Katrin Rönicke
03.10.2011 | 08:00 128

Alles klar zur Wende?

Kolumne In der Diskussion um Frauen in der Piratenpartei spiegeln sich alte Geschlechter-Stereotype und die Genügsamkeit der Frauen. Unsere Kolumnistin fordert daher: Quote!

Als erstes möchte ich auf den sehr guten Beitrag von Daniel Schweighöfer im Kegelclub hinweisen, der mit den Worten endet: „Die Herausforderungen der Informationsfreiheit verlangen eine zweite, eine richtige Aufklärung der Menschen. Wir alle müssen daran mit arbeiten, wenn wir in der Gesellschaft der Informationsfreiheit zu Hause sein wollen.“ Sein Ende soll mein Anfang sein:

Ja: Das Internet und die Piratinnenpartei bieten prinzipiell allen Menschen die Möglichkeit, mitzumachen. Das meistgenannte Argument gegen ein aktiveres Engagement zur Förderung von Frauen in beiden Feldern. Das Internet sei doch schließlich ein Ort, an dem Status, Alter, BMI und Geschlecht keine Rolle mehr spielten, werfen viele gegen einen neuen Netzfeminismus ein. Bei den Piraten ist das doch genauso! Mit dem Begriff „Post-Gender“ wurde eine feministische Diskussion innerhalb der Piratenpartei schon vor über einem Jahr abgewehrt. „Wir sind alle Menschen und das reicht mir als Info! Und selbst mit Aliens hab ich kein Problem so lange die nett zu mir sind.“ – diese Aussage bringt die Einstellung vieler Piraten vermutlich schön auf den Punkt. Das Problem aber ist: Die Gedanken im Internet sind immer an einen Körper in der realen Welt gebunden. Damit unterliegen auch sie gesellschaftlichen Strukturen und Zwängen. Auch sie wurden auf eine sehr typische Weise sozialisiert – selbst wenn die Eltern 68er waren. Auch sie haben Stereotype verinnerlicht.

Stereotype und gesellschaftliche Strukturen wirken auf die Beteiligungs-Möglichkeiten – so frei das Internet auch sein mag. Da ist zum einen das Thema „Doppelte Vergesellschaftung von Frauen“, also die Inanspruchnahme der Frau durch a) Arbeit und b) Haushalt/Familie. Es hat sich längst nicht erledigt.


In der Theorie stimmt der ‚moderne Mann‘ bereitwillig in Geschlechterdemokratie ein. In der Praxis hinkt er hinterher. Dadurch hat er nach wie vor mehr Zeit für Aktivitäten im Internet oder eine Vernetzung in der Piratinnenpartei. Die gesellschaftliche Rollen-Aufteilung zwischen Mann und Frau ist vielleicht gerade im Umbruch. Sie wurde noch lange nicht durchbrochen. Zum anderen ist da die Eigenaussage der Piratinnen: „Dass aber viele Frauen nicht kandidieren wollten, kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen,“ finden einige Piratinnen und: „Als wäre ihre Parteiarbeit nichts wert, weil sie NICHT auf der Kandidatenliste stehen wollten.“ Das ist einerseits richtig. Aber es wird nicht dahinter geblickt, dass es stereotyp ist. Friedfertigkeit, Genügsamkeit und Zurückhaltung sind zentrale Merkmale weiblicher Sozialisation. In einer US-Studie konnte gezeigt werden, dass Frauen zudem Wettbewerb scheuen – Konkurrenz-Verhalten wird in Diskussionen nicht selten als „Stutenbissigkeit“ (PDF - sehr gute Analyse von Mechthild Erpenbeck in Wirtschaftspsychologie aktuell) ausgelegt. Solche neuronalen Verknüpfungen sind nur mit viel Mühe umzusortieren.

Die gesellschaftlichen Strukturen zu ändern – dafür tritt die Piratinnenpartei mehrheitlich an. Die Überwindung von Geschlechtergrenzen hat sie sich auf die Fahnen geschrieben. Das ist gut. Auch in den anderen Parteien gibt es mehr und mehr progressive Kräfte, selbst bei der konservativen CDU/CSU sind nicht mehr alle gegen frühkindliche Ganztagsbetreuung oder eine Frauenquote für Aufsichtsräte. Ursula von der Leyen und Dorothee Bär setzen hier Zeichen. Und doch schreibt Bascha Mika auch im Jahr 2011 noch ein Buch über die Feigheit der Frauen. Auch wenn der Titel unglücklich ist und bereits als Gegenargument zur Quote herhalten musste: Es ist schon was dran, Mika schildert viele real existente Probleme und vor allem: stereotypes Verhalten – wir sollten uns darum kümmern, das zu ändern.

Nicht ohne Arschtritt

Für mich ist die „Feigheit der Frauen“ – um diese Formel, wenngleich zähneknirschend, zu nutzen – DER Grund FÜR eine Quote. Vor allem in Parteien, die scheinbar so stark männerdominiert sind und nach eigenen Aussagen etwas daran ändern wollen. Eine Quote ist immer ein Arschtritt in beide Richtungen: männliche wie weibliche Popos. Und ich bleibe dabei: Ohne Arschtritt läuft es nicht! (bitte klicken, an der Argumentation hat sich nichts geändert).

Eine Quote ist nicht immer ein Zwang: Man kann Lösungen finden, die eine Quote auch einmal lockern, zum Beispiel wenn ein sogenanntes Frauenquorum, also die Mehrheit aller sich auf einem Parteitag befindenden Frauen, sich dafür entscheiden, sie zu lockern. Aber die Quote ist ein notwendiges Korrektiv. An mir selbst konnte ich beobachten: Wir Frauen scheuen uns viel mehr vor der ersten Reihe, wie wurschteln lieber im Hintergrund vor uns hin und machen uns selbst unsichtbar. Aber eine Quote macht uns dafür sensibler, dass auch wir mitmachen sollten und ernsthafter darüber nachdenken. Und mit jeder neuen Verantwortung kommt auch mehr Selbstvertrauen. Es ist ja nicht die Frau, die durch die Quote irgendwohin gehievt wird – es ist ihre bis dahin unter den Scheffel gestellte Kompetenz.

Katrin Rönicke schreibt in ihrer zweiwöchentlichen Kolumne über Gender- und Bildungsthemen. Diese erscheint immer montags im Wechsel mit Verena Reygers Gender-Musikkolumne.

Kommentare (128)

Magda 03.10.2011 | 11:24

Hallo Katrin,
Deine Kolumne hat mich im Kommentar zu dieser Überschrift bewogen.

Zwischen noch und schon


Das Gender-Theater in der Piratenpartei zeigt das an, was auch im realen Leben immer zu beobachten ist:
Die Abwehrvarianten sind immer die gleichen:
Varianten 1: Wenn es um die Teilhabe von Frauen geht wird behauptet, man können das Problem noch nicht lösen, weil sich vorher noch andere Dinge ändern müssten: z. B. die gesamten gesellschaftlichen Verhältnisse oder auch nur das Wetter, sprich Klima. Sprich - das Problem sei noch nicht dran.

Variante 2: Die Behauptung, das Problem habe sich schon erledigt. Das tun die Piraten. Die behaupten einfach, die Kategorie "Geschlechterzugehörigkeit" sei für sie schon kein Problem mehr.
Und wie ein überwundenes Problem dann aussieht, kann man bei den Piraten auch schön bewundern. Es hat sich verkleinert, es ist fast unsichtbar, wie die Frauen in den vordersten Rängen der Piratenpartei. Die sind - das stimmt Kathrin - sie sind auch schon wieder ganz zurückgenommen und still. Vielleicht auch, weil das Theater um "Klar zum Gendern" gezeigt hat, was das für Folgen hat und wie hart die ansonsten ja so gewaltneutral wirkenden Piraten da austeilen können.

"In der Theorie stimmt der ‚moderne Mann‘ bereitwillig in Geschlechterdemokratie ein. In der Praxis hinkt er hinterher."

Da isser, der alte Ulrich Beck-Spruch:
"Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre".

Es muss sich was ändern - stimmt, auch bei den Frauen. Denn hinnehmen darf frau nicht, wenn man - in ihrem Namen - Verhältnisse als schon überwunden definiert.
Quote finde ich da auch gut: Es schafft immer den nötigen Zugzwang.
Red Bavarian 03.10.2011 | 12:58

Zu den Geschlechtern: Ich teile die Menschheit nicht in zwei Hälften auf - Frauen versus Männer, oder anders gesagt: XX- versus XY-Chromosomentragende. Das Kernproblem ist nämlich das Patriarchat, dem strukturell mehr Männer angehören, aber auch Frauen. Ich denke antipatriarchal. Das Ziel ist, das Patriarchat zu überwinden, und nicht es auszuweiten, indem man auch noch alle Frauen auf patriarchal trimmt.

Zu der oben erwähnten "Arschtritt-Theorie": Das ist ein autoritäres Denken, das wiederum patriarchal ist. Ich denke antiautoritär.

Zu der Piratenpartei: Sie ist eine neue Partei, die frischen Wind ins verknöcherte Parteiensystem bringt, wie drei Jahrzehnte zuvor die Grünen. Da schießt sich der Mainstream jedesmal auf etwas ein, und das ist, wenn ich mich umlese, vornehmlich die Genderfrage in Bezug auf die Piratenpartei.

Zum Feminismus: So wie die Grünen heute Mainstream sind, so ist der Feminismus heute Mainstream. In beiden Fällen: leider. Ich stehe dem Feminismus im Grunde positiv gegenüber. Er hat mich seit meiner Kindheit in den 70ern inspiriert. Allerdings ist zu hinterfragen, inwieweit er autoritär und patriarchal geworden ist.

Zur Quote: Dazu habe ich inzwischen Erfahrungen in meiner Partei - Der Linken - gemacht, die mich nachdenken lassen.

Thomas K 03.10.2011 | 13:01

Hi Mädels, Hallo Katrin,

Also, ich mag die Piraten (so rein subjektive), ich find Gleichberechtigung wichtig und ich halte Frauenquoten (meistens) für Scheiße.
Frauenquote is was für die Grünen, aber die Piraten sollten sich diesen Klotz nich ans Bein binden.

Warum?

Also, Frauen und Männer sind unterschiedlich. Männer sind eher Kämpfer, Frauen eher Kuscheltiere. *1
Die Piraten haben gerade die Chance bekommen sich auf dem Markt der Parteien durch zu setzten und dafür braucht es halt Kämpfer und keine Kuscheltiere. Bei etablierten Parteien wie den Grünen kann man sich den Luxus leisten Posten zu schaffen die man mit dekorativen Gesichtern füllt.
Der Unterschied zwischen den Grünen und den Piraten ist (in dieser Beziehung), dass die Grünen ihre Entwicklung zur vollwertigen Partei abgeschlossen haben und die Piraten mit dieser Entwicklung gerade anfangen (und für alle die den Begriff Kämpfer nicht mögen kann man in dem Zusammenhang auch von Machern sprechen). Es sind halt Macher die man für Entwicklung und Wachstum braucht, die Zeit derer die Konsens herstellen kommt später.
Vorsicht Frauen, die Männer lernen das mit dem Konsens langsam und ihr verliert da ein Gebiet auf dem ihr bisher führend ward.

*1 Warum dass so ist weiß ich nich, aber spielt es denn eine Rolle?

Schönen 03.10.
Thomas

Gloria Glitzer 03.10.2011 | 13:23

Sollte nicht die Qualität der Arbeit einer Partei/Organisation bzw. eines Menschens im Vordergrund stehen anstelle des Geschlechts oder die Erfüllung einer Quote?

Und könnte eine Problemlösung nicht eher darin bestehen die Piratenpartei (»Piratinnenpartei« klingt sowas von bescheuert) als Piratin zu entern anstellen nach einer Quote zu schreien?

Nimmst du dich nicht mit der Forderung nach einer Quote aus der Verantwortung das Problem selbst zu beheben und das Schiff zu entern?

Mir persönlich stellt sich immer noch die Frage ob wir zum Beispiel Frauen wie Ursula von der Leyen einer Quote zu verdanken haben?

Gloria Glitzer 03.10.2011 | 13:26

Sollte nicht die Qualität der Arbeit einer Partei/Organisation bzw. eines Menschens im Vordergrund stehen anstelle des Geschlechts oder die Erfüllung einer Quote?

Und könnte eine Problemlösung nicht eher darin bestehen die Piratenpartei (»Piratinnenpartei« klingt sowas von bescheuert) als Piratin zu entern anstellen nach einer Quote zu schreien?

Nimmst du dich nicht mit der Forderung nach einer Quote aus der Verantwortung das Problem selbst zu beheben und das Schiff zu entern?

Mir persönlich stellt sich immer noch die Frage ob wir zum Beispiel Frauen wie Zensursula von der Leyen einer Quote zu verdanken haben?

claudia 03.10.2011 | 13:31

>>Bei etablierten Parteien wie den Grünen kann man sich den Luxus leisten Posten zu schaffen die man mit dekorativen Gesichtern füllt.
Klar, nachdem sie Jutta Dithfurt (zuwenig Kuschelfaktor) los waren, stand dem Kampf für die gute Sache nichts mehr im Wege. Sie haben gewonnen. Vor allem FDP-Wähler.

Bei den Piraten ist wohl noch nicht ganz klar, wofür sie kämpfen.
Für Plüschtierchen, die Kaffee kochen und hochfrequent Texte in die Maschine tippen können?

eulen nach athen 03.10.2011 | 13:42

"Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre".

das trifft doch auf frauen heute 100%ig zu. sie wollen alles dürfen aber nichts müssen.

mädels, fragt euch einfach mal selbst, was IHR tun könnt, warum IHR offensichtlich nicht mitspielen wollt oder könnt. nicht immer "die anderen sind schuld". de jure habt ihr gleiche rechte, nutzen müsst ihr sie selbst. die frauenbewegung – ja, es gab eine zeit, da bewegten frauen sich noch! und die wären mit wehenden fahnen zu den piraten gegangen – da forderten die frauen die hälfte der welt. diese hälfte wird euch niemand ans bett bringen. los gehen und sie euch nehmen, das müsst ihr schon selbst.

luzieh.fair 03.10.2011 | 13:56

"dafür braucht es halt Kämpfer und keine Kuscheltiere."

harr,harr,harr...

"Posten zu schaffen die man mit dekorativen Gesichtern füllt."

Ich glaub Du müsstest mal gekielholt werden

"Es sind halt Macher die man für Entwicklung und Wachstum braucht, die Zeit derer die Konsens herstellen kommt später."

Natur - Kultur; Aktiv - Passiv; Produktion - Reproduktion; Vernunft - Instinkt

determistische Denke.

ed2murrow 03.10.2011 | 14:00

Interessant wird es dort, wo Quote eingeführt ist, nämlich die Argumente, um sie wieder auszuhebeln: Die Präpotenz (dieses Wort sollte endlich im geläufigen Sprachschatz hierzulande aufgenommen werden, es ist so hübsch mehrdeutig) von männlichen Newcomern in Politik und Wirtschaft, denen die Quote zur Verwirklichung der eigenen Pläne im Weg steht.

In einem widerspreche ich allerdings Katrin Rönicke: Heute ist das fehlende Hervortreten von Frauen oft weniger eine Frage einer bestimmten Sozialisation, sondern einfach der Mangel an Zeit. Zu den KKK ist noch der Beruf gekommen, und da wird es einfach eine Frage der Zetplanung, ob man sich noch in "testosteronschwangere" Bewerbungen um Posten und Ämter begibt. Welche Strukturen dahinter stecken (die es zB. gerechtfertigt erscheinen lassen, Krippenplätze als Notnagel zu bezeichnen, damit Frauen noch mehr schuften müssen statt dürfen!), ist der eigentliche Diskurs von Quote. Und wie abgelesen werden kann, machen es sich nicht wenige darin richtig bequem.

Thomas K 03.10.2011 | 14:05

Hi mh und Claudia,

dass Kinderkriegen den Lebensweg beeinflusst glaub ich, dass Erziehung über Jahrhunderte ein Rollenbild am Leben hält glaub ich nich und spielt dass eine Rolle?

Der Kämpfer/Kuscheltier Vergleich is ne Beobachtung kein Anspruch.

90% der Männer scheitern beim Versuch eine Führungsposition zu erreichen, aber bei den Frauen sind es 98%.

Sind politisch erfolgreiche Frauen Kuscheltiere?
Wenn nicht widerspricht dass dann der Kämpfer/Kuscheltier These?

Is die Jutha gegangen weil sie ne Frau war?

Thomas K 03.10.2011 | 14:19

Hi Luzieh

Das mit dem Determinismus musst ich erst mal nachschlagen, man will ja schließlich wissen ob man beleidigt wird – war zum glücklicherweise nich der Fall. Das Abgrenzen (determinare) is eine der wichtigsten Sachen die mir in meiner Ausbildung vermittelt wird. Ansonsten spielen Vereinfachung und pragmatische Ansätze zu Problemlösung auch ne wichtige Rolle.

Danke für deine Einschätzung

ebertus 03.10.2011 | 14:39

Me too...

Gerade bei den Piraten scheint mir der beinahe reflexartige Ruf nach (Frauen)quote - andere Quoten gebe es mit guten Argumenten sicher ebenfalls zu fordern - beinahe der finale Beweis des Herkömmlichen, der sog. Bunkermentalität, des Parteiendenkes in formellen und mehr noch informellen Seilschaften.

Gerade weil Piraten vor einigen Wochen und für die überwiegende Mehrzahl der Menschen kaum existent waren, gesichtslos ebenfalls, so erzeugt nun der massenmediale Hype und schon mal incl. partiellem Gruselfaktor eben genau dieses Denken, diese Texte wie den hier vorliegenden. Ja, gar stereotyp in genau diesem tunnelartigen Herkömmlichen.

Me too eben; Next...

Cassandra 03.10.2011 | 15:08

Mir hat die Quote auch geholfen, zu einer Zeit, als ich zum Beispiel zwei Stunden einer 100% männlich beherrschten Diskussionen über die Änderung eines (EINES!) Wortes in Änderungsantrag zwei zu Änderungsantrag 15 zu was weiß ich zugehört und nur Bahnhof verstanden habe. Im Nachhinein weiß ich, dass die nur groß rumgekotzt haben, damals dachte ich, dass ich da einfach intellektuell nicht mithalten kann. (Wenn ich einem Christopher Lauer zuhöre, fühle ich mich übrigens darin bestätigt, dass es diese Art Leute auch bei den Piraten gibt).

Dementsprechend hätte ich ohne Quote nicht einmal in Erwägung gezogen mich für irgendwas zu bewerben. Mit Quote war man gezwungen Kandidatinnen zu finden, sich zu bemühen, denen das Amt schmackhaft zu machen, ihnen auch ein bisschen entgegen zu kommen. Mit Quote gab es zumindest ein, zwei andere Frauen, die nicht so groß rumgespuckt haben und trotzdem im Vorstand mitmischten, die einem die Versagensängste genommen haben. Diese Ängste hatten meiner Erfahrung nach dort tatsächlich nur Frauen. Ich halte das nicht für einen Zufall.

claudia 03.10.2011 | 15:14

>>...Gruselfaktor...

Na ja, der Gruselfaktor war schon mal grösser: in der Kinderporno-Sache, aus der sich die Piraten dann nach der Entsorgung von Taus herausschlängelten.

Der Bekanntheitsgrad wurde dann wieder angehoben, als einige Piratenmitglieder im vergangenen Jahr eine Demo für das bedingungslose Grundeinkommen veranstalteten. Zweifellos ein Stimmenbringer, mehr als die BAG BGE bei der verpönten Linken einbringen kann. (die gab es schon vorher, und sie hat für Spontiwähler zuviel konkreten Hintergrund erarbeitet. Da müsste man ja lesen können.)
Nur wer genauer hinschaute bekam mit, dass fast zeitgleich die Parteitagsmehrheit der Piraten das BGE ablehnte, mit einem Argument, das sie von der FDP angekupfert hatten: "Leistungsmindernd".

Wer nicht an der Alzheimer-Demenz leidet, hat so Einiges mitbekommen das skeptisch stimmt.

Ich denke, wenn die Piraten weitere Wahlerfolge haben werden sie den Weg der Grünen gehen.

mmitt 03.10.2011 | 15:43

Thomas K, Sie verwechseln garnicht denken mit unabhängig denken. Sie ignorieren Determinismus und die gesellschaftliche Rolleneinteilung, oder Sie wissen es einfach nicht besser. Das ist soweit nichts neues, auch BILD-Leser haben ihre Bildung nicht en masse, was aber Sie oder die Piraten unterscheidet von dieser stumpfsinnigen, beliebigen Masse der Deutschen ist, dass die Piraten so tun als seien sie etwas anderes. Und das tun sie so einfältig, dass sie nicht mal merken wie das durchschaut wird.

Also, dass Sie Determinismus nachschlagen müssen... darauf wäre jetzt keiner gekommen. Aber die Hauptsache piratig, weil es so schön klingt, nicht wahr.

paranoid 03.10.2011 | 15:48

Ich kann es nicht mehr hören.

Eine Partei ist per Gesetz eine "Vereinigung von Bürgern", nicht mehr und nicht weniger, und das darf sie bitteschön auch bleiben! Wer kommt denn hier ernsthaft auf die Idee, eine demokratische Partei nachregulieren zu wollen? Da müssen jetzt unbedingt mehr Frauen sein, sonst wär's ja ungerecht? Hackts? Vielleicht noch ein paar über 60jährige, da hätten wir gleich noch den Teil der Nicht-Netzaffinen (bisschen pauschal, aber im Allgemeinen triffts ja zu) abgedeckt? Und wenn wir überall herumgerührt haben und vom nächsten kaputten Haufen regiert werden, könnt ihr euch auf die Schulter klopfen und sagen, na immerhin sind Frauen mit dabei - klasse!

Meine Fresse. Ich möchte in der Politik Frauen sehen, weil sie es drauf haben, und nicht weil sie am Eingang durchgewunken wurden, damit hyperfeministische Blogger und der Teil der Welt, die sie repräsentieren, sich nicht echauffieren können.

WolfgangP 03.10.2011 | 16:10

Hallo,

ich denke es wird hier einmal Zeit mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen:

Das erste Missverständnis: Piratinnen sind nicht die Frauen in der Piratenpartei. Der Begriff der "Piratinnen" wurde von Leena Simon negativ besetzt, und viele Frauen in der Piratenpartei distanzieren sich von der von Leena Simon gegründeten Gruppierung. Hierbei ging/geht es nicht um falsch verstandenen Feminismus, oder eine Ablehnung der Frauenbewegung, sondern den Verrat an den Grundidealen der Piratenpartei.

So hat Leena Simon die Gründung der "Piratinnen" ohne ausreichende Legitimation der (weiblichen) Basis bekannt gegeben. Es gab keine demokratischen Wahlen, keine mit der (weiblichen) Basis abgestimmten Ziele.

Aufforderungen, dies durch eine entsprechende Gründungsversammlung mit Wahl eines Vorstands auszuräumen wurden von Simon wiederholt abgelehnt.

Sie hat sich damit zum Sprachrohr der Frauen in der Piratenpartei erkoren, das keine (oder nur sehr wenige Frauen) in der Piratenpartei haben wollte.

Der zweite schwere Fehler den die "Piratinnen" (die um Leena Simon gegründete Gruppe) gemacht hat, war gezielte Intransparenz, indem sie eine geschlossene Mailingliste und Kommunikationsstrukturen geschaffen hat.

Diese zwei Dinge - Übergehen der Basisdemokratie und Intransparenz - haben zu der allgemeinen Ablehnung der Gruppe der "Piratinnen" geführt. Und diese Ablehnung kommt zu großen Teilen auch von den Frauen aus der Piratenpartei, die nicht eine Sache vertreten wollten, die ihnen von einer nicht legitimierten "Führerin" vorgegeben wurde.

Leider wird der Widerstand gegen dieses basisdemokratischfeindliche und intransparente Verhalten immer noch als Frauenfeindlichkeit ausgelegt.

Lena Simon würde als Vorsitzende einer Vereinigung piratiger Frauen scheitern - weil sie ein Bild zeichnet, das nicht der Wahrheit entspricht. Schon alleine um dieses Bild gerade zu rücken wäre es wünschenswert eine eigene Frauenorganisation innerhalb der Piraten zu haben, die nach den gleichen Grundwerten (Basisdemokratie und Transparenz) arbeitet wie alle Piraten sich zum Ziel und Ideal gemacht haben

mh 03.10.2011 | 16:31

wie man an der diskussion um die fraktionssitzungen der berliner piraten gemerkt hat, ist das ding mit der transparenz auch bei den piraten nicht umbedingt ein absoluter konsens sondern ist in seinen abstufungen gar nicht mal so unumstitten.

wenn ich dich so lese, muss ich mich tatsächlich fragen, was das thema freiheit bei den piraten noch wert ist, wenn man sich legitimieren lassen muss, um eine eigene gruppierung um sich zu scharen.

demokratie ist ja gut und schön, aber nicht jeder vorgang ist ein abstimmenswerter. wenn der mehrheit der frauen das ding nicht zu sagt, dann können sie ja einfach nicht teilnehmen. zumindest hatte ich hier nicht den eindruck, dass es sich um eine zwangsmaßnahme handelte.

und dass so eine mailingliste nicht offen sein sollte, dafür kann man gut argumentieren.. gerade ob der hier schon dargestellten problematiken.

es scheint mir eher so, dass hier ein paar egos aneinander stießen und das dann in den vordergrund der betrachtung rückte. nun könnte man sich natürlich fragen, ob das geschlechtsinduziert stattfand.

und was das thema offene kommunikationsstrukturen betrifft, ist solcherlei nachgewiesenermaßen eher augenwischerei. wenn ich etwas nicht öffentlich will, dann kläre ich das direkt und privat und eben nicht über die mailingliste oder in einem forum. wären die piraten diesbezüglich konsequent, was die transparanz betrifft, würden auch private nachrichten und mails, telefonatsinhalte u.ä. veröffentlicht .. und zwar komplett.

aber da sind sie schon die grenzen... und sie werden genutzt, als unmittelbare reaktion auf die sonstige offenheit.

ich selbst habe nichts dagegen... ich halte eher diese transparenzpostulationen für sehr naiv und sich selbst betrügend.

mfg
mh

Torben 03.10.2011 | 17:03

Es wäre sicherlich ein Gewinn für uns alle, wenn viele vernünftige Frauen in die Piratenpartei eintreten und sich dort aktiv beteiligen würden.

Es wäre dagegen fatal, wenn reihenweise Feministinnen einzig und allein eintreten würden, um dann bei Personalentscheidungen ungeachtet der Kompetenz oder Positionierung einfach blind für Menschen weiblichen Geschlechts zu stimmen.

Leider - und dieses leider kommt aus tiefem Herzen - denken und handeln viele der lauten Feministinnen ideologisch. Sie scheinen sich geistig noch in den Gefechten der Vergangenheit zu befinden. Nachdem die rechtliche Gleichstellung glücklicherweise erstritten wurde, geht es nun darum aufzuklären, Problembewusstsein zu schaffen und vergiftete Denkmuster aufzuzeigen. Dialogbereitschaft wird allerdings zerstört, wenn Positionen nicht vernünftig begründbar sind und bei "Hauptsache eine Frau" winken denkende Menschen verständlicherweise ab.

Die Piratenpartei erscheint mir eine politische Bewegung zu sein, in der sehr lebhaft, kontrovers und argumentativ diskutiert wird. Sollte es dort Diskriminierung geben, dann kann man dies in der Partei sicherlich offen ansprechen. Wenn sich allerdings nur wenige Frauen in exponierten Positionen befinden, weil es eben nur wenige geeignete oder willige Kandidatinnen gibt, dann ist das eben so.

Ich möchte nicht 50% Frauen, 50% Männer, 50% Schwarze, 50% Schwule oder 50% Behinderte auf irgendwelchen Posten. Ich möchte, dass die geeignetsten Menschen entscheidende Positionen bekleiden und eine Quote steht dem prinzipbedingt entgegen, ganz besonders bei einer Partei, die aufgrund ihrer Wurzeln derzeit nur wenige Frauen oder Migranten in ihren Reihen hat.

WolfgangP 03.10.2011 | 17:53

"demokratie ist ja gut und schön, aber nicht jeder vorgang ist ein abstimmenswerter."

Nun der Begriff Piratinnen impliziert "Alle weiblichen Mitglieder der Piratenpartei" - wenn man also Aussagen macht, die diese Teilgruppe der Mitglieder betrifft erscheint eine demokratische Legitimation schon von Nöten.

Imho wurde hier erst ein Genderproblem von einer Frau geschaffen, wo keines existiert hat und auch nach wie vor nicht existiert, zumindestens wenn man den Aussagen viler einzelnen Frauen bei den Piraten glauben mag.

Warum sollte man also bei einem so komplexen Thema wie Gender auf einmal auf demokratische Strukturen und Transparenz verzichten können? Nur weil _eine_ Frau sagt, dass es so ist? Erinnert mich sehr an diktatorische Systeme. Warum sollten nicht alle Frauen bei den Piraten gemeinsam festlegen was ein Problem ist, und auch selbst festlegen wer für sie spricht?

Thomas K 03.10.2011 | 18:38

Mmitt, ich denke es geht dir eher um Selbstdarstellung mit Hilfe von Polemik, denn um Diskussion. Aber erst mal zur Sache:

Du kritisierst meine Interpretation von Determinismus – geschenkt – Die war bewusst provokant.

Du kritisierst meine schlecht formulierte These, dass eine Ansicht die auf Sozialisation beruht, eine Haltbarkeit von Jahrzehnten hat, wohingegen eine Ansicht die auf Beobachtung beruht häufig Jahrhunderte übersteht. Dazu fehlt mir aber ein Gegenargument deinerseits.

Und nun zur Polemik. Typen wie du können vielleicht sprechen/schreiben, zu sagen haben sie aber nix.

Mario H. 03.10.2011 | 18:52

Eigentlich ist es doch ganz einfach: welche Partei ist die wichtigste feministische? Die Grünen
Welche Partei verliert viele Wähler an die Piraten? Die Grünen

(Man könnte natürlich noch weitergehen und fragen, welche Partei einen Angriffskrieg und den Bürgerrechtsabbau unter Schily mitverbrochen hat und heute mit der Union ins Bett will, ohne es später gewesen zu sein, aber das geht am Thema vorbei...)

Maria Jacobi 03.10.2011 | 20:30

Ob Frauen freiwillig oder mit Arschtritt in die Piraten eintreten ist mir völlig wurscht. Oder ganz außen vor bleiben. Aber was mich interessiert, das ist der Anlass der Diskussion überhaupt. Lägen die Piraten unsichtbar subsummiert unter "Verschiedene", würde kein Journalist nach den armen fehlenden Frauen in dieser Partei fragen. Aber: kaum erreicht diese Partei eine Größenordnung, die für die postdemokratische Blockpartei CDUCSUFDPSPDDie LINKEDie Grünen kritisch wird, werden die allbekannten Instrumente der Zersetzung hervorgeholt. Das scheint umso dringlicher zu sein, da nach neuesten Erhebungen die Piraten eine rotgrüne Mehrheit gefährden. Jetzt versucht man es erstmal ganz soft mit Gender. Sollten die Statistiken nicht "besser" werden, finden sich sicherlich bald Opas und Onkels von Piratenmitgliedern, die ehemalige Mitglieder der NSDAP waren. Ehemalige Mitglieder der KPdSU, KPD oder SED hingegen wären gern gesehen.

ebertus 03.10.2011 | 20:33

@claudia

Das mit dem "Weg der Grünen" ist erwartbar, soweit sich die Piraten auf das herhömmliche Parteiensystem einlassen, deren parlamentarischer Arm sich - wegen dem hehren Sachzwang - von der Basis löst, einer Basis, der auch die Grünen irgendwann nicht mehr verbunden waren, sie sich nun gar eine neue, staatstragend mittigere gesucht haben.

Meine Wahlentscheidung diesmal in Berlin hatte null, in Worten "nichts" mit den Kandidaten, gar deren möglichem oder auch wünschbarem Geschlecht zu tun. Es waren einerseits Überlegungen, wie hier niedergeschrieben:

www.freitag.de/community/blogs/ebertus/piraten-ante-portas

und andererseits mit Sicherheit ein Stück weit Protest und die gewisse Resignation. Gerade die Berliner Realolinken - und sehr geschlechtsneutral gemeint - waren eben keine wählbare Option, sollten sich eher wieder bei SPD oder Grünen ansiedeln.

Gesine Lötzsch find ich wählbar, Nachdenken über die Zukunft sowieso und Sahra Wagenknecht sollte zu "mehr" berufen sein. Aber der mediale Mainstream preferiert anderes, suggeriert dem Zipfelmützenträger dahingehend Gefahr und so eine knackige Genderdebatte ist doch immer gut für allerlei.

Eine mir dann dahingehend möglicherweise zugeschriebene, abwertende Ignoranz muss ich eben aushalten.

mh 03.10.2011 | 21:07

wie kann der begriff piratin alle weiblichen mitglieder der piratenpartei inkludieren, wenn er doch angeblich strikt, auch von den weiblichen mitgliedern, abgelehnt wird?

wenn ich mir den sexistischen scheiss anlese, den so mancher pirat von sich gibt, dann hattet und habt ihr diesbezüglich probleme. einfach nur das gegenteil zu behaupten, ist ja nicht mal ein argument, sondern einfach nur realitätsverweigerung.

ansonsten würden wir dem begriff gender vielleicht etwas arg unrecht tun, wenn wir ihn darauf banalisieren, ob es piratinnen gibt oder nicht.

die fragestellung diesbezüglich war, ob eine frau sich eine frauengruppierung innerhalb der piraten generieren und diese sich piratinnen nennen darf (mit geschlossener mailingliste um ggf. die freunde von der männer-ag des bashens zu entlasten.

das ist nicht sonderlich komplex. dass darüber die partei abstimmen soll, die mehrheitlich, wenn auch geschlechtlich unregistriert, aus männern besteht... das ist ein problem. fürwahr.

es entspricht übrrigens der absoluten freiheit, wenn man menschen dinge tun können ohne gehindert zu werden. in dikaturen wird es be- und verhindert... schon wieder so ein huch.

mfg
mh

MoniB 04.10.2011 | 00:10

Im Gegensatz zu meinem Naturell ganz kurz. Sollte jemals eine Quote für Frauen bei Besetzung Kandidaturen, Ämter, Mandate erfolgen, bin ich eins - einfach weg. Ich lasse mich nicht für Quoten vor den Karren spannen.

Ich kann es nicht verstehen, warum hier wie in so vielen anderen Artikeln das Engagement in der zweiten Reihe so niedergemacht wird. Das motiviert nicht, das demotiviert.

Wo kommt diese Theorie her, man bräuchte einen Tritt in den Hintern? Wie war das mit der eigenen freien Entscheidung, nicht mehr zulässig, im Sinne Dritter agieren, Erwartungen erfüllen. Viel Spaß, nur nicht mit mir. Mir ist die Individualität des Einzelnen wichtig, ich unterteile nicht in Gruppen XY.

Ich unterstelle mal guten Willen, mehr Frauen dazu zu bewegen, bei den Piraten einzutreten. Ich frage mich ganz ernsthaft, ist das von Karrierechancen, am besten noch abgesichert durch Quote, abhängig. Hürden befinden sich vor allem im Kopf.

Daher kann ich nur allen sagen, kommt vorbei, engagiert euch, ist egal wo ihr euch selbst eingruppiert, es macht Spaß man kann etwas bewegen, unabhängig vom Geschlechtsmerkmal.

Sven Lucht 04.10.2011 | 00:16

Es ist etwas kurios. Fast alles in der Kolumne ist gut beobachtet und treffend analysiert. Trotzdem geht er völlig an der Realität vorbei. Die Piratenpartei hat ein Geschlechterungleichgewicht an der Basis. Das ist ihr Problem und das löst man nicht mit einer Quote. Und ohne eine Lösung dieses Problems ist eine Quote für die gehobenen Parteiposten kontraproduktiv.

Eine detaillierte Begründung findet sich in meinem Blog:
pi10.tumblr.com/post/10983966349/feministische-arschtritte

Sven Lucht 04.10.2011 | 00:23

Du hast vollkommen Recht. In einer "Der Parteivorstand beschließt, die Basis nickt ab"-Partei wäre es bedauerlich - wenn überhaupt - dass wenig Frauen in den Vordergrund treten wollen. Aber die Piraten, so habe ich es verstanden, wollen doch anders sein und erarbeiten ihre Positionen gemeinsam. Warum sollte da Mitarbeit genau in dem Geist, der die Partei auszeichnet, suboptimal sein?

Es gibt auch Männer, die das bevorzugen. Müssen die jetzt auch ermuntert werden?

MoniB 04.10.2011 | 01:00

Die Frage ist doch, wie definiert man Vordergrund in einer Partei, die basisdemokratische Ansätze verfolgt? Sind das Ämter und Mandate oder ist es nicht eher die Piraten selbst. Im Vordergrund bei den Piraten stehen von unserem Verständnis her nicht die, die Ämter und Mandate innehaben, sondern alle, die sich engagieren, ob nun mit oder ohne Mandat.

Nun werden wir mit der Außensicht konfrontiert, die nach dem alten Denkschema versucht uns zu einzuordnen. Das ist schwierig. Ich bin eigentlich der Überzeugung, dass ich als Pirat mit weiblichem Vornamen ziemlich viel Einfluss auf die Programmatik hatte.

Bei dieser Diskussion fehlt immer die Betrachtung gegenüber unseren queeren Mitgliedern, Äußerlichkeiten bestimmen das Urteil, seltsam. Wo wir doch alle wissen, dass wir eine männliche und weibliche Seite haben, wird verlangt sich einer bedingungslos zuzuordnen?

Sven Lucht 04.10.2011 | 01:26

Den Ansatz, dass diejenigen, die an der Programmatik arbeiten die erste Geige spielen, ist sehr gut. Ihr müsst das nur in der Außendarstellung besser verkaufen, fürchte ich. Ich denke, 99% der Journalisten haben noch nicht verstanden was Liquid Feedback ist. Das ist zwar nicht Eure Schuld, aber vielleicht kann man den Schreiberlingen ab und zu ja einen kleinen Schubs geben. Es war schon überraschend zu sehen, wie kurz nach der Berlin-Wahl die TAZ und dann auch einige andere Zeitungen sich sofort auf das Thema Frauen gestürzt haben, während sie teilweise Tage gebraucht haben um auch nur die grundlegendsten Aspekte eures Programms zu verstehen. Teilweise haben ja selbst renommierte Journalisten immer noch nicht verstanden, dass ihr das Urheberrecht nicht komplett abschaffen wollt.

Deshalb geht auch etwas unter, was ihr mit Post-Gender meint und es wirkt wie eine einfache Ausrede. Dabei hat Eure Organidationsform mMn sehr gute Ansätze, eben nicht jedem Mitglied die Entscheidung abzunötigen, ob man jetzt als Politprofi oder Vordergrundarbeiter am Programm gelten möchte, sondern erlaubt viel viel mehr. Das macht aus meiner sicht auch viel Eures Charmes aus. Lasst Euch da also nichts von Leuten einreden, die Euch in das Korsett der anderen Parteien stecken wollen.

Und Euch vorwerfen, dass Ihr Euch nicht mit der Genderdebatte auseinander setzt, kann man ebenfalls nicht. Ich hab auf piratennahen Blogs schon fast ein Dutzend sehr interessanter und selbstkritischer Beiträge dazu gelesen. Wie das dann umgesetzt wird, kann ich natürlich nicht beobachten.

claudia 04.10.2011 | 04:26

@ebertus:
>>Gerade die Berliner Realolinken - und sehr geschlechtsneutral gemeint - waren eben keine wählbare Option,...
Das ist nachvollziehbar, und damit ist eine Proteststimme für die Piraten ebenfalls nachvollziehbar.

Andererseits, nach Allem, was in den vergangenen Jahren von den Piraten zu hören zu lesen war, würde es mir widerstreben, meine Proteststimme den Piraten geben zu müssen, weil es keine andere Opposition mehr gibt.
Deswegen gehe ich hin zur Linken und versuche Überzeugungsarbeit zu leisten, dass "Mitregieren um jeden Preis" oder "der bürgerlichen Presse gefallen, koste es, was es wolle" der falsche Weg ist. Ich habe festgestellt, dass ich auch als Nichtmitglied dort ein Rederecht habe.
Und ich meine, das sollten mehr Menschen nutzen, die sich eine inhaltsstarke Opposition wünschen.
Und nicht eine "Opposition", die überall ein bisschen was abschreibt und damit Stimmen fängt, ohne die Inhalte verstanden zu haben.

luzieh.fair 04.10.2011 | 11:11

ich glaube, TK, es ist kein Wunder, dass mmitt darauf gekommen ist, dein Profilsprüchlein etwas zu modifizieren und in dieser Form in einen Kommentar zu schreiben.
Du musst zugeben, es liest sich reichlich naiv, wenn einer Dinge schreibt wie "ich weiß zwar nicht, warum das so ist, aber das spielt auch keine Rolle ich nehm das jetzt mal so hin..."

Das W a r u m spielt immer eine (wenn nicht sogar die Haupt-) Rolle.

Katrin Rönicke 04.10.2011 | 12:07

Liebe MoniB,

ich versuch es mal mit zitieren:

>>"bin ich eins - einfach weg. Ich lasse mich nicht für Quoten vor den Karren spannen. "

du hast also das gefühl, wenn es quoten gäbe, würdest DU vor den Karren gespannt. Woher kommt das Gefühl? und was sagst du zu oben vorgeschlagenen Mechanismen, eine Quote zu "haben", aber auch aussetzen zu können, qua Frauenquorum?

>> "Ich kann es nicht verstehen, warum hier wie in so vielen anderen Artikeln das Engagement in der zweiten Reihe so niedergemacht wird. "

wo genau hast du das herausgelesen? Ich möchte gerne mehr Frauen in der ersten Reihe. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass ich das Engagement der zweiten Reihe schlecht rede. Woher der Umkehrschluss? Frage: sagt er nicht mehr über bestimmte Verteidigungsreflexe, als über mich und mein Anliegen?

>> "Wo kommt diese Theorie her, man bräuchte einen Tritt in den Hintern?" das habe ich oben teilweise angerissen und in den verlinkten artikeln wird es ausgeführt. Die Grundlage sind klassische Rollenstereotype plus gesellschaftliche Strukturen und damit Verhaltenszwänge.
Wo aber liest du heraus, dass mit einer Quote Frauen gezwungen würden? Ich höre das Argument immer wieder - aber es entbehrt jeglicher Grundlage. Niemand kann qua Quote zu irgendwas gezwungen werden. Außer zur Reflexion - wenn es gut läuft ;)

>> "Hürden befinden sich vor allem im Kopf. "
damit widersprichst du ja deiner eigenen Argumentation -im Sinne von: Hürden gibt es nicht... usw... alles ist frei... die Hürden im Kopf: Darum geht es doch.

>>"unabhängig vom Geschlechtsmerkmal."
These: in unserer Gesellschaft, mit unserer Sozialisation, ist nichts davon FREI. Darum geht es oben.

Deswegen bleibe ich dabei: Wir brauchen ein Korrektiv.

Viele Grüße

Bernd Holdinger 04.10.2011 | 14:08

Ich bin Mitglied der Piratenpartei, weil ich unter anderem von einer Welt träume, in der es egal ist, ob jemand sich als Mann, Frau, beides, keins davon oder irgendetwas dazwischen versteht. Von einer Welt, in der man sein soziales Geschlecht frei bestimmen kann, ohne dass es irgendwelche Vor- oder Nachteile hat. Von allen Parteien in Deutschland sehe ich bei den Piraten die realistischsten Chancen, so einen Umgang mit dem Thema "Gender" gesellschaftlich anzuregen.

Eine Quote lehne ich also schon deshalb ab, weil sie in ihrer Dialektik "Mann"-"Frau" dogmatisch, überkommen und vor allem diskriminierend all denen gegenüber ist, die sich im Genderspektrum nicht ganz eindeutig auf einer der beiden Seiten positionieren wollen.

PS: Wie gehen die Grünen damit eigentlich um?

claudia 04.10.2011 | 14:10

Was ist denn überhaupt "Genderpolitik"?
Ursula von der Leyhen, per Bonzenquote Ministerin geworden, versteht darunter, dass mehr Oberschichtfrauen in Konzernvorständen sitzen sollen. Und dass arbeitslosen Müttern, die sich weder Kinderbetreuung noch Haushaltshilfe leisten können, auch kein Elterngeld zustehen soll, diesen genetisch faulen Schlampen.
Dazu haben ja auch gleich einige Luxusemanzen gejubelt.

claudia 04.10.2011 | 14:24

>>...weil ich unter anderem von einer Welt träume, in der es egal ist, ob jemand sich als Mann, Frau, beides, keins davon oder irgendetwas dazwischen versteht.
Schönchen, dann verstehe ich mich jetzt mal als Mann. (Oder als Beides, muss erst noch ne Münze hoch werfen.)
Wird dann meine durch Arbeitslosigkeit mit 55 zerstörte Rente wieder repariert? Oder bekomme ich dann noch mal für 2 Jahre einen Job mit richtigem Gehalt, der mir ein paar Rentenpunkte einbringt?
Falls ja, bleibe ich dabei. Falls nicht: Was hab ich sonst davon?

Oder haben Sie einfach ein Luxusproblemchen mit Ihren Transgendereien?

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smith 04.10.2011 | 15:40

Korrektiv?

Feminismus-Schweden hält inzwischen so gar nichts von Korrektiv.

"Nach Protesten gegen eine Quotenregelung für Frauen an schwedischen Universitäten will die Regierung in Stockholm die Initiative wieder aussetzen - weil sie Studentinnen benachteiligt. Die Vorschriften, wonach es an schwedischen Universitäten möglichst die gleiche Anzahl von Männern und Frauen geben soll, habe in Wahrheit zu einer Diskriminierung von Studentinnen geführt, schrieb der schwedische Hochschulminister Tobias Krantz am Dienstag in einem Beitrag für die Zeitung "Dagens Nyheter". Gerade für bei Frauen beliebten Studiengängen wie Psychologie und Veterinärmedizin seien jüngst wegen der Quotenregelung bevorzugt Männer genommen worden, obwohl es mehr qualifizierte Frauen als Männer für die Studienplätze gegeben habe."

Der UniSpiegel spricht in diesem Zusammenhang gar von Quotenopfern. Wer meint, hier seien Männer gemeint, befindet sich schwer im Irrtum.

"Im vergangenen Jahr waren 95% der 5400 Quotenopfer Frauen. 44 weibliche Abgewiesene bekamen jüngst vom Landgericht Stockholm eine Entschädigung zugesprochen."

Der Entschädigungsanspruch für was auch immer scheint dieser Bevölkerungsgruppe - insbesondere mit feministischer Überzeugung -offenbar in die Wiege gelegt. Insofern sind gewisse Verhaltensweisen in der Tat sozialisationbedingt. Und um dies auch adäquat zu illustrieren, prangt neben dem "Quotenopfer"-Artikel eine fancy Pin-up-Feministin.

Hier werden die eigentlichen Hürden im Kopf sichtbar. Zumal Schweden auch mit Quotenpolitik keine fundamentalen Änderungen bzgl. Geschlecht in der politischen Landschaft kennt.

www.spiegel.de/spiegel/unispiegel/d-68960952.html

Bernd Holdinger 04.10.2011 | 15:46

Klar, in einer Gesellschaft, in der das Geschlecht wurscht ist, sind natürlich auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für alle Menschen gleich – auch für Frauen über 55. Geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede (und damit Rentenansprüche) passen in diese Vision auch nicht hinein. Dazu bräuchten sie sich noch nicht einmal ein anderes Geschlecht auszusuchen – das Geschlecht ist ja wurscht.

Dass dieser gesellschaftliche Wandel Zeit braucht, ist hoffentlich klar. Gedanken wie "Nachhaltigkeit" oder "Solidaritätsprinzip" haben sich auch nicht über Nacht durchgesetzt.

Wichtig ist aber, dass es eine Partei gibt, die diese Form der Gleichberechtigung überhaupt formuliert. Soweit ich weiß, tut das keine Partei so konsequent, wie die PIRATEN. (wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Freie_Selbstbestimmung_von_geschlechtlicher_und_sexueller_Identit.C3.A4t_bzw._Orientierung)

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smith 04.10.2011 | 16:55

"nachtigal ick hör dir trapsen..."

Feminismus vs. Geschlechterdemokratie.
Die Politologin Helen Lindberg von der Universität Örebo (Schweden) hat vier einflussreiche feministische Theorien daraufhin untersucht, ob sie als Grundlage sozialwissenschaftlicher Untersuchungen taugen. Sie kommt zu folgendem Ergebnis:

"Feministische, soziale Theorien versorgen uns mit einem ideologisch verfärbten Bild der Gesellschaft. Sie seien wissenschaftlich unhaltbar, viel zu unterentwickelt, und außerdem "beladen mit unlösbaren Problemen der inneren Logik."

An anderer Stelle:

"Der Feminismus ist in Schweden Staatsreligion. Er sei völlig aus dem Ruder gelaufen und habe in den vergangenen zehn Jahren eine konstruktive Debatte verhindert."

oru.diva-portal.org/smash/record.jsf?pid=diva2:208582

Insofern wäre es schon fatal, feministischer Destruktivität Raum zu geben.

Torben 04.10.2011 | 17:24

Als Erwiderung auf Glorias "Nicht Quote fordern sondern Quote machen" habe ich eben versucht, zwei Seiten dieser Medaille darzustellen, du hast das leider verkürzt und von hinten nach vorn zitiert.

Wenn am Ende mehr Frauen in Positionen kommen, weil zuvor mehr Frauen eingetreten sind, sich beworben haben und überzeugen konnten, dann ist doch alles im Lot.

Ob nun allerdings ein steigender Frauenanteil durch Quote oder blindlings abstimmende Geschlechterseilschaften entstünde, ich fände beides rückständig und keineswegs emanzipatorisch.

mh 04.10.2011 | 17:26

lindberg spricht von feministischen sozialtheorien die explizit starken marxistischen einflüssen (nicht einflüssen von marx) unterlegen waren..

..sie spricht explizit nicht von allen feminismustheorien, sondern nur denen, denen sie selbst ausgesetzt war und sich mit ihnen entgegen ihrer überzeugung (sie glaubte daran) auseinandersetze.

das ganze im konstrukt schweden. nicht im konstrukt deutschland.

mfg
mh

Torben 04.10.2011 | 17:37

nochmal @ Katrin Rönicke:

"wie war das nochmal mit dem piraten-motto: Klarmachen zum ÄNDERN?
achso ja: wenn es nicht gerade um geschlechterdemokratie geht... verstehe. -.-"

Missstände ändern, aber einen solchen sollte man dann auch konkret aufzeigen können. Werden Frauen in der Piratenpartei diskriminiert oder einfach nur nicht bevorzugt? Sind es gegebenenfalls Einzelfälle oder besteht bei den Piraten ein strukturelles Problem?

Allem Anschein nach gibt es keine systematische Frauendiskriminierung bei den Piraten. Möglicherweise könnte die Partei sich etwas aktiver um weibliche Mitglieder bemühen, aber Zuspitzungen wie die jüngsten Feministinnenkampagnen verhärten die Gemengelage erst einmal und müssen verdaut werden, bevor sich dem Thema wieder produktiv, demokratisch und aufklärerisch zugewandt werden kann.

eulen nach athen 04.10.2011 | 17:39

Deswegen bleibe ich dabei: Wir brauchen ein Korrektiv.



richtig. nur darf das keine quote sein, die genau in die kerbe der weiblichen sozialisation schlägt und frauen eben nicht ermächtigt, dinge selbst zu machen, zu erobern und sich auszuprobieren und in die welt hinaus zu gehen. sondern sie daran gewöhnt, dass jemand ihnen die steine aus dem weg räumt und ihnen schon mal das kissen aufschüttelt.

frauen brauchen keine "rollstühle", sie müssen laufen lernen. und wenn sie das nicht wollen, dann (sry für die klaren worte) gehören sie halt nicht in die entsprechenden positionen.

quoten sind nur dort sinnvoll, wo frauen der zugang aktiv verwehrt wird.
claudia 04.10.2011 | 17:54

Dann beantworte ich meine Frage halt selber. Die männlichen Kollegen, die zum Zeitpunkt der Kündigung über 50 waren, wurde auch in die Verarmung getrieben. Ab und zu mal ein bisschen Leiharbeit, ansonsten Hatz4 pur, Rücklagen verbrauchen, bevor man ALG beantragen darf: Aus die Maus.

Jetzt sagen Sie wahrscheinlich, Holdinger, dass man dann einfach das Geburtsjahr abschaffen soll, denn rejelt sich det von janz alleene...

only connect 04.10.2011 | 18:15

Thomas K, Sie retten mir den Nachmittag. Kämpfer und Kuscheltiere. Ich hab schon lang nichts mehr gelesen, was so herrlich bekloppt gewesen wäre. Nichts für ungut, aber in diesem Fall fällt es mir schwer, ohne Polemik auszukommen... bestimmt war das Ihrerseits kalkuliert? Anstelle der Politik nette Comedy? Ihr zweites Standbein? Geld verdienen müssen Sie schließlich auch irgendwie? Sie sind jung und brauchen das Geld? Wenn ich versuche, den Spruch anderweitig zu interpretieren, dann ist das Ergebnis... weniger freundlich.

Thomas K 04.10.2011 | 18:47

Warum Warum, Ach Luzieh,

Also: 1. Ich habe nicht geschrieben, dass das Warum keine Rolle spielt, sondern ich habe die Rolle des Warums in Frage gestellt.
2. Das Warum sollte keine Hauptrolle spielen da es zu einer rückwärts gewandten Sicht führt. Aber als Nebenrolle ist es sinnvoll, da man stets nach vorn schauen sollte, sich aber auch bewusst sein sollte was hinter einem liegt.
3. Ich habe in Frage gestellt, dass die Frage „Warum sich Mann und Frau unterscheiden?“ uns weiter bringt. Ich bin überzeugt, dass man diese Frage nicht endgültig klären kann und deshalb zur Lösung des Kernproblems „Sollten die Piraten eine Frauenquote einführen?“ nicht beiträgt.
4. Meine Kernaussage war, dass die Piraten mit der Frauenquote warten sollten bis sie etwa den Stand erreicht haben den heute die Grünen haben.
5. Mir fällt grad ein Warum ein dass uns zwar wieder vom Kernthema wegbringt, aber vielleicht trotzdem interessant ist. Die Grünen haben die Quote schon vor Jahren eingeführt und nach meiner Argumentation kann es nur funktioniert haben weil Frauen seinerzeit bissiger / kämpferischer waren. Ich hab den Anfang der Grünen nicht mit erlebt und muss deshalb fragen ob meine Vermutung richtig ist und falls ja „Warum haben sie den Biss verloren?“

Mein Profilsprüchlein ist ein Zitat (Entschuldigung dass ich es nich kenntlich gemacht habe). Wenn du herausfindest wen ich zitiert habe, geb ich dir ein Bier aus. Nee halt dass is locker 2 Bier wert.

Entspannten Abend
Thomas

mh 04.10.2011 | 19:01

@smith: ich wüsste nicht, was an einer quote marxistisch sein sollte oder warum wir als menschen unser miteinander nach rein marktwirtschaftlichen bedingungen definieren sollten.

schweden ist schweden. anderer kultureller raum. da ist für deutschland eine menge nicht wegweisend. dort etwas anzuschauen und zu behaupten, das ist der untergang für deutschland, ist auf dem niveau des hasspredigers sarrazin.

ansonsten finden wir alle nun sicher genug studien die unsere meinung belegen. *gähn*

mfg
mh

mh 04.10.2011 | 19:12

mE übersiehst du hier etwas (ich hab den ausführlichen text gelesen):

atm gibt es einen männerüberschuss. dieser bildet die strukturen der partei und zwar jetzt. d.h. auch bei flachen hierachien bilden sich büdnisse und personenbasierte netzwerke. die sind nunmal männlich.

wenn die partei in die gesellschaftliche breite geht, dann bestehen diese netzwerke in einer gefestigten form und es strebt ihnen nach machterhalt. nicht, weil sie frauen ablehnen, sondern weil sie ihren status erhalten wollen.

entsprechend schwierig wird es künftig für frauen, in der partei posten zu besetzen. diese festigungsphase hat durch den wahlsieg in berlin einen schub bekommen, der nicht zu unterschätzen ist.

siehe hierzu auch diese ganz eigenartigen kommentare manchen fraktionsmitgliedes... die stark gen professionalisierung drängen.

oder auch die tatsache, dass verdächtig viele CDU menschen in die piraten reinstreben und dort nach kurzer zeit schon posten besetzen wollen. was zB in einem landesverband zu deligierten führte... die die partei aber wiederum angeblich ablehnt.. vermutlich.

das, was du postulierst... ist eine idealvorstellung. und niemand hat gesagt, dass eine quote starr sein oder gar bei 50% liegen muss.

mfg
mh

feminismus 04.10.2011 | 19:48

Genderpolitik ist Frauenpolitik. Genauso wie Gleichstellungsbeauftragte = Frauenbeauftragte.

Quoten ist ein anderes Wort für "Sänften". Frauen müssen in die Partei getragen werden oder eben nach oben. Hauptsache getragen. Das ist ist minimum in einer frauenzentrierten Gesellschaft.

Ist nen bisschen wie mit Kleinkindern, die keinen Spinat essen wollen, ähnlich versuchen Feministinnen nun den unmündigen Frauen Partei schmackhaft zu machen. Feministinnen haben dabei schon viele Frauen ins Glück geführt, man beachte die Statistiken über die Zufriedenheit der Frauen in den letzten Jahrzehnten.

Thomas K 04.10.2011 | 19:53

@mh – jo schön dass Wikipedia mir da recht gibt. Was mir an der Darstellung der Assmanns aber nicht gefällt ist die Formulierung „kulturelles Gedächtnis“. Der Begriff „kulturell“ ist heute so stark von Bedeutung befreit dass ich auf ihn verzichten würde. Ich denke man spricht da besser von „gesellschaftlicher Lehre“. Da eine Lehre sich nur halten kann wenn sie mittels Beobachtung geprüft werden kann, ist auch der Kreis zu meiner Beschreibung geschlossen.

mmitt 04.10.2011 | 20:14

Wie geist- und fantasielos ist das denn bitte. Erstens bin ich kein Typ, sondern eine Typin, zweitens geht es mit natüürlich und nur um Selbstdarstellung, deswegen habe ich auch einen protzigen Namen und ein fesches Foto.

Also mal ehrlich, Ihre Zeilen auch anderen gegenüber sind an Leere nicht zu toppen. Ich wiederhole mich: kein Ahnung, aber ganz viel Meinung. Is cool, nicht wahr, nur wenn man mal nachfragt stotter sich der Herr eines.

Nach dem ganzen Gelaber kann ich immer noch keine Substanz erkennen, warum das kein Piratenproblem ist. Also, wie wärs mal mit Grundsubstanz.

Thomas K 04.10.2011 | 20:56

noch mal zu den Assmanns und der Haltbarkeit von Ansichten (auch wenn das jez nix mit den Piraten zu tun hat). Die Assmanns haben ein Modell für die Haltbarkeit von Ansichten dass die Art der Kommunikation zu bestimmenden Element erhebt. Ich denke dass die Beobachtbarkeit wichtiger ist und dass die Art der Kommunikation eine Folge (nicht Ursache) der Haltbarkeit von Ansichten ist. d.h. mein Dissens mit den Assmanns ist doch größer als ich auf den ersten Blick dachte.

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smith 04.10.2011 | 23:16

Oh, dann fragen Sie bitte auch unbedingt wie aktuell im Mutterland ;) der Piratenpartei die Diskussion um Quote bzw. weiblicher Anteil bei den schwedischen Piraten geführt wird. Konkret, wie die auf feministisches Gequengel hin selbst verordnete 30%-Quote entgegen der an Hochschulen verbotenen sich gestaltet.
Immerhin hat die Piratpartiet über 50.000 Mitglieder und ist damit nach Mitgliederzahl die drittgrößte Partei Schwedens.

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smith 05.10.2011 | 00:26

Ein deutsches Piratenmitglied hat 2009 Amelia Andersdotter angeschrieben und um eine Erklärung für das Zustandekommen der 30%-Quote gebeten.

Frau Andersdotter hat geantwortet:

"A gender quota on the election list is good to show representativeness. Statistically, women vote more for women and men vote more for men. Also, having both women and men on the list increases the chances of everyone feeling more "at home" on the list.
Having an all male list would make people feel excluded.

The quota is currently implemented at 30/70, which is bad because its not enough. 40/60 is what is generally considered to be "equal". It's
going to be implemented so that we put at least 40% but no more than 60% female candidates on our lists."

Es geht einzig darum, mehr Stimmen zu erhalten. Inhaltliche Argumente sind offenbar gegenstandslos. Frauen wählen Frauen...

Und so warten also die errungenen Parteienpöstchen qua Quote auf die sich gnädig herbeilassenden Damen.

Soviel zur "Aussetzung der Quotenregelung" in Schweden.

MoniB 05.10.2011 | 01:54

ich versuch es mal mit dem Antworten 

Quoten – nun ja – ich bin eine Frau, wenn es Quoten zur Besetzung mit Frauen gibt, bin ich betroffen, ob ich will oder nicht. Quorum – was wiederum nur Frauen reduzieren können, gefällt mir genauso wenig. Ich frage mich, welche Probleme mit Quoten gelöst wurden, ich kenne gerne, ja übertüncht hat man es schon. Schaut niemand mehr hin, Problem erledigt, Quote ist da = selbst Frauen, die es ohne Quoten „geschafft“ hätten, sind dann halt Quotenfrauen. Das empfinde ich als diskriminierend, da gibt es eine Gruppe, die meint, andere und ich bräuchten eine Sprunghilfe. Und ich sehe das alles eher als Prozess an, weniger nur Frauen betreffend, sondern eher die gesamte Gesellschaft betreffend. Was ist der Alltag? Du kannst weiblich, männlich, queer, jung, alt, groß, klein, blond, brünett, rothaarig sein, von Kultur XY abstammen, eins kannst du dir sicher sein, von irgendjemanden wirst du eingruppiert, in eine Schublade gesteckt. Schublade A braucht Hilfe, heute nehmen wir mal die Rentner über 60, morgen Schublade B, das wären dann die Nicht-Europäer. So viele Quoten kann man nicht schaffen, um für eine wirkliche Gleichberechtigung und Gleichbehandlung zu sorgen. Der andere Weg wäre der der Individualität, es zählt keine Schublade, keine Gruppierung sondern nur das unverwechselbare Selbst einer Person.

Man hat Jahrzehnte lang versucht, Gruppen in irgendeiner Weise gleichzustellen, mit Erfolg? Oder waren es dann doch die Möglichkeiten, die man hatte, die ein neues Selbstbewusstsein geschaffen haben und dabei hat man, weil es nicht schwerer war, die Quote gleich mitgenommen. Haben wir unsere heutige Gesellschaft der Quote oder eher der Abkehr von Regeln und von Prüderie zu verdanken.

Erste / Zweite Reihe – Klar, wenn man sich nur Frauen in der ersten Reihe wünscht und die Textstelle „Als wäre ihre Parteiarbeit nichts wert, weil sie NICHT auf der Kandidatenliste stehen wollten. Das ist einerseits richtig. Aber es wird nicht dahinter geblickt, dass es stereotyp ist. Friedfertigkeit, Genügsamkeit und Zurückhaltung sind zentrale Merkmale weiblicher Sozialisation.“ Da sind sie wieder die Schubladen, friedfertig, genügsam und zurückhaltend hmm, bin ich manchmal, aber öfters auch nicht, aber Stempel – Aua. Ich habe keine Ahnung, in wie weit deine Einblicke in die Piraten-„Basis“-Arbeit gehen, mit friedfertiger Zurückhaltung wird es sehr schwierig ;). Und ich mag keine Schubladen, keine Einsortierung, will einfach nur ich sein, was ist daran so schlimm?

wo genau hast du das herausgelesen? Ich möchte gerne mehr Frauen in der ersten Reihe. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass ich das Engagement der zweiten Reihe schlecht rede. Woher der Umkehrschluss? Frage: sagt er nicht mehr über bestimmte Verteidigungsreflexe, als über mich und mein Anliegen?

Zwang zur Quote – Niemand kann gezwungen werden. Sagen wir mal der Tag X kommt und die Quote ist da und irgendwie bin ich doch noch bei den Piraten. So die Quote steht da, sagen wir mal 25 % des Vorstandes müssen Frauen sein (nur angenommen ) – Sagen wir weiterhin, ich hätte auch ohne Quote vorgehabt, zu kandidieren. Neben mir noch so eine Frau, die sich nicht Piratin nennen will. Quote sagt, wir müssen gewählt werden, bei sechsköpfigen Vorstand = 1,5 würde man eher aufrunden als abrunden – Die Presse schaut genau hin. So wir sind dann als Frauen gewählt und die Frage bleibt, hätte ich das auch ohne Quote geschafft. Ich glaub einfach, dass du den Ehrgeiz der Frauen unterschätzt, ich würde Quoten nicht mitnehmen, wie ein Sonderangebot, sondern hätte schlechtes Gewissen gegenüber meinen Mitbewerbern. Ja, ich weiß die nächste Schublade lauert, ein Mann hätte solche Gedanken nicht, Quark mit Soße, haben sie auch.

Hürden im Kopf . .. Das sind Nerds, die unterhalten sich nur über Software, Hardware, den letzten Hack, die neueste Version von XY, wenn es hochkommt, noch über die letzte Ausgabe von Game Z. Wahnsinnige super Vorurteile. Die sind den ganzen Tag am Netbook, das Leben da draußen kennen die gar nicht, Wiesen und Wälder und so. – Super Vorurteile. Mit denen kannst du nicht reden, die verfallen sofort in ihre Techniker-Sprache – kommt vor, aber selten. Man hat ja keine gemeinsamen Themen – ich bin halt kein Nerd, was soll ich mit denen reden – Super Vorurteil, weil oh Schreck, es sind tatsächlich Menschen wie du und ich, ganz in Ordnung, hören dir zu, erklären dir was, mit einer dir schon peinlichen Geduld. Du hast gemeinsame Themen, weil gemeinsame Visionen und doch ist dieses Bild Pirat = Nerd, jung, männlich, schwarzes TShirt oder Kapuzenshirt – allgegenwärtig. Und spätestens in diesem Moment frage ich mich, hallo, welche Gruppe wird jetzt eigentlich diskriminiert. Ja, ich bin weder jung, noch männlich, noch Nerd, trage selten Kapuzenshirts und mein Laptop – oh Schreck – läuft auf Windows. Kurz nennt man das wohl Klischees bedienen.

Diese Hürden, die sich durch das Bild, das Dritte, bevorzugt Medien, in den Köpfen manifestieren, sind nicht existent, sie existieren nur im Kopf. Die Hürde, ich habe es schwer als Frau bei den Piraten, existiert meines Erachtens ebenfalls nur im Kopf, weil die Realität einfach anderes lernt. Wir brauchen keine Quoten, wir müssen endlich mit jeglicher Art von Vorurteilen aufhören und das gesamtgesellschaftlich gesehen und nicht nur auf Frauen bezogen.

Unabhängig vom Geschlechtsmerkmal – Es ändert sich, nicht schnell, aber langsam und fortwährend, wer hätte sich noch vor 35 Jahren vorstellen können, dass Familie nicht gleich Ehe bedeutet, wer hätte sich vor 20 Jahren vorstellen können, dass es immer mehr Menschen egal ist, wie sich jemand selbst sexuell sieht. Es ist nicht alles davon frei, aber vieles und es wird immer mehr, zumindest ist das meine Hoffnung und Vision für die Zukunft.

Sven Lucht 05.10.2011 | 02:38

Freut mich erstmal, dass der Text gelesen wurde :)

Von den drei Möglichkeiten
a) Frauenanteil an der Basis anpacken + Quote
b) Frauenanteil an der Basis anpacken
c) Quote
scheidet c) schonmal aus, weil es das Grundproblem nicht löst. Da bleibe ich bei meiner Meinung.

Bei der Frage, ob man nicht gleichzeitig neben Bemühungen mehr Frauen in die Partei zu holen, auch dafür zu sorgen, dass die Strukturen für jetzige und dazukommende Frauen durchlässig sind, also ob a) oder b), ist der Einwand berechtigt. Auch in einem lockeren Verbund kann es zu einer Gerinnung der Strukturen kommen.

Ich würde den Piraten aber durchaus zutrauen, dass sie das selbst geregelt bekommen, quasi durch eine informelle Quote, indem Frauen eben bewusst gewählt werden um sie sichtbarer zu machen. Die meisten Piraten werden das Problem ja erkennen.

Sven Lucht 05.10.2011 | 02:40

Freut mich erstmal, dass der Text gelesen wurde :)

Von den drei Möglichkeiten
a) Frauenanteil an der Basis anpacken + Quote
b) Frauenanteil an der Basis anpacken
c) Quote
scheidet c) schonmal aus, weil es das Grundproblem nicht löst. Da bleibe ich bei meiner Meinung.

Bei der Frage, ob man nicht gleichzeitig neben Bemühungen mehr Frauen in die Partei zu holen auch dafür zu sorgen, dass die Strukturen für jetzige und dazukommende Frauen durchlässig bleiben, also ob a) oder b), ist der Einwand berechtigt. Auch in einem lockeren Verbund kann es zu einer Gerinnung der Strukturen kommen.

Ich würde den Piraten aber durchaus zutrauen, dass sie das selbst geregelt bekommen, quasi durch eine informelle Quote, indem Frauen eben bewusst gewählt werden um sie sichtbarer zu machen. Die meisten Piraten werden das Problem ja erkennen.

Thomas K 05.10.2011 | 09:07

Hi Leute,

ein Gedanke hat mich seit gestern Abend immer wieder heimgesucht: „Warum war die Quote für die Grünen sinnvoll?“
Kann es sein, dass als die Grünen noch jung, unschuldig und naiv waren, es tatsächlich bei dem dem Thema Gleichberechtigung* eine himmelschreiende Ungerechtigkeit gab? Welche die Grünen dann als Marken(kern)thema mit der Quote als unübersehbaren Zeichen nutzen konnten?
Diese Ungerechtigkeit gibt es Heute nicht mehr (meine Meinung), darum ist auch kein sinnvolles Thema für niemanden.

*Unter Gleichberechtigung versteh ich die Ausgangssituation für die Geschlechter. Und die ist in angemessenem Maße fair. Dass es bei der Chancenverwertung unterschiedliche Erfolge gibt, stimmt. Aber da ist die Quote so hilfreich wie Dynamit in der Fischzucht (Nich mein bester Vergleich).

Weiter oben hab ich noch eine andere Frage gestellt: Haben sich die Frauen seit den 70er und 80er Jahren verändert? Haben sie an Biss verloren?

redfox 05.10.2011 | 11:04

@Thomas K:
Die Grünen wurden in ihrer Anfangszeit z. B. durch eine Frau wie Petra Kelly getragen. Außerdem waren die Themen (Frieden, Umwelt, etc.) solche, die bei Frauen wesentlich anschlussfähiger sind als das, wofür die Piraten stehen:

„Die erste Frage, die eine demokratische Öffentlichkeit stellt, zielt nicht auf das Programm, sondern auf den politischen Charakter einer Partei. Und da ist es äußerst problematisch, fast schon erschreckend, welches politische Schlachtfeld sich die Piratenpartei für ihre Initiation ausgesucht hat. Da geht es um die vom Bundestag soeben beschlossene Sperrung von Kinderporno-Seiten im Internet. Dagegen wehrt sich die Partei, weil das ineffektiv sei im Kampf gegen Kindesmissbrauch und – zugleich – eminent gefährlich für die Meinungsfreiheit im Netz. Es drohe, so die Piraten, der staatliche Aufbau einer »Zensur-Infrastruktur«. [...] Die Wahl des Themas Kinderpornografie als Exerzierfeld des Neuen ist nach normalen politischen Maßstäben verrückt. Menschen, die das Internet als ein bloßes Instrument ansehen (also: die Analogen) und nicht als Lebensraum oder gar -form, werden so lange für ein paar Internetsperren sein, wie damit auch nur ein einziges Kind vor Missbrauch geschützt werden kann. Diese Analogen glauben auch nicht, dass sie jemals unter Ursula von der Leyens Kampagne gegen Kinderpornografie im Netz zu leiden hätten. Schließlich nehmen sie diese extremen Ängste vor dem Staat Leuten nicht ab, die ihr eigenes Leben per Social Network und Twitter bedenkenlos vor aller Welt ausbreiten.“

www.zeit.de/2009/28/Piratenpartei

So schnell vergisst frau das nicht - vorallem die Art, wie damals "argumentiert" bzw. relativiert wurde. Das gilt für die Wählerinnen (laut Stern gibt es nur 3% Frauen, die den Piraten ihre Stimme geben würden - im Gegensatz zu 10 % Männern) - und es gilt auch für diejenigen, die sich politisch engagieren wollen. Wenn sie dann anfangen zu forschen, sich z. B. in der Männer-AG umschauen, von dem Mailingslisten-Drama erfahren, etc. - dann wissen sie ziemlich schnell, dass sie bei jeder anderen Partei besser aufgehoben wären als bei den Piraten.

BTW: der einzige Pirat, mit dem ich bisher leibhaftig in Berührung gekommen bin, hat eine ganz einfache Definition für politischen Erfolg: Dienstwagen plus Chauffeur auf Steuerzahlerkosten...

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smith 05.10.2011 | 11:53

Von Gleichberechtigung kann keine Rede sein. Das deutsche Familien(un)recht mit traditionell instrumentalisierenden Mechanismen wurde bereits mehrfach vom Europa-Gericht als väterdiskriminierend verurteilt. Politische Konsequenzen bis heute: keine.

Erhöhte Erwerbsobligenheitspflicht oder fiktives Einkommen heißt es in der Regel für Männer – einhergehend mit den entsprechenden Erwerbsneigungen der Frauen, denn wie das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Essen zu einer aktuellen Untersuchung mitteilte, arbeiten Mütter heute zwar häufiger, aber weniger Stunden pro Woche als vor zehn Jahren, während die hohe Erwerbsbeteiligung der Väter unabhängig vom Alter der Kinder bestehen bleibt.
Hier wird wie ehedem auf althergebrachte Weise sozialisiert bzw. am Paternalismus partizipiert. Der Sozialwissenschaftler Hans-Joachim Lenz bringt es auf den Punkt:

"Trotzdem wird im gegenwärtigen gesellschaftlichen Geschlechterdiskurs und den davon abgeleiteten Diskursen überwiegend von der hegemonialen Männlichkeit als implizitem Maßstab ausgegangen. Als das Konstrukt einer „idealen Männlichkeit“ wird sie nicht in ihren Widersprüchen oder gar ihrer Bedürftigkeit und Verletzbarkeit gesehen, sondern gewissermaßen als starke, d.h. problemlos funktionierende Männlichkeit imaginiert. Diese hat reibungslos die an sie gestellten Erwartungen im Sinne von Leistungsnormen im privaten und öffentlichen Bereich zu erfüllen. Kommt der Mann diesen Erwartungen nicht nach, wird sein Verhalten sanktioniert (z.B. im Scheidungs- und Unterhaltsrecht)."

Doris Juranek von den Grünen sei hier stellvertretend zitiert, die mit folgender Aussage problemlos funktionierende Männlichkeit zur Grundlage eines allgemeinen politischen Willens macht:

"Für uns bleibt die Gleichstellungsarbeit für Frauen wichtig und notwendig, denn gleiche Chancen sind nicht gegeben und es ist ein
Verdrehen von Tatsachen, vor allem Benachteiligungen für Männer aufarbeiten zu wollen."

In der Tat, gleiche Chancen sind im hiesigen Familienrecht nicht gegeben. Derlei Sozialisationen wirken hierzulande nun inzwischen seit Jahrzehnten.
Der Ruf nach Quote in einer wohlgemerkt demokratischen Partei ist insofern nur weiterer Beleg hoher Hürden in ideologievernebelten Köpfen.

redfox 05.10.2011 | 12:22

"...arbeiten Mütter heute zwar häufiger, aber weniger Stunden pro Woche als vor zehn Jahren,..."

Im Durchschnitt etwa eine, wie Sie wissen...
Und Frauen würden gern 1-5 Std. pro Woche mehr arbeiten als bisher (also 30-34 Std.), aber mirakulöserweise scheint das bei den Entscheidungsträgern der Wirtschaft ebenso verpönt zu sein wie Frauenquoten in Männerdomänen wie Müllentsorgung oder Vorstand.

"während die hohe Erwerbsbeteiligung der Väter unabhängig vom Alter der Kinder bestehen bleibt."

Nicht nur das, auch noch besser bezahlt häufiger unbefristet. Das Familienrecht folgt demnach den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach. Um die abzuändern, bräuchte es vielleicht auch so etwas wie den in Frankreich angedachten Zwangsurlaub für Väter www.sueddeutsche.de/karriere/frankreich-zwangsurlaub-fuer-vaeter-freiheit-gleichheit-vaeterlichkeit-1.1076915. Obwohl zwei Monate da deutlich zu wenig wären. Müsste eher so in Richtung ein Jahr gehen, denke ich...
Was halten Sie denn DAVON?

P.S.: Ich vermisse Sie seit Tagen in meinem Blog zum Thema obligatorische Vaterschaftstests. Sie haben dazu doch bestimmt noch was zu sagen, was bisher nicht zur Sprache kam?

mh 05.10.2011 | 12:52

niemand wird den piraten absprechen wollen, dass ihren eigenen weg in der angelegenheit finden. der kann ja auch ausserhalb einer quotenregelung sein.

die diskussion darüber schafft aber auch erst das bewusstsein, wie wir gerade merken, denn das thema war eigentlich gegessen bzw. unter die oberfläche gedrückt.

dass frauen bewusst gewählt werden, halte ich allerdings für ziemlich idealistisch. da kann mein realismus nicht mithalten. ;)

mfg
mh

Streifzug 05.10.2011 | 13:22

Neue Quote: "Einer neuen Forsa-Umfrage nach ist die Piraten-Partei mit nun 8 Prozent die viertstärkste auf Bundesebene."

Entsprechend werden die medialen Zuckungen (taz...) immer wirrer. Weiterhin werden Claudia Roth, Angela Merkel und die entsprechenden Frauenbeauftragten nun wieder ihre typische Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen und sich als Quotenwächterinnen in die Bresche werfen.

Piratinnen und Piraten mag das bürgerliche Denken überhaupt nicht. Da läuft sofort das Oberstübchen leck.

claudia 05.10.2011 | 13:39

Die Kinderporno-Sache erinnerte mich damals an einen weiter zurückliegenden Vorgang bei den NRW-Grünen: Der rührige Kinderficker Dieter Gieseking hatte ein paar Zustimmer bei den Grünen gefunden, die dann Freiheit für die armen, verfolgten "Pädophilen" als erstrebenswertes politisches Ziel propagierten. Sie merkten natürlich bald, dass es so mit > Dienstwagen plus Chauffeur auf Steuerzahlerkosten... nix werden wird und entsorgten das Thema in aller Stille. Was es bedeutet, wenn in einer Partei ein paar durchgeknallte Hengste sitzen, die bereit sind, sich mit Kinderfickern einzulassen: Das war kein Thema für die Demenzgesellschaft.

Ähnlich war es bei den Piraten mit dem aus der SPD geflüchteten Bundestagsabgeordneten Jörg Taus. Es geht weniger um Taus selber, denn der war ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Aber die Leute bei den Piraten, die den Taus hofierten, die sollte man schon genau unter die Lupe nehmen. Stichwort: Dunkelziffer.

Bestrebungen, sexuelle Gewalt an Kindern zu unterbinden sind übrigens kein spezielles CDU-Thema. Wer sich "Freiheit für Pädophile" auf die Fahnen schreibt müsste auch andere Parteien als Gegner betrachten. CDU/CSU tut sich ja mit der Priesterschaft z.B. eher schwer. Die Piraten könnten bei der katholischen Kirche sicher Stimmen holen.

claudia 05.10.2011 | 13:57

>>Klar, in einer Gesellschaft, in der das Geschlecht wurscht ist, sind natürlich auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für alle Menschen gleich – auch für Frauen über 55. Geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede (und damit Rentenansprüche) passen in diese Vision auch nicht hinein. Dazu bräuchten sie sich noch nicht einmal ein anderes Geschlecht auszusuchen – das Geschlecht ist ja wurscht.
Das war Ihr Thema, Bernd Holdinger.

Das Prinzip, Probleme mit der Änderung von Begriffen für erledigt zu erklären ist ein alter, fauler Trick. Es das exakt das Gleiche wie die Methode:
"Sagen wir einfach mal, es gibt keine Arbeiter mehr. Dann kann es ja keinen Interessengegensatz von Lohnarbeit und Kapital mehr geben". Und dann müssen alle für permanente Entwertung der nichtleitenden Arbeitskraft sein.

Und die ökonomische Ungleichwertigkeit von Frauen und Männern gibt es halt auch nicht mehr, wenn man die Begriffe Mann/Frau abschafft.
Ein Argument für Merkbefreite. Die finden Sie natürlich leicht.

claudia 05.10.2011 | 14:20

>>Frauenquoten in Männerdomänen wie Müllentsorgung oder Vorstand.
Für Oberschichtfrauen, die ihre Karreie nicht unterhalb des Konzernvorstandes beenden wollen, setzt von der Leyen ein. Dort ist auch die Arbeitszeit kein Problem, denn eine (in den vergangenen Jahren billiger gewordene) Kinderbetreuerin und Haushaltshilfe hat frau eben einfach.
Damit ist die Bonzenquote gesichert.

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Bei der Müllabfuhr ist es anders: Die "Lader", das sind die Leute, die den Schredder beladen, haben den härtesten Job in der ganzen Entsorgungsmaschinerie und niedrigsten Löhne. Schon der Fahrer verdient etwas mehr.
Die Lader haben eine Immigrantenquote. Nicht per Gesetz, sondern weil den Job nur macht wer nichts Besseres gefunden hat.

Red Bavarian 05.10.2011 | 14:21

Ich finde den Absatz 'Freie Selbstbestimmung von geschlechtlicher und sexueller Identität bzw. Orientierung ' im Piratenprogramm eine interessante und diskussionswürdige alternative Sicht.

Kritisch der real existierende Gegenpol beleuchtet: Solange die Menschheit in die zwei Megagruppen Frauen und Männer aufgeteilt wird, werden sich diese Megagruppen gegenseitig beharken, wie es seit eh und je der Fall ist. Dieser Geschlechterk(r)ampf dreht sich seit sovielen Jahren schon im Kreis. Daraus entstehen dann Frauen-AGs und Männer-AGs, die sowohl jeweils im eigenen Saft schmoren, wie sie sich auch gegenseitig schmoren. Anstatt dass zum gegenseitigen Nutzen zusammengearbeitet würde.

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smith 05.10.2011 | 15:13

"Das Familienrecht folgt demnach den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach."

Oha, sieh mal einer an. Das französische Familienrecht, welches sich ja bekanntlich eklatant vom deutschen unterscheidet, wäre demnach unmöglich, denn in Frankreich dümpelt die Frauenerwerbsquote bei 60%, während sie in Deutschland bei 66% liegt.
Vom Lohnscheremythos bleiben hierzulande bereinigt 8%, und selbst diese Zahl ist wissenschaftlich wertlos, da einige relevante Faktoren der Analyse nicht zur Verfügung standen. (Quelle: Destatis)
Damit unterscheiden sich die Zahlen kaum noch von den für Frankreich geltenden. Alles in Allem also wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die eher eine stärkere Beteiligung von Müttern am Erwerbsleben nach sich ziehen sollte. Dies auch vor dem Hintergrund, dass das Frauenministerium den Ausbau der Vätermonate aus Gründen der "wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" auf Eis gelegt hat.
"Was halten Sie denn DAVON?"

Die Demagogin weiß ganz genau, dass ich genau wie viele andere Männer auch ganz sicher nichts gegen etwas mehr Urlaub einzuwenden habe. Was das Frauenministerium jedoch hiergegen vorzubringen hat, ist wie gesagt bekannt. Die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft ist gefährdet ...

www.zeit.de/gesellschaft/familie/2011-04/demografie-vaetermonate/seite-1

P.S.: Glaubt die "Hohle Fritte" denn wirklich, ich gehe länger auf ihre irrational-emotionale Nebelkerzenrethorik ein?

eulen nach athen 05.10.2011 | 15:25

Solange die Menschheit in die zwei Megagruppen Frauen und Männer aufgeteilt wird



solange wir uns als menschen und als menschheit nicht im einmachglas vermehren, wird es frauen und männer geben. selbstbestimmung kann es in vieler hinsicht geben, aber nicht was den biologischen körper und seine funktionen angeht.
das ist auch gar nicht das problem. problem sind die zuschreibungen, die wir frauen und männern überstülpen und für "das geschecht" halten. problem ist auch, dass wir dieses problem fast nur passiv diskutieren "wird aufgeteilt", "werden diskriminiert". in unserer politisch korrekt weichgespülten welt traut sich kaum jemand, ross und reiter zu nennen. lieber klagt man sicher im ungefähren. irgendjemand wird es schon sein, der die menschheit einteilt. dass es jeder selbst ist, der einteilt, sich einer gruppe zugehörig fühlt, die attribute der anderen für sich ablehnt und diese zuschreibungen täglich festschreibt, das kommt leider kaum zur sprache. deshalb ist es für frauen so bequem, anonyme klagen an das patriarchat zu richten, anstatt selbst aus dem kleister zu kommen. sie sind mittäterinnen, aber auf diesem auge blind.
Thomas K 05.10.2011 | 18:56

Erstmal herzlichen Glückwunsch an die Mädels in Frankfurt. Auch wenn der Erfolg wohl eher am Erkämpfen der Chancen lag als an deren Verwertung. Weiter so.

Petra Kelly war ein Kämpferin oder? Gibt es davon heut weniger?

Zwangsurlaub für Väter? Weiß nich - Zwang macht Sinn wenn Frauen innerhalb der Partnerschaft nicht gleichberechtigt sind und da wo dass der Fall ist, gibt es größere Probleme als die Freistellung zum Kinderhüten. Wenn die Unternehmen das Problem sind, denke ich handeln sie zu ihrem eigenen Schaden wenn sie den Vätern nicht das Kinderhüten nicht zu billigen. Als Lehrmaßnahme für verstockte Personalmanagerinnen isses ein ziemlicher Knüppel. (Personalmanagement ist doch ein typisch weiblicher Job?)

Zwangsvaterschaftstest? Nee is nich mein Thema. Die Vaterschaften in meinem Umfeld sind alle absolut zweifelsfrei. Was den Datenschutzaspekt angeht würde ich im Zweifel den Piraten vertrauen.

claudia 06.10.2011 | 10:47

>>...zwei Megagruppen Frauen und Männer...
Die zwei "Megagruppen" entstehen nicht dadurch, dass sie mit den Begriffen "Männer/Frauen" bezeichnet werden.
Bekanntlich wird die Einteilung nach einem Blick zwischen die Beine von Neugeborenen vorgenommen. Heute auch oft schon vor der Geburt durch Ultraschallbild.
Dann greift ein alter Mechanismus der patriarchalen Gesellschaft: mit Kind Typ A wird etwas anders umgegangen als mit Typ B. Im weiteren Verlaufe stellt sich immer wieder heraus, dass bei Typ A für anderes Verhalten gelobt oder abgelehnt wird als bei Typ B. Das ist nicht anders, wenn Kinder nicht mehr als "Jungen" und "Mädchen" bezeichnet werden.

Zu Interessengegensätzen allgemein:
Wir aus einer unterprivilegierten Stellung heraus will, wird denen, die Privilegien als "selbstverständlich" geniessen, als Angreifer empfunden. Weil der Kampf gegen Benachteiligung immer an den Privilegien kratzt.
Man kann hier sehr ähnlich Verteidigungsmechanismen feststellen, ob es um den Interessengegensatz von Lohnarbeit und Kapital geht oder um den Interessengegensätze der zwei "Geschlechter".
In beiden Fällen werden von der privilegierten Gruppe alle verfügbaren Mittel zur Gegenwehr eingesetzt: Pseudosachliche Definitionshuberei, Diffamierungen, Ausschöpfen der rechtlichen Möglichkeiten, die per informeller Bonzenquote („Seilschaften“) besetzten Entscheiderpositionen usw.
Beim Interessengegensatz Lohnarbeit/Kapital ist es relativ einfach, den Kampfdefinitionen von oben etwas entgegen zu setzen: Wenn behauptet wird, den Interessengegensatz gäbe es nicht mehr, weil der Begriff „Arbeiter“ wegdefiniert wurde, dann können wir feststellen, dass natürlich auch ohne den Begriff ein Interessengegensatz zwischen Verkäufer und Käufer der Arbeitskraft existiert.

Etwas komplexer ist es beim antipatriarchalen Kampf: Frauen sind in der nichtbesitzenden und in der besitzenden Klasse immer etwa zu 50 % vorhanden. Deswegen gibt es einen bourgeoisen Feminismus und den weniger geschlechtsspezifisch geprägten, weil zu grossen Teilen geschlechtsunabhängigen „proletarischen“ Feminismus.
Der bourgeiose Feminismus stellt kapitalistische Herrschaftstrukturen nicht In Frage. Es geht hier lediglich um die Besetzung von Positionen innerhalb der weiter bestehenden Hierarchien.
Nehmen wir mal den Fall einer Handelsangestellten, die gekündigt wird, weil sie einen vom Kunden achtlos liegengelassenen Pfandzettel an sich genommen hat. Wäre die Kündigung für sie in Ordnung, wenn sie die Unterschrift einer Personalchefin und nicht eines Personalchefs trägt? Könnte sie gar aus der Gewerkschaft austreten, wenn im Management ein Frauenanteil von 50 % erreicht ist? Es liegt auf der Hand, dass ein höherer Frauenanteil im in den Hierarchiespitzen am unteren Ende der Hierarchie nichts ändert. Deswegen wurde dort 2005 auch nicht in den Jubel darüber eingestimmt, dass „wir“ nun eine Bundeskanzlerin haben.

Andererseits: Einer kommunistischen Gesellschaft wäre zwar die Gleichberechtigung von Männern und Frauen (oder Ovarienmenschen und Testesmenschen oder wie immer man es sagen will) immanent.
Aber die Behauptung, es handele sich bei dem Interessengegensatz Mann/Frau in der patriarchalen Gesellschaft um einen „Nebenwiderspruch“ der mit der Beseitigung des „Hauptwiderspruches“ automatisch miterledigt sei, ist ebenfalls nicht sachlich. Ganz automatisch erledigt sich nichts. Es ist auch ein „patriarchaler Kommunismus“ denkbar, in dem die eine Gonadengruppe etwas „gleicher“ ist als die andere.

Auch "Demokratie" kann ja eine patriarchale Form haben: Zum Beispiel haben im Schweizerkanton Appenzell-Innerrhoden die Männer immer wieder ganz demokratisch dafür gestimmt dass Frauen vom Stimmrecht ausgeschlossen bleiben.
Die gleiche Abgrenzung läuft natürlich auch in informellen Seilschaften ab, nur eben weniger sichtbar.
Und weil die Abgrenzungen nicht nach aussen sichtbar sind berufen sich informelle Gruppen stets darauf, dass es keine formalen Zugangssperren gibt.
Das ist nicht nur auf der Geschlechtebene so.

Noch ein anderer Hinweis: Eine Karrierestudie, die nicht an der Anrede "Herr/Frau" oroientiert war, sondern an Köpermerkmalen, kam zu folgendem Ergebnis:
Hierarchiaufsteigerinnen waren im Durschschnitt deutlich grösser gewachsen als der Durchschnitt der Frauen insgesamt, hatten eher "männliche" Gesichtszüge und eher tiefe Stimmen.
Das heisst: In partiarchalen Hierarchien steigen Frauen auf, deren Habitus als eher männlich wahrgenommen wird. Je weniger jemand dem patriarchalen Bild vom "Herrn" nahe kommt, um so mühsamer ist ein Aufstieg in der Hierarchie.( Dazu kommen natürlich Sozialisations- und Beziehungseffekte: Eben die "Bonzenquote")
Die Abschaffung der amtlichen Kategorien "weiblich/männlich" würde daran nullkommanichts ändern.

Es ist mir mit dem bisserl Text hier nicht gelungen, alle Fäden des Knäuels aufzudröseln. Aber vielleicht kann ich ja ein paar Denkanstösse liefern.

eulen nach athen 06.10.2011 | 21:58

das ist doch alles nichts neues. denkanstöße? vielleicht für leute, die sich damit noch nie beschäftigt haben. dass sie das für denkanstöße halten, sagt einiges über ihr eigenes denken.

und das wichtigste fehlt: wir leben in einer opferkultur. der opferstatus garantiert förderung, mitleid, reparation, moralische unantastbarkeit u.v.m. wer erst einmal als opfer anerkannt ist, kann auf zahlreiche zuwendungen hoffen.

darum sind frauen auch daran interessiert, ihren opferstatus aufrecht zu erhalten. und darum verharren sie klagend in passivität und perpetuieren die verhältnisse.

wer behandelt denn männliche und weibliche säuglinge unterschiedlich? das sind doch in erster linie die bezugspersonen: die mütter. nur mal so als denkanstoß!

claudia 07.10.2011 | 09:15

>>…das ist doch alles nichts neues.
Ja klar. Ich hab mir das nicht gestern mal eben schnell ausgedacht.

>>…wer behandelt denn männliche und weibliche säuglinge unterschiedlich?
Väter und Mütter, nach meiner Erfahrung. Die Entwicklung ist übrigens nicht mit dem Säuglingsalter abgeschlossen. Im Wesentlichen beginnt die Verhaltenskonditionierung erst danach.

Die Meinung, dass mit so einen platten Aussage alles schon erledigt sei deutet eben daruf hin, dass man sich nicht mit der Realität auseinander setzen mag:
>>Klar, in einer Gesellschaft, in der das Geschlecht wurscht ist, sind natürlich auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für alle Menschen
Die Abschaffung des amtlichen Geschlechtes wurde vor ca. 10 Jahren mal unter intersexuellen Menschen diskutiert. Mittlerweile wird das dort nicht mehr als wichtig angesehen. Andere haben sich dessen bemächtigt, immer den speziellen Interessenshintergründen. Die Piraten können es ja übernehmen. Aber gleich als „Lösung aller Probleme“ anpreisen: Das ist einfach zallzu blauäugig, um ernstgenommen zu werden.

>>wir leben in einer opferkultur.
Na ja, je mehr man hat, um so mehr jammert man auch.
Deswegen sind ja Opfer ihrer eigenen Finanzspekulationen die am meisten Hilfebedürftigen.
Ansonsten habe ich von einer „Opferkultur“ noch nicht viel gemerkt. „Opferkultur“ dürfte eine reine Oberschichtmacke sein. Bezogen auf die Gesamtgesellschaft ist „Opferkultur“ sehr erklärungsbedürftig.
Mit dem burgeoisen Feminismus, das heisst geschlechtsbezogenen „Palastrevolutionen“, habe ich übrigens nichts am Hut. Das könnt Ihr unter Euch ausmachen.

Red Bavarian 07.10.2011 | 15:16

@eulen nach athen: Menschen werden geschlechterdualistisch schon eingeteilt, eh dass sie sich überhaupt einteilen können. Nämlich spätestens bei der Geburt. Das heißt, mit den heutigen technischen Möglichkeiten schon vor der Geburt. Da können die Eltern im Voraus rosa oder hellblaue Strampelanzüge kaufen, und das Kinderzimmer im Voraus rosa oder hellblau streichen.

Zur "Opferkultur": Das ist so, weil so viele Frauen und Kinder Opfer von männlichen Tätern sind.

@claudia: Ich sehe gerade, dass wir teilweise ähnlich Gedanken unabhängig voneinander formuliert haben.

Ja, das Ganze ist schwer aufzudröseln, weil eine Reihe von Faktoren eine Rolle spielen. Ich halte das real existierende patriarchale Gesellschaftssystem für die primäre Ursache der Geschlechterschwierigkeiten. Die den Menschen inneliegenden Eigenschaften dergestalt nur für sekundär. Deswegen spricht mich der entsprechende Absatz im Piratenprogramm an. Es ist vielmehr geschlechtsindividuell als geschlechtslos. Mir als Genderindivualist fällt es schwer, einen kollektiven Interessengegensatz zwischen Frauen und Männern, der über die faktischen gesellschaftlichen Verhältnisse hinausgeht, zu erkennen. Ich habe kein Wir-Gefühl zu Männern, und im engeren Sinn nicht zu Frauen, sondern mehr ein Gefühl wie ein geschlechtsloses Alien, das baff die antrischen Geschlechterbefindlichkeiten der Menschen betrachtet.

Historisch gesehen ist es so, dass die Frauen immer wieder zusätzlich zum generellen Kampf um einen demokratischen und sozialen Staat einen frauenspezifischen Kampf um Gleichberechtigung zu den Männern führen müssen. Beispielsweise das allgemeine Wahlrecht zuerst nur für Männer, später erst auch für Frauen.

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shalako 07.10.2011 | 15:31

Alles klar zur Wende - parlamentarisch und außerparlamentarisch - national und auch international.

"Tausende Amerikaner besetzen gewaltfrei die Wall Street -- das Zentrum globaler Finanzmacht und Korruption. Die Besetzer sind der neueste Lichtblick einer Bewegung für soziale Gerechtigkeit, die sich wie ein Lauffeuer von Madrid nach Jerusalem und in mehr als 146 weitere Städte ausbreitet. Aber sie brauchen unsere Hilfe, um zu gewinnen.

Einfache Familien bezahlen die Rechnung für eine Finanzkrise, die von korrupten Eliten verursacht wurde. Die Demonstranten fordern nun echte Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Transparenz. Aber die Behörden üben Druck auf sie aus, und gewisse Medien tun sie als Randgruppen ab. Wenn Millionen von uns sie weltweit unterstützen, können wir ihre Entschlossenheit kräftigen und den Medien und Politikern zeigen, dass die Proteste Teil einer riesigen Bewegung sind, die eine breite Basis in der Gesellschaft genießt."

www.avaaz.org/de/the_world_vs_wall_st/?cl=1309630612=10602

eulen nach athen 07.10.2011 | 16:03

@eulen nach athen: Menschen werden geschlechterdualistisch schon eingeteilt, eh dass sie sich überhaupt einteilen können. Nämlich spätestens bei der Geburt. Das heißt, mit den heutigen technischen Möglichkeiten schon vor der Geburt. Da können die Eltern im Voraus rosa oder hellblaue Strampelanzüge kaufen, und das Kinderzimmer im Voraus rosa oder hellblau streichen.



wussten sie eigentlich, dass es unter umständen nachts dunkel wird?

(und, wie fühlt es sich für sie an, wenn ich ihnen per belehrung mitteile, für wie bemittelt ich sie halte? na?)
Lethe 04.11.2011 | 15:18

Es hat sich verkleinert, es ist fast unsichtbar, wie die Frauen in den vordersten Rängen der Piratenpartei. Die sind - das stimmt Kathrin - sie sind auch schon wieder ganz zurückgenommen und still.

sind sie zurückgenommen und still, weil sie von den Männern in der Partei nach hinten geschoben wurden und weil ihnen von den Männern der Mund zugehalten wird, oder sind sie das, weil sie sich Raum und Macht nicht erkämpfen wollen sondern darauf warten, dass ihnen Raum und Macht gewährt wird? Oder hoffen sie darauf, dass es ohne Erwerb und Gebrauch von Macht geht? Dann hoffen sie auf eine neue Spezies, besser noch auf eine neue Natur.

Quote empfinde ich als Beleidigung