Katja Kullmann

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Katja Kullmann
RE: „Wir sind auf der Titanic“ | 16.06.2016 | 20:08

Oh. Das ist ja , äh, markant, wie der/die eine oder andere hier .. nun ja, sagen wir: sich äußert.

Der FREITAG gehört ja nun wirklich zu den Zeitungen, die an Kritik an der EU nicht sparen. Erstaunt bin ich nun über den Grad von Druck und Furor, mit dem Sie dieses Gespräch mit Frau Roll mit Ihrer Verachtung bedenken. Respekt zunächst einmal für die Energie, die da reingeflossen zu sein scheint, in diese ... nun ja ... kleinen Thread-Gemeinschaft hier oben.

Erstaunlich erscheint mir jetzt vor allem, wie viele Ansätze von Verschwörungstheorien hier oben formuliert werden. Das reicht von der irgendwo oben geäußerten Mutmaßung, dieses Interview sei Teil einer (geheimen) Pro-Globalisierungs-Kampagne .... (?) – bis zuletzt: einer Anhäufung von "Lügen" (also: "Lügenpresse" – ernsthaft? ) oder Benennungen der Gesprächspartnerinnen als "die Roll" und "Lohnschreiberin", usw..


Werte Nicht-"Lohnschreiber" – denn das sind Sie ja, zumindest hier, in diesem Thread, richtig? : Ich weiß nicht, ob eine(r) von Ihnen den FREITAG abonniert hat oder sich am Kiosk besorgt, ob also jemand hier schon mal ein paar Euro für den Inhalt bezahlt hat, über den Sie sich hier gemeinsam, äh, auslassen – könnte ja möglich sein, dass Menschen, die Texte online lesen, der kapitalistischen „Schnäppchenmentalität" anheim gefallen sind. (Man warte, bis alles online frei geschaltet wird, sozusagen im Gratisangebot, damit man sich dann kostenfrei dazu ... sagen wir eben: äußern kann. ) Das wäre übrigens Ihr gutes Recht – nur damit da kein Missverständnis entsteht! Es wäre jedenfalls recht "normal", es würde der neoliberalen Logik (ach Gott, wie oft kommt der Begriff „neoliberal“ hier oben vor?) völlig angemessen, es entspräche dem Verhalten der meisten Menschen, des so oft zitierten "Mainstream": Man nutzt sozusagen den Sommerschlussverkauf, man nimmt halt mit, was man "kostenlos" so kriegen kann. Wie gesagt: Ja, so ist es eben im digitalisierten Neoliberalismus – man kann sehr gut auf ihn schimpfen und seine Effekte dennoch gern und oft nutzen.


Falls indes eine(r) hier zu denjenigen gehört, die die Zeitung auch physisch, also auf Papier oder als Web-App, also gegen einen kleinen Obulus lesen (prä-neoliberal, sozusagen), dann weiß der- oder diejenige ja seit heute, dass im neuen FREITAG jetzt ein interessantes Interview mit Gregor Gysi erscheinen ist – er spricht sich für die EU, sogar für den Euro aus – und das noch viel deutlicher und gewissermaßen energischer als Evelyn Roll.


Geführt haben das Gespräch übrigens zwei andere Kollegen.

Nun könnte man spekulieren, wer konkret Gregor Gysi für diesen (geheimen) "Globalisierungs-Auftrag" bezahlt haben mag (oder unter welchem "Framing" die anderen beiden Kollegen operieren). In jedem Fall gilt jetzt wohl, wenn ich der Logik des obigen Strangs folge: Verbales Feuer frei auf Gregor Gysi!

Dabei wünsche ich, falls jemandem danach ist: ganz viel Vergnügen!


Ansonsten hoffe ich – wie so viele Menschen, die Affekte jedweder Art gefährlich bis abstoßend finden, zumal wenn sie rudelhaften Charakter haben –, dass genau diese aufgeladene (stellenweise – Stichwort "Verschwörungstheorie" – fast schon irrational zu nennende) Stimmung, die hier in diesem Thread hie unda durchklingt, auch wieder legt. Damit die Ratio wieder eine Chance bekommt, nach all den vielen .... sagen wir: Gefühlswallungen.


Guten Abend, KK

RE: Unser Mann in Übersee | 31.07.2015 | 07:44

Kleine Korrektur: Kracht war nicht der erste deutschsprachige Autor, der in Bookworm zu Gast war, zuvor war W.G. Sebald schon einmal in der Sendung. Der entsprechende (falsche) Satz ist aus dem Artikel entfernt, den Fehler bitte ich zu entschuldigen. KK

RE: Das weiße Stottern | 26.06.2015 | 09:25

Ich habe zu danken – v.a. ed2murrow für die weiterführenden Gedanken. Ja, es ist ein sehr vielschichtiges Thema, und es stimmt: Der Rassismus, mit dem die US-Gesellschaft zu tun hat, ist nochmal ein anderer als jene Spielart(en) von Rassismus, die wir hierzulande kennen. Wichtig war mir, in dem Text (auf leider bescheidenen 8.500 Zeichen, mehr Platz gab es in der aktuellen Zeitung nicht), den Faktor "Weißsein als Problem" zumindest ein wenig anzukratzen, weiterzudrehen, auch für jene, denen z.B: der Begriff Critical Whiteness noch gänzlich fremd ist. (Anzumerken ist: Auch die Critical Whiteness treibt gelegentlich ganz schön irre Blüten, in hiesigen akademischen Kreisen, ich glaube, das kann man schon so sagen – und das wäre dann noch mal einen eigenen Beitrag wert, irgendwann, das ist alles noch weiterzudrehen – auf jeden Fall.)

KK

RE: Das Ende des Gekrakels | 23.01.2015 | 21:09

Ihnen auch allen einen schönen Tag! Knapp angemerkt - als Fragen formuliert:

1.) Sagen wir, über die vergangenen 15 Jahre gerechnet: Wie oft benutzt jede(r) von Ihnen ihre/seine Hand-Schreib-Schrift? Im Alltag, im Beruf, bei anderen Gelegenheiten? Wieviel Prozent all dessen, was Sie schriftlich verfassen, verfassen Sie also in Schreibschrift? (Es gelten nicht: Per Hand, aber der Leserlichkeit wegen in Druckbuchstaben ausgefüllte Ämterformulare und Ähnliches.)

2. Können Sie sich vorstellen dass es damals, als die Frakturschrift abgeschafft wurde, ähnliche Bedenken gab? (Sicher auch ebenso, nun ja, knorzige Kommentare.)

3.) Wieso haben Sie keinen LersInnenbrief per Hand geschrieben? (Beim Freitag gehen regelmäßig solche Briefe ein?) Wieso tippen Sie Ihre Anmerkung mit einer Tastatur?

Immer die Ihre: KK

RE: Der Boss | 22.08.2014 | 07:54

Ah, immer wieder eine Freude, hier auf den freundlichen Weltgeist zu treffen. MC steht für Microphone – das sagte die Lady so, ich gab es so wieder. In respektvoller Zuneigung: Ihre Mastress of Ceremony.

RE: Der Fluch der Coolness | 13.08.2014 | 14:09

Hallo Rüdiger Grothues,

tatsächlich setzt Di Prima sich in ihrer Biografie Recollections of My Life as a Woman mit der Elektroschock-Praxis auseinander, nun habe ich das Buch gerade nicht zur Hand (sondern zu Hause) – im vorderen Drittel jedenfalls. In den Kapiteln, in denen sich auch mit dem College-Leben beschäftigt – etwa da, wo sie, sinngemäß, schreibt, dass die (College-)Welt von Football-spielenden jungen Männern und "blonden Mädchen mit Cashmere-Pullovern und Perlenohrringen" beherrscht wird – und dass deren Regeln ihr verschlossen bzw unverständlich sind. Sie schreibt nicht, dass sie selbst dieses Treatment erfahren hat – aber als Hintergrundrauschen, als Gefahr, als Anekdote, die immer mal wieder eine junge Frau aus der weiteren Bekanntschaft treffen konnte, setzt sie sich damit auseinander. Also: Di Prima selbst hat es wohl nicht getroffen. Das merken Sie als Leser hier sehr richtig an.

Und was das "Fortwirken" des Grundtraumas bis heute angeht: Das war schlicht so gemeint, dass das Kleinmachen (des Wesens Frau) – etwa in Form der Elektroschocks – eben insofern fort(ge)wirkt (hat), als dass kaum jeman Di Primas Namen kennt.

Na – schadet nichts, an den eigenen Metaphern immer schön zu arbeiten, ha. Merci also für die Anmerkungen.

RE: „Wir wollen kein Streichelzoo sein“ | 26.02.2014 | 09:27

Hallo Malte Steiner.

Das macht mich nun neugierig, es liest sich so ... raunend und verschörungstheoretisch. Was bedeutet z.B. das hier: "Errungenschaften anderer angeeignet?" Und wie genau ist der Begriff "Stars" zu verstehen? Man könnte hier Missgunst herauslesen, ein Ringen um (Be-)Deutungshoheit, ideellle Besitzstandswahrung. Das wäre dann etwas, was ich selbst aus gut 20 Jahren politischen Podiumsgesprächen (mal on stage, mal im Publikum) kenne: Immer wieder sitzen in irgendwelchen schlecht beleuchteten Räumen Menschen zusammen, die im Grunde Ähnliches wollen - und verfallen in gegenseitige Verdächtigungen und Bezichtigungen. Wer mehr "Recht" hat, wer ein (wie auch immer geartetes) "Reinheitsgebot" (Zitat des Rote-Flora-Aktivisten) mehr befolgt. Der gute alte Jakobinismus - eine eigene Sportart (und ja auch ein klassisches Verfahren, wie "links" sich gern selber killt.)

Beispiel für diese Absurdität ganz konkret, vom Abend bzw aus dem Text: Da sitzen also vier ganz verschiedene Menschen auf dem Podium, von denen zumindest drei ganz aktiv politisch arbeiten, und/oder ganz konkret und handgreiflich Häuser besetzen – und dann erhebt sich im Publikum jemand, der im Staatsapparat beschäftigt ist (als Uni-Personal also öffentliches Geld verdient) , jemand, der es sich also recht solide innersystemisch eingerichtet hat und im Wesentlichen doch auf der Ebene "Papier" und "Theorie" agiert – und jener Mensch wirft den Hausbesetzern auf dem Podium also zu viel "Bürgerlichkeit" vor. Das ist einfach ... putzig, mit Verlaub.