Ein Mann ohne Gefühle?

Kurzgeschichte über einen Mann und seine Gefühle
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Er blickte still umher, so wie ein Radar, dem unterschiedliche Informationen aus der ganzen Welt zugespielt werden. Er fühlte sich heute auch nicht besonders gut, aber krank war er sicher auch nicht, doch was spielte dies hier schon für eine Rolle. Er setzte sich dann auf eine einsame Bank ganz in seiner Nähe an diesem Ort und wieder blickte er still vor sich hin. Nun erblickte er auch einige Spaziergänger an diesem Ort, so dass diese Szenerie stellenweise nicht nur still, sondern etwas lebhaft wirkte, welches ihr eine besondere Note verlieh, die mit Worten kaum zu beschreiben war. Doch meistens war er traurig wenn er sich in dieser Gegend befand. Sie hätte ihn aber wie eine warme Decke im übertragenden Sinne „wärmen“ können und ihn vor der Kälte dort schützen können, wo jedoch hin – und wieder tatsächlich Jemand anzutreffen war. Dennoch setzte er sich erneut auf diese einsame Bank und wenn er dort saß in dieser schrecklichen Kälte, bemerkte er beim ein- und ausatmen wie Rauch stoßweise aus seinen Lungen entwich, welches er für einen interessanten Vorgang hielt, obwohl er doch unangenehm für ihn sein musste. Auch seine ausgeprägte Introvertiertheit, passte sehr gut zu dem Bild dem man von dieser Gegend haben konnte. Jetzt im Winter jedoch, wo die Minusgrade den Tiefstand erreichten und der Schnee wie Bindfaden schräg vom Himmel fiel, da entwich ihm plötzlich ein verkniffenes Lächeln über seine schmalen Lippen, die aber auch auffallend blutleer wirkten, so als wären sie pathologischer Natur. Zudem machte ihm die Kälte an diesem Ort heute mehr zu schaffen, weil sie ihm nicht so recht die „Wärme“ schenken konnte wie sonst üblich. Fasziniert vom holden Schnellfall dort, der in einem derartigem Maße vor lag, so dass sich ein Staunen in seinem schmalen Gesicht abzeichnete, was gut zu erkennen war. Und seit langem wieder, konnte er wieder seine unterdrückten Gefühle spüren, die er anderen Personen gegenüber nicht gerne mitteilte, war er doch ein introvertierter und nicht ein extrovertierter Mensch, die es vielleicht einfacher haben, ihre Gefühle in der Öffentlichkeit preisgeben zu können. Deshalb besuchte er nur zur gerne diese Gegend, wo er mit seinen Gefühlen ganz alleine war, selbst wenn hin – und wieder vereinzelt ein paar Spaziergänger seinen Weg kreuzten, die ihm aber genügend Distanz boten, ihm bei seiner schwierigen Gefühlslage nicht stören zu können, so das er diesbezüglich nichts zu befürchten hatte. Und mit einem Seufzer setzte er sich wieder auf diese einsame Bank in dieser Gegend, welches ihn für kurze Zeit zu einem glücklichen Mensch werden ließ, auch wenn sein schmales Gesicht bald wieder jenen ernsten Ausdruck zeigte, den die Leute an ihm doch so gerne mochten.

10:07 06.01.2017
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Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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