Identifikation von Pädophilen in Filmen

Venenmuster auf Händen Das Venenmuster auf Händen unterscheidet sich sogar bei eineiigen Zwillingen, daher kann es wie ein Fingerabdruck zur Identifizierung verwendet werden.
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Dame Professor Sue Black hat eine forensische Methode entwickelt, mit deren Hilfe es möglich ist, alleine durch die Aufnahme einer Hand einen Täter als solchen zu identifizieren. Diese Methode ist insbesondere interessant für die Identifizierung von Pädophilen, die sich bei der Tat filmen und diese Filme im Darknet hochladen und mit anderen teilen.

Der Fall, mit der diese interessante Methode ihren Anfang nahm, war der eines jungen Mädchens, die aussagte, dass ihr Vater sie regelmäßig nachts belästigte. Damit ihr geglaubt wurde, nahm sie dies sogar auf, indem sie einfach die ganze Nacht lang ihre Webkamera laufen lies, auf der dann der Arm des Täters zu sehen war. Doch der Vater leugnete weiterhin, obwohl es mehr als unwahrscheinlich war, dass sich um diese Uhrzeit noch andere mögliche Täter in der Wohnung aufhielten. Um den Täter eindeutig zu identifizieren, wurde Sue Black hinzugezogen, die zu dieser Zeit an der University of Dundee eine Professur für Anatomie und forensische Anthropologie innehatte. Sie erkannte, dass diese Aufnahme deutlich das Venenmuster des Täters zeigte. Der Vergleich mit dem Venenmuster des Vaters zeigte eine klare Übereinstimmung. Obwohl bis dahin so etwas noch nie als Beweis in britischen Gerichten zugelassen wurde, wurde dies als Beweis anerkannt und somit zugelassen. Dennoch kam der Täter straffrei davon. Dies lag jedoch nicht daran, dass die Jury der wissenschaftlichen Aussage nicht folgen konnten oder nicht als eindeutig empfand, sondern dass – wie so oft – dem Opfer einfach nicht geglaubt wurde.

Neben dem Venenmuster gibt es noch andere signifikante Strukturen wie Sommersprossen, Narben, Erkrankungen, die z. B. in den Nägeln sichtbar werden, Abdrücke von Ringen, die üblicherweise getragen werden und weitere Merkmale wie die Hautmuster der Fingerknöchel, die die Aussage des übereinstimmenden Venenmusters unterstützen. Nicht einmal eineiige Zwillinge haben das gleiche Venenmuster, sodass die Zuordnung zum Täter gleichwertig eines Fingerabdruckes oder einer DNA-Analyse zu werten ist, die beide bei Fotos bzw. Filmaufnahmen jedoch nicht zur Verfügung stehen.

Solche Beweise ermöglichen es unter anderem, diese Kinder vor einer gerichtlichen Aussage zu verschonen, bei denen sie mit den Tätern erneut konfrontiert werden, die zu meist Väter, Nachbarn, Verwandte sind, denn 90 % der Täter stammen aus dem Umfeld der Opfer.

124 Fälle von Kindesmissbrauch werden täglich in UK registriert. Wir wissen auch, dass nur jedes dritte Kind überhaupt darüber in irgendeiner Form redet. Die tatsächliche Zahl ist also erheblich höher. Die Anzahl an Fotos und Videos mit strafbaren Handlungen, die täglich hochgeladen werden, sind gigantisch und somit absolut erschreckend.

Eingebetteter Medieninhalt

Mit dieser von Sue Black entwickelten Methode haben Ermittler nun ein Tool an der Hand, der wie ein Fingerabdruck dem Täter zugeordnet werden kann. Sue Black und ihr Team übernehmen bereits Fälle aus ganz Europa und sind dabei überaus erfolgreich. Der nächste Schritt wäre hierbei eine Automatisierung zu erreichen, sodass erheblich mehr Fälle bearbeiten werden können. Ähnliche Algorithmen wie bei der Gesichtserkennung sowie selbstlernende Systeme können dabei Anwendung finden.

12:56 27.08.2018
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Geschrieben von

Katharina Saheicha

Physikerin & Autorin des E-Books „Save the World: Wege aus dem Trump-Desaster und dem Klimawandel“ & weiteren Büchern.
Katharina Saheicha

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