China sieht sich als Opfer im Handelskrieg

Globale Wirtschaft Peking wird durch den Vorwurf der Währungsmanipulation durch die USA in eine perfekte Opferrolle gedrängt.
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Dem Regime von Präsident Xi kommt das nur zugute. Einen Verlierer gibt es jedoch dabei und jetzt und das ist Deutschland. Im Handelskrieg zwischen China und den USA hat ein neues Kapitel begonnen. Seit Donald Trump China der Währungsmanipulation bezichtigte, werden die Töne zwischen beiden Ländern immer schärfer. Das könnte schwerwiegende Folgen für die Volkswirtschaften auf der ganzen Welt haben. Der Hintergrund ist, dass die Vorwürfe gegen China berechtigt erscheinen, wenn auch in einem anderen Kontext, als von Trump beabsichtigt. Dadurch drängt er China gleichzeitig in eine Opferrolle, die das Regime natürlich für sich ausnutzt. Der Leidtragende könnte Europa werden.

Die Ankündigungen Trumps, neue Strafzölle auf Waren aus China zu erheben, hatten aber bewirkt, dass der Dollar erstmals wieder seit zehn Jahren auf sieben Yuan geklettert ist. Darin wird von US-Seite eine gezielte Reaktion von Peking gesehen. Die bewusste Abwertung führe dazu, die Zölle zu konterkarieren. Chinesische Produkte werden in Dollar gerechnet und dadurch automatisch günstiger. Als "Werkbank der Welt" ist China schon lange nicht mehr nur für Massen- und Billigproduktionen weltmarktführend, auch in hochwertigen Qualitätsprodukten wie beispielsweise der Teppichindustrie und modernster Technologie wie z.B. Halbleitern oder Spezialmaschinen fertigt China hochwertige Produkte. So wurden europäischen Herstellern von sensitiven Bauteilen für den 3D Druck wie beispielsweise Computertomographen schon vor Jahren Konkurrenz gemacht. Durch die Preissteigerung durch die Zölle wird der Währungsverfall teilweise ausgeglichen. Somit sind die Strafzölle von Trump praktisch wirkungslos. Es ist übrigens seit 1994 das erste Mal, dass die USA ein Land brandmarkte. Damals war es ebenfalls China gewesen.

Das US-Finanzministerium hatte hingegen im Mai einen Bericht vorgelegt, in dem berichtet wurde, dass China seine Währung nicht manipulieren würde. Diese Analysen werden regelmäßig für die Handelspartner durchgeführt. Damit ein Staat überhaupt als Währungsmanipulator genannt werden kann, müssen drei Dinge zunächst erfüllt sein:

1. Das Land muss regelmäßig am Devisenmarkt intervenieren
2. Das Außenhandelsdefizit zwischen der USA und dem betreffenden Land muss über 20
Milliarden Dollar liegen
3. Der Leistungsbilanzüberschuss dieses Landes muss zwei Prozent über seiner
Wirtschaftsleistung liegen.

Es ist keine Überraschung, dass das Außenhandelsdefizit gegenüber China bei über 20 Milliarden Dollar liegt. Allerdings liegt die Leistungsbilanz Chinas unter der Grenze. Das Finanzministerium sah im Mai auch keine Anhaltspunkte dafür, dass Peking aktiv an Währungsmarkt intervenieren würde. Es gibt also keinen Grund, China als Manipulator zu bezeichnen. Der Unterschied zu Mai ist die Eskalation des Handelskrieges mit den USA.

Tatsache ist jedoch, dass der Yuan ausgerechnet zu dem Zeitpunkt abgestürzt ist, als der amerikanische Präsident Strafzölle verhängt hat. Der Verdacht der bewussten Manipulation kommt schnell auf. Die Zölle wirken sich auf die chinesische Konjunktur eher dämpfend aus. Es ist daher nur logisch, dass Peking locker reagieren muss. Niedrige Zinsen schwächen immer die eigene Währung. Die chinesische Regierung braucht sich eigentlich nur zurückzulehnen, um die Zölle von Trump wirkungslos zu machen.

Für China ergibt sich aus dieser Situation einen Vorteil. Aufgrund der Tatsache, dass das Land noch im Mai vom Vorwurf der Währungsmanipulation freigesprochen wurde, befindet sich China nun in einer Opferrolle. Das kommt dem Regime sogar zugute, denn bereits seit Jahren herrscht in der chinesischen Bevölkerung die Meinung, dass der Westen China keinen wirtschaftlichen Aufschwung gönnt. Letztendlich festigt die Opferposition die Macht des Regimes in Peking.

Im Gegenzug haben die USA mit dem Schritt überhaupt nichts erreicht. Die Bezichtigung als Währungsmanipulator bleibt ohne Konsequenzen. Wird ein Land als solches bezeichnet, folgt ein einjähriger Konsultationsprozess mit den USA, damit eine Lösung gefunden wird. Geschieht dies nicht, hätte es keine nennenswerten Auswirkungen auf China. Trump mag zwar als stark und durchsetzungsfähig bei seinen Anhängern wirken, aber in der Realität hat er das Heft aus der Hand gegeben. China kann nun selbst bestimmen, wie stark die Währung des Landes fallen wird. In Fachkreisen wird behauptet, dass der Yuan um bis zu 40 Prozent fallen wird.

Von Seiten der chinesischen Notenbank war zu vernehmen, dass an einer Eskalation kein Interesse bestünde. Am Montag wurde erklärt, dass der Yuan auf einem stabilen Niveau gehalten werden könnte. Dennoch wird erwartet, dass die chinesische Währung immer weiter fallen könnte. Das sehen auch andere Investmentbanken genauso. Die Zölle auf Produkte aus China würden dann weitestgehend ausgeglichen werden.

Trotzdem wäre das keine Null-Bilanz. Auf der Habenseite von Washington würden dann immer noch Zolleinnahmen für den US-Staat stehen. Dann wären die echten Verlierer in diesem Streit ohne Frage die Europäer. Der Yuan wurde nicht nur gegenüber dem Dollar schwächer. Gegenüber dem Euro zeigte er ebenfalls Schwächen. Anfang August lag der Preis für einen Euro bei 7,60 Yuan. Ende der vergangenen Woche lag der Preis bereits bei 7,90 Yuan. Chinesische Waren werden dadurch billiger, denn es gibt hier gegenüber der chinesischen Währung keinerlei Zollaufschläge. Umgekehrt würden europäische Produkte in China jedoch teurer werden. Für Deutschland käme das ungelegen, denn gerade jetzt leidet das Land unter einer nachlassenden Industriekonjunktur.

23:25 14.08.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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