Eine Kirmes in der Provinz

Reportage zum Thema Beobachtungen
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Eine “ Kirmes in der Provinz “ ist natürlich um ein Vielfaches kleiner als z.B das “Oktoberfest “ in München oder der “ Pützchens Markt “ in Bonn, welches wohl die führenden Vertreter von Kirmesveranstaltungen in Deutschland sind.
In der Provinz jedoch, muss man die “Kirmes” buchstäblich suchen, wie die Stecknadel im Heuhaufen.
So gehe ich die schmale Straße entlang auf dem Bürgersteig an einem stillen Sonntagnachmittag, wo von oben die Sonne auf den Asphalt scheint und Temperaturen von gut dreißig Grad herrschen. Ich sehe auch kaum Leute in diesem Dorf an mir vorbei huschen, nur draußen vor ein paar Wirtshäusern, diskutieren einige Gäste an sogenannten Stehpulten recht angeregt, so dass ich es bis auf die andere Straßenseite gut hören kann.
Die Kirmes, die nicht mehr weit sein soll – so hat es mir jedenfalls ein Einheimischer geschildert - ist aber nicht in Sichtweite, stattdessen sehe ich jedoch eine Dorfkirche an der ich rechter Hand vorbei gehe, die still und nichtssagend von der Sonne in ein fahles Licht getaucht wird. Nach Auskunft des Einheimischen, solle ich an der Kirche scharf links abbiegen und die Dorfkirmes wäre dann gleich in meiner der Nähe. So biege ich nun voller freudiger Erwartung links ab und gehe den Bürgersteig einige Schritte entlang – doch von einer Kirmes keine Spur!
So werde ich immer nervöser und suche wie ein “Verrückter“ nach der Kirmes und schaue dabei immer wieder nach links und nach rechts, während ich den Bürgersteig abgehetzt gerade aus entlang gehe. Ich wollte schon wieder umkehren, als ich gegenüber auf der anderen Straßenseite irgend etwas Verdächtiges erkennen konnte, von dem ich zuerst nicht unbedingt hätte annehmen können, das es sich um die besagte Kirmes handelt, so hatte sie sich still und leise in einer Seitenstraße ihren ganz eigenen Standort gewählt.
Aber erst als ich näher kam, höre ich allmählich von überall Musik spielen, wie sie nur auf Jahrmärkten zu hören und für eine Kirmes typisch ist.
Ein Fahrgeschäft, das gleich am Eingang der Kirmes steht, mit sich selbst drehenden Gondeln, worauf aber kein einziger Fahrast zu sehen ist, wirkt bedrohlich still und es sieht so aus, als habe der Betreiber des Fahrgeschäfts, aus Mangel an Fahrgästen, den Strom abgeschaltet, so dass es nun öde in der Sonne vor sich hin brütet.
Auf dieser Dorfkirmes gibt es noch ein paar “ Fressbuden”, die recht gut besucht sind und eine “Losbude”, die menschenleer und traurig wirkt, weil sich kein Kirmesbesucher dort momentan aufhält, in dieser doch so melancholischen Stimmung auf einer “Kirmes in der Provinz”.
04:53 14.08.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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