Mit der Moralkeule gegen den Klimawandel

Flugscham &Fleischsteuer Für den Weltklimarat ist diese Tatsache unumstritten: Auf Grund des weltweit steigenden Fleischkonsums, leidet das Klima mehr denn je.
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Deshalb wird derzeit heftig über das Thema Fleisch diskutiert - zu Gunsten des stets voranschreitenden Klimawandels. In weiterer Folge soll jedoch nicht nur die Fleischpreise ansteigen, sondern auch die Flugpreise. Der erste Schritt mit der Erhöhung der Ticketsteuer wurde gerade beschlossen. Allerdings werden dadurch nur die Kurzstrecken prozentual erheblicher belastet, auf Langstrecken ist der Aufpreis fast zu vernachlässigen.

Doch neue Regelungen gelingen nur, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft allesamt gemeinsam an einem Strang ziehen, um zukünftige Folgeerscheinungen des Klimawandels abzuschwächen bzw. abzuwehren. Doch statt der Tatsache, dass Deutschland umwelttechnologisch voranschreitet, um ein Vorbild für andere Länder zu werden, werde nur viel diskutiert, ohne dass tatsächlich viel davon in die Tat umgesetzt wird.

Die Moral zwingt den Staat zur Handlung

Das alleinige Einbringen der Moral in öffentliche Diskussionen ist jedoch kein wesentlicher Fortschritt. Vielmehr ist das als trister, ziviler Rückschlag anzusehen. Früher waren Recht, Moral und Sitte als Einheit anzusehen. Normen, begründet auf der Moral, wurden von Seiten des Staates mit aller Härte und dem notwendigen Druck ausgeübt. Erst in Zeiten der Aufklärung kam es zu einer Unterscheidung zwischen Recht und Moral. Der Staat sollte sich um das Recht kümmern, wohingegen Moral und Sitte Gegenstand der Kirche und der Bevölkerung sei.

Wenngleich die Abspaltung des Staates von der Moral inzwischen ein großer Gewinn in Sachen Freiheit der Leute ist, so zielt die Moral immer noch darauf ab, Gedanken und Gefühle zu kontrollieren um diese im Griff zu haben. Daraus ist schlusszufolgern: Zu viel an Moral bei (politischen) Debatten schränkt die Freiheit unweigerlich ein.


Die "richtige" moralische Einstellung macht's möglich

Dennoch ist es so, dass durch moralische Argumentation sich eine scheinbar komplexe weil leichter nachvollziehen lässt. Dank der Moralkeule lassen sich auch politische Interessen leichter umsetzen. Denn wer in Sachen Moral gut argumentiert, hat mit weniger Protest und Gegenwind zu rechnen. Durch moralische Argumente lassen sich kluge Schachzüge inszinieren.

Wer mit Moral aufwartet, der muss damit rechnen, dass diese unmittelbar mit Emotionalität einher geht. Was für die einen falsch ist, ist für die anderen richtig - Gut oder Böse wird diskutiert, genau so wie Freund oder Feind.


Flugscham gegen die Klimakrise

Der neo-Begriff "Flugscham" macht die vermeindliche Moralisierung deutlich erkenn- und spürbar. Viele Leute schämen sich inzwischen dafür, dass sie das Flugzeug als Transportmittel nutzen - weil es ja so schädlich für das Klima ist. Und wer keine Gefühle von Scham und Schuld aufweist, der erhält den Druck von außen, dass er sich doch gefälligst zu schämen habe! Doch Gefühle der Schuld, Scham oder Angst wenig hilfreich und schon gar nicht zielführend. Sollte Moral nicht etwas Gutes sein? Sollte moralisch bedingtes Handeln nicht die Welt zu einem besseren Ort machen? Dabei nutzen vor allem jene das Flugzeug als Transportmittel häufig, die uns als Vorbild dienen sollten, die Politiker. Der Politik haben wir natürlich nun auch die Erhöhung der Ticketsteuer zu verdanken, allerdings ist diese relativ marginal zum Gesamtpreis der Strecke. Nicht vor allzu langer Zeit wurden wir durch die Stärkung der Fluggastrechte geradezu animiert mehr zu fliegen. Ist der Flug annulliert oder verspätet, so gibt es seit Frühjahr 2019 deutlich höhere Entschädigungen durch die Fluglinie.

Jene Ansichten, welche konträr in Bezug auf die eigene Meinung sind, entsprechen diese automatisch der richtigen Moral? Wären sie damit nicht unmoralisch? Falls ja, so dürfen und müssen diese bekämpft werden. Diskussionen finden dann ein jähes Ende, Kampf erfolgt meist als das Ergebnis von solchen Sittenwidrigkeiten. Kompromisse kennen - im Vergleich zum Kampf - keine Besiegten. Das ist der Grund warum Kompromisse so entscheidend sind - damit den Konfliktparteien ein friedliches Miteinander gewährt wird. Jedoch aus der Perspektive der Moral sind Kompromisse der falsche Ansatz, denn diese verlangen ein Nachgeben. Und wer nachgibt, ist zu keinem Kompromiss mehr gekommen.

Was bedeutet das nun für eine vieldiskutierte Fleischsteuer? Der Staat ist dazu befähigt Steuern zu verlangen - auch wenn dies bedeutet, dass er somit in die Freiheiten der Bürger und Bürgerinnen eingreift. Doch: Moral durch das Steuerrecht erzwingen? Darf das denn sein? Wie viel soll und darf sich der Einzelne hier vom Staat gefallen lassen?

00:14 24.09.2019
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Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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