Wie Corona unsere Betriebskultur ändert

Homeoffice & Co. Die Coronapandemie hat uns nach wie vor fest im Griff. Doch schon jetzt steht in vielen Unternehmen die Frage im Raum, wie es danach mit dem Homeoffice weitergehen soll.
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In der jetzigen Situation ist jedem klar, dass es vernünftig ist, von zu Hause aus zu arbeiten. Doch was für manche als chillige Wochenendverlängerung betrachtet wird, ist für andere alles andere als vorteilhaft. Denn nicht für alle Arbeitnehmenden ist die Lösung von zu Hause aus zu arbeiten, die bessere. Nicht jeder hat die optimalen Wohnverhältnisse. Wer seinen Computer auf dem Esstisch stehen hat, weil die Wohnung für ein separates Büro zu klein ist, da er in einer Einzimmerwohnung lebt, geht vielleicht lieber ins Firmenbüro.

Auch spielt die Familiensituation dabei eine prägende Rolle. Dazu kommt, dass eine etwaige moralische Vorstellung aufkommt, sich etwa den Freitag als gemütlichen Tag im Homeoffice zu gönnen, ist das für eine Firma nicht gut. Und was sich einmal festgefahren hat, ist nur schwer wieder abzuändern. Deshalb stehen viele Firmenchefs der Forderung des Bundesarbeitsministers Hubertus Heil von der SPD, der per Gesetz festschreiben will, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Anspruch auf Homeoffice haben, ablehnend gegenüber. Sie sind der Meinung, dass der Arbeitgeber diesbezüglich die volle Entscheidungsfreiheit innehalten muss.

Die Erfahrungen, die Firmen mit der Homeoffice-Möglichkeit gemacht haben ist eher ernüchternd, obwohl es für die Unternehmen dadurch finanzielle Einsparungen gibt. Für sie könnte es sich lohnen, wenn die Mitarbeitenden mehrmals wöchentlich von zu Hause arbeiten und sich im Firmenbüro tageweise an den Schreibtischen abwechseln – es wäre weniger Bürofläche nötig. Doch sollten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht benachteiligt werden.

Zunehmend musste die Unzufriedenheit unter den Mitarbeitenden festgestellt werden. Viele fühlten sich benachteiligt, weil einige von zu Hause aus arbeiten konnten und sie selber nicht. Auch wurden vielfach Stimmen laut, dass Arbeitskollegen in den eigenen vier Wänden nicht die gleiche Arbeitsleistung vollbringen wie jene, die in der Firma ihrer Arbeit nachgingen.

Wäre es da nicht sinnvoll, einheitliche Kriterien zu schaffen? Dies jedenfalls fordert die Studienautorin Yvonne Lott. Sie ist überzeugt, dass damit die Bedingungen sowohl zu Hause, wie auch im Betrieb gerecht beurteilt werden könnten. Doch genau das ist in vielen Betrieben nicht leicht zu realisieren. Dazu sind die Arbeiten zu vielfältig und können nicht miteinander verglichen werden. Der Weg zur idealen Betriebsvereinbarung ist schwer. Viele Punkte müssen geklärt werden:

  • Wer sorgt für die ergonomische Büroausstattung zu Hause?
  • Wer bestimmt, wann wer im Homeoffice bleibt?

  • Wie gestaltet sich der Datenschutz?

  • Gibt es einen Mahlzeitenzuschlag, weil man zu Hause isst und damit das preiswerte Kantinenessen wegfällt?

Nicht zu vergessen sind die gesetzlichen Bestimmungen. Auch sollte über Zuschläge für die Homeoffice Ausstattung gesprochen werden. Denn neben einem professionellen Schreibtisch und Computrer gehören auch Headset oder eine anständige Telefonansage zum Homeoffice Equipment.

Wie es mit dem Homeoffice nach der Coronapandemie weitergeht, wird noch viele Unternehmen in unserem Land beschäftigen und wohl noch viele Konflikte aufdecken, die jetzt noch nicht ersichtlich sind.

20:10 02.02.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Katharina Sophie Hübener

Befinde mich im vorletzten Semester BWL, interessiere mich und schreibe leidenschaftlich zu gesellschaft-wirtschaftlichen Themen.
Katharina Sophie Hübener

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