Tag und Nacht

Kurzgeschichte über nächtliche Beschwerden
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Die Stufen aus Stein, die ich vorsichtig hinabstieg, strahlten ihre Kälte durch meinen beleibten Körper, das mir eine Gänsehaut darüber lief und es sich so anfühlte, als würden sich tausende Ameisen darauf befinden, welches mir ein sehr unangenehmes Gefühl bereitete, das ich nicht wieder in diesem Ausmaße werde aushalten können. Nachts, im tiefen Dunkel der Nacht, spürte ich die Kälte, um einige Grade stärker, ja sie bohrt sich durch meinen dicken Wintermantel wie eine Bohrmaschine und ich fühlte die Kälte in jeder Pore meines Körpers, so das ich am ganzen Körper zitterte und in der Dunkelheit wie ein Betrunkener durch die Gegend taumelte. Als ein Hund in der Finsternis plötzlich laut an zu bellen fing, erschreckte ich mich so sehr, das ich beinahe stürzte. Da ich den Hund aufgrund der Dunkelheit nicht erkennen konnte und er ohne Pause weiter bellte, bekam ich eine solche Panik, die meine Pulsfrequenz so rasant beschleunigte, bis ich sie in meinen Halsschlagadern spüren konnte. Ich fühlte mich jetzt schlecht, in meiner bescheidenen körperlichen Verfassung, in dieser Dunkelheit, in dieser elendigen Kälte, die mir den Verstand zu rauben schien. Unendlich einsam fühlte ich mich, in all dieser Finsternis und jener Stille, die mich umgab. Ich könnte ja ein Dieb sein,die sich nur allzu gerne in der Dunkelheit verstecken, um ihrem „Handwerk“ nachzugehen. Doch ein Dieb sein, das wollte ich nicht, will ich auch nicht sein, denn im Dunklem unterwegs als Dieb zu sein, würde aufgrund meiner Ängste und meiner Disposition zum Frieren, schon aus diesem Grunde nicht möglich sein. So friere ich – auch ohne ein Dieb zu sein – in meiner Vorstellung,so, als läge ich in den Armen einer Mutter, die mir etwas Wärme spendete. Kälte und Dunkelheit, bilden eine Symbiose, eine teuflische zugleich, die vielen Menschen zu schaffen macht. Sie sind dann froh, wenn der „Spuk“ ein Ende genommen hat und der nahende Tag, sich gemächlich durch die Dunkelheit schiebt, bis die Dämmerung einsetzt und es bald wieder taghell sein wird.

01:02 26.11.2015
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Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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