Menstruation ist schon okay

Lanzenflickung Die Menstruation wird nicht ausreichend thematisiert, sondern stigmatisiert und tabuisiert und das muss sich ändern. Das ist Unsinn.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der Schock-Link am Anfang ist zugegebenermaßen ganz gut platziert: angeblich regelblutvollgeschmierte und intimbehaarte Frauen rebellieren gegen irgendetwas, in Anbetracht der Überschrift "Blut in Bechern" ist mutmaßlich die vermeintlich unterdrückerische Einstellung der Gesellschaft zur sogenannten weiblichen Regelblutung der Quell allen Weltübels. Hipsteresque Filterfotos auf der Seite deuten darauf hin, dass das Themengemisch aus Frauen, Sex und einer Ekelkomponenten (in diesem Falle Blut) nach wie vor zieht. Charlotte Roche würde sich freuen.

Ich spreche vom melodramatisch titulierten Artikel von Liz Weidinger, der einige Punkte anspricht und Behauptungen aufstellt, die so schlicht falsch sind:

1. Menstruation ist ganz schlimm tabuisiert, die Menschen müssen wachgerüttelt werden

Weder ich noch eine andere Frau in meinem Freundes- und Bekanntenkreis macht um ihre Monatsblutung irgendein Aufhebens, im Gegenteil. Es ist was es ist - die Regel. Regulär. Es ist weder unnormal noch außergewöhnlich und damit auch nicht eklig, solange ein gewisser Grad der Auseinandersetzung mit der buchstäblichen Materie nicht überschritten wird.
Vermutete Gegenthese der Besetzungscouch des feministischen Tagetheaters: "Die Auseinandersetzung muss sein! Man darf sich von der Werbung nicht weiter die Gedanken waschen lassen!"
Die Realität sieht erneut anders aus: Sich nicht bis aufs Äußerste damit auseinandersetzen zu wollen, ist normal und jede Frau hat einmal im Monat ausreichend Zeit, ihre eigene Haltung dazu zu überdenken und wird auch ohne wildes Propagieren für mehr Interesse am eigenen Körper von ebendemselben durch die rote Woche dazu angehalten. Vergleichen wir das Menstruationsblut mit anderen Körperflüssigkeiten: Spucke, Urin, Sabber, Kotze, Rotze, Sperma und nichtmenstruelles Blut sind in mindestens dem gleichen Maße tabuisiert. Im logischen Schluss müsste man sich mit denen ebenfalls umfangreich beschäftigen, nur bliebe dann leider nur noch wenig Zeit für anderes.

2. Tampons und Binden sind furchtbar

Menstruationstassen sind zwar eine sinnvolle Alternative und auch aus meiner Sicht sowohl dem Tampon als auch der Binde in praktisch allen Aspekten haushoch überlegen. Aber das heißt nicht, dass andere Möglichkeiten direkter Verbannung aus den Ladenregalen bedürfen. Jede sollte die Freiheit genießen können, ihr Lieblingsprodukt zu wählen und so mag die Entscheidung bei einigen auch auf die weniger umweltfreundlichen Tampons fallen.

http://i.imgur.com/2aqSI.jpg

Das Bild steht unter der CC-BY 2.0 Lizenz und stammt von Menstruationstasse.net

23:56 05.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Karola Liebenau

Es fand sich eine Wagnis In anderer Zeit ach so kokett Ach so kurz Doch die Erkenntnis Nicht in anderer Zeit, doch im Lenz Nun wurde es graus.
Schreiber 0 Leser 0
Karola Liebenau

Kommentare 3

Avatar