit bestellen. Dieser Gedankengang jedoch, rief bei ihm tiefgreifende Komplexe hervor, von denen er sich die Vorfreude auf die Tasse Schokolade, sich aber nicht nehmen ließ. Dieses Café war zudem an diesem Tag, es muss wohl kurz vor Mittag gewesen sein, bereits brechend voller Gäste, das ein lautes Stimmengewirr erzeugte, welches er aber nicht so recht auseinander halten konnte und es heftig in seinen Ohren dröhnte, so dass sich ein Drehschwindel in seinem Kopf manifestierte, den er in aller Deutlichkeit spüren sollte. Der Schwindel, war wohl jedoch eher von psychischer Natur, wie sich später herausstellte, denn er verschwand so schnell wie er gekommen war. Mit der Tasse Schokolade auf einem Tablett, welches er mit der rechten Hand von unten in der Waagerechten hielt und an den Gästen vorsichtig vorbei bugsierte, zu einem freien Platz, an der Außenseite des Cafés (es war übrigens der letzte freie Platz dort, an diesem Tag). So setzte er sich etwas hektisch dort hin, denn die vielen Gäste in dem Café, machten ihm doch zu schaffen, war er doch ein sehr schüchterner Mensch, was er aber so gut er es konnte, vor den vielen Gästen dort, gekonnt verbarg. Dennoch schämte er sich doch sehr deswegen und er hätte in solch einer Situation, auch rasch einen knallroten Kopf bekommen können, so dass er ausgesehen hätte, wie eine überreife Tomate. Vielleicht jedoch, sollte er sich über seine Schwächen doch ein wenig mehr lustig machen und es nicht so verteufelt ernst nehmen, wie er es zur Zeit noch tat – doch dies ist leichter gesagt als getan! Die Tasse Schokolade trank er dann etwas zu hastig aus, dabei jedoch achtgebend, das ihn die anderen Gäste im Café nicht zu sehr dabei beobachten konnten, bevor er Rot im Gesicht werden würde, was er jedenfalls verhindern wollte. Ihm gelang dies auch einigermaßen, hatte ich es doch bald zur Perfektion gebracht, seine Schwächen vor anderen Menschen irgendwie verstecken zu können, auch wenn es ihm manchmal alle Kraft kostete. Er stellte die leere Tasse dann wieder auf das Tablett, welches er in die rechte Hand nahm und schlängelte sich an den anderen Gästen behutsam vorbei und schob das Tablett nebst der Tasse, in einen Geschirrwagen, der ganz in seiner Nähe stand. Beim Hinausgehen aus dem Café, brachte er nur ein zaghaftes „Tschüss“ über seine Lippen, welches dem Personal galt, die es jedoch nicht einmal zur Kenntnis nahmen, weil es in dem Trubel, vermutlich einfach untergegangen war.

23:34 09.01.2017
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Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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