Kathrin Zinkant
08.03.2012 | 17:35 38

Viel Schall um wenig Dampf

Diagnose: Mensch Sie sieht aus wie eine echte Fluppe und Nikotin ist auch drin: Warum die E-Zigarette uns lehrt, das Plagiat zu lieben

Plagiate sind jüngst sehr in Verruf gekommen. Zu Unrecht, muss man sagen, denn manch Kopie dient doch guten Zwecken und manch Zweck heiligt gewiss auch das fragliche Mittel. Dennoch fordert die Kunst der Kopie immer wieder Opfer. Ein kommendes könnte etwa Edmund Stoibers Sohn Dominic werden: Auch seine Doktorarbeit steht (wie einst die seiner Schwester) unter dem Verdacht des Plagiats. Dabei soll der Spross des Ober-Nichtraucherschützers Edmund über den Nichtraucherschutz (ab-)geschrieben haben. Was einen allerhöchsten Zweck impliziert, der des Mittels wegen aber unbeachtet bleibt.

Das Thema Plagiat verspricht im Fegefeuer der Nikotinabhängigkeit aber auch sonst ein heißer Stängel zu werden: Weil echte Zigaretten eine gesundheitliche Zumutung für aktive und passive Raucher sind, wurde vor neun Jahren die E-Zigarette erfunden. Sie sieht aus wie eine echte Fluppe, glüht vorn, als habe man sie angezündet, und Nikotin ist auch drin. Nur alles andere, was Zigaretten krebserregend, gefäßschädigend und stinkig macht oder als Zusatz den Suchtfaktor noch erhöht – Teer, Formaldehyd, radio­aktives Polonium, Benzol, Toluol, Styrol – das alles fehlt dem elektrisch be­triebenen Zigarettenplagiat. Man kann es nicht einmal rauchen. Man dampft sich vielmehr eine: Das Nikotin wird zusammen mit einem mutmaßlich unschädlichen zweiwertigen Alkohol namens Propylenglykol bei 65 Grad Celsius zu einem inhalierbaren Gedünst vernebelt.

Man könnte dieses kleine, in vielen Ausführungen erhältliche Gerät nun als großen Fortschritt betrachten: Die wichtigsten Betroffenen (die Raucher) nehmen zweifellos viel weniger Schadstoffe über die E-Zigarette auf als über echten Tabak. Zumal Nikotin zwar der schnell und nachhaltig abhängig machende Stoff in Zigaretten ist, nur eben nicht der für den Körper schädlichste, und schon gar nicht jener, der für die schweren Folgen des Rauchens verantwortlich ist. Nikotin ist nicht als krebserregend gelistet. Aber auch indirekt Betroffene, also die Nichtraucher, könnten dankbar sein für das Rauchwarenplagiat, weil sie jetzt keinen Abgasmix aus Tausenden Stoffen mehr ins Gesicht gepustet bekommen, sondern ein laues Aerosol, das sich nur durch das Nikotin von den Schwaden einer Disko-Nebelmaschine unterscheidet. Jeder Autoauspuff erzeugt mehr Dreck, jeder kleine oder große Radfahrer im Stadtverkehr atmet auf dem Weg zur Schule oder zum Arbeitsplatz weit mehr schädliche Substanzen ein.

Aber wie man es auch dreht und wendet: Die E-Zigarette ist ein Plagiat und bleibt Nikotin eine Droge. Zudem eine, auf die in dieser Form bisher keine Tabaksteuer erhoben wird. Hasserfüllte Anti-Raucher-Grüppchen und missionierende Gesundheitsexperten kämpfen unermüdlich dafür, dass die E-Zigarette für illegal erklärt und ins Abseits der Apotheken befördert wird: Die Produkte seien nicht ge­testet, man wisse nichts über die längerfristigen Folgen, das Propylenglykol reize die Atem­­wege, Verunreinigungen könnten noch schädlicher sein, die „echte“ Anmutung der E-Zigaretten gebe Kindern Anreize und überhaupt seien die Geschmackspaletten der Nikotinflüssigkeiten (von Frucht bis Schoko) bereits auf das Anfixen des Nachwuchses zu­geschnitten. Das mag zwar sein. Aber welches erdbeerverliebte Mädchen wird, wie es heißt, auf Ziga­retten mit Teergeschmack umsteigen?

Es wäre doch schön, wenn man das Plagiat hier ausnahmsweise mal schätzen würde. Mit ein paar Steuern, Qualitätsstandards und Langzeitbeobachtungen nebst Altersbegrenzung wäre der Kritik dabei genüge getan. Und gesünder ist das E-Kraut allemal.

Kommentare (38)

Huckleberry 08.03.2012 | 22:09

Sehr objektiv geschrieben, Vielen Dank.

Nur kurz zu den angeblich ungeprüften Inhaltsstoffen.
Ein Liquid besteht aus Propylenglycol (PG), vegetabilem Glycerin (VG) und Wasser. Dazu kommen auf Wunsch Lebensmittelaromen und Nicotin.
PG und VG sind geprüft und getestet und werden seit langem in der Pharma-/Kosmetikindustrie eingesetzt.
PG wird in den Kliamaanlagen amerikanischer Krankenhäuser der Atemluft beigemischt, da es antibakteriell wirkt.
Auch Wasser ist ausreichend getestet und schon länger bekannt.
Die Lebensmittelaromen ebenfalls.

Zum Nicotin:
Nicotin ist nicht "der" suchtauslösende Stoff. Nur bei der Tabakverbrennung entstehen sog. MAOI-Hemmer (Enzym-Hemmer). Diese sind als Sucht-Auslöser erkannt.
Dazu eine Studie:
sciencev1.orf.at/science/news/154462

Nicotin wirkt in geringer Dosierung anregend auf das Gehirn, ähnlich wie Koffeein auf den Kreislauf.

In der jetzigen Situation hilft nur Aufklärung und Transparenz.
Dazu haben Sie schon einen guten Beitrag geleistet.
Nochmals Vielen Dank

Gigaziggi 08.03.2012 | 22:25

Ich schließe mich dem gerne an. Es scheint wohl doch noch möglich zu sein, mutig gegen die Hetzkampagne der Print Medien sachlich und aufgeräumt über die E-Zigarette zu berichten.Einen Dank an Frau Zinkant.
Es bleibt zu hoffen, daß andere Redakteure sich endlich ein Beispiel an diese mutige Frau nehmen, ich habe aber da meine Zweifel denn der lange Arm der Tabakindustrie reicht weit speziell weit in die Etagen des Springer Konzerns.Ich bin heute schon gespannt wann die nächste E-Zigarette explodiert oder Raucher einer E-Zigarette von Aliens entführt werden.Da sind gewisse Zeitungen diesbezüglich ja sehr einfallsreich und mittlerweile wöchentlich berechenbar.

Kathrin Zinkant 10.03.2012 | 15:45

@ geoffrey, afreakana, andy farina und alle anderen pseudonyme jener person, die hier ihre begeisterung zum ausdruck bringen möchte, und das für meine begriffe jetzt auch mehr als hinreichend getan hat.

danke für die überschwänglichen worte. ich kann sie mir nicht recht erklären. meine erfahrungen mit der freitag-community sagen mir jedenfalls, dass es sich hier um eben nicht-fc-genuine äußerungen handelt, die offenbar einen zweck verfolgen. welchen auch immer.

zur klarstellung: ich bin im grunde dafür, das rauchen zu verbieten. nicht, weil ich raucher doof finde oder ihnen den genuss missgönne. sondern weil es der einzig mögliche schluss aus allem ist, was man heute über die folgen des rauchens weiß. und der einzige schluss aus dem, was die politik den bürgern so salbungsvoll als "nichtraucherschutz" verkauft, um nicht auf die gut 14 milliarden euro verzichten zu müssen, die jährlich an tabaksteuern in ihre kassen fließen.

in einer tabakfreien gesellschaft könnte man dann auch auf die e-zigarette verzichten. was ich auf grundlage der heutigen kenntnis und tatsächlichen lage aber auch meine, ist: wenn raucher sich weniger schädlich ihrer sucht hingeben können, dann sollen sie das in wessen namen auch immer tun können, ohne dass sich die staatlich beauftragten gesundheitsapostel und raucherhasser sofort wieder dahinterklemmen. wie für zigaretten auch ließen sich altersgrenzen, kontrollen, steuern und das ganze paket für e-zigaretten einrichten, um der angeblichen besorgnis genüge zu tun. ABER: das ist nur so, weil wir es in sachen rauchen ohnehin mit einer fadenscheinigen bequemlichkeitslösung zu tun haben.

ed2murrow 10.03.2012 | 17:38

Sie wissen doch, dass ich ein heimlicher Fan von Ihnen bin ;)

Mein Einspruch richtet sich auf "zur klarstellung: ich bin im grunde dafür, das rauchen zu verbieten". Bevor wir, und ich betone: wir! das erwägen, sollten wir uns überlegen, welche Nichtraucher mit welchen Tätigkeiten so viel Dreck in die Luft blasen, dass der Spaziergang in einigen Städten am Nachmittag das Äquivalent zu 30 Zigaretten ohne Filter darstellt. Und dabei denke ich nicht an das St-Florians-Prinzip, sondern versuche, die Aufmerksamkeit auf ein paar gar nicht so spezielle Verursacher-Prinzipien zu lenken. Als da wären Autoabgase, Heizungsabgase, Abgase aus Müllverbrennungsanlagen, Feinstäube, die noch lange nicht erforschte Auswirkung von Nanotechniken. Ich glaube, die Asbestproblematik ist hierzulande schon zu sehr in Vergessenheit geraten, als dass potentiell vergleichbare Tatbestände im Bewußtsein eine Rolle spielen würden.

In öffentlich zugänglichen, nicht ventilierten Räumen begrüße ich das Rauchverbot, weil -jenseits des Gesundheitsaspekts- ein allgemeines Gebot der Rücksichtnahme immer mehr mißachtet worden ist. Das, was hier in Bayern nun durchgesetzt wird, nämlich das Rauchverbot auf offenen Decks von Schiffen, ist dagegen nur noch lächerlich und läßt sich allenfalls damit vergleichen, dass demnächst den unebdarften Touris befohlen wird, Sun-Blocker wegen des Hautkrebsrisikos aufzutragen.

Freiheit, liebe Frau Zinkant, besteht auch darin, sich für Unvernunft entscheiden zu dürfen ...

merdeister 10.03.2012 | 18:15

Da melde ich mich doch mal als expliziter Nichtraucher, der von seiner eigenen Angenervtheit manchmal selber angenervt ist.

Als Freund des Rauchverbots in geschlossenen Räumen, kann ich einem Rauchverbot unter freiem Himmel wenig abgewinnen, obwohl ich sogar genervt bin, wenn am Bahnsteig neben mir jemand raucht. So ist eben das Leben, gehe ich halt ein Stück zur Seite oder beruhige mich.

Beim Verbot, einem absoluten Verbot muss man sich nur einmal anschauen, wie es mit anderen Drogen aussieht. Da klappt das mit dem Verbot auch wunderbar. Keiner nimmt sie mehr^^. Und was soll man dann noch verbieten? Alkohol wäre der nächste Kandidat auf der Liste. Das würde dazu führen, dass wieder illegal gebrannt werden würde, was zu Methylalkoholvergiftungen führen würde, was zu Blindheit und Tod führen kann.

Das einzige was Sinn ergibt, ist Aufklärung und ein gewisses Maß an Kontrolle, was den Zugriff für Kinder und Jugendliche angeht.

Über die E-Zigarette habe ich bisher nicht viel gehört, aber nach allem was im Text so steht, bin ich Fan von dem Ding, ohne es zu benutzen.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2012 | 18:22

@Kathrin Zinkant
zur klarstellung: ich bin im grunde dafür, das rauchen zu verbieten. nicht, weil ich raucher doof finde oder ihnen den genuss missgönne. sondern weil es der einzig mögliche schluss aus allem ist, was man heute über die folgen des rauchens weiß. und der einzige schluss aus dem, was die politik den bürgern so salbungsvoll als "nichtraucherschutz" verkauft, um nicht auf die gut 14 milliarden euro verzichten zu müssen, die jährlich an tabaksteuern in ihre kassen fließen.

Das mit dem Verbieten klappt ja bei den illegalen Rauschdrogen so gut, daß jetzt einige lateinamerikanische Länder erwägen, die bei ihnen erzeugten Drogen freizugeben, um damit die Drogenkartelle auszutrocknen. Einige Dinge bringst du halt nicht durch Verbote aus der Welt. Zu den Problemen aus der Droge kommen die Probleme hinzu, die aus der Illegalität entstehen.

Ciao
Wolfram

Kathrin Zinkant 10.03.2012 | 19:41

ach, wie schön - echte kommentare! da antworte ich doch gern ;)

also: nichts funktioniert hundertprozentig. sie haben mit allen einwänden recht. aber vielleicht drücke ich mich nochmal anders aus: ich fände es *ehrlicher*, wenn man das rauchen und den verkauf von rauchwaren zum wohle der staatskasse verböte, anstatt immer die gesundheitsfuchtel zu schwingen und raucher auf unhaltbare weise zu isolieren, zu diskriminieren – und sogar zu kriminalisieren, wie es zum beispiel mit der sogenannten passivraucher-"studie" des dkfz von 2005 geschehen ist.

dass die illegalität vergleichbare probleme wie bei harten drogen mit sich bringen würde, möchte ich aber auch bezweifeln. aufgrund meiner eigenen erfahrungen kann ich sagen: der effekt des rauchens ist im vergleich zu den nebeneffekten einfach nicht dolle genug. und wer einmal für längere zeit aufgehört hat, fängt allein deshalb wieder an, weil einem immer wieder raucher begegnen, von denen man sich eine schnorren kann, und weil man hernach an jeder straßenecke nachschub bekommt. nikotin macht stark süchtig. es macht aber nicht wirklich high.

ed2murrow 10.03.2012 | 20:04

"dass die illegalität vergleichbare probleme wie bei harten drogen mit sich bringen würde, möchte ich aber auch bezweifeln"

Dagegen erlaube ich mir, die Zeit des Prohibitionismus in den USA dagegen zu setzen. Nach Glücksspiel und Prostitution war das illegale Panschen und der Verkauf des Alkohols eine der Grundbedingungen für den Aufstieg der Cosa Nostra. Und bitte, die diversen Marken sind heute in jedem Supermarkt zu kaufen. Alleine der Schmuggel von Glimmstengel aus fiskalischen Gründen, nämlich zur Umgehung der betreffenden Abgaben, ist ein sehr einträgliches und kriminell hoch organisiertes Geschäft, wenn Sie sich einmal beim Zoll insb. in Rosenheim oder auf der anderen Seite bei Plauen kundig machen, von Genua, Livorno und Neapel will ich da erst gar nicht reden.

GEBE 10.03.2012 | 20:27

Irgendwas mit Re

Kathrin Zinkant schrieb am 10.03.2012 um 18:41

"... verkauf von rauchwaren ..."

Rauchwaren, Frau Zinkant, sind immer noch Pelze und Kürschnererzeugnisse. - So viel Allgemeinbildung und begriffliche Zuordnung muß doch bitteschön noch sein, immerhin sind Sie Redakteurin!

Ich nehme an, es würde Ihnen gewiß nicht sehr passen, bezeichnete man Sie als Reduktionistin, weil irgendwie oder so, wegen dem Re, irgendwie damit klar sein sollte, was irgendwie oder so irgendwie gemeint sein könnte.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2012 | 21:13

@Kathrin Zinkant
also: nichts funktioniert hundertprozentig. sie haben mit allen einwänden recht.

Das Drogenverbot und die relativ kurze Alkohol-Prohibition in den USA haben nicht "nicht hundertprozentig" funktioniert, sie waren, bzw. sind, eine einzige Katastrophe. In den USA gab es nach der Prohibition mehr Alkoholiker als vorher, heute sterben mehr Menschen an den Folgen des Drogenverbots als an der Droge selbst. Und was das Verbot des Tabaks betrifft: Tabak war früher, es ist eine Weile her, geb ich zu, in manchen Weltgegenden verboten, teilweise unter Androhung drakonischer Strafen (in der Türkei zeitweise sogar mit der Todesstrafe), genützt hat es nichts.

dass die illegalität vergleichbare probleme wie bei harten drogen mit sich bringen würde, möchte ich aber auch bezweifeln. (...) nikotin macht stark süchtig. es macht aber nicht wirklich high.

Nein, high macht es nicht. Aber nach einem Verbot würde man weiter rauchen wollen, der Bedarf wird dann halt durch illegale Zigaretten gedeckt. Sie wären dann wahrscheinlich - trotz der Nebenkosten durch die Illegalität - billiger als heute, weil die Tabaksteuer wegfiele. Raucher säßen dann halt ab und zu in Gefängnissen. Apropos Gefängnisse: Würde man das Rauchen in Gefängnissen verbieten, bräche eine schwere Zeit für die Wärter an. In Gefängnissen ist Tabak heiß begehrt, der Wegfall brächte enorme Unruhe in diese Etablissements.
Ein weiteres Argument gegen ein Verbot ist der Umstand, daß ein Gesetz, das von vielen nicht respektiert wird, dem allgemeinen Respekt vor den Gesetzen schadet. "Gib nie einen Befehl, wenn du nicht sicher bist, daß er auch befolgt wird" hat mal Talleyrand gesagt.

Ciao
Wolfram

Eff Jay 10.03.2012 | 21:25

Ich jedenfalls habe mit E-Zigaretten nach etwa 25 Jahren Zigarettenkonsums das Rauchen aufgegeben, obwohl das eigentlich nicht geplant war. Ich habe eher nach einer weniger schädlichen Alternative gesucht.
Eigentlich müsste es umgekehrt sein:
Der Staat müsste die E-Zigaretten fördern und (Tabak)-Zigaretten in die Apotheke verbannen. Inzwischen wird mit geradezu grotesk anmutender Argumentation versucht, die E-Zigarette wieder vom Markt zu bekommen, währendessen die echte Zigarette auch nachts um 3 Uhr an jeder Tankstelle erhältlich ist. Die gesundheitlichen Vorteile des "Dampfens" im Vergleich zum "echten" Rauchen sind einfach zu offensichtlich.
Das haben alle, die kein Interesse an der weiteren Verbreitung haben jetzt offenbar erkannt, Politiker, die glauben sich mit dem Thema profilieren zu müssen, die Apotheker und Pharmalobby, die lieber ihre eigenen Entwöhnungsprodukte verkaufen will und wenn nicht, dann zumindest zu Apothekenpreisen am Dampferzubehör verdienen möchte, die Tabakkonzerne, weil sie möchten das wir rauchen und der Bund, der um seine Steuereinnahmen fürchtet.

Kathrin Zinkant 10.03.2012 | 22:03

potzblitz, lieber GEBE, sie haben erkannt, was viele vor ihnen schon ahnten: es steht schlecht um meine allgemeinbildung. oder zumindest um die art der allgemeinbildung, die sie hier meinen, nämlich pelwarenhändlerjargon. welcher mein ruf nach einem verbot des verkaufs von zu rauchenden und den im eigentlichen sinne "rauch"-waren nur unterstreicht. auch wenn es bestimmt leute gibt, die heimlich (im keller?) pelze tragen...

Kathrin Zinkant 10.03.2012 | 22:30

lieber wolfram heinrich: alkohol ist auf jeden fall eine sehr zwiespälte droge. auch eine, auf die man im grunde verzichten könnte, und die viel schaden anrichtet. wobei die echte abhängigkeit hier nicht nur gesundheitliche, sondern heftigste soziale dramen initiiert. koabhängigkeiten, gewalt, schlimme kindheiten.

nun sind wir aber stolz aufs deutsche bier (das ich selbst gern mag) und den deutschen wein (auch nicht schlecht) und kein politiker verbannt die trinkenden aus dem öffentlichen leben (außer aus den ubahnen, in der tat, aber da ist glaube ich auch jeder mit einem rauchverbot einverstanden). insofern ergibt sich da auch nicht die peinliche diskrepanz aus verteufelung und gleichzeitigem profit durch steuern.

und im gegensatz zu den meisten hier könnte ich mir das trotzdem sinnvoll vorstellen, tabak zu verbieten. heute, hier, mit unserem wissen und unserer haltung zu gesundheitlichen fragen. ich glaube jedenfalls nicht, dass ein verbot vergleichbare folgen hätte wie jene der prohibition. ich glaube auch nicht, dass sich 20 millionen raucher nach einer illegalisierung auf dunklen wegen zigaretten beschaffen würden. Einige vielleicht. aber die mehrheit, vielleicht um die 19.900.000 Menschen, wäre froh, dem rauchen ein für alle mal entkommen zu können. (neun von zehn rauchern möchten gerne aufhören....)

GEBE 10.03.2012 | 22:48

;-)

Lemmaselektion

Ach, liebe Frau Zinkant - ich darf Sie doch so ansprechen, ja? -, wenn Ihre Wort-Assemblagen ein Getränk wären, es verursachte bestimmt eine pelzige Zunge.

“ … pelwarenhändlerjargon.“

Sie irren, denn es ist ein handwerklicher Fachterminus, so wie z.B. Lemma einer ist, der mit der Anwendung von Sprache in engem Zusammenhang steht, und nicht etwa aus der Schafszucht herleitbar ist.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2012 | 23:03

@Kathrin Zinkant
nun sind wir aber stolz aufs deutsche bier (das ich selbst gern mag) und den deutschen wein (auch nicht schlecht) und kein politiker verbannt die trinkenden aus dem öffentlichen leben (außer aus den ubahnen, in der tat, aber da ist glaube ich auch jeder mit einem rauchverbot einverstanden). insofern ergibt sich da auch nicht die peinliche diskrepanz aus verteufelung und gleichzeitigem profit durch steuern.

Na also. Wenn man mit der viel gefährlicheren Droge Alkohol ohne Verteufelung klarkommt, wieso dann nicht auch mit dem Nikotin? Verteufelung einstellen und die Diskrepanz ist behoben.

ich glaube auch nicht, dass sich 20 millionen raucher nach einer illegalisierung auf dunklen wegen zigaretten beschaffen würden.

Das glaube ich auch nicht. Es wäre wohl ähnlich wie bei der Alkohol-Prohibition: Jene Leute, die sich gelegentlich eine Fluppe anstecken, würden das dann lassen, die Harcore-Raucher, also die eigentliche Problemgruppe, würden dankbar zum Gangster ihres Vertrauens gehen und sich dort eindecken.
Das wäre übrigens ein weiterer unerwünschter Nebeneffekt eines Verbots: Eine ganze Menge ganz normaler Bürger würden lernen, Gangster schätzen zu lernen, sie zu akzeptieren.

Ciao
Wolfram

ed2murrow 10.03.2012 | 23:25

harter Schnitt: Die Diskussion um "risikobehaftetes Tun" ist a) ein Türöffner für die weitere Entsolidarisierung im Gesundheitswesen, b) äußerst geeignet, von Problemen eben der Gesundheit, nämlich die der Lebensgrundlagen abzulenken, die aber im Gegensatz zu Rauch nicht nur von individueller, sondern von gesamtgesellschaftlichern vitaler Bedeutung sind, c) noch mehr geeignet, eine Stigmatisierung vonPersonen herbei zu führen und d) das beste Vehikel, den Menschen das diffus wohlige Gefühl zu vermitteln, selbst an einem demokratischen Prozeß teilzunehmen, in dem sie über das Verhalten anderer abstimmen dürfen, während gleichzeitig die demokratischen Rechte von den wirklich Herrschenden peu à peu auf eine reine Chimäre heruntergebrochen werden.

Liebe Kathrin Zinkant, fragen Sie sich bitte, wie dann eine ganze spanische Provinz auf den Trichter kommt, Cannabis anbauen zu wollen, um die Regionalkassen aufzufüllen.

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Ehemaliger Nutzer 10.03.2012 | 23:56

@ed2murrow
Liebe Kathrin Zinkant, fragen Sie sich bitte, wie dann eine ganze spanische Provinz auf den Trichter kommt, Cannabis anbauen zu wollen, um die Regionalkassen aufzufüllen.

Apropos Cannabis. Ich möchte dran erinnern, daß es gerade mal 90 Jahre her ist, seit in Deutschland und in vielen anderen Ländern Köstlichkeiten wie Opium, Morphium, Kokain oder Cannabis verboten wurden. Vorher (auch in Zeiten und Regionen, in denen Tabak verboten war) waren sie frei in jeder Apotheke erhältlich, keiner machte ein Geschiß darum.
Sherlock Holmes setzte sich die 5-Prozent-Lösung Kokain, Thomas de Quincey veröffentlichte unbehelligt seine "Bekenntnisse eines englischen Opiumessers", Hegel schnupfte seinen mit Cannabis versetzten Tabak (High durch Schmai) und Wilhelm Buschs Lehrer Lämpel rauchte des abends gemütlich seine Pfeife Knaster, also einen mit Hanfsamen aufgepeppten Tabak.
Um 1905 rum brachte die Firma Bayer ein neuartiges Medikament gegen die Opiumsucht auf den Markt - Heroin. Schnaps gegen Biersucht. Kein Satiriker traut sich so was auszudenken. Außer Jaroslav Hasek: Von Hasek gibt's eine Geschichte ("Alkoholikeridylle"), in der ein Apotheker Schnaps als Medikament gegen übermäßigen Bierkonsum anbietet, womit es eine besorgte Ehefrau schafft, aus einem sehr mäßigen Biertrinker einen haltlosen Schnapsalkoholiker zu machen.
Egal. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg kam dann das Verbot all dieser Drogen. Ist seither das Drogenproblem geringer geworden?

Ciao
Wolfram

bambulie 11.03.2012 | 00:40

Wir leben nun mal in einer kranken Verbotskultur, da beißt die Maus keinen Faden ab. Verbieten muss unheimlich Spaß machen. Eine bestimmte Menschengruppe glaubt jedenfalls, alle hätten so zu leben, wie sie es tun. Ich nenne so etwas: Sozial-Faschismus. Und die Politik hat keinerlei Skrupel beim Raucher übermäßig kräftig hinzulangen.

Aber In einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung hat der Mensch auch das Recht sich selbst zu schädigen, wenn er denn will. Freier Wille.

Dass aber Alkohol die wirklich schlimmste aller Drogen ist, ist ja nun auch nichts Neues.

Jedes Jahr sterben allein in Deutschland 74 000 Menschen an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums. 74 000 Alkoholtote, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Dagegen lebt jeder Junkie, Kiffer, Raucher ja direkt gesund.

www.welt.de/die-welt/wissen/article8194870/74-000-Alkoholtote-pro-Jahr-in-Deutschland.html

Bei dieser unglaublich hohen Opferzahl durch das Nervengift Alkohol sind aber immer noch nicht die Todesopfer mit eingerechnet, welche von Betrunkenen, aufgrund von totaler Enthemmung (Alkohol/Gewalttaten/Schlägereien mit Todesfolge) begangen werden.

Und von Verkehrsunfällen mit Personenschaden bis hin zum Exitus brauchen wir erst gar nicht zu reden. Würde man all diese Opfer auch noch mitzählen, was man natürlich tunlichst vermeidet, dann wäre die Zahl der durch Alkohol verursachten Todesopfer mit Sicherheit noch um ein Vielfaches höher.

Andy Farina 11.03.2012 | 00:49

Ich bin eZiggy Dampfer, in genuiner Absicht und auch nur mit einem Pseudo unterwegs. Bin nicht dafür, das Rauchen zu verbieten. Jeder Gastwirt kann selbst entscheiden ob er ein Nichtraucherlokal betreibt, sowie auch jeder Gast selbst entscheiden kann wo er sich rein setzt. Ich selbst verabscheue Verbote, die uns Bürger über-regulieren. Mit meinen Kindern gehe ich nur in Lokale in denen nicht geraucht wird, alleine deswegen finde ich Nichtraucherlokale empfehlenswert. Ansonsten habe ich nichts gegen Raucher,Nichtraucher, Alkoholiker, ... neben mir in Kneipen.
Und werben will ich hier nicht für mich oder meine geschäftlichen Absichten, sondern ausschließlich für die Dampfer.

claudia 11.03.2012 | 05:51

Als Ersatzdroge für die E-Zigge käme Nikotinkaugummi in Frage.

Einen Ersatz für den Genuss einer Zigarette zum Kaffee nach dem Essen gibt es allerdings nicht, sowenig wie für das Gläschen Wein zum Essen oder das Weissbier am Sommerabend.

Da mittlerweile ein Konsens darüber hergestellt werden konnte, dass das Rauchen in nichtprivaten geschlossenen Räumen unterlassen wird, empfehle ich, mal eine Friedenspfeife zu rauchen und die Streitaxt zu begraben. Und vielleicht gemeinsam zu überlegen, was man zum Beispiel gegen Stresskrankheiten, Folgen von Fehlernährung, den Hunger in anderen Weltgegenden und die Zerstörung von Menschen und Lebensräumen durch Kriege unternehmen kann.
Es gibt genug konkrete Probleme, die der Lösung harren. Wir sollten uns nicht immer wieder ablenken lassen.

dos 12.03.2012 | 00:14

Nein, nein, nein !
Die negativen Folgen einer Illegalisierung des Rauchens und des Tabaks werden hier wohl deutlich UNTERschätzt!

Neben die hier im Kommentarbereich von Wolfram Heinrich genannten Argumente treten auch erhebliche Irritationen im Rechtssystem:
Damit würde eine weitere der Sachlogik widersprechende Rechtslogik wirksam, denn den hier (Frau Zinkant) angestellten Güterabwägungen nach, müßte erst recht, noch VOR dem Rauchen, der Alkohol verboten werden.
Daß die sachlogische Güterabwägung nach Schadenshöhen u.- qualitäten (noch) nicht durchgängig greift, z. B. bei der Stellung Cannabis versus Alkohol, ist kein Grund, sich von dieser durch eine neue Illegalisierung, die dieser Systematik widerspricht, noch weiter zu entfernen als bisher.
Neben unerwartet guten Erfolgen beim Kampf gegen "Neuinfektionen" u. a. in den jungen Jahrgängen spricht auch eine Grundtatsache des Lebens gegen eine Kriminalisierung:
Das je "Gute" oder "Richtige", das "Notwendige" usw. des, bzw. für den, Menschen ist nicht per se/a priori das Schadensfreie!!!
Bestes Beispiel Sauerstoff (-> vermutlich größter Einzel-Alterungsfaktor) oder Pharmazeutika/Medikamente usw.: Wo kein Schatten, dort auch i. d. R. kein "Licht" !!

Erst vor diesem Hintergrund, daß Schadensfreiheit NICHT ALLES dominiert, wird der Widerspruch zwischen Sach- und unserer aktuellen Rechtslogik vielleicht verständlich ...

dos 12.03.2012 | 01:13

" ... bis vor 90 Jahren ..."

M. W. ist Cannabis schon 1484 von Papst Innozenz verbannt/verdammt worden.
-> Absetzbewegung von dem bis dahin sehr einflussreichen bzw. für den Frühkapitalismus der (Spät-/Hoch-) Renaissance mit grundlegenden, arabisch-muslimisch Kulturraum (Rechnen, Tradierung der antiken Schriften, die die R. namensgebend "wiedergebiert" usw. ) vor dem Hintergrund materieller Interessen:
1. Kannten die Arab-Muslime das strenge Zinsverbot auf nicht-haftende, nicht als mithaftende Beteiligung darstellbare "Überlassung von Zahlungsmitteln" - daß sich der finanzielle und wohlstandsmäßige Boom der Renaissance gerade auch der "Befreiung" von dieser zuletzt scholastischen, aber jahrtausendealten Zins-Skepsis verdankt, legt solche "Distanzierung" vom arabisch-muslimischen Elternteil der europäischen Neuzeitkultur aus MATERIELLEN Interessen genauso nahe wie
2. die absehbare (Portugiesen->Indien-Handel um Afrika herum, statt über den Nahen Osten) territoriale Konfliktsituation mit den Muslimen (Afrika, Indien).

Schildkröte 12.03.2012 | 12:44

John Stuart Mill schreibt in seinem berühmten Essay „Über die Freiheit“: „Das einzige Ziel, dessentwillen es der Menschheit gestattet ist… die Freiheit eines ihrer Mitglieder zu beschränken, ist Selbstschutz….Das eigene psychische oder moralische Wohl des Handelnden ist kein genügender Vorwand. Man kann jemanden gerechterweise nicht zwingen, bestimmte Dinge zu tun und zu unterlassen, weil es für ihn selbst so besser sei…“(21) Dies ist eigentlich Grundlage unseres freiheitlichen Gesellschaftsverständnisses – und zu recht. Die Befürworter der Tabakprohibition bringt das in ein Dilemma: Sie wollen, möglicherweise aus echter Besorgnis um deren Gesundheit, dass Raucher das Rauchen lassen, müssen dies aber als Selbstschutz der Gesellschaft darstellen. Es geht offiziell nie darum, die Raucher zu schützen, sondern immer nur die Nichtraucher. Dies führt zu einer skurrilen Überdehnung des Argumentes, Passivrauch würde die Allgemeinheit schädigen. In Westkanada ist Rauchen auch auf der Straße verboten, hunderte von Schildern weisen darauf hin, dass man 6 m Abstand von jeder Tür und jedem Fenster halten muss. Es könnte ja aufgehen und ein Schadstoffpartikelchen ins Haus eindringen.Frau Zinkant weist zu Recht auf die Verlogenheit dieses Vorgehens hin.

Sie plädiert jetzt aber dafür, den Widerspruch so aufzulösen, dass man den Grundsatz der persönlichen Freiheit aufgibt und das Rauchen frank und frei verbietet. Das ist zugegebenermaßen ehrlicher. Allerdings halte ich persönliche Freiheit für einen außerordentlich wichtigen Wert, auch die Freiheit, so ungesund zu leben, wie ich möchte. Frau Zinkant möchte das Rauchen auch gerne verbieten, weil der Nichtraucher immer wieder in Versuchung gerät beim Anblick von Leuten, die genußvoll an einer Zigarette ziehen („…fängt allein deshalb wieder an, weil einem immer wieder Raucher begegnen…“). Auch diesen Punkt hatte John Stuart Mill schon im Blick: „Man hat von der Notwendigkeit gesprochen, die Gesellschaft vor dem bösen Beispiel zu schützen, das das Laster oder die Schwäche anderen gibt. Und es ist wahr, dass böse Beispiele eine ansteckende Wirkung haben…““ (136) Trotzdem ist er der Meinung, dass die persönliche Freiheit Vorrang habe.

Es ist ja sehr optimistisch zu glauben, man könnte die Verbote aufs Rauchen beschränken. Alkoholverbot wäre wohl der nächste Schritt, es besteht ja jetzt schon offen in den islamischen und faktisch durch hohe Besteuerung in den skandinavischen Staaten. In Deutschland sind vorsichtige Schritte in diese Richtung sichtbar (Alkoholverbot im Nahverkehr, auf öffentlichen Plätzen, in Flugzeugen…). Auch Ernährung soll nicht mehr Privatsache sein. Rote Ampeln, ähnlich den Aufklebern auf Zigarettenschachteln sollen vor schädlichen Lebensmittel warnen, Cola, Fastfood und fettreiche Nahrung soll nach Auffassung der EU höher besteuert werden. Wie das enden kann, hat Julie Zeh in ihrem Roman Corpus Delicti anschaulich beschrieben: ein Staat der das Leben seiner Bürger mittels elektronischer Vernetzung bis in intime Details hinein kontrolliert. Konzerne nehmen schon jetzt Bluttests bei Einstellungen vor. In USA werden Raucher, Alkoholkonsumenten und Übergewichtige oft nicht mehr eingestellt. Wir sind nicht sehr weit von Julie Zehs Horrorutopie entfernt.

Wenn die Gesellschaft sich das Recht nimmt, die Freiheit des Einzelnen zu beschränken, um ihn vor sich selbst zu schützen, ist es nur ein kleiner Schritt zu Zwangsopfern für das vorgebliche Wohl der Gesellschaft. Vor einiger Zeit forderte Bestsellerautor Richard David Precht bei Anne Will, Rentner sollten ein Jahr kostenlos arbeiten, um ihren gesundheitsbedingten längeren Rentenbezug auszugleichen. Es gab einen kleinen Film und Rentner, die mit gepackten Koffern am Flughafen standen, wurden befragt, ob sie dazu bereit seien. Die Antwort kann man sich denken. Das führte Precht zu dem Vorschlag, die Rentner doch einfach zu zwingen, für die Gesellschaft zu arbeiten. Zwang sei notwendig und Zwang werde nach einiger Zeit akzeptiert- das zeige doch das Rauchverbot. Ich hoffe, er hat Unrecht.

Schönen Gruß, Schildkröte

Karl Amares 13.03.2012 | 17:18

Sehr geehrte Frau Zinkant,
obwohl ich mich sonst so gut wie nie irgendwo anmelde, habe ich dies in diesem Fall doch getan, um mich bei Ihnen für diesen gut recherchierten und ausgewogenen Bericht zu bedanken.
Leider erscheinen sonst meist nur Artikel, welche das Dampfen in ein sehr schlechtes Licht rücken, und den Menschen suggestiveren, das es sogar schlimmer(schädlicher) für den Dampfer oder den umstehenden Mitmenschen sei als das Rauchen.
Ich selber dampfe nun bereits seid bald zwei Jahren, und bis zum Herbst/Winter im letzten Jahr war mein Umfeld auch dem Dampfen sehr aufgeschlossen und spätestens nach Erklärungen positiv gegenüber eingestellt.

Leider hat sich diese seit dem stark geändert, vermutlicher Weise wegen der sehr einheitlichen Berichterstattung in den Medien, und auch der Aussage von manchen "Fachkräften". Sehr schade, das sich kaum ein Journalist mal die Mühe gemacht hat, dieses Thema mal im Hintergrund zu beleuchten, und auch mal einen Vergleich zu den Risiken gegenüber der zu ziehen.
Die meisten Reaktionen die ich mittlerweile erhalte sind in etwa immer die gleichen: "Ich hab gehört das ist: ..... schädlicher als das Rauchen....., gesundheitlich sehr gefährlich, ..... lieber Tabak rauchen, das ist besser, ......usw. "

Da haben evtl. die Lobbyisten gute Arbeit geleistet, denn es geht nicht nur dem Staat jede menge Geld verloren durch die Dampfer.
Bei nur 1 Million Dampfer (geschätzt werden aktuell bis zu 2 Millionen) geht alleine dem Staat im Jahr schon etwa 1Milliarde Euro im Jahr verloren.
www.wahrheit-ueber-ezigaretten.de/e-zigarette-und-tabaksteuern/e-zigarette-und-die-tabaksteuer
Dazu kommen natürlich noch die Verluste der Tabakfirmen und anderen Zweigen, welche auch ihr Geld mit dem Rauchen verdienen. Vermutlicher weise werden aus diesem Grund die meisten Berichte über die E-Zigarette "schwarzgefärbt".

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das mir das umstellen auf die E-Zigaretten gut getan hat. Ich hatte vorher ca. 60 Zigaretten am Tag geraucht, und bin morgends mit einem starken Raucherhusten aufgestanden. Der Umstieg gelang mir spielend, obwohl ich die E-Zigarette nur mal testen wollte und evtl. nur zusätzlich mit ins "Rauchen" einbeziehen wollte. Allerdings, wohl weil vor allem das Ritual gleichbleibt (etwas in der Hand zu Haben und dran ziehen zu können), habe ich bereits nach wenigen Tagen meinen Aschenbescher ausgewaschen und in den Schrank gestellt - dort steht er noch heute. Mein Raucherhusten war bereits nach etwa zwei Wochen verschwunden, meine Ausdauer hat sich verbessert, und auch meine Geschmacks und Geruchsnerven haben sich scheinbar verbessert.

Ich finde das Dampfen als eine sehr gute Alternative zum Rauchen, welche das Gesundheitliche Risiko minimiert.
Selbstverständlich ist auch das Dampfen nicht "Gesund", allerdings ein wesentlich kleineres Übel, welches meine Gesundheit kaum beeinträchtigt, und diese von meinen Mitmenschen schont.

Eigentlich das "perfekte" Mittel für eine Harmonissierung von Rauchern und Nichtraucher, wenn es nicht die gäbe, welche prinzipiell gegen alles sind, was diese nicht selber machen, und vor allem natürlich den Leuten, welchen das Dampfen gar nicht schmeckt, weil diese um ihre sicheren Geldquellen bangen.

Denke aus dieser Richtung wird die meiste Gegenwehr kommen, denn wie heißt es so richtig "Geld reagiert die Welt".

petz 16.03.2012 | 04:01

Ei, wie flink unsere Legislativfuzzis gelegentlich sein können, wenn ein skurril zusammengesetztes Konglomerat von Lobbyisten und darüberhinaus auch noch fiskalische Interessen den Rechtsverstand beflügeln:

Die Regierung erläutert, dass nach ihrer Auffassung „das Inverkehrbringen von Nikotin-Depots, -Tanks oder -Liquids zur Verwendung in E-Zigaretten ohne arzneimittelrechtliche Zulassung gegen das Arzneimittelgesetz“ verstoße. Für den bloßen Gebrauch von nikotinhaltigen E-Zigaretten gelte dies nicht. Allerdings sei „nach Maßgabe des Bundesnichtraucherschutzgesetzes das Rauchen auch mit E-Zigaretten verboten“ in Bundeseinrichtungen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen. In den Ländern könnten auf Grund der jeweiligen Nichtraucherschutzgesetze weitere Einschränkungen bestehen.

und weiter: Die Regierung schreibt, es gebe „Hinweise darauf, das beim Verdampfen der Liquids krebserregende Substanzen (zum Beispiel Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein) entstehen, deren Konzentrationen bei Untersuchungen des eingeatmeten Dampfes oberhalb der zulässigen Innenraumgrenzwerte lagen“. (beide Zitate aus: hib - heute im bundestag Nr. 131, 14.03.2012)

Da es ja listiger- und lustigerweise hier um Nichtraucherschutz zu gehen hat, werden mal eben die Konzentrationen des eingeatmeten Dampfes an Innenraumgrenzwerten gemessen. Diese Innenraummessung erfolgte also wahrscheinlich irgendwo zwischen Schneidezähnen und Zäpfchen der ausgewählten Versuchspersonen. Und so bekommt man immerhin Hinweise darauf, dass...

Es gibt durchaus auch Hinweise darauf, dass manch rechtswirsam werden sollende Entscheidung unter dem benebelnden Einfluss von Drogen wie Alkohol etc. zustande kommt. Und wie mag die Atemluft in einem Raum zusammengesetzt sein, in dem solch hirnrissige Kopfarbeit den Schweiß aus allen Poren durch feinsinnig parfümierte Jakettärmel presst! Ein olfaktorisches Spezialmenü für formaldehydrierte Kaninchendompteure.

Gewiss dürfte aber sein, dass ein hinreichend großer Prozentsatz von untertänigen Erdnuckeln den mutigen Einsatz unserer Kleinpeitscher für eine kerngesunde Binnenatmosphäre goutieren wird.

Froh in die Zukunft blickend:

petz

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2012 | 09:44

@petz
Die Regierung erläutert, dass nach ihrer Auffassung „das Inverkehrbringen von Nikotin-Depots, -Tanks oder -Liquids zur Verwendung in E-Zigaretten ohne arzneimittelrechtliche Zulassung gegen das Arzneimittelgesetz“ verstoße. Für den bloßen Gebrauch von nikotinhaltigen E-Zigaretten gelte dies nicht.

Was ich noch nicht ganz verstehe: Reines Nikotin ist ja ein hochwirksames Gift, geringste Mengen wirken tödlich, reines Nikotin ist überdies wasserklar, geruchs- und geschmacklos. Es ist also ganz leicht in ein Getränk oder eine Speise zu mischen. Der Gedanke, daß künftig vielleicht jeder Raucher solches Zeug mit sich rumträgt, ist mir nicht sonderlich sympathisch.

Ciao
Wolfram

petz 17.03.2012 | 02:23

@Wolfram
Das wäre freilich ein sehr ernstzunehmendes Bedenken. Soweit ich mich bisher kundig machen konnte, beträgt der Nikotinanteil in den verkauften Liquids zwischen 0% (diese sind schlicht nikotinfrei, nur zur Befriedigung des Dampftriebes) und 2% bei den kräftigsten Varianten. Ich gehe also mal davon aus, dass reines Nikotin auf diesem Wege nicht erhältlich ist, jedenfalls nicht einfacher, als würde es z.B. aus Tabaksud extrahiert. (Mit solchem bekämpft man u.a. Schädlinge an Zimmerpflanzen; wie erfolgreich das ist, weiß ich nicht.)

Bei einem - unfreiwilligen - Selbstversuch (ich hatte den Liquidbehälter unabgedeckt aufgesteckt) habe ich mal einen Zug voller Flüssigkeit im Mund gehabt. Ich habe mich daraufhin natürlich gut beobachtet (schließlich wird Nikotin ja auch über Schleim- und sonstige Häute aufgenommen - siehe Nikotinpflaster), habe aber keine Anzeichen von Vergiftung festgestellt. Allerdings bin ich sonst auch ein einigermaßen abgehärteter Freund der Tabakspfeife, also wäre es vielleicht einem anderen schlechter bekommen. Grundsätzliche Vorsicht ist sicher angebracht. (Die mir bekannten Liquidfläschchen haben immerhin eine ordentliche Kindersicherung.)

Der Stoff, der hauptsächlich verdampft wird, Propylenglycol, ist (soviel ich weiß) der gleiche, der mich z.B. in manchen Inszenierungen im Theater und andere Leute in Clubs umnebelt (und zugegebenermaßen durchaus mal Hustenreiz bewirken kann).

Ein gewisses Misstrauen habe ich eher gegen die parfümartigen Zusatzstoffe; ob die allerdings in der e-bedampften Raumlauft (nur das betrifft ja den Nichtraucherschutz) schädlicher in Erscheinung treten als in irgendeinem Opernfoyer oder in der Lobby besserer Hotels, wäre zu untersuchen.

Nun gut, viel mehr weiß ich darüber auch nicht. Dass ich mir die Tabakspfeife trotz Dampf nicht ganz abgewöhnen kann (und will), sei außerdem zugegeben.

Ich bin ganz grundsätzlich dafür, auch beim Thema e-smoking genaue Untersuchungen anzustellen, sowohl den Umfang der zweifelsfrei gegebenen Gesundheitsgefährdungen für die Anwender als auch eventuelle Risiken für in der Nähe befindliche Personen betreffend.

Was mich in Rage bringt, ist auch weniger das Thema selbst als die unsäglich arrogante Schludrigkeit, mit der hier (und eben nicht nur hier) regierungsseitig mit der Herstellung von "Recht" umgegangen wird. Je mehr sich die zur Politik Erwählten vor "Sachzwängen" wegducken (müssen?), die durch Personen und Strukturen jenseits jeder demokratischen Einflussnahme erzeugt werden, desto fleißiger spielen sie an der Reglementierung des Individuums herum. Und da dies auch wieder vielen sog. "kleinen Leuten" wundervolle Möglichkeiten bereitstellt, ihre piefigsten Machtbestrebungen ein wenig an diversen Minderheiten auszuleben, kann derlei Politiksurrogat auch durchaus mehrheitsfähig sein.

Ein generelles Verbot das Ausatmens würde den Schadstoffanteil der öffentlichen Luft sicher erheblich senken. Zumindest das zusätzlich mit Lärmemission verbundene Ausatmen (vulgo: freie Rede) wäre in den Themenkatalog zukünftiger Regulierung aufzunehmen.

Hier noch meinen Herzlichen Dank für Deine Hilfestellung zum Tippen, die Du mir auf der "Kitsch as kunst can" - Seite übermittelt hast. (Ich bin jetzt zu müde, diese nochmal anzugehen.)
Es wäre doch vielleicht nicht schlecht, wenn so etwas in einer Hilfe-Datei offiziell der Community zur Verfügung gestellt würde! Denn wahrscheinlich wirst Du sonst immer häufiger mit derlei Anfragen "belatschert".

Aus der Klangwolke nächtlichen Hundegebells grüßt bestens

petz

petz 17.03.2012 | 02:23

@Wolfram
Das wäre freilich ein sehr ernstzunehmendes Bedenken. Soweit ich mich bisher kundig machen konnte, beträgt der Nikotinanteil in den verkauften Liquids zwischen 0% (diese sind schlicht nikotinfrei, nur zur Befriedigung des Dampftriebes) und 2% bei den kräftigsten Varianten. Ich gehe also mal davon aus, dass reines Nikotin auf diesem Wege nicht erhältlich ist, jedenfalls nicht einfacher, als würde es z.B. aus Tabaksud extrahiert. (Mit solchem bekämpft man u.a. Schädlinge an Zimmerpflanzen; wie erfolgreich das ist, weiß ich nicht.)

Bei einem - unfreiwilligen - Selbstversuch (ich hatte den Liquidbehälter unabgedeckt aufgesteckt) habe ich mal einen Zug voller Flüssigkeit im Mund gehabt. Ich habe mich daraufhin natürlich gut beobachtet (schließlich wird Nikotin ja auch über Schleim- und sonstige Häute aufgenommen - siehe Nikotinpflaster), habe aber keine Anzeichen von Vergiftung festgestellt. Allerdings bin ich sonst auch ein einigermaßen abgehärteter Freund der Tabakspfeife, also wäre es vielleicht einem anderen schlechter bekommen. Grundsätzliche Vorsicht ist sicher angebracht. (Die mir bekannten Liquidfläschchen haben immerhin eine ordentliche Kindersicherung.)

Der Stoff, der hauptsächlich verdampft wird, Propylenglycol, ist (soviel ich weiß) der gleiche, der mich z.B. in manchen Inszenierungen im Theater und andere Leute in Clubs umnebelt (und zugegebenermaßen durchaus mal Hustenreiz bewirken kann).

Ein gewisses Misstrauen habe ich eher gegen die parfümartigen Zusatzstoffe; ob die allerdings in der e-bedampften Raumlauft (nur das betrifft ja den Nichtraucherschutz) schädlicher in Erscheinung treten als in irgendeinem Opernfoyer oder in der Lobby besserer Hotels, wäre zu untersuchen.

Nun gut, viel mehr weiß ich darüber auch nicht. Dass ich mir die Tabakspfeife trotz Dampf nicht ganz abgewöhnen kann (und will), sei außerdem zugegeben.

Ich bin ganz grundsätzlich dafür, auch beim Thema e-smoking genaue Untersuchungen anzustellen, sowohl den Umfang der zweifelsfrei gegebenen Gesundheitsgefährdungen für die Anwender als auch eventuelle Risiken für in der Nähe befindliche Personen betreffend.

Was mich in Rage bringt, ist auch weniger das Thema selbst als die unsäglich arrogante Schludrigkeit, mit der hier (und eben nicht nur hier) regierungsseitig mit der Herstellung von "Recht" umgegangen wird. Je mehr sich die zur Politik Erwählten vor "Sachzwängen" wegducken (müssen?), die durch Personen und Strukturen jenseits jeder demokratischen Einflussnahme erzeugt werden, desto fleißiger spielen sie an der Reglementierung des Individuums herum. Und da dies auch wieder vielen sog. "kleinen Leuten" wundervolle Möglichkeiten bereitstellt, ihre piefigsten Machtbestrebungen ein wenig an diversen Minderheiten auszuleben, kann derlei Politiksurrogat auch durchaus mehrheitsfähig sein.

Ein generelles Verbot das Ausatmens würde den Schadstoffanteil der öffentlichen Luft sicher erheblich senken. Zumindest das zusätzlich mit Lärmemission verbundene Ausatmen (vulgo: freie Rede) wäre in den Themenkatalog zukünftiger Regulierung aufzunehmen.

Hier noch meinen Herzlichen Dank für Deine Hilfestellung zum Tippen, die Du mir auf der "Kitsch as kunst can" - Seite übermittelt hast. (Ich bin jetzt zu müde, diese nochmal anzugehen.)
Es wäre doch vielleicht nicht schlecht, wenn so etwas in einer Hilfe-Datei offiziell der Community zur Verfügung gestellt würde! Denn wahrscheinlich wirst Du sonst immer häufiger mit derlei Anfragen "belatschert".

Aus der Klangwolke nächtlichen Hundegebells grüßt bestens

petz

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2012 | 09:20

@petz
Das wäre freilich ein sehr ernstzunehmendes Bedenken. Soweit ich mich bisher kundig machen konnte, beträgt der Nikotinanteil in den verkauften Liquids zwischen 0% (diese sind schlicht nikotinfrei, nur zur Befriedigung des Dampftriebes) und 2% bei den kräftigsten Varianten.

Gut, das beruhigt mich etwas und erklärt mir auch, warum das Zeug überhaupt auf den Markt gekommen ist.

Ein generelles Verbot das Ausatmens würde den Schadstoffanteil der öffentlichen Luft sicher erheblich senken. Zumindest das zusätzlich mit Lärmemission verbundene Ausatmen (vulgo: freie Rede) wäre in den Themenkatalog zukünftiger Regulierung aufzunehmen.

Es gibt ja Leute, die behaupten, furzende Kühe, ob bei uns im Stall oder in Argentinien auf der Pampa, würden mehr zur Erderwärmung beitragen als die Industrie. So gesehen war die Ausrottung der Büffel in Nordamerika ein früher Beitrag zur Ökologie.

Es wäre doch vielleicht nicht schlecht, wenn so etwas in einer Hilfe-Datei offiziell der Community zur Verfügung gestellt würde!

Das wäre es.

Denn wahrscheinlich wirst Du sonst immer häufiger mit derlei Anfragen "belatschert".

Das werde ich.

Ciao
Wolfram

j.kelim 31.03.2012 | 18:24

Sobald ich nach außen gehe,
um Grenzen zu überschreiten,
bin ich zuvor schon im innern
über sie hinausgestiegen.

Solange ich ein Begründung erfand, auf Zigaretten zu verzichten, dachte ich immer noch, dass ich nicht grundlos, auf eine Zigarette verzichte, erst als ich kein Argument mehr fand, weshalb ich auf eine Zigarette verzichten sollte, verspürte ich auch kein Bedürfnis mehr, auf das, worauf ich nicht ohne Grund verzichtete.

Das bedürfnislose Bedürfnis, verzichtet aufs Verzichten und weil es ohne Bedürfnis verzichtet, bedarf es nichts, was scheinbar nur bedürftig ist.

Der Michael 20.08.2012 | 22:52

Ein guter Artikel und ein durchaus interessantes Thema! Was die Aerosole betrifft, welche die Nichtraucher in der Umgebung eines "e-Dampfers" einatmen, so kann man heute sagen das nicht einmal bzw. kaum noch Nikotin in dem Dampf enthalten ist. Auf der Seite http://e-zigarette-test.net/risiken (nette Seite) habe ich folgende Information gelesen: Nikotin wird demnach zu 80 bis 92 % in der Lunge des Konsumenten zurückgehalten und Propylenglykol zu 98,9 bis 100 %.

Da kann man wirklich nur hoffen das die Tabaklobby nicht so großen Einfluss hat, um die e-Zigarette nacher doch noch zu verbieten.

Gruß

Michael