Demonstrieren ist erst der Anfang

Klimawandel, Nazis & mehr Ein Lösungsansatz, der die Zusammenhänge unserer drängenden, systemimmanenten Probleme berücksichtigt und Wege in eine grundlegend andere Gesellschaft aufzeigt.
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Zurzeit häufen sich die Probleme. Es gilt sich den aufkeimenden rechten Kräften zu widersetzen, die mit Hitlergruß durch deutsche Städte marschieren ebenso wie dem Abholzen des Hambacher Forst, durch das der Klimawandel forciert und unsere Umwelt zerstört wird, außerdem wird das Recht von Frauen über ihren Körper frei zu bestimmen durch die Existenz des Paragraphen 219 in Frage gestellt, sodass dringend dessen Abschaffung unterstützt werden muss. Darüber hinaus gibt es, neben den ganz persönlichen Problemen, noch zahlreiche weitere wie knappe Rohstoffe, Plastikmüll, Hunger, Armut, Krieg, Überbevölkerung und Gewalt gegen Frauen, denen wir uns als Gesellschaft entgegenstellen müssen.

Doch die bisherigen Bemühungen und Ansätze haben bisher nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Daher müssen diese Strategien und Ansätze überdacht werden. Es fällt jedoch auf, dass scheinbar gewisse Zusammenhänge zwischen den diversen Problemen bestehen. So leugnen die wiedererstarkten rechten Kräfte alle, ob Trump, UKIP in UK oder AfD in Deutschland, den Klimawandel, zumindest den von Menschen verursachten, obwohl dieser bereits wissenschaftlich erwiesen ist. Darüber hinaus sind diese rechten Kräfte ausgesprochen frauenfeindlich wie Trump immer wieder recht anschaulich vermittelt.

Daher versucht das Buch „Save the World: Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel“ Antworten zu finden, indem zunächst das verbindende Element identifiziert wird, das den diversen Problemen zugrunde liegt, um die Zusammenhänge zu verstehen. Einige machen bereits das kapitalistische System verantwortlich, doch wir müssen noch etwas tiefer gehen, denn das kapitalistische System ist nur eine Ausprägung der bestehenden patriarchalen Gesellschaft mit ihrem Wunsch nach Macht, dem daraus resultieren Besitzstreben sowie der damit verbundenen hierarchischen Struktur. Im Grunde steht uns unsere hierarchisch strukturierte Gesellschaft im Wege, denn nur in solch einer besteht der Wunsch nach Gewinn, um sich von anderen abzugrenzen und damit in der Hierarchie höher zu rücken. Dadurch wird die Ausbeutung und damit die Zerstörung unserer Umwelt oder anderer Menschen zum Teil des Systems, das wir daher dringend hinter uns lassen müssen, um eine Zukunft zu haben. Unsere Probleme sind systemimmanent. Somit können unsere Probleme nicht wirklich im patriarchalen System gelöst werden.

Viele meinen jedoch, dieses Verhalten liegt in der Natur des Menschen, sodass es somit keine wirkliche Alternative geben kann. Doch ein kurzer Blick in die Vergangenheit der Menschheit und auf noch bestehende Mutter zentrierte Gesellschaften zeigt, dass dies eben nicht immer so war, wie oft behauptet wird, sondern dass eine Gesellschaft sehr wohl ohne hierarchische Strukturen auskommen kann und das Streben nach immer mehr nicht von der Natur vorgegeben ist. Das gibt schon einmal Anlass zur Hoffnung. Doch wie könnte eine solche Gesellschaft heute für uns im Detail aussehen? Und noch viel wichtiger, wie können wir eine solche Gesellschaft erreichen?

Das Buch „Save the World: Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel“ veranschaulicht nicht nur die Zusammenhänge und gibt einen Einblick in eine andere Gesellschaftsstruktur, sondern zeigt verschiedene Wege dahin auf. Dabei werden unter anderem Mechanismen analysiert, die das bestehende System mit all seinen Problemen aufrechterhalten, um so Möglichkeiten aufzudecken diese Mechanismen aufzubrechen.

Ein Beispiel für einen solchen Mechanismus ist die patriarchale Kleinfamilie. Im Grunde ist es überraschend, dass sie überhaupt in einigen Fällen funktioniert, denn sie soll viel zu viele unterschiedliche Aufgaben erfüllen wie das Aufziehen der Kinder, aber auch das elterliche Glück soll Berücksichtigung finden, sodass dieses Konzept von Anfang an mit einer enormen Fehlerrate behaftet ist. Schon daher wäre es sinnvoll, die verschiedenen Aufgaben zu entkoppeln und auszulagern. Darüber hinaus wissen wir, dass im Nationalsozialismus Mütter angehalten wurden, ihre Kinder schreien zu lassen und sie somit auf körperliche und emotionale Distanz zu halten, damit sollten Soldaten und Mitläufer geschaffen werden. Dieses Erziehungsweise nimmt immer noch Einfluss auf die Erziehung in Deutschland. Sie führt zu emotionslosen, reflexionsunfähigen Bürgern, damit macht sie empfänglich für die diversen Manipulationen wie Fake News, Bots etc., die gerade von den international agierenden rechten Kräften genutzt werden. Wie der Faschismus die Familie nutzt, um seine Strukturen zu manifestieren, so dient die Familie ebenfalls dazu, die patriarchale Gesellschaft weiterhin aufrechtzuerhalten. Wer als Kind gelernt hat zu gehorchen, dem fällt es auch als Erwachsenem schwer sich anderen Meinungen entgegenzustellen. Er lernt so ebenfalls die hierarchische Struktur von klein auf zu internalisieren. Ebenso wissen wir, dass 44 % der Mädchen vor ihrem fünfzehnten Lebensjahr Gewalt erlebt haben, dies geschieht zumeist in der Familie und führt oft zu Depressionen und Passivität. Wenn diese Kinder geschützt werden können – und offensichtlich kann es die patriarchale Familie eben nicht – gäbe es sicherlich mehr mitfühlende Menschen, die Missstände in Frage stellen und bereit sind, ein aktives Mitglied der Gesellschaft zu sein. Der Blick auf Mutter zentrierte Gesellschaften zeigt jedoch, dass diese Form des Zusammenlebens erst mit dem Patriarchat entstanden ist. Daher ist es sinnvoll über an Mütter zentrierte Gesellschaften angelehnte Formen des Zusammenlebens nachzudenken und auszuprobieren, um so die Grundlage für eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Wie das genauer aussehen kann, wird ebenfalls im Buch „Save the World“ näher beschrieben. Wie Kate Millett schrieb, ist die Familie die Hauptinstitution des Patriarchats. Sie sieht die Familie als das fundamentale Instrument und die Grundlage der patriarchalen Gesellschaft an. Nehmen wir hier Veränderungen vor, können wir unsere Gesellschaft von Grund auf zum Besseren verändern.

Wir können vielleicht nicht von heute auf morgen den Gedanken von Besitz und das Streben danach wieder aus der Welt schaffen, doch können wir die Diskrepanz zwischen Arm und Reich durch entsprechende Gesetze – wie Landreformen, Steuern etc. – minimieren und so ebenfalls die Hierarchie unserer Gesellschaft abmildern. Eine Möglichkeit, die Probleme des Patriarchats zumindest zu reduzieren, wäre durch eine Art Graswurzelbewegung von unten Änderungen herbeizuführen, die von einer breiten Masse aktiv getragen und somit dann auch politisch umgesetzt werden. Schottland hat gute Erfahrungen mit einer starken Graswurzelbewegung gemacht und ist eine der wenigen Nationen, die scheinbar immun gegen den wieder aufkeimenden Faschismus ist und in der die Bedürfnisse der Mehrheit im Vordergrund stehen sowie vorbildlich im Bereich regenerative Energien und Umweltschutz ist. Doch dabei wird sich nicht auf den bereits erreichten Erfolgen ausgeruht, sondern weitere Verbesserungen angestrebt.

Auch wenn dies alles zunächst eher feministisch klingt – was es auch unbestreitbar ist – schließt es andere Gruppen jedoch automatisch mit ein ebenso wie ihre Probleme. Deren Probleme wären in einer nicht hierarchischen Gesellschaft ebenfalls hinfällig, denn Umweltprobleme, Hunger, Armut, Ausbeutung sind für 99 % der Menschheit ein Problem und eben nicht nur für Frauen. In einer nicht hierarchischen Gesellschaft besteht kein Anlass eine Gruppe – wie an uns Frauen zu sehen ist, muss es nicht einmal eine Minderheit sein – zu diskriminieren und zu unterdrücken, um sich zu bereichern, an Macht zu gewinnen und so in der Hierarchie aufzusteigen. Dies wäre in einer nicht hierarchischen Gesellschaft nicht akzeptable und machbar. Rassismus und Diskriminierung in jeglicher Form wären damit hinfällig. Im Grunde profitiert von dem zurzeit bestehenden System nur eine kleine, extrem reiche Minderheit. Nicht nur Frauen würden davon profitieren, sondern eben die 99 %, die die Occupy-Bewegung bereits in den Vordergrund gestellt hat. Damit sind zum Beispiel auch Arbeiter gemeint, die ständig um ihren Job fürchten müssen und vor existenziellen Sorgen geplagt werden, wie auch die Mittelschicht, die in der Angst vor dem sozialen Abstieg lebt. Wer mehr zu dem Thema lesen möchte, sei das Buch „Save the World: Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel“ ans Herz gelegt.

18:12 01.11.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Katharina Saheicha

Physikerin & Autorin des E-Books „Save the World: Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel“ & weiteren Büchern.
Katharina Saheicha

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