Katja Kullmann
Ausgabe 3714 | 12.09.2014 | 06:00 58

Der Bürger als Hund

Politpsychologie Angela Merkel will noch wirksamer regieren. Dafür sollen Verhaltensforscher das Volk sanft beeinflussen

Die Bewerbungsfrist läuft diesen Freitag aus, am 12. September. Es geht um eine Beschäftigung auf Zeit, im Herzen von Berlin. Willkommen sind Bewerber beiderlei Geschlechts, mit guten Englischkenntnissen und einem „herausragenden Maß an Empathie, Kommunikations- und Kontaktfähigkeit“. Die Stellenanzeige war im Internet nachzulesen, im PDF-Format. Sie schaffte es in den Wirtschaftsteil der FAZ und ins Schlagzeilen-Portfolio von Bild. Denn keine Geringere als Angela Merkel sucht hier neues Personal – und was das neue Personal für die Kanzlerin tun soll, ist bemerkenswert. Mit ein paar Marketingtricks den Draht zu den Bürgern verbessern: So müsste man es formulieren, wenn man den Ball flach halten wollte. Die Bürger gezielt manipulieren: So kann man es ausdrücken, wenn man die Sache kritisch betrachtet.

Drei Referentenposten für den „Stab Politische Planung, Grundsatzfragen und Sonderaufgaben“ hat das Kanzleramt ausgeschrieben. Die Mitarbeiter sollen in einer Projektgruppe namens „Wirksam regieren“ tätig werden. Das klingt zunächst rührend bürokratisch, fast erweckt es Mitleid mit Merkel: Wer ein Projekt zum „wirksamen“ Regieren installiert, nimmt wohl an, dass sein bisheriges Regieren „unwirksam“ war.

Die Arbeitsgruppe soll helfen, politische Ziele besser an die Regierten draußen im Land zu vermitteln – um „den Nutzen für Bürgerinnen und Bürger erhöhen“, wie es in der Ausschreibung heißt. Jeder weiß, zum Beispiel, dass Energiesparen wichtig ist. Aber: Wie bringt man die Menschen dazu, es auch zu tun? Das Kanzleramt sucht nun Hilfe bei Experten aus der Verhaltensforschung, etwa Soziologen, Psychologen oder Neurowissenschaftler. Ihre Aufgabe: die Bürger mit neuen Kommunikationstechniken sanft, aber effektiv in die richtige Richtung leiten, jedenfalls in die Richtung, die die Regierung als die richtige erachtet.

Merkel ist nicht die Erste, die auf diese Idee kommt. Der britische Premierminister David Cameron fragte sich schon 2010: Wie sind die Briten dazu zu bringen, mehr in ihre Altersvorsorge zu investieren? Oder ihre Häuser besser zu isolieren? Um das herauszufinden, richtete er ein Behavioural Insights Team ein. Die dänische Regierung hat ein vergleichbares Mindlab installiert. Auch die Obama-Administration konsultiert entsprechende Wissenschaftler.

Nur ein Schubs hie und da

Die Briten, Obama, die Dänen und jetzt auch Merkel setzen auf das Prinzip des nudging, was ein englisches Wort für „anschubsen“ ist. Den Begriff geprägt haben die US-Ökonomen Richard Thaler und Cass Sunstein. 2008 erschien in den USA ihr Buch Nudge, 2009 kam es auch hierzulande heraus, mit dem Untertitel: Wie man kluge Entscheidungen anstößt. Thaler und Sunstein haben die gesammelten Erkenntnisse aus der Verhaltenstheorie auf 400 Seiten heruntergebrochen. Ihr Fazit: Der Mensch ist mitnichten ein Homo oeconomicus im reinen Sinne, er trifft seine Entscheidungen nie nur aus rationalen Kosten-Nutzen-Erwägungen, es läuft immer ein „automatisches System“ aus unbewussten Prägungen mit, beim Einkaufen, beim Verlieben, beim Wählen, bei allem. An jenes „automatische System“ könne sich die Politik anhängen, schlugen Thaler und Sunstein vor. Inzwischen fungiert Letzterer als Berater des Obama-Stabs, während Thaler öfters nach London eingeflogen wird.

„Libertärer Paternalismus“ nennen Politikwissenschaftler den Erfolg der Nudge-Strategie. Es ist eine Strategie, die auf einen grundlegenden Wandel in der Beziehung des Staates zum Bürger verweist. Nicht mehr als mündiger Erwachsener, der Entweder-Oder-Entscheidungen zu bewältigen weiß, wird der Bürger demnach in der globalisierten, durchliberalisierten Welt begriffen. Sondern als unvollkommenes Wesen, das sein Differenzierungsvermögen nicht immer unter Kontrolle hat; als jemand, der eine Orientierungshilfe braucht – eben einen kleinen Schubs hie und da –, um auf den rechten Weg zu finden.

Die Techniken der Verhaltensforschung wurzeln im Behaviorismus, einem psychologischen Konzept aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, dessen bekanntester Vertreter Iwan Petrowitsch Pawlow ist. Ja, der mit dem Hund. Der Behaviorismus fußt auf der Vorstellung eines Reiz-Reaktions-Schemas: Passiert dies und das, reagiert das Haus- oder Zirkustier auf diese oder jene Weise. Jene Erkenntnisse flossen in das ein, was wir heute Verhaltenstherapie nennen.

In den 90er Jahren hat der US-Psychologe Daniel Kahneman das Feld gemeinsam mit Amos Tversky weiter erforscht und die Prospect Theory (Erwartungstheorie) entwickelt, für die er 2002 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Daraus hat sich eine eigene Richtung in der Volkswirtschaftslehre entwickelt, die Verhaltensökonomie (Behavioral Economics). Ihre praktische Anwendung findet sie im Neuromarketing, etwa im Supermarkt: Der Kunde greift zum teureren, aber bequem auf Augenhöhe platzierten Produkt, nicht zur günstigen Alternative, für die er sich bücken müsste. Er nimmt die XL-Sonderpackung, über der ein Sonderangebotsschild leuchtet, auch wenn er dafür mehr bezahlen muss als für zwei Standardpackungen. Wie praktisch wäre es, wenn man den Bürger mit vergleichbar diskreten Methoden dazu verführen könnte, das Beste für sich selbst – und die Gemeinschaft – zu wollen und zu tun.

Allzu oft geht das politische Marketing aber an der Bürger-Psyche vorbei – sagt der schwedische Werbeexperte Martin Lindstrom, Autor des Bestsellers Buyology. Warum wir kaufen, was wir kaufen (2009). Er berät Konzerne wie Nestlé und Microsoft und wurde vom Time Magazine in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt aufgenommen. Gern referiert Lindstrom Folgendes: Trotz des Werbeverbots für Tabak, trotz aller Warnhinweise und Fotos von zerfressenen Organen hält der Nikotinkonsum an. Studien zeigten sogar, dass die Warnungen die Lust aufs Rauchen bei vielen noch steigerten. Ein typischer Fall von fehlgeleitetem Neuromarketing, sagt Lindstrom. In einem australischen Kiosk will er gehört haben, wie ein Verkäufer einen Kunden fragte: „Möchten Sie eine Packung mit dem Foto der Lunge, mit dem Herzen oder den Füßen?“

Wenn man als rechtschaffener Mitarbeiter in einem Büro des Bundesgesundheitsministeriums sitzt und so etwas mitbekommt, möchte man vermutlich sofort nach draußen stürzen und die Bürger vor sich selbst retten, notfalls mit Gewalt. Wenn man wiederum ein Bürger ist, der die schöne Vokabel „Freiheit“ wörtlich nimmt, möchte man wohl eher sagen: „Danke, aber ich möchte bitte selbst entscheiden, ob und wie ich mich schädige.“

Ja, mit ethisch-moralisch aufgeladenen Beispielen aus dem Gesundheitswesen argumentieren die Befürworter des Libertären Paternalismus besonders gern. Etwa mit der Frage, wie mehr Menschen zu Organspenden zu bewegen sind. Variante eins: Niemand gilt von vornherein als Organspender, der Bürger muss sich aktiv als solcher erklären, etwa indem er sich einen entsprechenden Ausweis besorgt. Variante zwei: Jeder Bürger gilt automatisch als Organspender, es sei denn, er widerspricht explizit. Ein Ländervergleich zeigt: Die zweite Variante ist erfolgreicher, die Spenderzahlen liegen merklich höher.

Die gute alte moralische Keule

In beiden Fällen hat der Bürger die Wahl. Allerdings muss er in der zweiten Variante als Nein-Sager ein Schwarzes-Schaf-Dilemma bewältigen. Wenn es von Staats wegen als „normal“ vorgegeben wird, seine Organe zu spenden, schert jeder, der sich verweigert, aktiv aus dem – behaupteten – Konsens aus; womöglich riskiert er soziale Ächtung. Solche psychologischen Finten empfehlen die Nudge-Autoren der Politik als Herrschaftsinstrumente. Sie verweisen auf den „Herdentrieb“ (Solomon Asch) und betonen: Alles ist eine Frage der Auswahlanordnung, der Entscheidungsarchitektur.

Was der Politik zugutekommt: Viele Bürger sind auf verhaltensökonomischen Architekturen schon bestens konditioniert. Etwa durch die Default-Einstellungen bei Geräten des Fabrikats Apple oder beim Design von Facebook: Einfach zu bedienende Oberflächen sollen den Nutzer dazu bringen, sich am Apple-Gerät ausschließlich mit Software aus der hauseigenen i-Familie (iPhoto, iMovie, iTunes) zu vergnügen, während er bei Facebook auf spielerische Art angeregt wird, möglichst viele Daten preiszugeben. Der Große Bruder gibt vor, wie er es für richtig hält. Unter Verhaltensökonomen wird Apple-Gründer Steve Jobs auffällig oft zitiert. Auf die Frage, ob er seine letzte große Erfindung, das iPad, mittels Marktforschung erprobt habe, sagte Jobs: „Nein. Es ist nicht der Job der Konsumenten, zu wissen, was sie wollen.“

So läuft es also im Digitaltotalitarismus, dem bis dato wichtigsten Auftraggeber der Verhaltensökonomie. Wie ist es nun aber mit dem altmodischen Apparat Demokratie? Ist es da nicht sehr wohl der Job des Bürgers, selbst zu wissen, was er will? Wäre ein Staat, in dem unsichtbare Experten ermitteln, was der Bürger zu seinem eigenen Wohle zu wollen hat, noch als Demokratie zu bezeichnen? Und: Wie flösse das mit dem Alarmproblemfeld Big Data zusammen? Welch herrlichen Faschismus könnte man aus all dem wohl basteln?

In den USA stellte die Bürgerrechtsorganisation „Commercial Alert“ eine entsprechende Anfrage an den Senat. Die Aktivisten wollten wissen, inwieweit Techniken des Neuromarketings in der Politik „zu einer neuen totalitären Herrschaft, Aufruhr, Völkermord“ führen könnten. Der World Wide Fund For Nature (WWF) betont derweil in einem internen Papier die ethischen Probleme, die entstehen, wenn die Verhaltensforschung zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung genutzt wird. Auch die Naturschützer haben es mit Bigger-than-self-problems zu tun, mit Problemen, zu deren Lösung die Gesellschaft im Ganzen ihre Einstellungen ändern müsste. Die Grenze zwischen Fürsorge und Manipulation sei beim Nudging fließend, räumt das WWF-Papier ein. Gegen etwaigen Missbrauch führt der WWF die watteweiche Formel „Transparenz“ ins Feld.

Selbst wenn man Merkel, der machtvollen Pragmatikerin, zweifelsfrei unterstellen mag, es „nur gut“ zu meinen: Sie heuert Experten für Massensteuerungstechniken an. Noch ist unklar, in welchen Feldern diese angewendet werden sollen. Und inwieweit die Bundesregierung die Transparenz walten lassen wird, die der WWF anmahnt. Transparenz dürfte bei Psychotricks ohnehin schwierig herzustellen sein. Tricks funktionieren ja nur, solange der Ausgetrickste ihnen nicht auf die Spur kommt.

Vielleicht wären die neuen Experten gar nicht nötig, vielleicht müsste Merkel nur genauer studieren, wie es Gerhard Schröder gemacht hat. Der schaffte es schon mit ein paar geschickt gewählten Vokabeln, das (sozial-)psychologische Klima im Land zu verändern. Auch sprachliche Kniffe sind laut dem Linguisten George Lakoff ein Baustein der Verhaltensökonomie. Das Arbeitsamt wurde zur „Agentur“, der Arbeitslose zum „Kunden“, und die SPD verbannte flugs das Wort „Unterschicht“ aus ihren Papieren und sprach nur noch vom Prekariat, in das auch Teile der Mittelschicht eingemeindet wurden. Bis die Bürger sich in dieser „Architektur“ zurechtfanden, dauerte es eine Weile. Eine Revolution blieb vorerst aus.

„Das ist der Blick, mit dem die Eliten uns betrachten“, schrieb der britische Journalist Brendan O’Neill über die „Gehirnpolitik“ der neoliberalen Ära. „Sie sehen uns Bürger nicht als Leute, mit denen man reden oder streiten kann, sondern als Problemfälle, die überarbeitet werden müssen.“

Haustiere mit Beißreflexen

Der Libertäre Paternalismus geht diskret vor wie ein britischer Gentleman. Und er verkürzt das Projekt der Aufklärung auf bedenkliche Art, ja, er verkehrt es im Grunde in sein Gegenteil. Denn er setzt auf eine wissenschaftsreligiöse Weltregulation, in der die autonome Vernunft angezweifelt wird. Eine Weltregulation, die einerseits an Algorithmen, andererseits an Instinkten, Pulsfrequenzen und Gehirnströmen, letztlich also: an Körperfunktionen ausgerichtet ist. Wie jeder Paternalismus behandelt auch dieser seine Bürger wie störrische Kinder; wie begriffsstutzige Konsumenten; wie betreuungsbedürftige Patienten. In einem Pawlow’schen Beißreflex könnte man es auch so formulieren: Sie wollen uns zu fügsamen Haushunden abrichten, um nichts anderes geht es.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 37/14.

Kommentare (58)

derKrieger 12.09.2014 | 08:01

Ein exzellenter und sehr sehr wichtiger Beitrag. Er passt zu den aktuellen Berichten über die intensive Beschäftigung von Meinungsforschern und statistischen Erhebungen im Kanzleramt: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-meinungsforscher-beeinflussen-arbeit-der-kanzlerin-a-990231.html

Bleibt nur zu fragen: Wenn es doch nun mal eine unbestrittene Tatsache zu sein scheint, dass der BND sich intensiv bemühte, an den PRISM-Ergebnissen, also der Überwachung sämtlicher Kommunikation der Bundesbürger, teilzuhaben, warum glauben dann immer noch alle so bereitwillig, dass die Regierung Merkel das nicht gewusst und gewollt zu haben...?

Ludgar Voß 12.09.2014 | 09:25

Es gibt keinen Wirtschaftsnobelpreis. Leider wird dies immer wieder kolportiert, mitunter auch unter Hinweis auf den kleinen Unterschied, der bei genauerer Betrachtung ziemlich groß ist.

Der Verweis darauf, dass es sich um einen Nobelpreisträger handelt soll den folgenden Ausführungen Autorität verleihen, es handelt sich um ein klassisches Autoritätsargument. Es sind sicherlich noch andere suggestive Sprachfiguren in diesem Text.

Leider schlecht recherchiert und schlecht geschrieben.

Meyko 12.09.2014 | 10:18

Danke. Nun gibt es mal wieder "mehr Information fürs Volk".

Politiker nennen so etwas Überzeugungsarbeit. Nochmal: "ARBEIT". Es ist demnach für Volksvertreter eine selbstverständliche und vollkommen folgerichtige Vorgehensweise.

Für Medien gibt es so eine gezielt arbeitende "Beeinflussungsorganisation" schon etliche Jahre. Die INSM, ist solch eine advokatorische Denkfabrik.

Hinzu kommen sogenannte Spin-Doctoren. Solche Mitarbeiter besitzt zum Beispiel die Kampagnenen-Agentur Hill & Knowlton, die eine Falschaussage mit der Kuwaiterin Nayirah al-Sabah vor dem US-Kongress über angebliche irakische Gräueltaten während der irakischen Kuwait-Invasion inszenierte und damit erfolgreich Stimmung für den Zweiten Golfkrieg machte.

Mal sehn was nun kommt...

balsamico 12.09.2014 | 12:56

Angela Merkel will noch wirksamer regieren. Dafür sollen Verhaltensforscher das Volk sanft beeinflussen...

Tatsächlich bewegen wir uns in Verbindung mit der Ausspähung unserer Privatspäre durch in- und ausländische Geheimdienste stramm auf Aldous Huleys Schöne neue Welt zu. Schade nur, dass die Welt so schön gar nicht ist. Dass Merkel für das Ungeheuerliche dieses Geschehens überhaupt kein Organ hat, wundert mich nur insofern, als sie sich ja tatsächlich um das, was sie auf diese Weise erschnüffeln lässt, überhaupt nicht kümmert. Oder hat die Dame z.B. schon mal Anstoß daran genommen, wie alte Menschen in diesem Land über die Runden kommen bzw. verwahrt werden, nachdem sie vorher von skrupellosen Wölfen in Schafspelzen ausgeplündert wurden, hörend auf so klangvolle Namen wie Caritas, Diakonie und Awo?

seriousguy47 12.09.2014 | 13:24

1. Merkel versucht wohl das zu tun, was ihr großer Sozialisator, der autoritäre Sowjet-"Kommunismus" in seiner festgefrorenen Biederkeit versäumt hat: autoritäre Herrschaft auf Höhe der Zeit/ Wissenschaft.

Dass sie es so offen & selbstverständlich tut, passt zu ihrer Vergangenheit. Dass sie den Bürger verachtet, scheint im Übrigen zitatmäßig belegt.

Sie trifft damit, von Schein-Links kommend, vor allem auf das ebenfalls durchbürokratisierte westliche Großkapital, das längst die Vorteile entdeckt hatte, die das Sowjetsystem für die eigene kapitalistische Profitmaximierung (nicht aber für die Marktwirtschaft insgesamt!) haben könnte. (Galbraith hat früh auf Gemeinsamkeiten hingewiesen, als man an hiesigen Schulen noch einseitig die prinzipiell unvereinbaren Unterschiede zwischen vermeintlicher Markt- (gut) und sogennanter Planwirtschaft (böse) predigte).

Es kommt nun also endgültig zusammen, was zusammen gehört. Wissenschaftlich wie politisch. Und unter dem Totalitarismusbegriff kann man dem auch einen gemeinsamen Ort zuweisen.

2. "Der Mensch ist mitnichten ein Homo oeconomicus im reinen Sinne, er trifft seine Entscheidungen nie nur aus rationalen Kosten-Nutzen-Erwägungen, es läuft immer ein „automatisches System“ aus unbewussten Prägungen mit, beim Einkaufen, beim Verlieben, beim Wählen, bei allem."

Das gilt vor allem auch in Bereichen, die im Beitrag fehlen: z.B. beim sogenannten "Groß[-Profit-]projekt". Im Fall von Stuttgart 21 kann man beisipielhaft studieren, wie sehr staatlich protegierte Kapitalinteressen in Gefahr geraten, wenn ein gebildetes, engagiertes und mit hinreichend freier Zeit ausgestattetes Bürgertum zentralste Bedürfnisse und Vorstellungen durch nackte Gier nach Profit & Prestige verletzt sieht. (Nicht einmal die Nazis hatten - trotz entsprechender Gedankenspiele - sich an das Zerstörungswerk gewagt, das jetzt stattfand.)

Was in autoritären Regimen wie China, Russland oder anderswo geschieht, die Durchsetzung mit Gewalt, scheint hierzulande (noch) nicht (wieder) möglich. Ein junges politisches Fossil, das dies in Stuttgart versuchte, stürzte aus der Politik und Merkels Versuch, nun erst recht auf den Unsinn zu beharren, führte zu einem massiven Herrschaftsverlust ihrer Einpartei.

Dass dies alles passiert ist, obwohl das ganze "rechtsstaatliche" & "demokratische" System auf das Projekt eingeschworen war und nicht die gerinsgten Anstalten zu machen gewillt war, eine rechtsstaatliche & demokratische Prüfung vorzunehmen, scheint mit entscheidend dafür zu sein, dass Merkel nun Hilfe bei den Manipulationswissenschaften sucht.

Insofern würde ich davor warnen, sich auf die im Beitrag genannten unverfänglicheren Beispiele zu fokussieren. Es geht nicht um das scheinbar Beste für die Menschen, sondern um das scheinbar Beste für das Kapital.

Und deshalb scheint mir auch der Fokus auf die Manipulationswissenschaften zu eng. Denn deren Techniken funktionieren umso besser, je besser es gelingt, die Bürger durch "Bildung" & Medien zu verblöden.

Die Manipulationswissenschaften dürften deshalb auch auf bereits vorhandenen Verblödungsstrukturen dort aufbauen, die sich bisher als zu wirkungsschwach erwiesen haben. Und man wird vor allem auch versuchen müssen, Räume der Gedankenfreiheit im Internet zu vergiften bzw. zu schließen, die sich mittlerweile als ziemlich störend für die Herrschenden erwiesen haben.

Interessant sind für mich dabei zwei Fragen:

a) Was werden die Herrschenden nun konkret tun?

b) Wie werden die Bürger sich dem entziehen - falls sie es denn überhaupt versuchen? Schließlich gibt es ja auch Menschen, die sich nach den preiswerten Alternativen im unteren Regal bücken.....

Wobei da dann jeweils die Frage zu stellen wäre, ob das überhaupt das richtige Verhalten ist......

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 14:00

Für manche eine durchaus positive Entwicklung ...

Es wird immer eine Gruppe geben, auf die all diese hübschen Erziehungsversuche nicht anwendbar sind, eine Gruppe, bei der Heilsbringer wie Frau Merkel als Oberdompteur mit angeschlossenem pädagogischem Apparat komplett versagen, genau so scheitern wie breitenwirksame Werbung. Für die Mitglieder dieser Gruppe kann es sich sogar zum persönlichen Vorteil gestalten, wenn "Herdentrieb" und (vorauseilend als solche empfundene) "soziale Ächtung" wie geschmiert funktionieren.

Wenn 99% der Menschen (egal, ob aus echter oder auto-suggerierter Begeisterung) ihre Freizeit im Fitness-Center oder auf der Zuschauertribüne des Fußballplatzes verbringen, bleiben die Wälder frei für jene Wanderer, die echte Erholung erst dann empfinden, wenn sie dort möglichst niemandem begegnen müssen. Wenn sich erst einmal 90 % als willige Schafe bis in ihre letzten Körperfunktionen durch eine Smartwatch ausspähen lassen werden, wird es sich kaum lohnen, für die verbleibenden 10 % ähnliche Spionagepraktiken zu entwickeln. Vielleicht ist es ein Naturgesetz, dass Individualismus in einer Gesellschaft nur in Nischen möglich ist. Und vielleicht ist zu viel davon für niemanden gut. Dann sollte es den Individualisten jene Steuergelder wert sein, die dazu dienen, die Masse unter sich halten. Diese Schlussfolgerung kann durchaus der Arroganz jener Kirchenfürsten vergleichbar sein, die sich die Menschheit über Jahrhunderte durch Gottesfurcht gefügig machten, sie kann aber auch ganz einfach ein Hilfsmittel sein für jene, die der Einbildung erlegen sind, weniger dumpf zu sein, weniger denkmüde, die sich einbilden, eine große Palette zu benötigen, einen riesigen Fundus von Farben, Klängen, Gerüchen usw., der zur Umsetzung ihrer Ambitionen unverzichtbar ist. Ja, es gibt großartige Menschen mitten unter uns, die auf Befragung beim besten Willen keine Fußballmannschaft, nicht einmal einen einzigen Spieler namentlich nennen können, die keinen Fernseher, keine Kaffeemaschine und keine Mikrowelle haben, nicht einmal tätowiert sind, und die zu alldem auch noch keine Hunde mögen.

Schildkröte 12.09.2014 | 14:06

Spannender Artikel, danke dafür! Obwohl die Bevormundung schon ein bißchen an den Realsozialismus erinnert (der gute Staat weiß was für den Bürger richtig ist!), sollte man m.E. nicht zu sehr auf Merkel focussieren. Die Entwicklung kommt aus den USA und wird dort als "Nanny Staat" bezeichnet. Kurz: der Bürger ist ein Kindskopf und muß vom Staat, aber auch von Firmen permanent erzogen werden. Deswegen die Warnhinweise allüberall: Benzin ist brennbar, Herdplatten werden heiß usw. Wer sich allerdings der Erziehung verweigert ist selbst schuld. Hilfe vom Staat hat er nicht zu erwarten, wenn er krank wird.

Wenn die Bürger doch so blöd und unmündig sind stellt sich wirklich die Frage, wie lange man sie noch über Dinge entscheiden lassen sollte. Wissenschaftler an die Macht, Demokratie war gestern. Hoffentlich nicht,

Gruss Schildkröte

balsamico 12.09.2014 | 14:30

Es geht nicht um das scheinbar Beste für die Menschen, sondern um das scheinbar Beste für das Kapital.

Das unglaublich Niederträchtige dabei ist, dass es so dargestellt wird, als sei das Beste für das Kapital eben deshalb auch das Beste für die Menschen. Schäuble und Merkel sind geradezu die Personifizierung dieser Dreistigkeit. Mir läuft es heute noch kalt den Rücken hinunter, als ich Merkel im Wahlkampf zu den Bürgern plärren hörte: "Wir (notabene wir) wollen den Unternehmern dankbar sein, weil sie Arbeitsplätze schaffen" und wofür ihr das blöde Wahlvolk brav applaudierte. Wer als PolitikerIn sowas erlebt, der muss ja den Bezug zur Wirklichkeit verlieren, ob er will oder nicht.

Interessant sind für mich dabei zwei Fragen:

a) Was werden die Herrschenden nun konkret tun?

Nichts. Definitiv nichts.

b) Wie werden die Bürger sich dem entziehen - falls sie es denn überhaupt versuchen?

Eben. Sie werden es nicht versuchen, im offenbar unerschütterlichen Glauben an die Lauterkeit der Staatsorgane und der staatlichen Institutonen.

Schließlich gibt es ja auch Menschen, die sich nach den preiswerten Alternativen im unteren Regal bücken.....

Ja, aber mit einem unguten Gefühl...

Wobei da dann jeweils die Frage zu stellen wäre, ob das überhaupt das richtige Verhalten ist......

In der Tat.

Gruß, bls

seriousguy47 12.09.2014 | 14:41

"Was werden die Herrschenden nun konkret tun?

Nichts. Definitiv nichts."

Habe ich das missverständlich formuliert? Ich meinte, welche neuen Manipulationstechniken nun wohl angewandt werden.

Denn das Niederträchtige, nicht nur in Wahlkämpfen, kenne ich ja schon, seit ich politisch zu denken versuche. Ein wesentlicher Gesichtspunkt meiner Entscheidung, auch Politikwissenschaft zu studieren, war genau dieser Endruck: ständig dreist und frech belogen zu werden. Das wollte ich überprüfen.

Ein frühes Ergebnis war dann, zu sehen, was z.B. wirklich hinter Adenauers Wiedervereinigungsgeseiere stand.....Mit die niederträchtigste Lüge in der Geschichte der Bundesrepublik. Dass dann auch noch ausgerechnet Kohl die Chance bekam, diese Lüge in scheinbare Wahrheit zu verwandeln, das verschlägt mir bis heute die Sprache.

Ist aber jetzt nur ein beliebiges persönlich-biographisches Beispiel.

Exilant 12.09.2014 | 15:08

"Behaviourismus" bedeutet im konkreten Text, sich oder anderen etwas einzureden. Ganz typisch neoliberal, nur an der Oberfläche agierend. Und Fische kann man nur fangen, wenn sie an der Oberfläche schwimmen.

Ich glaube, daß es so kommen wird, daß der Bevölkerung zunächst geschmeichelt und dann ihr subtil mitgeteilt wird, was sie zu tun und zu lassen hat.

Denn da die bisherigen Argumentationsmuster nicht erfolgreich waren, merkt man daran, daß beispielsweise eine Mehrheit HartzIV noch immer ablehnt und die sehr hohe soziale Ungerechtigkeit beklagt.

Andererseits: Dieses Volk handelt nicht nach der eigenen Meinung; wahrscheinlich hängt dieses mit der deutschen "Unterwerfungssucht" zusammen, wie einmal unterschiedliche Persönlichkeiten wie John McCain und Horst-Eberhard sich äußerten.

Magda 12.09.2014 | 15:32

Guter Gott, war das nicht schon immer so? Die Manipulationstechniken mögen sich ändern, aber das Ziel, die Menschen so zu beeinflussen, dass sie tun, was die Herrschenden für sie vorsehen, das - so habe ichs im Osten gelernt - gabs immer im Kapitalismus. Ein Heer von Leuten sitzt da dran.

Und - sie tuns ja auch. Die Leute die sich heute manchmal so über die braven Ossis erregen, die nicht durchschauen, wie das alles funktioniert, fallen dann wieder prompt auf was Neues rein. Ein Heer von Agenturen sitzt da dran.

Nebenher ist der Gag eigentlich, dass diese Art von Manipulation im Osten überhaupt nie funktioniert hat. Die meisten Leute nahmen das ganze Staatsgesülze nie ernst. Die Sprache war zu plump und zu verräterisch. Im Westen funktionierte das - durch die Jahrzehnte - doch prima und heute auch im vereinigten Deutschland, weil viele Osssis auch endlich mal "ankommen" wollen.

Vielleicht wären die neuen Experten gar nicht nötig, vielleicht müsste Merkel nur genauer studieren, wie es Gerhard Schröder gemacht hat. Der schaffte es schon mit ein paar geschickt gewählten Vokabeln, das (sozial-)psychologische Klima im Land zu verändern.

Hat er das Klima wirklich verändert, der Schröder? Ich kann das nicht erkennen. Er hat seine Partei im Grunde in das größte Desaster gestürzt, eben gerade weil die Leute, die Wähler diesen SCheiß erkennt haben.

Auch sprachliche Kniffe sind laut dem Linguisten George Lakoff ein Baustein der Verhaltensökonomie. Das Arbeitsamt wurde zur „Agentur“, der Arbeitslose zum „Kunden“, und die SPD verbannte flugs das Wort „Unterschicht“ aus ihren Papieren und sprach nur noch vom Prekariat, in das auch Teile der Mittelschicht eingemeindet wurden. Bis die Bürger sich in dieser „Architektur“ zurechtfanden, dauerte es eine Weile. Eine Revolution blieb vorerst aus.

Die Revolution bleibt hierzulande doch nicht aus, weil paar sprachliche Kniffe angewendet wurden. Nee, weil die Leute hofften, sich trotz allem noch ein bisschen durchzuwursteln zu können.

Dass also vielleicht beim Kanzleramt da paar neue Kräfte hinzukommen, dass die paar neue Techniken ausprobieren über das Manipulationsvermögen der Medien hierzulande hinaus. Es wird - wie immer - nur teilweise funktionieren. Es wird Leute geben, die hinterfragen und es wird welche geben, die das alles für bare Münze nehmen.

Viele Leute - gerade heutzutage - neigen zum Subversiven, obwohl auch das schon wieder ein Gegenstand von Manipulation ist. Und die Kabarettisten können sich dann auch amüsieren.

Magda 12.09.2014 | 15:36

Nee, gerade nicht. Die hat - wie viele in der DDR - eher gelernt, wie man sich dem geschickt entzieht und so tut als ob.

Agitation und Propaganda - großes Wort nix dahinter außer einem gemeinsamen Besuch in irgendeinem Museum oder einem Gesprächskreis über Karl Marx mit anschließendem Rotweintrinken.

Das muss doch nun mal jedem ein bisschen auffallen:Wenn die Propaganda in der DDR geklappt hätte, dann hätten die Leute nicht abend für abend Westfernsehen geguckt. Ich muss sagen, damals habe ich eher gedacht, dass die Bundesbürger-West manchmal auch nicht durchschauen,wie sie manipuliert werden. Wobei: Es gab damals ganz tolle Sendungen, die auch aufklärten.

balsamico 12.09.2014 | 15:40

Habe ich das missverständlich formuliert?

Nein, hab' nur zu schnell falsch gedacht -:).

...das Niederträchtige

Es ist was dazu gekommen. Früher haben sie einfach nur gelogen und versucht, sich zu rechtfertigen, wenn man ihnen auf die Schliche kam, wobei sie dann mehr (z.B. Adenauer) oder weniger (z.B. Brandt) schlagfertig waren. Heute stellen sie ihre Lügen und Dreistigkeiten vorsätzlich oder sogar absichtlich als der Weisheit alternativlose Schlüsse dar. Statt z.B. die Banken für grob verantwortungsloses Verhalten laut zu tadeln, tönt Schäuble, dass sie gerettet werden müssten, weil davon auch "die Menschen" den Nutzen hätten. Da mag zwar etwas dran sein, denn wenn die Banken pleite gingen, was sie sich redlich verdient hätten, käme es noch schlimmer als es ist. Aber dennoch ist es ungerecht bis ins Mark, insbesondere, dass das Lumpenpack von Regierungsseite nicht wenigstens moralisch zur Verantwortung gezogen wird, sondern sich auf Kosten der kleinen Sparer schon wieder die Taschen füllt - und worüber Schäuble natürlich kein Wort verliert. Braucht er aber auch nicht; denn "die Menschen" applaudieren ihm und wählen ihn wieder. Diese Tölpel.

Magda 12.09.2014 | 15:50

1. Merkel versucht wohl das zu tun, was ihr großer Sozialisator, der autoritäre Sowjet-"Kommunismus" in seiner festgefrorenen Biederkeit versäumt hat: autoritäre Herrschaft auf Höhe der Zeit/ Wissenschaft.

Also da ergreife ich - mal wieder - Partei für Merkel. Ich komme ja auch aus der Gegend.

Einer unserer wichtigsten "Sozialisatoren" war das Westfernsehen nicht weniger Sowjet-Kommunismus. Über den haben wir eher gespottet. Ich lach' mich schlapp, wenn ich das lese.

Dass sie es so offen & selbstverständlich tut, passt zu ihrer Vergangenheit.

Das mit der Vergangenheit verstehe ich nun wieder nicht. Aus der DDR sind Leute - fast alle waren in der FDJ- mit so unterschiedlichen Vorstellungen über das Wirken von Demokratie, über Vermögen und Unvermögen dieser Regierungsform zur Bundesrepublik gekommen, dass Merkels heutiges Verhalten eher mit ihrer großen Lernfähigigkeit, was die Mechanismen im Westen betrifft, zu tun zu haben.

Dass sie den Bürger verachtet, scheint im Übrigen zitatmäßig belegt.

Projiziert doch nicht immer alles auf die Merkel. Ist ein Schröder, der behauptet, man könnte mit "BILD, Bams und Glotze" regieren nicht auch ein elender Verächter der Bürger?

Mannomann, macht es Euch bloß nicht so leicht mit der Herkunft von Leuten. Es gab einen Ministerpräsidenten Stolpe in Brandenburg, den sie auch alle beim Wickel hatten, weil er die Leute prima manipulieren konnte. Das hatte der in der Tat im Osten gelernt durch seine ständige "Kipp-Diplomatie" auf der Seite der Kirchen. Der wusste schon immer, wie man Kompromisse aushandelt und sein Gegenüber ein bisschen beweglicher macht.

seriousguy47 12.09.2014 | 16:21

Liebe Magda,

das mit der Merkel ist alles nicht auf meiner Miste gewachsen. Ich kenne sie nicht. Auch wenn ich jetzt, bitte, bitte, einfach zu faul bin, die Links zu suchen: es stammt aus Merkel-Porträts (aus dem SPIEGEL?).

Dass der Schröder eher noch schlimmer war, kein Widerspruch. Die Merkel macht es zumindest viel, viel besser als der alte Suffkopp mit Kapital im Blut. Wir waren der Demokratie nur einmal nah: unter Brandt.

In Bezug auf Sozialisation habe ich eine andere Sicht. Ich glaube, entscheidend ist die Teilnahme am laufenden, unspektakulären Alltag, nicht (nur), was man bewußt denkt & tut. So kann man z.B. verhassten Eltern ziemlich ähnlich sein, obwohl man genau das Gegenteil für sich erstrebte. Insbesondere wenns dann mal eng wird oder man mit seiner "obersten"/ neuesten "Persönlichkeitsschicht" nicht weiter kommt, schaltet man automatisch auf die nächst akzeptable "Schicht"/ "Schaltkreise" von früher zurück usw. (Neurospeak von Hüther in sg-vulgo).

Und je "tiefer" man greift, weil man immer noch nicht weiter kommt, desto mehr könnte zum Tragen kommen, was wir selbst nun gar nicht sein wollen.

Das war jetzt allerdings nicht auf Sie oder Merkel gezielt, sondern auf mein derzeitiges Sozialisationsverständnis.

Auf die Demokratiekompetenz bezogen, haben - auf den Zeitraum seit Ende WK II bezogen - die Westdeutschen bereits ziemliche Defizite im Vergleich zu z.B. den Briten. Und deshalb schließe ich, dass es bei EX-DDRlern noch ausgeprägter ist.

Das ist nicht per se als Kritik gemeint und bei Merkel auch nicht als Kritik der Person ( die finde ich ganz ok), sondern als Erklärung vieler für mich (un)auffälliger Kleinigkeiten. Und ich sehe es tatsächlich so, dass Postdemokratie Merkel besonders leicht fallen könnte, weil ihre demokratische Sozialisation nur begrenzt trägt. Aber, wie gesagt, Merkel nicht als Person, sondern als Typ.

Und natürlich kann man niemanden auf seinen Sozialisation festlegen oder gar ihn/ sie dafür verantwortlich machen. Aber man muss darauf hinweisen, wenn man Problematisches in der Gegenwart wahrzunehmen meint, das mit der Sozialisation zusammenhängen könnte. Nur dadurch kann man Anstoß zu einer entsprechenden Selbstreflektion & Selbstkorrektur geben.

Politische Auseinandersetzung ist da nur nicht unbedingt der beste Ort dafür.....;)

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 16:41

Die herrschenden Kommandohöhen aus Politik und Ökonomie machen da doch gar nichts Neues und für ihre Zwecke Verkehrtes, wenn sie sich beim Regieren unter Zuhilfenahme einer flächendeckenddurchgesetzten Affirmationsreligion (die Gesamtheit psychologischer Weltanschauung und Apologie), auch alle technologischen Möglichkeiten und Innovationen nutzbar machen wollen.

Magda 12.09.2014 | 16:51

Also zur Sozialisation - da muss ich drüber nachdenken. Denn - in der Bundesrepublik gelebt zu haben- das hatte doch auch so viele Schichten und Grundierungen. Die 68er z. B. - allein da gabs so unterschiedliche Leute mit so unterschiedlichen Lebensverläufen und Alltagen.

Und ich sehe es tatsächlich so, dass Postdemokratie Merkel besonders leicht fallen könnte, weil ihre demokratische Sozialisation nur begrenzt trägt. Aber, wie gesagt, Merkel nicht als Person, sondern als Typ.

Also, da weiß ich nicht, inwieweit nicht jeder Mensch, der in höhere politische Verantwortung kommt, versucht ist, die Spielräume der Macht zu erweitern. Oder erkennen müssen, wie wenig man gegen bestimmte Kräfte etwas durchsetzen kann.

Ich sehe allerdings , dass Merkel sicherlich eine eher hierarchische Auffassung hat. Zu lang und zu breit zu diskutieren - das hat sie wohl auch in Wendezeiten abgeschreckt.

Thema Auffassungen. Da sehe ich bei ihr in der Tat wenig an "Bekenntnishaftem" an "Appell" und "politischem Willen". Und das kann wirklich mit dem Leben in einem anderen Land zu tun haben. Sie hat das, was der Westen - aus der Fernseherfahrung immer war - eher bewundert und vielleicht verklärt und wollte und will nicht darüber hinaus. Politiker, die im Westen aufgewachsen sind, wollen das Bestehene bewahren oder - wie Brandt - weiterentwickeln, mehr wagen. Das ist nicht ihr Ding, das ist sicher wahr.

Aber, es kann genau so gut sein, dass sie die Mechanismen des herrschenden Systems zu gut durchschaut - besser als manch einer der schon immer damit zugange war. Und dass es bei ihr ein gewisser realistischer Zynismus ist, der ihr rät: Wenn das so ist, dass man "marktkonform" regieren muss, wenn die Spielräume ohnehin immer enger werden, dann mache ich wenigstens das mit Anstand oder ordentlich. Ich glaube nämlich nicht, dass sie dem Kapital unbedingt "dienen" will, sondern eher, dass sie zu gut weiß, dass es gegen bestimmte Kräfte, wie z. B. das Kapital überhaupt keine Möglichkeit gibt.

Das wenigstens müsste sie in der DDR gelernt haben. Von daher ist sie sicherlich für die Postdemokratie geeignet.

seriousguy47 12.09.2014 | 17:14

Mit den 68ern liefern sie mir eine Steilvorlage für meine Sozialisationsthesen: Joschka Fischer! Was ist bei dem noch links oder grün oder Idealismus? Geblieben ist der Strassenkämpfer - für den eigenen Vorteil. Also das, was er schon sehr früh eigentlich war.

Am meisten bei diesem Thema hat mich entsetzt, als im TV mal ein Hausbesetzergenosse von Fischer war, der sich als Immobilienfritze eine Villa hingelegt hat, die sämtlich Klischees zum Neureichentum bestätigt.

Insgesamt erinnere ich mich in letzter Zeit an jene der Nazi-Herrschaft Entronnenen, die uns damals vorwarfen, wir würden uns gebärden wie früher die Nazihorden. Und je älter ich werde, desto mehr gebe ich meinen Widerstand gegen diese Wahrnehmung auf.....

Für mich selbst sah ich damals still & heimlich eher meinen zutiefst liberalen (SPD)-Prof in Politik als nachzuahmendes Vorbild.

Zurück zu Merkel & den Herrschaftsmechanismen. Ich stimme Ihnen eigentlich zu. Nur sehe ich bei Merkel eine ausgeprägte Fähigkeit, ganz bestimmte Mechanismen im politischen Alltag besonders gut zu erkennen.

Bei Brandt oder Heinemann schien mir dagegen ein stärkeres Wertebewußtsein und eine größere Wertschätzung der Demokratie als politisches Ideal vorzuherrschen.

Aus diesem Unterschied aber ergibt sich dann ja wiederum auch ein unterschiedlicher Umgang mit den/ eine unterschiedliche Zumessung von Bedeutung an die Herrschaftstechniken. Auch denen, die im Beitrag beschrieben werden.

Aber dabei möchte ich es von meiner Seite jetzt belassen. Ich fühle mich ein bisschen unwohl bei dem Gedanken, zu sehr neben dem Thema des Beitrags zu kommentieren.

balsamico 12.09.2014 | 17:37

Das mit der Vergangenheit verstehe ich nun wieder nicht. Aus der DDR sind Leute - fast alle waren in der FDJ- mit so unterschiedlichen Vorstellungen über das Wirken von Demokratie, über Vermögen und Unvermögen dieser Regierungsform zur Bundesrepublik gekommen...

Süß! Ich halte mich, bei meinem Urteil, gelegentlich mehr an kleine Gesten als an komplizierte Überlegungen. Merkel war ja mal für einen Augenblick Pressesprecherin vom Demokratischen Aufbruch und mit den de Maizières irgendwie verbandelt:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article117318639/Was-die-Kanzlerin-an-Thomas-de-Maiziere-bindet.html

Da gab es eine Szene, wo die Kameras dem Lothar, glaub' ich, ein bisschen auf die Pelle rückten, was ihm in diesem Moment nicht gefiel und Merkel, ganz Pudel, auf die Kamera stürzte und das Händchen schützend vor das Objektiv hielt, das die Szene aber schon eingefangen hatte. Glauben Sie mir, Magda: In dem Moment wusste ich, was die Frau von Öffentlichkeit hält. Nichts! Zwar spielt, taktiert und kokettiert sie mit Öffentlichkeit, aber sie fühlt sich ihr nicht verpflichtet. Und das hat dann schon was mit Demokratie und damit zu tun, wie man sich als Demokratin zu verhalten hat.

..dass Merkels heutiges Verhalten eher mit ihrer großen Lernfähigigkeit, was die Mechanismen im Westen betrifft, zu tun zu haben.

Gewiss ist das so. Ich bin wie gesagt, Liebhaber der kleinen Szene. Bei Genschers 80-stem, glaub ich, hielt sie eine Rede und kriegte sich selbst kaum darüber ein, wie sie als vormalige Generalsekretärin zu Genscher in die Pressekonferenz geschlichen sei, um von ihm zu lernen, wie man mit Journalisten schwätzt und schwätzt - aber ohne was zu sagen. Da war ein herzliches Einvernehmen zwischen ihr und ihm, dem freidemokratischen Altmeister, der darob ins breiteste Grinsen geriet, das vom rechten bis zum linken Schlappohr reichte. Lernfähig ist sie, gewiss, aber sie ist auch eine elende Taktikerin, der nur noch eins nicht passiert ist: nämlich dass sie sich selbst austaktiert. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Kann gut sein, dass Putin ihr da sogar noch ein bisschen überlegen ist.

balsamico 12.09.2014 | 17:48

Joschka Fischer,

man kann über ihn sagen was man will; aber was Personen angeht, da war sein Urteil sicher. Von Merkel sagte er einmal, als in einer schwierigen Sache lange hin und her verhandelt wurde sinngemäß: Sie schwimmt auf dem Wasser wie ein Korken, und wenn ihn der Sog in eine Richtung zieht, ist sie da und erklärt den anderen, wo es lang geht. Das trifft es, glaub ich, ganz gut.

derelevator 12.09.2014 | 18:44

Regulierungswut und Bevormundung, mit der Absicht der Konditionierung, die breiten sich in der Politik doch ganz allgemein aus wie die Pest. Ein Mittel dagegen ist m.E. das der subversiven Über-Affirmation. Schreibt einfach zahllose Petitionen und Eingaben an Ministerien, mit überdrehten Forderungen nach noch konsequenteren Regulierungen! Einfach mal versuchen, macht viel Spaß und trägt dazu bei, dass die uns aufgezwungene Über-Regulierung zumindest ein bisschen lustiger wird. Und vielleicht ist es am Ende ja doch hilfreich, den ganzen Bürokratieapparat regelmäßig mit seinem eigenen Blödsinn zu konfrontieren. So habe ich selbst z.B. zum Thema der nun beschlossenen bildlichen Warnhinweise auf Zigarettenschachteln jüngst eine kleine Petition ans EU-Parlament geschickt (laut Antwortschreiben dort nun unter der Nr. 1625/2014 registriert), mit dem Titel "Fundamentale Unzulänglichkeiten im Beschluss zur Einführung von bildlichen Hinweisen auf Zigarettenschachteln":

"Sehr geehrte Damen und Herren,

am 26. Februar 2014 wurde auf 2016 hin die Einführung von bildlichen Hinweisen auf Zigarettenschachteln beschlossen. Für mich wirft dieser Beschluss einige Fragen auf, die zu diskutieren ich Sie hiermit gerne bitten möchte.

Punkt 1: Bereits mit Einführung der Text-Warnhinweise habe ich mich gefragt, wie das eigentlich mit Rauchern ist, die nicht lesen können oder gar blind sind. Haben wir es insbesondere bei Letzteren nicht mit einer (ohne Selbstverschulden) benachteiligten Minderheit zu tun, die hier zusätzlich diskriminiert wird, da es ihr auf Grund der Behinderung nicht möglich ist, die Warnhinweise wahrzunehmen und die darum über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens nicht aufgeklärt wird? Dieses m.E. diskriminierende Moment wird nun durch die Einführung der umgangssprachlich „Schockbilder“ genannten, bildlichen Hinweise noch verstärkt. Wäre es daher nicht notwendig, Zigarettenschachteln europaweit auch mit akustischen Signalen (wie man sie z.B. aus manchen Glückwunschkarten kennt) auszustatten? Sprich: Analog zur Darstellung auf den Schachteln müsste eine Stimme den Warnhinweis verlesen, gefolgt von einem akustischen Schockeffekt (Raucherhusten, schmervolles Stöhnen, eine Knochensäge etc.)?

Punkt 2: Gerne würde ich wissen, ob zeitgleich Schutzmaßnahmen in Arbeit sind, die sensible Nichtraucher und insbesondere Kinder davor schützen, mit den Schockbildern in Kontakt zu kommen? Soweit mir diese aus dem Internet bekannt sind, würde ja kein Film, der derartige Darstellungen beinhaltet, mit einer Altersfreigabe unter minimal 12 Jahren, wenn nicht gar 16 Jahren durchgehen. Und nun sollen selbst Kleinkinder diesen Bildern an Supermarktkassen oder im alltäglichen Müll auf Straßen, Spielplätzen oder in Parks ausgesetzt werden? Für mich unvorstellbar, dass diese uns schutzbefohlenen Wesen derart emotionalem Stress ausgesetzt werden sollten. Und ich muss gestehen, dass selbst ich, als ausgebildeter Kulturwissenschaftler im Umgang auch mit extremem Bildmaterial relativ gut geschult, nicht unbedingt Lust darauf habe, beim Einkauf meines Abendessens jedes Mal an der Supermarktkasse auf faulende Zähne, Füße, Lungen starren zu müssen. Zusammenfassend also: Ist auch eine bestimmte Abgabe- und Entsorgungsrichtlinie für die neuen Zigarettenschachteln in Planung, die den Teil der Bevölkerung, der mit Zigaretten nicht unmittelbar zu tun hat, analog zu den Passivrauchern, aber eben auf der visuellen Ebene, vor diesen Abbildungen schützt? Müsste dieser wie auch Punkt 1 nicht an eine Ethikkommission weitergeleitet werden, bevor ein Beschluss rechtmäßig gefasst wird?

Punkt 3: Ab wann werden Warnhinweise auch für andere gesundheitsgefährdende Produkte eingeführt? Naheliegende Beispiele wären: a) Süßigkeiten und andere sinnlos dickmachenden Suchtstoffe sowie Alkohol, die bekanntlich nicht gerade als gesundheitsfördernd bezeichnet werden können und für deren Folgen ich ebenfalls mit meinen Steuern und Sozialabgaben gerade zu stehen habe oder b) Autos: Als Fahrradfahrer, Fußgänger und insbesondere Vater weiß ich um deren gesundheitsgefährdende Wirkung, die darüber hinaus auch die Nutzer selbst mit einschließt. Sollte also nicht ein Warnhinweis wie „Das Führen dieses Fahrzeugs kann tödlich sein!“ mit entsprechenden Abbildungen (die allerdings wiederum nicht den in Punkt 2 beschriebene ethischen Konflikt mit sich bringen dürften) auf der Fahrertüre eines jeden Kraftfahrzeugs zur Pflicht werden? Meiner Meinung nach sollten solche Warnhinweise zweifellos parallel zu dem auf Zigarettenpackungen umgesetzt werden!

Ich weiß, das alles liest sich wie eine Satire, als wollte ich Sie auf den Arm nehmen. Dem ist aber keinesfalls so. Vielmehr sind obige Punkte nur ein kleiner Ausschnitt aus den Schlussfolgerungen, zu denen ich nach ernsthaft ethischem und dabei konsequent zu Ende geführtem Nachdenken gekommen bin. Daher würde ich Sie um eine entsprechend ernsthafte Behandlung bitten.

Mit Dank und freundlichen Grüßen"

GEBE 12.09.2014 | 19:38

Es bedarf überhaupt keines besonderen Plans, keines erwogenen Kalküls, zur Manipulation, wenn Beliebigkeit angewendet wird. Jede Idee, jeder Vorschlag ist lediglich dann nur dahingehend zu verwirklichen, daß Beliebigkeit in ihn als Wesentliches Element wirkt. Es ist damit geradezu jedweder Plan entbehrlich, jedwedes Kalkül obsolet.

Und das ist das Geheimnis dabei: Die Ausführenden brauchen keinerlei Plan!

Es brauchen Menschen über ein paar Generationen hinweg nur in eine gewisse Gestimmtheit gebracht zu werden, dann erfüllen Sie den „Masterplan“ ohne überhaupt einen Plan von einem Plan zu haben.

Und ein solcher Masterplan ist das Subtilste, was es gibt! Er geht einher mit Musik, Süßigkeiten und Leckereien, mit einem „Sommer of Love“, mit „sexueller Revolution“, alles Dinge, die die Emotionalität, Sehnsüchte und Begierden hervorlocken und nachhaltig stimulieren.

Und wie diese Gestimmtheit erzeugt wird, das ist seit Ende des WK II überall abzulesen als Methode des Konsumismus zu Lifestyle. Erst muß man den Hebel mit großem Auswand ansetzen, viel Aufwand betreiben und dann immer weniger und weniger, bis nur noch hier und dort gewisse kleine subtile Stellschrauben nachgedreht werden müssen.

Das ist übrigens auch innerhalb einer auf Konditionierung ausgelegten Erziehung bei Kindern genau so: Erst macht es Mühe, man muß konsequent vorbildlich sich geben, selbst Regeln vormachen, einhalten usf.; das ahmen Kinder nach, bis es zu einem somatisch Agens (organisch manifestierten Reiz-Reaktions-Schema) bei Ihnen geworden ist; und mehr und mehr kann man dann auch das Kontrollieren nachlassen, nur ab und zu bedarf es dann noch des Schnippens mit dem Finger unter gütigem Lächeln, als Korrektur- und Erinnerungs-Impuls, und man selbst kann dabei bequem die Füße hochlegen. - Das hält dann auch ein Leben lang als ponerogen intitiierte Psychose, weil es bei einem solchen Kind zum Charakterwesen, zur Gestimmtheit geworden ist!

Nicht anders klappt es mit des in Gestimmtheit-Bringen zur Beliebigkeit inbezug auf die Umerziehung einer kompletten Gesellschaft! Nicht wahr, aus Kindern werde ja Leute!

Und auf eines möchte ich noch hinweisen, welches das kollektiv effektivste seit 1980 ist, was als psychisch-subtilstes aller wirksamsten Mittel eingesetzt ist: es ist die sogenannte „Sommerzeit“. Millionen von Menschen werden seit dieser Zeit dazu konditioniert, zweimal jährlich gegen ihr natürliches Empfinden anzugehen, also mit sich selbst in Widerstreit zu stehen, und anstatt dem den Vortritt zu geben, was Biorhythmus, sinnliche Wahrnehmungen über Lichteinfälle und die daraus entstehenden Gestimmtheiten deutlich sagen, wird gegen diese Empfindungen gehandelt. Es ist das, was da passiert, was schon über Generationen passiert, das probatestes Mittel, eine komplette Gesellschaft zu konditionieren, die eigene Urteilskraft in Frage zu stellen, d.h. sich die persönliche Integrität und Souveränität abzugewöhnen!

Wer ein kleines Bißchen nur Kenntnis hat von psychologischen Funktionen, kann deutlich sehen, wie diese Angelegenheit, nämlich einzuüben im Widerstreit mit den eigenen natürlichen und spontanen Urteilsgrundlagen zu geraten, eine nachhaltig absolute Verunsicherung in das Vertrauen zu eigenen Urteilskraft nach sich zieht!

Diese Zeitumstellungsmethode ist nichts anderes als ein flächendeckendes Menschheitsexperiment zum Einüben von Exerzitien hinsichtlich des Abgewöhnens von Vertrauen in persönliche Urteilskraft. Es ist das die ganz hohe Schule der Manipulation! Besonders hohe Schule deswegen, weil man sich sicher sein kann, daß man agitatorisch nicht ständig nachlegen muß, sondern es ein Selbstläufer ist, man sich absolut sicher sein kann, daß sich die Gesellschaft dadurch entsprechend unaufgefordert selbst konditioniert. Z.B. zur Charakterisierung dieser gegenseitigen Konditionierung sind Sätze mit dem Duktus wie: „Stell dich nicht so an mit deinem Biorhythmus und deiner Empfindlichkeit, andere müssen sich auch umstellen. In ein paar Tagen haste das hinter dir.“ So auch Eltern gegenüber ihren Kindern; Menschen gegen Jahreslichtstimmungen usw. usf. – absolut ohne besondere Aufforderung, in vermeintlicher „Freiwilligkeit“.

Magda 12.09.2014 | 20:06

Glauben Sie mir, Magda: In dem Moment wusste ich, was die Frau von Öffentlichkeit hält. Nichts!

Ich kenne sie genau aus der Zeit. Habe ich anderswo schon mal beschrieben. Sie war stellv. Regierungssprecherin, ich war eine der Assistentinnen der Chefs vom Dienst. Wissen Sie, was wir damals an journalistischem Ansturm erlebt haben? Wissen Sie, wie dreist damals die Medien-West waren? Herrenmenschen im Anmarsch- tut mir Leid, war so. Unglaublich laut unglaublich dreist und sich sehr sehr überlegen fühlend.

Brinkmann von BILD laut, fordernd, auf den Putz haun. Wer von uns aus dem Osten war denn solche Anstürme erlebt. De Maiziere war dünnhäutig. Und sie mochte de Maiziere wie ich auch. Sie wollte ihn vor zuviel Ansturm vielleicht schützen. Wissen Sie überhaupt, wieviele Stunden die alle gearbeitet haben? Manchmal bis in die Nacht. Da lagen auch die Nerven blank. Ich habe diese Art von "Belagerung" damals auch unerträglich gefunden.

Ich erinnere mich noch, wie ich selbst de Maiziere - aus Unkenntnis und Naivität - ein Riesenei gelegt habe. Damals saß der Rainer Gohlke, der damalige Treuhandchef, im Vorzimmer und ich erzählte das aus irgendeinem Grund einer anrufenden Journalistin. Die Telefone standen nicht mehr still. Denn Gohlke - das hatten die sofort erraten - forderte seinen Rücktritt, was so schnell nicht bekannt werden sollte. Und Merkel musste das ausbaden. Sie war immer zuverlässig, immer kooperativ und nie unkollegial.

Angela Merkel wusste damals noch nicht, ob sie überhaupt in der Politik bleibt. Wir haben uns damals drüber unterhalten. Und dann haben sie ihr - aus Bonn - die Kandidatur für Meckpomm ans Herz gelegt. Hat sie gemacht. Glauben Sie mir mal: Sie war völlig unprätentiös, uneitel. Ehrgeizig ist sie schon, das stimmt. Das Amt verändert auch den Menschen. Das kann sein. Aber, - ich kenne sie und auch ihr Mann gilt als einer, der absolut unprätentiös ist.

Allerdings: Wählen würde ich sie nicht, ich bin linker gestrickt. Das hat mich bei ihr immer gewundert, denn ihr Vater war eigentlich ein ziemlicher Linkschrist als Pfarrer in der DDR.

Magda 12.09.2014 | 20:12

Ich bin wie gesagt, Liebhaber der kleinen Szene. Bei Genschers 80-stem, glaub ich, hielt sie eine Rede und kriegte sich selbst kaum darüber ein, wie sie als vormalige Generalsekretärin zu Genscher in die Pressekonferenz geschlichen sei, um von ihm zu lernen, wie man mit Journalisten schwätzt und schwätzt - aber ohne was zu sagen.

Ja, so ist Politik. Das hätte sie nicht laut sagen sollen. Außerdem hat sie einen Hang zur Ironie.

seriousguy47 12.09.2014 | 21:48

Na ja, auf dem Weg nach oben hat er ja einges geleistet. Das und der Job als Außenmninister erfordern sicherlich auch ein gutes Einschätzungsvermögen von Personen und Situationen.

In meinem Kommentar ging es nur darum, wie nach diesem ganzen, scheinbar nur von Idealismus getriebenen Weg, der alte, vermutlich in der Straßenkämpferzeit schon ganz und gar eigennützige, notfalls gewalttätige Persönlichkeitsanteil durchbrach.

Und das gehört dann halt auch wieder zu den Dingen, auf die wir Wähler nur allzu gern hereinfallen. Da kommt dann das Motto von Bhagwans ehemaliger Sekretärin zur Geltung: Die Leute wollen betrogen werden, also betrügen wir sie.

Den Unterschied zwischen bewußt und reflexartig vernachlässige ich jetzt mal.

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 22:41

Ehrlich gesagt wundert mich eher, dass Merkel bisher keine derartigen Experten hat. Bisher hat sich sich offenbar auch so gut durch alle Fallen hindurchfaseln können. Die Mainstreammedien stehen stramm hinter ihr.

Vermutlich hängt ihr Bestreben irgendwie mit dem Widerwillen der Bürger gegen den neuen, von den USA ausgerufenen, kalten Krieg zusammen. Es macht ihr Angst, dass die gewohnten Propagandastrategien versagen. Sie versteht es nicht. Und die Marketingexperten (Standard-Inventar in repräsentativen Demokraturen) sind ebenfalls ratlos. Tja. Da braucht man dann halt Psychologen.

Dabei geht es weniger um Freiheit und Selbstbestimmung. Leute wie ich lassen sich weder von xxl-Packungen noch von günstig platzierten Produkten oder Markennamen hereinlegen. Und es müsste schon sehr viel passieren, damit ich CDU wähle.

Es wäre sogar legitim die Menschen in eine GUTE Richtung zu beeinflussen. Das Problem ist nur, dass GUT subjektiv ist. Was Merkel oder Obama gut finden, muss nicht im Sinne der Bürger sein. Und warum sollten Machthaber überhaupt jemals im Sinne der Bürger entscheiden? Weil sie von ihnen gewählt werden? Das werden sie aus verschiedenen Gründen sowieso. Und einer dieser Gründe ist Manipulation. Man streut den Leuten Sand in die Augen über die wahren Machenschaften. In keinem System funktioniert das so gut, wie im parlamentarisch regierten Kapitalismus.

Rosbaud 12.09.2014 | 23:43

Gelenkte Demokratie



Respekt, Frau Kullmann, ein sehr gehaltvoller Artikel!



Um was es bei der von Merkel angestrebten „Verhaltenstherapie“ für die Bevölkerung geht, hat sie schon ganz offen ausgeplaudert, unser noch leidlich demokratisches Gemeinwesen soll in eine „marktkonforme Demokratie“ transformiert werden. Der Bevölkerung soll mit den im Artikel genannten Psychotricks weisgemacht werden, dass das nur zu ihrem Besten geschieht, zudem ist es natürlich auch noch alternativlos, das sowieso.



Die Blaupause für das „sanfte Schubsen“ der Bürger wurde schon in den 1920er Jahren entworfen. Einer der wirkungsmächtigsten Propagandisten des Neoliberalismus und zugleich ein bedeutender Theoretiker einer „gelenkten Demokratie“, der Journalist und Medienkritiker Walter Lippmann, hat schon 1922 mit seinem Buch „Public Opinion“ einen Klassiker in der Kunst der Beeinflussung der öffentlichen Meinung geschrieben.



Für Lippmann sind „normale“ Menschen in einer Demokratie überfordert. Sie sind nicht in der Lage komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge zu durchschauen und deshalb unfähig selbständig eigene politische Ansichten zu entwickeln. Er entwickelte das Konzept einer "gelenkten Demokratie". Um die „richtigen“ Meinungen über politische Themen herzustellen, bedürfe es eines inneren Zirkels von Experten, der „den Massen“ unter Einsatz manipulativer Techniken dazu verhilft, komplexe Angelegenheiten zu „koordinieren“.


Menschen lebten in einer „inneren Welt“, die aus Bildern „in den Köpfen“ bestehe und die deren Wahrnehmung prägten. Die politische Welt bestehe nicht aus gegebenen Tatsachen, sondern aus mentalen Bildern, die die Menschen über ihre „äußere Welt“ besäßen.


„Die inneren Bilder führen weitgehend ein Eigenleben. Sie können durch mediale Manipulation – unabhängig von kruden „Fakten“ – gezielt verändert werden. Menschen reagieren nicht direkt auf die „äußere Welt“, diese kennen sie nicht, – sondern auf die „Pseudo-Umwelt“ in ihren Köpfen“.



Menschen seien (ver-)formbar und man könne ihre Meinung steuern. Beeinflussung geschehe vor allem durch Begriffe, die eine Serie von Bildern auslösen und Propaganda soll die inneren Bilder verändern bzw. unbewusste Bilder durch neue ersetzen. Dazu dienten vor allem eingängige Begriffe oder Slogans. „Die Masse ist konstant Suggestionen ausgeliefert“.



Der „öffentliche Wille“ entsteht nach Lippmann nicht spontan, sonder müsse bewusst und gezielt hergestellt werden. Dazu müsse das Interesse des einzelnen „transferiert“ werden. Die Formung der öffentlichen Meinung dürfe man nicht „der Masse“ überlassen, sie habe gar nicht die Zeit, sich umfassend zu informieren. Ohne Steuerung würde aus „der Masse“ keine gemeinsame Idee entstehen. Keine „öffentliche Meinung“ stelle sich spontan ein. Jeder politische Konsens, müsse und solle (bewusst) „fabriziert“ werden.



Quelle:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=4121



Metamorphosie 13.09.2014 | 08:00

....wir, die das Werkzeug "Sprache" benutzen und glauben und denken, dass wir uns Gehör und Verstehen ermöglichen sind als ungezählte Meinung, sind in der Spalte "Sonstiges" abgeheftet. Der Begriff "Demokratie" ist entkernt. Es geht daher um nichts mehr, als Steuerung und Verwaltung...von vielen Menschen und Maschinen. Alles was im Namen der bereits (abgeschafften Werte, Ideale) beredet und besprochen wird ...ist wie seichte Hintergrundmusik, wie Beschäftigungstherapie für den Sprachapparat (Stimmband, Kehlkopf) - Es müssten Töne her, neue Laute, neue Kräfte, Signale, andere synapatische Verbindungen, vielleicht eine neuronale synaptische Verschmelzung im Inneren jedes Einzelnen um zu begreifen, was Verwaltung von vielen Menschen bedeutet und das dadurch der Raum, nach allen seiten hin behindert ist. Auch nach Innen. Weil Menschen (ausnahmslos alle!) keine Maschinen sind. Aber genauso "geadelt" werden.

http://www.fixpoetry.com/poetryletter/34/sandra-fritz/speech

Metamorphosie 13.09.2014 | 08:00

....wir, die das Werkzeug "Sprache" benutzen und glauben und denken, dass wir uns Gehör und Verstehen ermöglichen sind als ungezählte Meinung, sind in der Spalte "Sonstiges" abgeheftet. Der Begriff "Demokratie" ist entkernt. Es geht daher um nichts mehr, als Steuerung und Verwaltung...von vielen Menschen und Maschinen. Alles was im Namen der bereits (abgeschafften Werte, Ideale) beredet und besprochen wird ...ist wie seichte Hintergrundmusik, wie Beschäftigungstherapie für den Sprachapparat (Stimmband, Kehlkopf) - Es müssten Töne her, neue Laute, neue Kräfte, Signale, andere synapatische Verbindungen, vielleicht eine neuronale synaptische Verschmelzung im Inneren jedes Einzelnen um zu begreifen, was Verwaltung von vielen Menschen bedeutet und das dadurch der Raum, nach allen seiten hin behindert ist. Auch nach Innen. Weil Menschen (ausnahmslos alle!) keine Maschinen sind. Aber genauso "geadelt" werden.

http://www.fixpoetry.com/poetryletter/34/sandra-fritz/speech

Freia 13.09.2014 | 09:02

Ein sehr guter Beitrag, der mich veranlasst hat, mich beim Freitag einzutragen, um etwas darüber schreiben zu können! Den "Bürger als Hund" gibt es allerdings schon seit beträchtlicher Zeit und man hat den Eindruck, dass das von diesem oft überhaupt nicht wahrgenommen wird - auch von mir selbst nicht, will ich hinzufügen. Im Behaviorismus gibt es ja nicht nur den berühmten Pawlowschen Hund, sondern in seiner Nachfolge etwa auch Skinner und dessen Anhänger. Der Russe Pawlow hat also eine amerikanische Entsprechung in Skinner & Co. Berühmt ist auch die Skinner-Box, ein Holzkasten für Versuche mit Tieren zur Konditionierung. Und sehr wohl lassen sich Menschen ähnlich beeinflussen wie Tiere, was ja US-Ökonomen längst wissen und seinen Niederschlag in der Beeinflussung der Konsumenten auch bei uns längst gefunden hat. Warum also sollte die Politik an dieser Stelle nicht auch mitmischen wollen mit einer "Gehirnpolitik", wie es im Artikel genannt wird? Kritik an einer solchen "Verhaltensforschung zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung " ist sehr angebracht! Allerdings fürchte ich, dass es dabei bleiben wird. Ich denke, der/die Einzelne ist mehr denn je aufgefordert zu riskieren, auch mal ein "Schwarzes Schaf" zu sein. Und darüber hinaus Sigmund Freud vielleicht neu zu hören, der sagte: "Wo Es war, soll Ich werden".

Ratatörskr 13.09.2014 | 10:13

"Wenn die Bürger doch so blöd und unmündig sind stellt sich wirklich die Frage, wie lange man sie noch über Dinge entscheiden lassen sollte. Wissenschaftler an die Macht, Demokratie war gestern. Hoffentlich nicht"

Ich habe ja den Verdacht, dass sich um Merkels Künste der Beeinflussung schon einige mühen, die ihre schneidende Stimmlage etwas abschwächten und ihr künstliche Stimmungsbesänftigung beigebracht haben. Mit eher weniger Erfolg.

Aber muss sie für ihr teueres Bemühen auch noch den Steuerzahler in die Pflicht nehmen? Da sollte sie allen Wahlhelferlein einfach das Buch des Nikolaus B. Enkelmann "Rhetorik" - Das ABC der Beeinflussungskunst - unter den Weihnachtsbaum legen. Auf die Kunst der Aufklärung wird sie eher nicht setzen!

Aber für die Kunst der Aufklärung im Forum danke .

Ein Beispiel für die Kunst der Antiaufklärung in Enkelmanns Buch unter dem Titel

"Warum kritisiert ein Mensch?"

Aus welchen Motiven kritisiert der Mensch? - aus Missgunst, - aus Rache, - aus Böswilligkeit, - aus Neid, -aus Selbstunzufriedenheit, - um Kritik weiterzugeben, - aus Unfähigkeit, - um von eigenen Schwächen abzulenken, - um aufzufallen, - weil man glaubt, alles besser zu können, - um zu kränken, - aus Geltungsbedürnis, - aus negativer Grundstimmung, - weil man sich selbst im Moment nicht leiden kann, - weil man von seinen eigenen Problemen ablenken will, - aus Sensationslust, - aus Unfähigkeit, - aus Überheblichkeit, - aus aggressiver Stimmung

Sie sehen an dieser Liste, die durchaus nicht vollständig ist, dass sie strotzt von negativen Persönlichkeitswerten. [...] Wenn ich eine positive, offene Grundeinstellung habe, werde ich jede Nachricht Information oder Erlebnis erst einmal neutral aufnehmen und versuchen, meiner bisherigen Anschauung anzupassen. [...]

Warum kritisieren Sie?

Neben den vorher aufgezählten Motiven kann es nur Dummheit sein, denn Sie wissen ja, was man mit seiner Kritik bewirkt. [...]"

Je nach Stimmung strapaziert man beim Lesen seine Lachmuskeln oder hat einen zornigen Adrinalin-Schub! Nun betreibt dieser Mensch ein Institut für Rhetorik, Management und Zukunftsgestaltung. Das ist dann nicht mehr lustig, auch nicht, wenn Merkel ihre Mannschaft dort in die Lehre schickt.

Karl K 13.09.2014 | 11:45

schade - der Langtext ist weggekippt;-(

so short cut -

"…In einem Pawlow’schen Beißreflex könnte man es auch so formulieren: Sie wollen uns zu fügsamen Haushunden abrichten, um nichts anderes geht es."

Pawlow et al ist seid langem widerlegt - & worauf der alte Spaßvogel Heinz von Foerster immer gern hingewiesen hat, derjenige gat keinen Nobelpreis gekriegt;

also keep cool - die Welt/der Mensch sind nicht so trivial & die Formierte Gesellschaft des Pinscher-Töners Ludwig Ehrhard hat auch nicht gefunzt; wach sein ja - aber aufgeregtes Flügelschlagen nein;

&ein Haus ohne Fundament getrost Bucky überlassen - der - wußte was er tat;-)

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 15:40

Gut, dass das "System M" auch hier kritisch in Augenschein genommen wird.

Auch wenn mich derartiges darüber zu erfahren nicht wundert.

Merkel geht es um den reinen zentralistischen Machterhalt in Berlin und Brüssel.

Das Wie könnte vermutlich noch so schmutzig sein - ein paar Tropfen in die Brunnen und schon regiert sich's leichter. Und alles hintenrum und spurlos.

Überzeugen kann diese Frau schlichtweg nicht, überzeugen wollen schon gar nicht - das ist ihre Natur.
Interessenlage schlägt Wertesystem - das ist ihr Credo.
Widerworte haben bei ihr nichts zu suchen (einige hohe Herren der CDU singen bereits ein Lied davon).

Helmut Kohl hat die deutsche Einheit und ein geeinigtes Europa vorzuweisen - Merkel den Zerfall der Demokratie und von Europa?

Wenn sich diese armselige Politik schon nicht mehr anders zu helfen weiß, so muss es das Volk entscheiden: Weg von der egoistischen, autokratischen Mitte.

Ratatörskr 14.09.2014 | 10:56

"Sie war völlig unprätentiös, uneitel. Ehrgeizig ist sie schon, das stimmt. Das Amt verändert auch den Menschen."

Danke für den Blick in die Vergangenheit, auch wenn er nur ein Blick durchs Schlüsselloch sein kann. Vergleicht man die Art des Umgangs mit der Macht von Schröder und Merkel, nähert man sich auch der Erkenntnis wie sich Herkunft und Berufs-, Lebenserfahrung im Charakter vermischt. Die Kunst der Beeinflussung vs. die Kunst der Überzeugung.

Kann ein Machthaber in seinem Charakter unprätentiös sein?

Die Pfarrerstochter wurde Physikerin und machtbewußte Kanzlerin, die heute "Verständnis für den ukrainischen Mauerbau" hat und dies auch mit dem Ziel der "Kunst der Beeinflussung" weltweit mitteilt. Von politischer Empfindsamkeit keine Spur. Hatte sie dieses Verständnis auch für die DDR-Mauer? Der Charakter der Pfarrerstochter ist perdue.

Ist der Zugang zu ihrem Denken über die Worte, die sie wann und wo ausspricht möglich oder doch eher, schon aufgrund ihres Abwartecharakters, über das, was sie nicht sagt? Aber auch das wie sie sagt, was sie sich erlaubt zu sagen, ohne Empathie.

Und der Kriegswaise Schröder, Jurist und machtbewußter Kanzler, dessen Verständnis für die Wirtschaft größer war, als das politisch-soziale Empfinden, aber im Irakkrieg sein "gesundes Volksempfinden" gegen den Krieg einsetzte.

Als Jurist hatte er auch die Macht der Worte durchschaut und die "Kunst der Beeinflussung" überzeugend eingesetzt. Vielleicht charaktarisiert sein Verhalten im Umgang mit der politischen Macht einerseits seine Kindheit und die Tatsache, dass er mit seiner Frau zwei Kinder adoptierte und andererseits sein Selbstbewußtsein, um glaubwürdig zu überzeugen.

Er war nicht Bushs Handlanger.

Das ABC der Kunst der Beeinflussung ist die Kunst der Lüge, die in der Politik zu oft vor der Überzeugung rangiert.

Magda 14.09.2014 | 12:29

Danke für den Blick in die Vergangenheit, auch wenn er nur ein Blick durchs Schlüsselloch sein kann. Vergleicht man die Art des Umgangs mit der Macht von Schröder und Merkel, nähert man sich auch der Erkenntnis wie sich Herkunft und Berufs-, Lebenserfahrung im Charakter vermischt. Die Kunst der Beeinflussung vs. die Kunst der Überzeugung.

Also Schröder war in vielem ein grober Populist und wenn das nicht klappte, dann war eben Basta. Der hat sich genau so darüber beraten lassen, Und hin und wieder war er auch zynisch. Meine Sympathie hatte er in der Tat wegen seiner Herkunft und einer stellenweise versnobten Häme, die ihm da entgegen schlug. Überzeugungen konnte ich bei ihm auch nicht so viele ausmachen.

aber im Irakkrieg sein "gesundes Volksempfinden" gegen den Krieg einsetzte.

Er hat zum Fenster rausgetrötet und - hintenrum - eine Menge Zugeständnisse gemacht an die Amerikaner. Das ist bekannt.

Ob Merkel nun überhaupt keine Überzeugungen hat, darüber wird immer wieder debattiert. Dass sie in vielem kein Gespür hat für das, was man in der Öffentlichkeit sagt und was nicht, das kommt mir auch so vor. Ihr Ding ist das "hintenrum" agieren. Andere lassen sich da besser beraten - Schröder auch. Vielleicht werden die neuen Mitarbeiter im Kanzleramt auch wieder nur verkappte Imageberater. Mal sehen.

Karl K 14.09.2014 | 12:30

"…

Und der Kriegswaise Schröder, Jurist und machtbewußter Kanzler, dessen Verständnis für die Wirtschaft größer war, als das politisch-soziale Empfinden, aber im Irakkrieg sein "gesundes Volksempfinden" gegen den Krieg einsetzte.…"

GazPromGerd - einen der Klassenverräter&HartzIV-Verbrecher - gesundbeten wollen - ist ja das eine;

aber die Roßtäuscher Schröder/Fischer haben es zum Irak-Krieg auf 150 Seiten höchstrichterlich - BVerwG - schriftlich, daß 'schland sehr wohl völker-und verfassungswidrig via Logistik, Überflugs-/Landerechte an diesem Bush-Krieg teilgenommen hat. Ihren Manipulationen - eingeübt schon bei der rechtlich ebenso zu bewertenden Teilnahme via Nato an der Bombardierung Kosovo - muß also heute niemand mehr auf den Leim gehen.

Ratatörskr 14.09.2014 | 13:47

Wenn man die Kirche im Dorf lässt, muss man bewerten, dass wir auch damals noch eine Demokratie waren und Schröder kein Diktator.

Entscheidend ist, wo er basta sagte. Bzgl. der Agenda 2010 muss man ihm auch zugestehen, dass er es mit einer nicht unbedeutenden Wirtschaftsmacht und einer nicht zu unterschätzenden wirtschaftsgesteuerten CDU-Länderkammer im Rücken zu tun hatte.

Die Militanz, die sich heute völlig ungeniert artikuliert, gab es auch damals schon. Und Frau Merkel war bei der Agenda 201o als Politikerin der CDU/CSU nicht unbeteiligt. Über ihre sozialpolitische Haltung ist mir kein Satz von ihr bekannt.

Nein, auch Schröder war kein makelloser Kanzler. Aber er stand zu seinem Basta. Ein Verbrecher war er nicht. Merkel schlängelt sich durch. Auch wenn ich ihre Art der Politikverwaltung ablehne, eine Verbrecherin nenne ich sie nicht, obwohl sie lautstark im Trupp der Kriegstreiber ist.

KeinE demokratischeR RegierungschefIn agiert im luftleeren Raum. Deshalb bin ich über unser machtloses Parlament entsetzt. Die ihrem Gewissen verpflichteten PolitikerInnen sollten doch in der Lage sein, ihrem Gewissen entsprechend punktuell wechselnde parlamentarische Koalitionen zu bilden,um ihrer Pflicht zum Wohle des Volkes nachzukommen. Mit sauberen Mehrheiten muss das möglich sein.

Karl K 14.09.2014 | 14:38

Mit Verlaub -

"Mit Frau Merkel wären unsere Soldaten in der Armee der Willigen außerdem auch im Irak gewesen!"

Genau diese Etappenhengstesicht - Kamerad schieß du - ich hol Verpflegung - & wir haben doch nur die Züge koordiniert - hat das BVerwG mit Verve in die Tonne getreten - zu recht.

Wasch mir den Pelz - aber mach mich nicht naß - Gerd/Joschka wollten die Wahl gewinnen - und Hinters-Licht-Führen - vulgo Lügen - das begann spätestens bei - " wir haben auch - nie wieder Ausschwitz gesagt!" Es gab keinen Hufeisenplan & es war bei allen Greulen kein Völkermord - . Allein auf der Grundlage dieser Lügen - Küppersbusch " da haben wir Jounalisten gepennt - alle " - hat das VG Köln - einen Antrag der Bewohner von Beograd und Zemun, der 'schland die Teilnahme an der Bombardierung im Rahmen der Nato abgelehnt. Und heute brüstet sich der Herr Jurist GazpromGerd - " wir haben damals auch das Völkerrecht gebrochen!"

Stimmt - auf Amislang - Nixon - oder würden Sie von diesem Herrn noch einen Gebrauchtwagen kaufen?" - eben.

Ratatörskr 14.09.2014 | 15:42

Für mich sind Merkel u. Schröder eigenständige Menschen, so dass beide für ihre Fehler die Verantwortung tragen.

Unsere Soldaten waren nicht im Irak. Darüber hat das BVerwG nicht zu entscheiden gehabt. Wie stellen Sie sich denn vor, hätte Schröder handeln sollen und was möchten Sie mit dem "Klassenverräter" anderes als an die 5. Kolonne anzuknüpfen? Auch daran lassen sich, auf Ihr Denken bezogen, Schlüsse ziehen.

Im übrigen, wer für die Vergütung einer Leistung eintritt, wird sich nicht nach einem Gebetbuch richten können. Was für die einen der Türöffner ist, darf für den anderen nicht der Grund sein, die Tür zu schließen. Ob die Bezahlung korrekt ist, steht auf einem andren Blatt, aber auch für alle.

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Ehemaliger Nutzer 14.09.2014 | 16:30

Mit ein paar Marketingtricks den Draht zu den Bürgern verbessern

Wie, dafür stellt Merkel Leute ein? Alles was sie braucht, liefere ich ihr kostenlos.

Frau Merkel, Du mußt einfach nur ehrlich, offen, und natürlich ehrlich, transparent, ehrlich nicht zu vergessen, und zum Wohle der ganzen Bevölkerung Re(a)gieren.

Zwar würdest Du die 1 bis 2% die Dich regieren, Frau Merkel, verprellen, aber ca. 40% Wähler hinzugewinnen.

Diese absolut erfolgreiche Marketingstrategie, überlasse ich Dir kostenlos, Frau Merkel.

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Ehemaliger Nutzer 14.09.2014 | 17:58

Danke für den hervorragenden Artikel! Die deutsche "Hundeerziehung" hat jedoch Tradition, die bis in dunkelste Ecken wie die sog. schwarze Pädagogik reicht. Vielleicht noch einige Denkanstösse zur leider langen Geschichte, zur Methodik der Verblödung, bzw. Massenmanipulation:

"Es hat noch nie eine herrschende Kaste, einen herrschenden Stand, eine herrschende Klasse gegeben, die ihr Wissen und ihre Macht zur Aufklärung, Bildung, Erziehung der Beherrschten benutzt und nicht im Gegenteil systematisch ihnen die echte Bildung, die Bildung, welche frei macht, abgeschnitten hätte." aus

Wilhelm Liebknechts Rede "Wissen ist Macht - Macht ist Wissen":

http://gutenberg.spiegel.de/buch/kleine-politische-schriften-1354/3

"Was ist Aufklärung" von Kant

https://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm

"Der deutsche Philister" von von Fallersleben

http://www.volksliederarchiv.de/text2499.html

Aktueller:

Erich Fromm über den angepassten Menschen

http://www.youtube.com/watch?v=sVd4dKH3vng&t=21m44s

http://www.bpb.de/apuz/30600/macht-narzissmus-und-die-sehnsucht-nach-dem-fuehrer?p=all

http://theinternationalcoalition.blogspot.de/2011/07/noam-chomsky-top-10-media-manipulation_08.html

Karl K 14.09.2014 | 19:27

@RATATÖRSK huch - nunja - secht is secht - aber - Ihre Schlüsse verantworten Sie bitte bis hin zu den Türen ganz allein selbst;-) aber - von Hartz-IV-Verbrecher auf 5.Kolonne jumpen - das muß frauman erst mal bringen; obwohl obwohl ich anführen könnte - daß der Juso Gerhard Schröder ein vehementer Vertreter der Stamokap-fraktion war; &als Kanzler "… muss man ihm auch zugestehen, dass er es mit einer nicht unbedeutenden Wirtschaftsmacht und einer nicht zu unterschätzenden wirtschaftsgesteuerten CDU-Länderkammer im Rücken zu tun hatte.…" - muß man? Nunja - im Rücken? vielleicht eher auf seinem Schoß? hm;ich sag mal Merck et al - da wurde die Nachbesserungsfrist für Alt-Arzneimittel - gegen jeglichen sachliche Notwendigkeit - von 6 auf 18 Monate verlängert;zur offenen Wut des BfArM; die Liste ließe sich beliebig verlängern - bis zum einmaligen Vorgang, daß sich ein Kanzler den Stuhl seiner Anschlußverwendung eigenhändig gebastelt hat - (daß er nie etwas war - versteht sich von selbst).

IgnazWrobel 15.09.2014 | 11:28

Widerspruch, euer Ehren. Sicherlich vollkommen richtig, diesen Paternalismus bis auf die Wurzeln zu kritisieren und offenzulegen. Nur: Was ist die Lösung? Eine "Bürgerschaft" im weitesten Sinne, die sich in der Politik verhält wie im Supermarkt und sich weil ihr die alten Strukturen zu fad geworden, eine neue "Kasse" à la Linke oder AFD aufmacht, kanns doch auch nicht sein. Aber iwo, da ist es natürlich klar, dass sich die Filialleiterin Merkel Experten ins Haus holt, zu wissen, wie man den Laden richtig einräumt. Nur: Wir, also wir Wähler, sind keinen Deut besser. Wir sind mächtig stolz drauf, wenn uns unser Eigeninteresse dazu verleitet, Bahnhofsgutachten zu durchforsten und Flughafenareale als Spielwiese zu deklarieren, aber wenns hart auf hart kommt, bleiben wir zu hause sitzen und gehen: nicht wählen. Die Kanzlerin vermeidet Streit? Wir wollen doch offensichtlich genau dasselbe. Bis der Kühlschrank leer ist.

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Ehemaliger Nutzer 15.09.2014 | 18:08

Auch ich habe mich wegen diesem Artikel angemeldet! Dank an die Verfasserin und den Freitag, der sowas in Onlineausgaben noch ermöglicht! Ja-dieses muß ja nun zwangsläufig das Haupt-Thema sein, mit dem Nachdenkliche sich zu beschäftigen haben. Wo die Reise hingeht, ist uns ja schon lange bekannt und daß man eigentlich etwas dagegen unternehmen muß und die Frage nach dem wie und was nimmt täglich zu. "Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, sich ausreichend zu informieren, um die richtigen Entscheidungen zu treffen" lese ich gerade irgendwo. Damit beginnt das Dilemma: Wo kann ich mich überhaupt noch informieren, ohne gleich von vorn herein zu merken, daß ich hier nur eine zurechtfrisierte Version der Wirklichkeit vorgesetzt bekomme, oder eine erfundene? Man hat also hieh und da im Netz hineinzuhüpfen und sich umzusehen und das immer wieder von Neuem. Verlassen darf man sich auf gar nichts mehr außer auf seine Lebenserfahrung und seine innere Stimme. Und dann kommt die Überlegung, was denn nun eigentlich praktisch gegen die schleichende Versklavung durch degenerierte Hirne noch zu tun übrig bleibt, die mit all ihrer verfügbaren Macht und notfalls mit der entsprechend verfügbaren Gewalt alles noch ursprüngliche und natürliche dieser Welt zu kontrollieren und zu domestizieren fest entschlossen sind und damit das gesamte Leben auf diesem Planeten(oder womöglich auch darüber hinaus) bedrohen?

Bleibt freiheitsliebenden Geistern dann am Ende nur noch die Möglichkeit der Totalverweigerung? Muß man sich am Ende gewaltfrei "rüberfasten", um nicht elendiglich versklavt zu werden? Ich frage das jetzt extra so provokativ, damit das verkopfte Hin-und Her-Diskutieren auch mal durchbrochen wird, denn: Daß es so ist, wie es ist, wissen wir ja schon lange. Man kann dann nur nach und nach dieses Gerippe des Wissens mit Fleisch und Haut überziehen, indem man die tagtäglichen Ereignisse entsprechend dazuanalysiert. Aber das ist ja immer nur die Voraussetzung, um die richtigen Entscheidungen zu treffen...