Öl: New Little Kill, Ixtoc und der Golfstrom

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Es ist einiges passiert an diesem Wochenende, rund 50 Tage nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko und ein paar Tage seit meinem letzten Blog. Nachdem am Mittwoch noch ein Roboter bei dem Versuch, das Steigrohr in 1500 Meter Tiefe gerade abzusägen, in eben diesem steckengeblieben war, gelang es BP am Samstag, die geplante Kappe über dem Leck anzubringen. Ein Teil des ausströmenden Öls wird jetzt abgefangen und in Tankerschiffe geleitet. BP ist darauf so stolz wie ein Schulkind, das statt der ewigen fünf in Mathe endlich mal eine vier plus mit nach Hause bringt, und hegt nun die Hoffnung, sein Image als grüner Ölriese sei vielleicht doch noch zu retten. Das Wall Street Journal berichtet am Sonntag jedenfalls über eine neue Imagekampagne, die nächste Woche startet und mit der BP den Bürgern sein glorreiches Krisenmanagement noch näher bringen will.

Wie offensichtlich diese Werbelüge ausfällt hängt jetzt nur noch davon ab, wie es mit dem Feigenblatt am Meeresgrund so läuft. Die Kappe fängt derzeit angeblich etwa ein Drittel des austretenden Öls ein, was soviel heißt wie: Es fließen weiterhin 2,4 Millionen Liter Öl täglich an der Kappe vorbei ins Meer – vielleicht sogar mehr, weil die Sägearbeiten am Steigrohr das Leck um bis zu 20 Prozent vergrößert haben. Um die "maximale" Menge (impliziert: nicht das gesamte Öl) ableiten zu können, muss BP noch alle restlichen Ventile an der Abdeckung schließen, und da lauert schon die nächste Panne, denn unter den Bedingungen da unten können sich Kristalle bilden und das Absaugrohr verschließen und damit wäre dann auch dieser "Rettungsversuch" gescheitert.

Man muss also nicht in die Hände klatschen und zur Tagesordnung übergehen, nur, weil BP ein Pflaster auf der Schußwunde installiert hat. Interessant ist gerade deshalb auch die Behauptung der Washington Post, die nicht näher definierte Gemeinde der "Wissenschafler" sei sich völlig einig darin, dass die Katastrophe den Golf von Mexiko nicht in ein zweite Totes Meer verwandeln werde. Ok, man müsste ohnehin eine ganze Menge Salz dazu kippen, aber wie kann denn bitte jemand sicher sein, dass das alles glimpflich ablaufen wird?

Als Begründung soll wohl das inzwischen häufig zitierte Beispiel der Ixtoc-I-Katastrophe ausreichen, in deren Verlauf mindestens das zweieinhalbfache der bisher unter Deepwater Horizon ausgelaufenen Menge Rohöl in den Golf von Mexiko floss - und wie wir heute wissen, hat das Ökosystem diesen Schlag über die Jahre mit Ach und Krach überstanden. Also doch die Tagesordnung?

Tatsache bleibt, das die augenblicklich Situation in jeder Hinsicht neu ist. Ixtoc-I wurd nahe der Küste gebohrt, 50 Meter unter der Wasseroberfläche, das Öl war leicht, es brannte über der Austrittsstelle ab (was BP vermutlich dazu inspirierte, es anfangs auch einfach mal mit Anzünden zu versuchen), es wurden keine Chemikalien in das ausströmende Öl injiziert, der betroffene Küstenabschnitt war kein sensibles Feuchtgebiet.

Das Leck von Deepwater Horizon liegt in der bislang kaum erforschten Tiefe von 1500 Metern. Das austretende Öl ist meiner Kenntnis nach nicht leicht, sondern eine vergleichsweise schwere Pampe. BPs unüberlegter Masseneinsatz von Chemikalien unter und über der Wasseroberfläche hat vermutlich die vielzitierten Ölschwaden gezeitigt, die großvolumig den Sauerstoff aus dem Ozean eliminieren, und mithin auch dem Plankton zu schaffen machen werden, jenen Kleinstlebewesen, die das Fundament der globalen Nahrungskette bilden. Und: Das Öl betrifft jetzt nicht nur weit größere Küstenbereiche samt der sensiblen Marschen, es wird vermutlich auch nicht so lieb sein, und im Golf von Mexiko bleiben. Das IFM Geomar schätzt, dass das Öl noch in diesem Sommer den Süden der US-Ostküste verschmutzen wird. Hier die zugehörige Abbildung:

http://lh4.ggpht.com/_Ji-Xfaah1iM/TAxDiYAaevI/AAAAAAAAA-U/kpwef7jLjz0/s400/f2dd43c61e.jpg

Zu guter letzt ein Ausschnitt aus der Daily Show mit Jon Stewart, die vergangene Woche erhellendes über die Sicherheitsbemühungen von BP zu berichten wusste.

The Daily Show With Jon Stewart Mon - Thurs 11p / 10c Cenac - The Spilling Fields - Oil Leak Containment Ideas www.thedailyshow.com







Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party
03:11 07.06.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kathrin Zinkant

Dinosaurier auf der Venus
Schreiber 0 Leser 5
Kathrin Zinkant

Kommentare 14

Avatar
primo | Community
Avatar
primo | Community
Avatar
Avatar
Avatar