Neuer Staatsvertrag für Glücksspiele

Kritik Wissenschaftler kririsieren zurecht den neuen Staatsvertarg für Glücksspiele.
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Die These, dass der Mensch einen natürlichen Spieltrieb habe, vor dem er geschützt werden muss, entsprang den vergangenen Jahrhundert und erfüllt gemäß Suchtforschern nicht mehr den aktuellen wissenschaftlichen Stand. Deshalb will Deutschland mit einem neuen Staatsvertrag, der ab 2021 in Kraft treten soll, das Glücksspiel neu justieren. Darunter fällt zum Beispiel auch das Online-Casino, das dadurch strengen Bedingungen legalisiert werden soll. Um den Nutzer von online Portalen den optimalen Schutz zu gewährleisten, erarbeiteten die Bundesländer einen Maßnahmenkatalog.

Dieser Staatsvertrag weist sowohl Vorteile als auch Nachteile auf. So bietet auf der einen Seite der neue Staatsvertrag einen besseren Schutz für Jugendliche. Auf der anderen Seite wiest dieser Vertrag aber erhebliche paar Lücken auf. So dürfen suchtgefährdete Spiele, die bereits gesperrt wurden, weiterhin an Lotto teilnehmen, ohne dass sie daran in irgendeiner form gehindert werden.

Anerkannte deutsche Wissenschaftler sehen den neuen Gesetzentwurf kritisch entgegen, da der Staatsvertrag unzureichend evaluiert sei. Darunter auch der Suchtforscher Gerhard Bühring, der zu den international anerkanntesten Wissenschaftler gehört. Er ist im Bereich des abhängigen Verhaltens, der Risikoanalyse und Risikomanagement tätig und gab während der laufenden EU-Notifizierung eine ausführliche Stellungnahme ab. Er bemängelt, dass die unterschiedlichen Risikoeinschätzungen der Glücksspiele nur auf Vermutungen basieren.
Wissenschaftliche Befunde, warum eine bestimmte Spielform wie vergleichsweise Annahmestellen für Sportwetten stärker reguliert werden sollte als Lotto-Shops, gibt es nicht.

Das heißt, die Anzahl der Annahmestellen für Sportwetten ist in Deutschland begrenzt, Lotto-Shops hingegen können unbeschränkt viele eröffnet werden. Des Weiteren kritisiert der Wissenschaftler, dass Glücksspiele mit einem staatlichen Monopol auffallend wenig Schutz benötigen und somit auch weniger Auflagen zu erfüllen haben. So dürfen wie bereits erwähnt bereits gesperrte Spieler weiterhin Lotte inklusive Eurojackpots spielen. Darüber hinaus beanstandet Bühring, dass die Regelung zur Selbstlimitierung wieder auf keinerlei wissenschaftlichen Fakten beruht. Dieses Limit gilt aber nur für die Online-Casinos, nicht aber für das normale Lotto.

Zusammenfassend ist es aus der Sicht des Suchtforschers nicht zweckmäßig, dass die Verbote und Zugangsbeschränkungen nur für einzelne Glücksspiele angewandt werden. Suchtgefährdete Personen können bei allem Glücksspiel Varianten ein problematisches Austreten entwickeln. Daher wäre ein Verbot als Mittel zur Prävention suchtgefährdeter Spieler nur dann sinnvoll, wenn des für alle Glücksspiele gilt. Einschließlich Glücksspiele mit staatlichem Monopol. Damit sich die Leute auch an das Verbot halten und sich nicht darüber hinweg setzten, wird eine energische Überwachung benötigt und hohen Sanktionen. Dieses Vorgehen ist allerdings gegenüber den vielzähligen normalen Spielern nicht zu entschuldigen. Des Weiteren entsteht durch diese drastischen Maßnahmen ein Nährboden für illegale Glücksspiele.

00:12 19.03.2021
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Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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