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Dieses Bild ist ein Flohmarktfund, der mir sehr gut gefallen hat:

http://kaddinsky.files.wordpress.com/2011/02/kronprinzessin.jpg

Weiß und unbedruckt

Das Bild zeigt "unsere Kronprinzessin" mit ihren Söhnen. Besagte Söhne tragen weiße Kleidchen und stünde nicht auf der Karte, dass es Söhne sind - nicht Töchter - wer käme heute schon auf die Idee, dass dies Jungen sind. Auf eine sehr anschauliche Weise zeigt uns dieses Bild, dass die heute unglaublich starren Kleider-Codierungen für Jungen und Mädchen, die schon in der Babyzeit einsetzen und sich mit jedem weiteren Jahr der Kindheit verschlimmern, eine junge Entwicklung sind. Sind Kinder heute strikt in rosa und hellblau (Babys), beziehungsweise in Pferdchen/Prinzessin und Hubschrauber/Dinosaurier getrennt, so waren sie früher einfach weiß und unbedruckt. Während alle Welt feiert, dass sich die Ungleichheiten der Geschlechter doch längst aufzuheben begännen, dass wir in einer Welt lebten, in der Jungen und Mädchen gleichermaßen alle Türen offenstünden, so zeigt sich an diesem Bild: Auch wenn Frauen um die Jahrhundertwende 1900 mit wesenlich weniger Rechten und Möglichkeiten ausgestattet waren, als Frauen es heute sind, so bleiben die Grenzen zwischen den Geschlechtern erhalten. Fallen die Alten weg, werden Neue konstruiert. Mittels sogenannter "Softskills" zum Beispiel, denn Frauen sind ja viel gefühlvoller und emotionaler, als Männer. Oder eben durch die Kleidung. Eine Anmerkung, die im Kontext eines Muttiblog-Beitrags von Adele in der Mädchenmannschaft alles gut auf einen Punkt brachte, kam von Hannah:

Die Mädchenklamotten musst Du ständig waschen und Dich arg zusammen reißen, Deiner Tochter neben der farblichen Konditionierung nicht auch noch eine Mach-Dich-nicht-schmutzig-Erziehung anzugedeien. Die Jungsklamotten sind hingegen hochgradig gefährlich im Straßenverkehr, auch schon auf Radwegen. So bleibt alles wie es ist: Mädchen lernen sich gesittet zu benehmen und Jungs leben gefährlich.

Denn es wäre naiv, zu denken, dass das bisschen verschiedene Kleidung keinen Effekt auf die psychosoziale Geschlechtsentwicklung hätte. Ganz zu schweigen von der Sozialauslese, die hier betrieben wird: Schöne Unisex-Kleidung für Kinder findet sich nicht bei den Discountern. Die bezahlbare Kinder-Kleidung ist stets codiert, und seien es nur die Puff-Ärmelchen, die einem sonst unauffälligem Shirt noch aufgezwungen wurden. Somit wird gerade jene Klasse der Gesellschaft, die auf bezahlbare Kleidung besonders angewiesen ist, in besonderem Maße von den Discountern, der Werbeindustrie und der Eltern-Medien-Landschaft in die rosa-hellblau-Falle gelockt. Wieder einmal bleibt festzuhalten: Geschlechterdemokratie muss man sich leisten können.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich im privaten Blog von Katrin Rönicke.

Foto: Ferd. Esch/Gustav Liersch & Co.

14:50 08.02.2011
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Geschrieben von

Katrin Rönicke

ich bin... einfach so; ich bin nicht... so einfach
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Katrin Rönicke

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