Angst ist nicht gleich Angst

Klimawandel Die Angst vor den Folgen der Erderwärmung ist größer als die vor dem Terror. Das lässt sich nicht verklären
Angst ist nicht gleich Angst
Wie schnell der Klimawandel zur Gefahr für Leib und Leben werden kann, zeigt sich immer wieder anhand verheerender Waldbrände

Foto: David McNew/Getty Images

Dass die Schwedin Greta Thunberg eine naive Schulschwänzerin ist, meinen ja noch einige Fossile auf dem Planeten. Zuletzt auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, Jahrgang 1985. Die meisten Menschen können sich der Realität aber offenbar nicht so gut verweigern, für sie bedeutet der Klimawandel schlicht die größte Bedrohung in der Zukunft – und die Angst ist im Vergleich zu den Vorjahren signifikant angestiegen. Das ergab eine jetzt bekannt gewordene Umfrage aus dem vergangenen Frühjahr mit mehr als 27.000 Menschen in 26 Ländern.

In Europa ist die Sorge vor dem Klimawandel in Griechenland am größten: Das wundert nicht angesichts der verheerenden Waldbrände, die das Land immer wieder heimsuchen. Südkorea hat auch große Ängste, es dürfte extrem unter dem Smog durch Kohlekraftwerke leiden, für Japan ist der Anstieg des Meeresspiegels ein hyperrealistisches Katastrophenszenario. Und das Extremwetter vernichtet in Lateinamerika Millionen Existenzen. Das überparteiliche Pew Research Center in Washington stellte noch weitere Fragen. Nach der Klimaangst folgt im Ranking die Angst vor Terror, sie ist naturgemäß in den Ländern groß, wo Anschläge zuletzt stattfanden, also in Frankreich, Tunesien, Indonesien, Nigeria, den Philippinen. Aber warum in Italien? Vorstellbar, dass die Flüchtlingskrise, der grassierende Rechtspopulismus mit einhergehender Muslimfeindlichkeit den starken Ausschlag begründen.

Wer hat Angst vor Donald Trump? Der „Einfluss US-amerikanischer Politik“ bereitet den Ungarn und Polen wenig Kopfzerbrechen, überraschenderweise auch nicht den Italienern, was ein weiteres Indiz für die neue Anziehungskraft autoritativer Politik sein könnte. Und wer hat Angst vor Putins Russland? Polen, sicherlich historisch bedingt, liegt mit 65 Prozent der Befragten vorne, sonst sieht man Russlands weltpolitischen Einfluss mit ähnlicher Besorgnis wie den des amerikanischen (etwa 37 Prozent), wobei die Werte mit der Ära Trump substantiell anstiegen. Dennoch: Die diversen Einflusssphären ehemaliger Weltmächte und aktueller Global Player sind für die meisten Menschen wohl einfach zu kompliziert.

Nordkoreas Nuklearprogramm bereitet Sorge, aber in keinem der befragten 26 Länder ist Nordkorea Atompolitik die größte Sorge, auch nicht in Südkorea.

In sieben Ländern übrigens sind Frauen viel stärker besorgt über den Klimawandel als Männer. Wohlstandsangsthasen täten gut daran, diese Sorge nicht mit Hysterie zu verwechseln.

06:00 20.02.2019
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