Gelesen: "Degrowth"

Buchbesprechung Handbuch für eine neue Ära
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Giacomo D'Alisa, Federico Demaria, Giorgos Kallis (Hrsg.)
Degrowth - Handbuch für eine neue Ära
Original: Degrowth. A vocabulary for a new era (2015)
oekom verlag München, 2016
297 Seiten

Der natürliche Kapitalstock wird abgebaut, wodurch die künftigen Möglichkeiten für wirtschaftliche Aktivitäten eingeschränkt werden. Umweltkonflikte nehmen zu, wie aus dem Environmental Justice Atlas ersichtlich wird. Wer zur seit März vorliegenden deutschen Übersetzung des Degrowth-Handbuches greift, hat diese Fehlentwicklung höchstwahrscheinlich schon begriffen und empfindet einen Handlungsbedarf für sich selbst. An diesem Handbuch haben drei Herausgeber und weitere 53 Autoren mitgewirkt. Es enthält kurze Texte zu 53 Schlagwörtern, die mit der Postwachstumsökonomie zusammenhängen.

Der erste Höhepunkt des Buches ist nach meiner Ansicht der Beitrag "Commons" von Silke Helfrich und David Bollier. Dort geht es um soziales Engagement und gemeinsames Wissen, um gemeinsame Gepflogenheiten beim Umgang mit einer Ressource und um die aktive Vergemeinschaftung von dem, was niemandem allein gehört.

Im Beitrag "Entpolitisierung" weist Erik Swyngedouw darauf hin, dass das politische Scheitern vorprogrammiert ist, wenn sich Politik lediglich in Ritualen des Widerstands erschöpft. (Oder wie die echten Kommunisten früher sagten: "Agieren statt reagieren." Deshalb nehme ich nicht gern an Latschdemos und Petitionen teil und bin kein "Protestwähler".) Samuel Alexander erwähnt in seinem Beitrag über "Minimalismus" Buddha, Diogenes und Thoreau und erklärt, wie bewusste Einfachheit Gemeinschaft, Kunst, Handwerk, Politik und spirituelle Suche ermöglicht - Dinge, die nichts oder nur wenig kosten. In den Beiträgen über Gewerkschaften und Kooperativen erfahren die Leser, dass die spanische Confederación General del Trabajo die größte libertäre Gewerkschaft der Welt ist und was Grassroots Innovations sind. Besonders lesenswert sind auch die Beiträge über Nowtopia und Ubuntu, (womit nicht das Betriebssystem gemeint ist).

Die Leser sollten von diesem Handbuch nicht allzu viel Pragmatik, wie etwa eine Handlungsanweisung für urbane Landwirtschaft oder für die Bildung einer Allmende, erwarten. Am ehesten eignet es sich als Hilfe zur Vernetzung.

15:44 22.06.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Karsten Meyer

Arbeitslos kannst du nur sein, wenn du kein gesundes Verhältnis zur Arbeit hast.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare