Katrin Schuster
21.11.2012 | 14:45 4

Menschen mit einer Vagina

Medientagebuch Die Initiative Pro Quote hat eine Sonder-taz gemacht, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wörter, die mit "feminis" anfangen, braucht es dafür nicht so sehr

Menschen mit einer Vagina

Der Verein Pro Quote fordert 30 Prozent Frauen auf medialen Führungsebenen - und übernahm nun die Redaktion der Samstagsausgabe der taz zu 100 Prozent

Foto: Der Freitag

Als unlängst bekannt wurde, dass Sabine Rückert in die Chefredaktion der Zeit aufrückt, begrüßte der Verein Pro Quote diese Nachricht als Annäherung an das Ziel, eine Frauenquote von 30 Prozent auf allen medialen Führungsebenen zu installieren.

Das feministische Missy Magazine packte die Gelegenheit beim Schopfe, um eine Debatte über die Qualität der Quantität anzustoßen. Da Rückert sich, so steht es im Offenen Brief der Missy-Macherinnen an Pro Quote, „während ihrer gesamten Karriere nur mit antifeministischen Positionen profilierte“, ginge es nun „um die Wurst“: „Gebt ihr euch damit zufrieden, einfach mehr Menschen mit einer Vagina Frauen in leitender Position in den Redaktionen installiert zu sehen? Oder steht ihr mit Pro Quote für eine tatsächlich feministische Kritik, die dann zwingend auch beinhalten müsste, für einen Journalismus einzutreten, der Sexismus und Ungleichbehandlung anprangert und für bessere Lebensbedingungen von Frauen eintritt?“

Die durchgestrichene Formulierung trifft das Problem, denn die Prominenz bloßer Biologie ist zweifellos erklärungsbedürftig im Jahr 2012. Die Reaktion von Pro Quote auf die Missy-Kritik war nicht unfreundlich, aber deutlich: „Das Ziel mag auch der ‚kleinste gemeinsame Nenner‘ sein – aber wollen wir das nicht mal erst erreichen, bevor wir gegenseitig unsere Gesinnungen prüfen?“

Für einen Tag hat Pro Quote diesen Nenner nun bei weitem übertroffen: Am vergangenen Wochenende übernahm der Verein die Redaktion der Samstagsausgabe der taz zu 100 Prozent. Die „Quotentaz“ wurde fast ausschließlich von Frauen befüllt und spricht fast ausschließlich über Frauen. Der Charakter der „Sonderausgabe“ wird an keiner Stelle verhehlt, im Gegenteil: Gleich zu Beginn berichten mehrere Seiten vom Making-of, kommen Unterstützerinnen von Pro Quote zu Wort. Spannend wird es erst danach, dank vieler Zahlen, kontroverser Interviews und einiger ungewöhnlicher Geschichten über medial erfolgreiche Frauen. Viele Highlights, aber kein Knaller.

Im Stil eines Erpresserbriefs

Glaubt man dem Making-of, dann sorgte, wie üblich im redaktionellen Alltagsgeschäft, das Titelblatt der Quotentaz für die meisten Diskussionen. Zwei Entwürfe standen zur Debatte. Auf dem einen ist eine Vulva zu sehen, geformt aus Zeitungen. Eine kluge Idee, denn sie macht umstandslos klar, dass Geschlecht ein mediales Konstrukt ist. Den anderen Vorschlag, der sich am Ende durchsetzte, ziert ein Slogan, der wie ein Erpresserbrief aus ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben collagiert wurde: „Hosen runter von den Chefsesseln – Röcke hoch!“

Das Wortspiel, das die Forderung nach einer Quote als gegenseitige Entblößung vorstellt und modischen Stereotypien ironisch das Wort redet, passt bestens zu dieser taz-Ausgabe, da sie ähnlich pragmatischen, guten und gutgelaunten Journalismus beinhaltet, die aktuellen Auseinandersetzungen um Feminismus jedoch konsequent umschifft. Die Buchstabenkombination „feminis“ kommt zwölf Mal in der Ausgabe vor: einmal in der taz nord, viermal in der Verlagsbeilage Kinder, zweimal im Fernsehtipp und fünf-mal im Hauptteil der Quotentaz. Auch eine bemerkenswerte Statistik.

Katrin Schuster schreibt über Bücher und Medien und bloggt unter katrinschuster.de

Kommentare (4)

drhwenk 21.11.2012 | 15:53

Es ist schon ein Kreuz. dass sehr "rechte", aber "mainstram"-Poltiker und andere POstreninhaber mit der "biologishchen Quaote" Frauenstiomemn und Zustimmung en masse "abräumen", wo die ganaze Last Ablehnung und das schelchter Leben für den wirklciehn Kampf um andere Mann-Frau Verhältnisse nur den authentisch Links-radaikeln zu tragen war und ist. Wie die Phsiklsophei und Wissenschaft auch den "Komfort" und tecFortschrit gebarcht hat, der mit konventioneller Kirchenmitgleifdscahft und WAhl von konveraativdeen Parteien "quittiert" wird, die alles tun, damit möglichst wenig umgesezt wird.

Produktion ist Produktion und Verteilung ist Verteilung, Reich und erfolgreich wird , wer e smit den Bestimern der VERTEILUNG hält. Die Verteilung ist "Anti-Produktion", sie geht vom "Kaüpmpf" um kanppaheit aus den sie zur Not (DOPPELBEDEUTUNG) produziert und verteilt.

Die Papiervulva wäre wesentlich besser gewesen, weil sie das "Biologioequoten"tum und die gleicheitige Prüderie besser aufgeknackt hätte. Abbilduungen von Vulva undf Vaginas sind fast noch ein unnötig einghaltenes Tabu in Massenmedien.

anne mohnen 21.11.2012 | 16:22

„(…) der steht ihr mit Pro Quote für eine tatsächlich feministische Kritik, die dann zwingend auch beinhalten müsste, für einen Journalismus einzutreten, der Sexismus und Ungleichbehandlung anprangert und für bessere Lebensbedingungen von Frauen eintritt?“ (…)“

Wenn erst einmal akzeptable Quoten erreicht werden, warum nicht auch einen Feministen zum Zuge kommen lassen. Derweil muss sich der Feminist auf dem Chefsessel noch gedulden. Er kann dabei sich an der Langmut von Frauen aufbauen.

„Hosen runter von den Chefsesseln – Röcke hoch!“

Das Wortspiel, das die Forderung nach einer Quote als gegenseitige Entblößung vorstellt und modischen Stereotypien ironisch das Wort redet, passt bestens zu dieser taz-Ausgabe, da sie ähnlich pragmatischen, guten und gutgelaunten Journalismus beinhaltet, die aktuellen Auseinandersetzungen um Feminismus jedoch konsequent umschifft. Die Buchstabenkombination „feminis“ kommt zwölf Mal in der Ausgabe vor: einmal in der taz nord, viermal in der Verlagsbeilage Kinder, zweimal im Fernsehtipp und fünf-mal im Hauptteil der Quotentaz. Auch eine bemerkenswerte Statistik.“

Gerne gelesen, weil der Finger in die Wunde von Popkorn-Feminismus gelegt wird. Dabeisein ist eben nicht alles.

Und dann ist die Quote als Top-down Ansatz eine Stellschraube unter vielen Anstrengungen, wenn auch eine mit u.U. initierender Wirkung.

eldorado 21.11.2012 | 21:26

Warum immer alles den Männern nachmachen!

Zuerst muss ich wohl sagen, dass ich eine Frau bin, da das aus meinem nik-namen nicht unbedingt ersichtlich ist.

Ich will gar nicht, von oben herab sagen was Sache ist. Das ist gar nicht mein Ding. Warum setzen wir uns Frauen nicht, wenn schon Hierarchien, für flache Hierarchien ein. Oder noch besser im Team, wo jeder mehr oder weniger auf gleicher Augenhöhe ist.

Da ist mir der Schweizer Bundesrat ein Vorbild. Der Präsident hat das einzige Plus, dass er die Schweiz offiziell nach aussen vertritt. Im Bundesrat hat er keine spezielle Funktion. Sie haben sich alle miteinander mit einem Thema auseinanderzusetzen, bis sie sich einig sind. Erst das Ergebnis kommt nach aussen.

Hfftl 28.11.2012 | 07:03

Ein unauflöslicher Widerspruch:

"...für einen Journalismus einzutreten, der Sexismus und Ungleichbehandlung anprangert und für bessere Lebensbedingungen von Frauen eintritt“

Entweder tritt man für noch bessere Lebensbedingungen von Frauen (und damit für noch schlechtere von Männern) ein - oder man prangert genau diesen Sexismus und diese Ungleichbehandlung an. Beides zusammen geht nicht.