Kernenergie hat keine Zukunft

Energiepolitik Die Kernkraft wird keinen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leisten.
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Darüber kann auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, dass die französische Regierung bis zum Jahr 2035 sechs neue Reaktoren in Betrieb nehmen will. Und auch die als "EPR" bekannte neue Generation von Druckwasserreaktoren ist ein Desaster. Zwar werden derzeit einige dieser Anlagen, deren Entwicklung nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 begonnen hatte, errichtet - in Finnland, Frankreich und Großbritannien. Aber deren Bau erweist sich als äußerst problematisch, nicht zuletzt wegen der mangelhaften Qualität der Materialien und der technischen Komponenten.

So ist etwa der Reaktor im finnischen Olkiluoto, der bereits 2009 fertiggestellt sein sollte, 11 Jahre später immer noch nicht in Betrieb. Stattdessen haben sich seine Kosten auf mehr als neun Milliarden Euro verdreifacht, und wegen der Probleme wurde der Bau eines weiteren Reaktors, der 2018 betriebsbereit sein sollte, sogar abgesagt.

Auch die Sicherheit ist weiterhin ein großes Problem. Die zwei EPR-Reaktoren in China sind zwar groß. Aber mit der Größe wächst auch die Menge des radioaktiven Materials, was eine Erhöhung des Risikos ergibt. Und weltweit kann sich kein unabhängiger Experte über die Sicherheit chinesischer Kernkraftwerke ein Urteil erlauben. Selbst in Japan mussten die Verantwortlichen nach dem Fukushima-Desaster eingestehen, dass eine unabhängige Aufsicht dort praktisch nicht existent war.

In Südkorea ist die Lage nicht besser. Dort wurde bekannt, dass die Qualitätszertifikate von tausenden Bauteilen für Kernkraftwerke gefälscht waren. Und in Frankreich? Dort stellte sich heraus, dass der bereits verbaute Reaktor des EPR nicht den technischen Anforderungen genügte. Also wurde er mit Duldung der Aufsichtsbehörde einfach "schöngerechnet". Hier verstößt die Behörde gegen die von ihr selbst erlassenen Richtlinien. Weiterhin wurde bekannt, dass der Hersteller des Druckbehälters, teilweise mit Wissen der staatlich kontrollierten Atomkonzerne, jahrzehntelang Dokumente gefälscht hat.

Auch bei den Kosten für einen weiteren EPR-Reaktor in Frankreich wird Schönrechnerei betrieben. Angeblich soll der 7,3 Milliarden Euro kosten, also nur etwa die Hälfte des im Bau befindlichen Reaktors. Allerdings sollte dieser bei Baubeginn auch nur 2,5 Milliarden kosten. Daraus sind bis jetzt 12 Milliarden geworden. Dies ist die Strategie der Atomindustrie: Sie nennt wissentlich unrealistische Baukosten. Auf dieser Grundlage entscheidet die Politik, und wenn dann die Kosten explodieren, gibt es kein Zurück mehr. Das Atomkraft also preiswerter sei, ist ein falsches Argument. Gegensteuern lässt sich da als Verbraucher nur über die Wahl eines Stromtarifs, der auf Kernenergie verzichtet - Der Tarif "Ökostrom aktiv" von Greenpeace etwa oder andere Stromtarife mit dem Siegel "OK-Power".

Bleibt das eingangs genannte Argument, Kernkraftwerke seien umweltfreundlich, weil sie nicht zum Treibhauseffekt beitragen. Tatsächlich verschärfen Investitionen in die Kernkraft die Klimakrise sogar. Beim Klimaschutz stellt sich nur die Frage, wie sich der CO2-Ausstoß so stark, so schnell und so billig wie möglich verringern lässt, denn es bleibt kaum noch Zeit. Daher spielt es keine Rolle, ob ein milliardenteures Kernkraftwerk in 20 Jahren Kohlendioxid einsparen wird. Die Emission von Treibhausgasen lässt sich schneller und günstiger minimieren. Bereits 2018 produzierten erneuerbare Energien weltweit etwa 2.000 Milliarden Kilowattstunden mehr Strom als 10 Jahre zuvor, Wasserkraft ist dabei noch gar nicht eingerechnet. Gleichzeitig hat die Kernkraft weniger Strom produziert. Selbst in China wurde bereits im Jahr 2010 mehr Geld in erneuerbare Energien investiert als in die Kernenergie. Die Kernkraft ist weltweit bereits auf dem Rückzug. Der Rückhalt für diese Technologie in der französischen Bevölkerung ist nur mit jahrzehntelanger Gehirnwäsche erklärbar.

16:57 11.03.2021
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Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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