Das Leiden der lokalen Wirtschaft

Corona-Pandemie In den Läden lief das Geschäft vor der Corona-Pandemie meist sehr gut. Doch nun bleiben die Kunden einfach weg und den Läden droht nun vielerorts die Pleite.
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Doch was kann der Staat hiergegen tun? Die Inhaber hoffen hier auf eine hohe Unterstützung und so hat sich die Regierung Deutschlands entschlossen, hier zu helfen. So übernimmt der Bund hier über die Kurzarbeitsregelung teilweise die Lohnkosten sowie auch die Sozialversicherungsbeiträge für alle Beschäftigten. Somit ist die Pflicht, bei einer beunruhigenden Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anzumelden, erst einmal ausgesetzt.

Experten betrachten das Vorgehen jedoch kritisch. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter zurück erklärt, dass ein wirtschaftlicher Fortschritt als Verlauf einer schöpferischen Zerstörung betrachtet werden kann, da Altes verschwindet und zugleich Neues entsteht. Auch der Arbeitsmarktökonom Pierre Cahuc aus Frankreich hat an der Erklärung der Kurzarbeit beschrieben, wie jenes Vorgehen durch staatlichen Einfluss gehemmt werden kann. Da diese konventionellen Firmen nun auch weniger Mitarbeiter entlassen, müssen die anderen Firmen Unternehmen auch Löhne zahlen, um ihre Mitarbeiter anwerben zu können, wenn sie diese überhaupt finden. So entstehen allerdings weniger zukunftsfähige Arbeitsplätze. Wenn nun auch irgendwann die Beihilfen auslaufen, fallen zudem die früheren Arbeitsplätze weg, da die betroffenen Unternehmen nun auch nicht mehr konkurrenzfähig sind.

Gleichsam argumentieren auch die Ökonomen mit Hinblick auf die Geldpolitik der EZB. Hiernach können sich durch die sehr günstigen Kredite in erster Linie Kombination mit den entspannten Insolvenzregeln auch unprofitable Unternehmen sichern. Auch im Hinblick auf das Kurzarbeitergeld argumentieren einige Ökonomen, dass in einer Krise auch neue Unternehmen wenige Probleme haben, gute Mitarbeiter zu finden. So steigt aber die Arbeitslosenquote und die Anzahl der offenen Stellen sinkt. Hier ermöglichen es vor allem die Zuschüsse des Staates auch den konventionellen Firmen, das Geschäftsmodell neu zu strukturieren. Dies ist aus der volkswirtschaftlichen Sicht aussichtsreich, weil zum Beispiel in der Autoindustrie sich ein hohes betriebsspezifisches Wissen auf diese Weise hält, welches bei einer Insolvenz sicher verloren gehen würde.

Vielleicht ist nun das Eis im Eisladen nur so gut, da die enthaltenen Zutaten auf eine besondere Art und Weise verarbeitet werden, welche sich nicht so einfach imitieren lässt. Durch die Hilfe des Staates können Inhaber das Eis auch selbst zum Beispiel im Internet anbieten. Auch nach Ansicht des Ökonomen Tom Krebs kann das angebotene Kurzarbeitergeld den Prozess der Transformation der Wirtschaft hierbei unterstützen, wenn es durch bestimmte Angebote zur Weiterbildung für die Mitarbeiter vollendet wird. Die Kritiker des Kurzarbeitergelds können sich nun auf eine Wiedervereinigung relegieren. Vor allem nach dem Mauerfall waren vor allem in den neuen Bundesländern über zwei Millionen Menschen in Kurzarbeit. Dennoch war hier ein großer Teil der Arbeitsplätze trotzdem verloren gegangen.

So ist anscheinend die Natur einer Krise. Diese Strukturkrise wie die Umstellung der damaligen DDR-Wirtschaft lässt sich auf jeden Fall mit einer Maßnahme wie dem Kurzarbeitergeld nur begrenzt abfedern, ein Nachfrageausfall wie in einer Finanzkrise hingegen noch eher. Ein Problem ist, dass bisher niemand erklären kann, wie hoch der strukturelle Anteil in der derzeitigen Krise ist – ob die Menschen also wieder ihr normales Leben leben können so wie früher. Vielleicht läuft der Eisladen auch wieder sehr, wenn es einen endlich einen Impfstoff gegen Corona gibt. Die Inhaber sind dann froh, wenn die Angestellten noch im Unternehmen sind. Hiermit ist aber nur jene Frage beantwortet, unter welchen Umständen. So müsste die Innovationskraft von Unternehmen auch die Kurzarbeit nutzen, mit jener von ähnlichen Unternehmen vergleichen, die dies nicht umsetzen. Dies ist schwierig und langwierig.

17:56 29.01.2021
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Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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