Modebranche in der Krise

Corona Wie viele Branchen leidet auch die Modeindustrie sehr unter den Folgen des andauernden Lockdowns.
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So ist in vielen Lagern im Textileinzelhandel absolut kein Platz für Neuware, denn es kann nichts abverkauft werden, um diese zu präsentieren. Dies betrifft auch das Modehaus "Zinser" in Tübingen, deren Geschäftsführer Christian Klemp vor dem Problem steht, die gesamte Winterkollektion noch in seinem Laden hängen zu haben. Da diese ein Saisongeschäft darstellt, ist sie nach dem Lockdown vermutlich kaum mehr zu verkaufen.

Gibt es echte und effektive Hilfe für den Einzelhandel?

Bis zur Corona Krise lief die Modehauskette sehr gut, doch nun stehen sie vor der größten Krise ihrer 143-jährigen Geschichte und wissen nicht, wie es weiter gehen kann. Um überhaupt eine Chance zum Überleben zu haben, hat Christian Klemp einen Kredit aufnehmen müssen, doch ist dies keine wirkliche Unterstützung. Ein Kredit muss zurückgezahlt werden und bis auf das Kurzarbeitergeld ist von den hohen Summen der Bundesregierung zur Unterstützung des Einzelhandels in Tübingen nichts angekommen. Diese Hilfen sollen nun ausgeweitet werden, und die Umsatzeinbußen für nicht verkaufte Winterware soll ab einem Umsatzverlust von 30 Prozent ausgeglichen werden.

Dennoch musste Klemp schon im letzten Jahr 15 Prozent der Mitarbeiter entlassen. Auch vom Wirtschaftsexperten Prof. Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, werden diese erneuten Hilfsversprechen kritisch gesehen, da durch die ständigen Wechsel die Transparenz und Sicherheit auf der Strecke bleibt. Das Modehaus Zinser ist nun bereits den Weg über den Onlinehandel gegangen, um wenigstens etwas Umsatz mit Stammkunden zu generieren. Dennoch ist dieser Weg schwierig, denn auch wenn die Zahlen für Onlinekäufe im Textilbereich seit Beginn der Krise von 15 auf knapp 30 Prozent gestiegen sind, wird der Hauptteil der Einkäufe dennoch offline getätigt.

Die Branche Fashion und Accessoires erwirtschaftete schon vor dem Lockdown in 2019 knapp ein Viertel des gesamten Online-Umsatzes (Statista, 2019). Mit geschlossenen stationären Geschäften während der Corona Pandemie kann sich das Einkaufsverhalten stärker auf den Onlinehandel ausrichten. Der starke Bereich der Damenmode steht hier besonders im Fokus.

Viele Einzelhändler leben aktuell von ihren Ersparnissen

So ergeht es gerade den Schwestern Marijana Biscanic und Michaela Hrgovic, die in Frankfurt ein Damenmodegeschäft betreiben. Die 10.000 Euro Überbrückungshilfe, welche sie im Frühjahr erhielten, reichten bei Weitem nicht aus, um die laufen Kosten zu decken. Hinzu kommt, dass die neu bestellte Ware beim Lieferanten lagert, da das Geld fehlt, um diese zu bezahlen. Dabei geht es dem Bereich Damenmode noch vergleichsweise gut, dank dem Onlinehandel.

Dazu müsste die im Laden befindliche Ware abverkauft werden, was durch den Lockdown unmöglich ist. Sie haben sich dazu entschieden, die Social Media Kanäle zu nutzen und dort durch regelmäßige Modeschauen die Kunden bei der Stange zu halten, bis sie wieder öffnen dürfen. Doch wirkliche Hilfe bedeutet es nicht und es ist unklar, ob ihr Geschäft die Krise überstehen wird.

Wird der Lockdown zu veränderten Innenstädten führen?

Viele Experten gehen davon aus, da besonders kleinere, individuelle Läden die Zeit nicht überbrücken und somit nicht mehr werden öffnen können. Dadurch wird es zu weniger Auswahl und Vielfalt kommen, als wir es aus Zeiten von vor der Krise kennen und gewohnt sind.

21:21 19.03.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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