Datenschutz und Corona - Eine Analyse

Corona Auswirkungen Europa ist ein Kontinent mit den strengsten Datenschutzbestimmungen weltweit, doch werden die Datenschutzrichtlinien von der Coronapandemie beeinflusst?
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Kommt es zu einem Paradigmenwechseln, um die Pandemie effektiver bekämpfen zu können, ähnlich wie es in China der Fall gewesen ist zulasten des Datenschutzes? Genau bei dieser Frage scheiden sich die Geister, bzw. es gibt Menschen, die bereit sind Abstriche beim Datenschutz zu machen, aber auch strikter Ablehner. Zwei Extreme prallen aufeinander und es herrscht Uneinigkeit darüber, was der richtige Weg ist.

Wie weit dürfen Apps gehen?

Wie weit dürfen Traceapps gehen bei der Bekämpfung der Pandemie. Es gibt zum einen die Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing (PEPP-PT) und die nationale Trace App des Robert Koch Institus. Bei der PEPP-PT geht es um die Erfassung von Daten, sobald sich ein nicht-infizierter Anwender mehr als 15 Minuten neben einem Infizierten aufgehalten hat, bzw. die Distanz weniger als zwei Meter betrug. Damit sollen die Verbreitungsmechanismen analysiert werden.

Bei der App des Robert Koch Instituts handelt es sich um eine Datenspende-App, die primär zur Unterbrechung von Infektionsketten entwickelt worden ist. Dabei werden die Handydaten über Bluetooth ausgetauscht, die Auskunft über die Gesundheit geben, sodass Nichtinfizierte frühzeitig gewarnt werden und sich schützen können.

Werden persönliche Daten gefährdet?

Ganz so einfach wie in China ist es nicht, denn die Trace Apps sind Grundsätzlich an die europäischen Datenschutzverordnungen (DSGVO) gebunden. Es herrscht jedoch Unklarheit, ob es sich tatsächlich um persönliche Daten handelt, wenn diese Apps zum Einsatz kommen. Denn es werden keine Namen oder persönliche Daten ausgetauscht, sobald Daten über Bluetooth ausgetauscht werden. Es wird lediglich eine ID generiert, die im Handyspeicher verwahrt wird. Dabei ist es nur mit einem bestimmten Schlüssel möglich die ID zu entkoppeln, bzw. weitere Daten freizugeben, wie Name und Anschrift.

Kritiker weisen darauf hin, dass es trotzdem mit ein wenig Aufwand möglich ist Bewegungsprofile zu erstellen als auch die Hintergrunddaten der ID zu ermitteln. Somit ist die Technik auf den ersten Blick bis zu einem gewissen Grad anonym. Birgt jedoch bei genauerem Hinsehen Risiken in puncto Datenschutz.

Ist die App ein effektives Mittel für Deutschland?

Aufgrund mangelnder Erfahrungswerte lassen sich diesbezüglich keine Rückschlüsse ziehen. Doch der Erfolg steht in Abhängigkeit zur Bevölkerung und der Bereitschaft sich die App runterzuladen. Zudem muss auch die Regierung proaktive Schritte initiieren, wie zum Beispiele eine Initiative für mehr Coronatests. Denn nur Menschen, die sich testen lassen, können ihre Daten in die App übertragen und zum Schutze der Allgemeinheit beitragen.

10:47 17.10.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Katja Schreuder

Als Philosophiestudentin bin ich nicht nur am Weltgeschehen und internationaler Politik interessiert, sondern auch an den philosophischen Konsequenzen
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