"Homeschooling" und sein Tücken

Heimunterricht Nicht nur in Baden- Württemberg sorgen unzählige Serverausfälle für Probleme beim Homeschooling.
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Sämtliche Hard- und Softwareprobleme bringen in vielen Haushalten den Frust zum Vorschein. In Baden- Württemberg ist aber nicht nur in Zeiten des digitalen Heimunterrichtes der Weg zur Digitalisierung besonders steinig, sondern auch davor gab es bereits unzählige Probleme und Hindernisse. Bereits vor zwei Jahren musste die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Schulplattform „Ella“ (Elektronische Lehr- und Lernassistenz) begraben. Für diese Plattform wurden über 8 Millionen Euro ausgegeben. Aber nicht nur unter der Führung von Eisenmann, sondern bereits bei ihrem Vorgänger gab es mit dieser Plattform und der damit verbundenen Projektsteuerung immer wieder Probleme.

Auch wenn die Plattform bereits fast fertig entwickelt war, konnte sie keine 1,5 Millionen Nutzer registrieren und auch einheitliche Email- Adressen für die Schüler sowie Lehrer waren unmöglich. Gedacht war ein Zugang zu einer Online- Bibliothek, welche für alle Schüler rund um die Uhr zugänglich sein sollte. Ebenfalls sollte eine einheitliche Cloudspeicherfunktion das digitale Arbeiten für die Schüler und Lehrer erleichtern. Aber auch der gedachte Messenger- Dienst für die Lehrer hatte seine kleinen Problemchen und gerade dieser wäre in Zeiten wie diesen besonders hilfreich.

Das Nachfolgeprojekt, auch „Ella 2“ genannt steht erst ganz am Anfang und wird voraussichtlich erst Ende dieses Jahres fertig gestellt. Wäre diese Plattform bereits betriebsbereit, hätten 4 500 Schulen weniger Probleme mit dem Homeschooling. Es wären damit Programme von Microsoft und Open- Source- Anbietern einheitlich abrufbar. Defizite wie diese spüren Schüler, Lehrer und Eltern tagtäglich.

Versagen in allen Bereichen

Die Schulverwaltung hatte über vier Monate Zeit sich auf einen erneuten Lockdown vorzubereiten. Bei Beginn des erneuten Fernunterrichtes am 11. Januar brachen bereits die ersten Server zusammen. Bei insgesamt 4 500 Schulen konnte jede zehnte davon nicht pünktlich den virtuellen Unterricht über die Lernplattform „Moodle“ oder das Videochat- Programm „Big Blue Button“ starten. Statt Vokabeln wurden nur Fehlermeldungen angezeigt. Das Ministerium bekennt sich keiner Schuld und rechtfertigt sich damit, dass Sie bereits Geld für zusätzliche Server (2,6 Millionen Euro) ausgegeben haben. Auch die Kapazitäten der Plattformen wurden für 250 000 Euro erhöht.

Der zuständige Referent für Schuldigitalisierung des baden- württembergischen Philologenverband sieht die Schwierigkeiten nicht nur bei der Hard- und Software, sondern auch beim Kultusministerium. Dieses solle den Schulen zu wenig Unterstützung geben. Es werden zwar Vorschriften gemacht, jedoch gibt es keine Anleitung, wie diese ideal umgesetzt werden sollten. Auch die Vereinigung der Schulleiter/innen hat sich bereits beschwert und beklagt sich, dass sie im Stich gelassen werden.

Das Kultusministerium wehrt diese Anschuldigungen jedoch ab und beteuert, dass sie bereits alles Mögliche tun, damit der Unterricht reibungslos abgehalten werden kann. Es werden zum Beispiel Leihgeräte besorgt, für Schüler, welche weder über einen Laptop noch ein Tablet verfügen. Auch werden regelmäßig Briefe vom Ministerialdirektor an alle Schulen versendet.

Ist Microsoft- Office datenschutzsicher?

Eisenmann möchte das „Office 365“ vorerst weiterverwenden lasse. Jedoch gibt es viele Gegner, welche das Office- Paket für die Schulen zu datenunsicher halten, denn auch trotz der Microsoft Server in Deutschland ist Microsoft verpflichtet, auf Anforderung der amerikanischen Behörden die Daten an die Server der USA zu übertragen. Der deutsche Sprecher des Deutschen Computerspielebundes (auch bekannt zu Einschätzungen der Online Gamblingbranche) hält dagegen und gibt den Microsoft Produkten einen ausreichende Sicherheitsbewertung. Um diese Sicherheit zu überprüfen, wurde nun der baden-württembergische Datenschutzbeauftragte Brink hinzugezogen. Dieser wird bis Ende März prüfen, wie sicher mit den Daten bei Microsoft umgegangen wird und dann wird sich herausstellen, mit welchem Programm die Schüler arbeiten werden.

22:06 17.02.2021
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Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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