Eigenheimdebatte fördert Bessergestellte

Grüne Politik Eine Reduzierung von Eigenheimen käme im Grunde nur denen zu Gute, die bereits ein Eigenheim besitzen.
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Das sind vornehmlich die Besserverdienenden, Menschen mit geringerem Einkommen werden sich dank der in der Konsequenz steigenden Preise für Einfamilienhäuser ihren Traum vom Eigenheim nicht mehr erfüllen können. Auch wenn Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter in einem kürzlich gegebenen Interview eine explizite Formulierung des Wunsches nach einem Verbot von Einfamilienhäusern vermeidet, so lassen sich seine unscharf formulierten Aussagen rund um pragmatische Lösungen vor allem im Kontext der anstehenden Wahl sehen. In einem Land, in dem rund 60 Prozent der Bevölkerung gerne in eigenen vier Wänden leben würde, wären strenge Forderungen in diese Richtung sicherlich kontraproduktiv. Und dennoch verneint er keine der nachdrücklich formulierten Fragen des Interviewers, nach denen die Grünen nicht prinzipiell ausschließen würden, Eigenheime nicht zu genehmigen. Auch der bau- und wohnungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Chris Kühn, sprach vor einiger Zeit von bezahlbarem Mietwohnraum und einer Mitpreisbindung sowie seriell-standardisiertem Bauen. Tatsächlich ist der Kern der grünen Forderungen nicht die Abschaffung des Eigenheims, wohl aber eine sehr kritische Einstellung gegenüber der Einfamilienhaussiedlung, die nach Aussage Hofreiters Platz, Energie und Rohstoffe benötige und die zudem auch die Vehrkersbelastung steigere.

Der von der AfD als Reaktion vorgetragene Vorwurf, die Grünenpartei wolle zurück zum Plattenbau, ist sicherlich etwas zu hoch gegriffen. Und dennoch können die Grünen auf kein eigenes, nachhaltiges Konzept verweisen, wie sie den Wohnraummangel in den Griff kriegen wollen. Stattdessen verunglimpfen sie den Lebensraum rund um die Großstädte als klimafeindlich und wenig ökologisch und wollen daher die Kommunen mit entsprechenden rechtlichen Mitteln austatten, Eigenheimsiedlungen nicht zu genehmigen. Schwerer wiegt noch, dass die Grünenpartei sich zu diesen Quasi-Verbotsplänen nicht bekennt. So betont auch Grünenchef Robert Habeck, das Einfamilienhaus und der Wunsch nach den eigenen vier Wänden gehöre zum Leben in Deutschland dazu, verweist aber gleichzeitig auf die Verantwortung der Kommunen, Bauten zu genehmigen oder abzulehnen. Dass Kommunen, in denen die Grünen die Mehrheit ausmachen, eben diese Eigenheimsiedlungen verhindern werden, bleibt unausgesprochen.

Wie eingangs erwähnt wurde, zählen zu den Gewinnern einer solchen Politik vor allem jene, die bereits ein Eigenheim besitzen. Denn wenn neue Baumöglichkeiten ausbleiben und weniger neuer Wohnraum erschlossen wird, steigen automatisch die Preise für bereits vorhandene Bauten. Besserverdienende werden also weiterhin die Vorteile genießen können, die sie bereits lange genießen, wohingegen den Familien von Geringverdienern, die ihr Leben heraus aus den überfüllten Stadtkernen hinein in Vororte verlagern wollen, die Chance auf den Traum vom Eigenheim genommen wird. Ihnen bleiben nur noch Mietwohnungen, deren Preise durch dieselbe Politik ansteigen, denn niemand baut Mietshäuser, wenn der Staat permanent mit Mitpreisdeckelung droht. Die Grünenpolitik ist also vor allem eines: eine Politik von Besserverdienern für Besserverdiener.

17:12 16.03.2021
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Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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