Katrin Rönicke
09.06.2015 | 12:09 42

Wir machen den Job der Journalisten

Griechenland Das Griechenland-Bild der Deutschen hängt schief. Deswegen geben sich hier lebende Griechen Mühe, ihre Freunde, Bekannten oder Blogleser mit Hintergründen zu versorgen

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Katrin Rönicke

Wir machen den Job der Journalisten

Ein komplexes Thema: Griechenland und die EU

Bild: Dan Kitwood/Getty Images

„Die Deutschen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind immer sehr fair. Was mich aber wundert ist die Art und Weise, wie die Medien drüber berichten. Man merkt, dass gerade online versucht wird, den Stammtisch zu bedienen. Klar geht es da auch viel um Klicks und Werbeeinnahmen, aber ich finde, dass kann doch nicht sein: Eigentlich sollte doch die Qualität des Journalismus‘ im Vordergrund stehen.“

Konstantinos Tzouvaras ist von Beruf Vertriebsmanager, er hat Journalismus nicht studiert und auch nicht vor, den Platz eines Redakteurs in einer großen Zeitung zu besetzen. Aber er fragt sich, wie die dort arbeiten. Wie es möglich ist, dass kurz nach einer neuen Agentur-Meldung schon feste Meinungen und fertige Urteile gebildet sein können. Etwa wenn Griechenlands Finanzminister Varoufakis wieder etwas gesagt hat. Wie kann es sein, fragt sich Konstantinos, dass es dann nur noch darum geht, wer als erstes kommentiert, dass es aber kaum mehr darum geht zu prüfen und zu recherchieren, was der Hintergrund der Aussage war. Niemals würde er deswegen das Wort „Lügenpresse“ benutzen, „es sind auch keine Lügen“, sagt er, „es wird nur nicht zu Ende erzählt“. Ihm fällt auf, dass ausländische Medien in der Vergangenheit deutlich dezenter, differenzierter und auch besser recherchiert über die Lage in Griechenland berichteten, als es die deutschen Berichterstatter taten.

Da wäre zum Beispiel die Sache mit der neuen Regierung: Hat sie in der Presse eine Chance bekommen? Für Konstantinos steht fest, dass es notwendig war, dass neue Leute in seiner Heimat das Ruder übernahmen. Er hadert zwar auch mit dieser Koalition aus Linken und Rechten, aber hier fordert er: „Das muss man auch erklären. Es war die einzige Chance, schnell eine Regierung zu bilden und schnell handeln zu können.“

Mehr erklären, das wünscht er sich. Und mehr faire Vergleiche: Was haben die USA in der Krise gemacht? – „Sie haben investiert“, stellt Konstantinos fest und das müsste in Griechenland eigentlich auch geschehen, stattdessen würde aber harte Sparpolitik verlangt. Und Griechenland bliebe mit seiner kaputten Wirtschaft ein Fass ohne Boden. „Ich möchte gar nicht sagen, dass Griechenland nichts falsch macht. Die haben richtig Bockmist gebaut die letzten Jahre“, aber: „das Thema ist so komplex und schwierig. Man schreibt aber nur: Griechenland dreht Privatisierung zurück. Und dann denkt man als normaler Bürger: Sag mal – wie doof sind eigentlich die Griechen?“ Konstantinos erklärt hingegen, dass es eine gute Begründung für diesen Schritt gibt: „Die wollen das Tafelsilber nicht verschenken. Die verkaufen eben nicht ihre Infrastruktur, wenn es ihnen richtig dreckig geht, denn die sagen sich: Das ist mehr wert, als wir jetzt dafür kriegen würden.“ Klingt logisch – aber wo kann man das lesen? Konstantinos klärt in seinem Umfeld auf. Wenn er mit einem Freund essen geht und bei dem auf dem Display eine Meldung aufploppt, dass Griechenland nun ein Abkommen mit Russland habe, dann weist er darauf hin, dass auch Deutschland ein solches Abkommen mit Russland habe. Und schon klingt die Sache ganz anders.

* * *

„Das nicht funktionierende Programm ist verschärft und verschärft worden.“

Michalis Pantelouris, Halbgrieche, ist Blogger und Journalist. In einem ausführlichen Gespräch für meinen Podcast Erscheinungsraum Ost hat auch er einige Dinge zurecht gerückt. Dafür wurde er fünf Mal geflattert, ansonsten hat er keinen Lohn erhalten. Das Gespräch ging über eine Stunde. Es handelt von der Geschichte Griechenlands, angefangen bei der Diktatur von 1964 bis 1974. Es betrachtet Griechenland nicht isoliert, sondern schaut auch auf Irland, Portugal, Spanien und Zypern, die von der Finanzkrise ähnlich schlimm erwischt wurden. Von diesen Ländern heißt es aus Politikermündern gerne, sie seien „auf einem guten Weg“. Michalis findet aber „auf einem guten Weg heißt nicht, dass es den Menschen gut geht“. „Auf einem guten Weg“ ist vielleicht einfach der Zustand, in dem es dem Land wirtschaftlich gerade so gut geht, dass man es in Deutschland wieder bestens ignorieren kann und dass es uns eben keine Scherereien mehr macht. So wie die meisten osteuropäischen Länder ja auch. „Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als „auf einem guten Weg“, sagt Michalis.

* * *

Anna Goudinoudis ist Halbgriechin wie Michalis. Ihre Großeltern sind in den Sechzigern als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen, leben aber seit etwa zehn Jahren wieder in Griechenland. 2010 hat sie ihr Erasmus-Semester in Politikwissenschaften in Athen verbracht. „Ich will eigentlich kein negatives Bild der griechischen Regierung zeichnen – aber in Griechenland ist schon das Problem, dass die Griechen sehr lange über ihre Verhältnisse gelebt haben“, sagt sie. „Es wurden viele Staatsgeschenke gegeben. Man zahlt keine Studiengebühren und man bekommt Bücher für das Studium kostenlos. Aber wenn das bei uns so üblich wäre, würde auch keiner fragen: Woher kommt denn das Geld.“

Auch für sie ist der Regierungswechsel die einzig logische Konsequenz nach all den Problemen und der jahrelangen Korruption in der politischen Elite gewesen. „Wirtschaft und Politik sind extrem miteinander verwoben gewesen. Die Mechaniken der Demokratie konnten wegen der Korruption gar nicht wirklich wirken.“ Das habe den Staat geschwächt und im Volk auch eine Mentalität begünstigt, sich zu nehmen, was geht: Steuern hinterziehen, Renten für Tote, Schmiergelder allerorten.

Doch auch sie findet, dass die Koalition aus Rechten und Linken der einzige Weg war – eben weil die politischen Eliten einmal ausgetauscht werden mussten.

„In Deutschland meinen sehr viele Leute, ihren Senf dazu geben zu können – sehr oft sehr unreflektiert. Das ist sehr schwierig. Es wird schnell sehr aufgeheizt und populistisch.“

„Dieser negative Unterton, der in der Berichterstattung mitschwingt, der hat oft nicht mehr viel mit neutralem Journalismus zu tun.“ Und das betreffe durch die Bank fast alle großen Medien. Sicher lasse sich im Journalismus eine Meinung nie ganz ausblenden, Objektivität nie voll erreichen. Deshalb ist es ihr ein Anliegen, zumindest in persönlichen Gesprächen ihrem Umfeld auch ‚andere’ Argumente zu liefern. Oder die fragte: „Wer ist an den Fehlern beteiligt, wenn man fünf Jahre lang zuschaut und nichts macht? Wenn man nur eine Troika in das Land schickt, die vom Volk als Schmach empfunden wird und deren Arbeit keinerlei positive Effekte nach sich zieht?“ Anna denkt, dass man nach fünf Jahren eigentlich positive Effekte sehen können müsste. Das Land ist aber immer noch am Boden, das ganze Geld, das hineingepumpt wurde, ist offenbar nutzlos gewesen. Als wenig zuträglich empfindet Anna auch, dass die ganze Debatte ständig personalisiert wird: Varoufakis wird in Deutschland zur Projektionsfläche für allerlei gefühltes Halbwissen, Merkel wird in Griechenland zum Feindbild.

Dennoch bleibt Anna auch hier differenziert: Sie sieht gar nicht so sehr die Fehler bei den deutschen Politikern. Die versuchen ihrer Meinung nach eine legitime Strategie zu verfolgen. Aber genau das, so ergänzt sie, versuchen ja auch die Griechen: Sie sind am Ende und sie wollen ihren Arsch retten. Sie denkt: Keiner weiß eine echte Lösung. Nicht die Griechen. Aber eigentlich würden auch die EU und der IWF ein unrealistisches Ziel verfolgen: So schnell wie möglich das Geld zurück zu bekommen. Ob das realistisch sein kann – die Frage stehe nicht im Raum. Die Schuldenrückzahlung stehe im Vordergrund – eine politische Lösung des Problems sei nicht in Sicht.

Ich sehe mich ein bisschen als Stimme von Griechenland, weil ich finde, dass die von den deutschen Medien sehr klein gehalten wird. So weit ich kann, versuche ich da Aufklärungsarbeit zu leisten.

* * *

Alle drei, Konstantinos, Michalis und Anna haben ihre Freizeit dafür geopfert, sich mit dem Thema Griechenland zu befassen. Sie haben eine andere Perspektive als Halbbetroffene, sie kennen beide Seiten gut. Und sie kommen zu erstaunlich ähnlichen Ergebnissen. So stellen sie unisono infrage, ob die geforderten Reformen wirklich dazu taugen, Griechenland aus dem Tief zu ziehen. In den Medien wird meistens nur kolportiert, dass die Griechen „ihre Hausaufgaben nicht machen“. Anna findet: „Es ist aber keine nachhaltige Lösung, wenn Griechenland beispielsweise die Flughäfen veräußert und in privatwirtschaftliche Hände gibt – nicht in eigene Privatwirtschaft in Griechenland, sondern an ausländische Investoren. Ich bin wirklich keine Expertin für Wirtschaft“, fügt sie hinzu, „aber das kann doch keine nachhaltige Lösung sein.“

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (42)

Rosbaud 09.06.2015 | 17:28

Ich frage mich auch seit geraumer Zeit, woher dieser Hass auf Griechenland kommt. Ist es einer Schuld-und-Sühne-Mentalität geschuldet, spielen unbewusste Schuldgefühle wegen der Vorkommnisse im Zweiten Weltkrieg eine Rolle oder will man bei den Griechen ein marktradikales Exempel statuieren? Jetzt, nach dem Regierungswechsel, wird das Ganze noch gesteigert. Besonders Varoufakis hat man zum Hassobjekt aufgebaut. Wahrscheinlich, weil er den deutschen Austeritätswahn kompetent kritisiert.

Es wäre mir eine große Freude, wenn die griechische Regierung ihren Politikansatz durchsetzen könnte, und so den Marktfundamentalisten, diesen emotionalen Krüppeln, eine Niederlage beibringen würden.

Helke Ellersiek 10.06.2015 | 01:22

Danke, danke und noch mal danke für den Artikel. Es ist echt irre, dass es nicht mehr reicht, eine durchschnittliche deutsche Zeitung zu lesen/ einen Radiosender zu hören/ einen Fernsehsender zu sehen, um ein umfassendes Bild von der griechischen Lage zu bekommen. Michalis bei Facebook und Twitter zu folgen hat mich besser und umfassender informiert als alle Medien, die ich nutze. So, wie es einen Bildblog gibt, braucht es eigentlich einen Griechenland-Berichterstattungsblog, der alle Verdrehungen aller deutschen Medien unabhängig aufgreift. Man hat das Gefühl, dass viele Journalisten keinerlei Legitimationspflicht bei ihrer Kommentierung zu Girechenland fühlen. Es gibt kein organisiertes Korrektiv. Das ist ein großes Problem.

Helmut Eckert 10.06.2015 | 09:16

Meine Familie pflegt ein gutes, ja wunderbares Verhältnis mit einer griechisch-türkischen Familie. Wir erfahren so, fast aus erster Hand, was wirklich geschieht in Griechenland. Die Mutter unserer Bekannten lebt in bitterer Armut. Ihre Altersrente wurde gekürzt. Arzneimittel kann sie sich längst nicht mehr leisten. Ohne die Hilfe ihrer Tochter in Deutschland, würde diese Rentnerin in Griechenland nicht mehr leben. So ergeht es sehr vielen dortigen Menschen. Wenige sind die Nutznießer der Krise. Sie horten Ihre riesigen Vermögen längst in England. Fast, oder ganz steuerfrei und die EU schweigt. Wenn die derzeitige Regierung den Forderungen der Geldgeber nachgeben würde, die soziale Katastrophe würde sich noch viel mehr verstärken. Ab 1945 halfen uns die USA mit dem Marschallplan. Schon vergessen? Wir die damals vor dem Hungertod gerettet wurden, wir alten und Rentner zählen nicht in dieser BRD. Nur als Stimmvieh für die CDU und SPD. Helfen wir nicht in Griechenland, der armen Bevölkerung und nicht nur den Banken und den Reichen, dann wird diese Schande auf uns und unsere Kinder und Enkel zurückfallen. Alles, auch Unmenschlichkeit hat seinen Preis. Wahrlich ich sage euch, der Preis wird sehr hoch sein…….

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Ehemaliger Nutzer 10.06.2015 | 13:08

"Niemals würde er deswegen das Wort „Lügenpresse“ benutzen, „es sind auch keine Lügen“, sagt er, „es wird nur nicht zu Ende erzählt“."

Ist eine Halbwahrheit keine Lüge? Oder eine Verdrehung? Oder die bewusste Implizierung nichtexistenter Fakten?

Presse die sowas macht, sollte man ruhigen Gewissens "Lügenpresse" nennen! Leider ist es nicht nur die Presse.

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Ehemaliger Nutzer 10.06.2015 | 13:20

Die Frage warum deutsche Medienmacher sich so verhalten ist relativ leicht zu verstehen: sie haben mehr Meinung als Ahnung.

Gerade in den Wirtschaftsredaktionen scheint mir eine extreme Unterbelichtung volkswirtschaftlicher Zusammenhänge zu bestehen. Wenn überhaupt vorhanden, dann mit neoklassisch/neoliberaler Prägung (was leider nicht viel besser ist). Verstärkt dadurch, dass die werbemäßig abhängig von den großen deutschen Konzernen sind und Hemmungen haben dürften, z.B. einen Exportüberschuß als Problem zu erkennen oder Lohndumping zu kritisieren.

Außerdem sehen die alles am Wanken, wofür sie sich so schön ins Zeug gelegt haben. Wenn schon Euro und EU zu scheitern drohen, soll gefälligst auch jemand schuld sein!1!! (nur nicht wir, natürlich)

Heinz 10.06.2015 | 18:02

Du rennst hier in der dFC offene Türen ein; ich halte die derzeitige Regierung von Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis für die besseren Europäer, weil sie nicht nur eine Vision für Griechenland haben, sondern für die gesamte EU mit einem Euroraum.

Sollte Griechenland austreten, wird das für andere Staaten zum Dilemma; nicht Griechenland ist das Problem, sondern die neoliberale Politik der EU, allen voran die Berliner ZentralKanzlei.

Helmut Wichlatz 10.06.2015 | 23:01

Liebe Katrin,

schon der Titel deines Artikels ist anmaßend. Warum wird bei diesem Thema und von denen, die was haben wollen, immer alles verdreht? Ihr könnt gar nicht unseren Job machen. Aber wir sollen euren machen, nämlich euch den Hals retten. Wer hat euch über Jahrzehnte in die Sch**** geritten? Genau: Ihr! Wer hat die Korrupten bejubelt, solange sie eure Taschen gefüllt haben? Ihr! Und wer soll jetzt die Suppe auslöffeln, die ihr euch selbst eingbrockt habt? Wir! Ich! Mit meinem hart verdienten Steuergeld. Das soll ich ab jetzt ohne zu fragen nach Athen übeweisen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Denn ändern will Griechenland ja nichts. Die Milliardäre sollen weiter steuerfei davonkommen und die Griechen allgemein bunkern ihr gutes Geld lieber im Ausland. Zur Rettung ihres Landes gibt es ja die doofen Europäer. Damit wollt ihr nichts zu tun haben. Ist das irgendwie "fair" oder "gerecht"? Wieso soll ich bis 70 arbeiten gehen, damit ihr schön weiter auf Kosten anderer Halligall machen könnt. Das, liebe Katrin, ist sicher nicht dein Ernst.


Eure Politiker sind ein Haufen verlotterter Taschenspieler mt einem Benehmen wie billige Hardgeldluden, die den Gong nicht gehört haben. Du vergeudest Lebenszeit und Selbstachtung, wenn du für solche Laiendarsteller in den Ring steigst.

Also jammert nicht herum und zeigt auf andere. Sorgt selbst für eure Zukunft. Schuldenschnitt ok, aber dann wars das. Hellas ohne spürbare Reformen ist ein Fass ohne Boden. Vergiss es.

Viele Grüße,

Helmut

Helmut Wichlatz 10.06.2015 | 23:11

Rosbaud: Wer empfängt seine Gäste, die in Rettungsabsicht kommen, in Naziuniformen am Flughafen? Wer will ein zweites Mal Kriegsentschädigungen, weil die erste Zahlung "spurlos verschwunden" ist? Gegenüber den Griechen empfinden nur dumme Menschen Hass. Deutsche sind nicht dumm. Wir empfinden Mitleid und Unverständnis angesichts dieser verbohrten Halsstarrigkeit. Warum gutes Geld verbrennen, wenn es auf griechischer Seite außer Lamentieren und Drohen und Abblocken nichts gibt?

Hass ist das falsche Wort. Verachtung trifft es vielleicht ...

wahlheimatgr 11.06.2015 | 08:53

Meine Familie lebt seit über 30 Jahren in Griechenland, die Kinder sind hier geboren, aber zum Studieren und Arbeiten jetzt in Deutschland. Auch die deutsche "Qualitäts"presse ist seit Beginn der sog. GR- oder Schulden-Krise zum Boulevard übergelaufen und tatsächlich zur Lügenpresse mutiert. Das jahrzehntelange Spiegel-Abo ist längst gekündigt. Hinterfragend recherchierende Artikel gibt es nur noch bei Portalen/Plattformen wie nachdenkseiten, heise usw.. Umgekehrte Hass-Prediger in der griechischen Lügenpresse in Auswahl und deutscher Übersetzung des gr.blog, einschließlich syriza-nahem avjí.

wahlheimatgr 11.06.2015 | 08:53

Meine Familie lebt seit über 30 Jahren in Griechenland, die Kinder sind hier geboren, aber zum Studieren und Arbeiten jetzt in Deutschland. Auch die deutsche "Qualitäts"presse ist seit Beginn der sog. GR- oder Schulden-Krise zum Boulevard übergelaufen und tatsächlich zur Lügenpresse mutiert. Das jahrzehntelange Spiegel-Abo ist längst gekündigt. Hinterfragend recherchierende Artikel gibt es nur noch bei Portalen/Plattformen wie nachdenkseiten, heise usw.. Umgekehrte Hass-Prediger in der griechischen Lügenpresse in Auswahl und deutscher Übersetzung des gr.blog, einschließlich syriza-nahem avjí.

ed2murrow 11.06.2015 | 09:26

Vielen Dank, Katrin Rönicke, für diesen ganz vorzüglichen Beitrag, den ich verschlungen habe. Als beständiger Reisender zwischen Ländern und Kulturen fällt mir immer wieder auf, wie die Brückenbauer, die Sie zu Wort kommen lassen, gering geschätzt werden.

Deren Zurückhaltung ist zweifach: Wäre die Kritik nicht immer auch eine an die „eigene Heimat“, mit der man sich (doch) verbunden fühlt? Und ist das Lob, das gespendet wird, dann nicht (doch) Zeichen der Entfremdung?

Dass heute Auslandskorrespondenten, sofern sie überhaupt eingesetzt werden, nur noch selten in die Atmosphäre des Gastlandes eintauchen, wird nur bewusst, kennte man die Berichte einer Oriana Fallaci oder eines Tiziano Terzani. So konträr wie anfechtbar diese beiden Florentiner jeweils für sich waren und sich schließlich über die Seiten des Corriere della Sera einen spannenden Schlagabtausch zum Kulturschock des 9/11 lieferten: Beide sind sich bis zum Schluss ihrem Prinzip treu geblieben, ihre Betrachtungen vom Boden und der Kultur ihrer Wahlheimaten aus zu führen.

Diese zeugenschaftliche Authentizität ist das, was eigentlich fremd geworden ist – und damit die Bereitschaft gestiegen, mehr Klischees bis Vorurteilen zu trauen als Feststellungen vor Ort.

Bitte weiter so. Ihr e2m

anne mohnen 11.06.2015 | 11:19

Ihrer These kann ich mich leider nicht anschließen, auch wenn ich es natürlich "Klasse" finde, dass Blogger sich zum Thema zu Wort melden.

Ich lese ständig über die umfassende Misere in Griechenland. Auf die Spur gebracht hat mich die großartige Chrissi Wilkens. Die berichtet, meiner Wahrnehmung nach, bereits seit 2009 umfänglich und beharrlich in unterschiedlichen Zeitungen, Sendanstalten zum Thema "Sozialdrama. Flüchtlingsdrama" etc. Grichenalnd". Z.B. auch BBC bringt brillante Reportagen zum Thema. (...)

Joachim Petrick 11.06.2015 | 14:14


Eigentlich ist die Sache ziemlich einfach. Wenn Griechenland die Werttbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft nicht durch Abwertung einer eigenen Währung verbessern kann, weil Griechenland sich im Währungsverbund des Euros befindet, muss es innerhalb des Euroverbundes Länder geben, die daraus durch immense Handelsbilazüberschüsse, wie Deutschland, unverdienten Nutzen ziehen, weil sie, anders als zuvor mit der eigenen Währung, im Fall Deutschland mit der DM, von den Partnerländern des Weltwährungssystems, den sogenannten getz,äßigkeiten des Weltmarktes, gezwungen wären, ihre Währung aufzuwerten, damit die Unwuchten, die Disparitäten von Handeslbilanzüberschüssen hier, z. B. Deutschland, Handelsbilanzdefiziten da, z, B, Griechenand hinreichend ausgeglichen werden.

D. h., angeischts der Wirklichkeit, dass der Euroverbund sich eine eigene Währungswelt geschaffen hat, die eherne Gesetze des Marktes ausschaltet, erleben wir innerhalb der Eurozone, dass des einen Uhl des anderen Nachtigal ist.

Griechenlands Not bildet Deutschlands u, a. Länder im Euroverbund Nutzen ab, die davon profitieren, dass sie, trotz immens anschwelllender Handelsbilanzüberschüsse, anders als zuvor z. B. mit der DM. von Aufwertungszwängen "verschont" bleiben und

""Hans Guck" in die Luft"

mimen, als hätte das alles an Not in Griechenlands ums tägliche Brot, das Ausbleiben von Wettberbsfähigkeit, mit ihnen nichts zu tun.

Darauf kann kein Segen liegen, schon gar kein währungspolitischer

Die gegenwärtige Art des Umgangs deutscher Mainstream Medien mit der Not Griechenlands erinnert mich an folgende Geschichte:

Auf offener Straße rammt ein Passant einem anderen von hinten sein Messer in den Rücken. Dem Schwerverletzten gelingt es, wider Erwarten, in Panik zu flüchten.

Da brüllt der Gewaltverbrecher laut die Strasse entlang

"Haltet den Dieb, er will sich mit meinem Messer davonmachen!"

anne mohnen 11.06.2015 | 14:30

Liebe Frau Rönicke,

die gefühlten über 1000 Beiträge über Griechenland allein in der dZeit berichten am laufenden Band auch über griechische Ursachen und Perspektiven der Krise: Korruption, Katasterprobleme, Oligarchen etc. Was alle großen deutschen Zeitungen auszeichnet, ist ein dezidiert währungs- und finanzpolitischer Fokus auf die Misere. Das verwundert nicht wirklich, denn all diese (Zeitungen von BILD, dWelt über Handelsblatt, die dZeit, SZ, Spiegel etc.) haben in der Vergangenheit, und sie tun es bis heute, kräftig ins neoliberale Horn geblasen.

Will man sich allerdings über die konkreten sozialen und politischen Auswirkungen der (euphemistisch bezeichneten) Austeritätspolitik informieren, woran ich interessiert bin, muss man seine altgewohnten Lesegewohnheiten verlassen, denn darüber wird im Verhältnis zu oben genannten währungspolitischen Szenarien wenig Konkretes veröffentlicht in diesen Medien. Und so wie ich Ihren Beitrag lese, geht es auch nicht darum, was in Griechenland humanitär los ist. Allein Reuters hat vor ein paar Tagen Alarm geschlagen wegen der humanitären Katastrophe die den Flüchtlingen an Griechenlands Küste droht. Übrigens: In Griechenland erhält kein Flüchtling staatliche Hilfeleistungen (…) Umso zynischer , wenn die deutschebzw. Eu- Asyl- und Flüchtlingspolitik darauf besteht, dass die erstaufnahmeländer die Last zu tragen haben.

Nichtsdestotrotz freue ich mich, wenn Blogger zu Wort kommen und wie Bolle, dass Sie sich wieder zu Wort melden!!“ ;)

Joachim Petrick 11.06.2015 | 16:28

Liebe Frau Mohnen,
anders alls Sie, vermag ich nicht zu erkennen, dass alle großen deutschen Zeitungen ( BILD, dWelt über Handelsblatt, die dZeit, SZ, Spiegel etc.) auszeichnet, einen dezidiert währungs- und finanzpolitischer Fokus auf die Misere in Griechenland zu legen.

Ganz im Gegenteil erscheint mir die Tonlage dieser deutschen Medien verräterisch, wie wenn der Wiolf, seiner Beute gewiss, Kreide frisst.

Wo ist denn die Rede von Unterfütterungen eines solchen Mega- Projekts der Behauptung des Euros als einer Weltleitwährung durch eine Soziale Union in der EU auch nur angedacht, die das an Unwuchten annähernd zu kompensieren vermag, die durch das Verbot vorprogrammiert sind, dass kein Euroland seine Mitlgliedschaft im Euroraum aufkündigen darf?

Das gilt sogar dann, wenn die einen, wie die Exportwirtschaft in Deutschland mit ihren überbordenden Handelsbilanzüberschüssen, asymmetrischen Nutzen aus einem niedrig "gebombten" Euro zieht, ohne dass auch nur ein Ausgleich für jene Länder geplant, geschweige denn als Instrument währungspolitisch im Euro verankert ist, die nur Nachteile aus diesen volkswirtschaftlichen Disparitäten in der Eurozone mit dem Wort vor die Tür gelegt bekommen

"Nun macht mal schön!"

Das Höchste der EU- Gefühle in Brüssel, Berlin, Paris, Rom, Amsterdam, Wien, Madrid, Lissabon ist dann,

"Wir sind doch bei Euch!, habt keine Angst vor der Großen Kreditvolumen Zahl"

wir geben euch Griechen Kredit über Kredit ohne Ende, auch wenn er den nicht in 200 Jahren zurückzahlen könnt.

Man redet in Berlin, Brüssel, Paris, Rom u. u. im "menschelnden" Oberton caritativer Gnade gegenüber Griechenland von Kredit, Ausweitung der Neuverschuldung, unabdinglich gekoppelt mit Reformen, die in Griechenland ein eigenes Thema sind, wo es doch, bei Beachtung von Farness im Weltmarkt der Währungen, nur um Ausgleich der Unwuchten im Währungsraum Euro durch nicht rückzahlbare Zuschüsse, monetäre Rückflüsse durch die Exportländer gehen kann, die aus der gegenwärtigen Eurolage unvermindert Nutzen ziehen.

Davon ist kaum die Rede in deutschen Medien.

Eine Ausnahme war die gestrige Phoenix- Runde mit Frederike Spieker

https://www.phoenix.de/content/970895
"Showdown in Brüssel – Letzte Chance für Tsipras?"
phoenix Runde: Mi. 10.06.15, 22.15 - 23.00 Uhr ; Wdh. Do. 11.06.15, 00.00 - 00.45 Uhr


Ines Arland
Ines Arland (Quelle: phoenix)
Der Druck auf Griechenland nimmt zu, die Zeit drängt. An diesem Mittwoch ist ein Krisentreffen des griechischen Premierministers Alexis Tsipras mit Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande geplant. Die griechische Regierung hat neue Reformvorschläge vorgelegt, die jetzt von den internationalen Geldgebern geprüft werden.

Wie wahrscheinlich ist eine Einigung? Welche Zugeständnisse muss Tsipras machen?

Ines Arland diskutiert in der phoenix Runde u.a. mit:

- Dorothea Siems (Die Welt)
- Ralph Sina (WDR/NDR Brüssel)
- Michalis Pantelouris (Blogger)
- Friederike Spiecker (Wirtschaftswissenschaftlerin)

mymind 11.06.2015 | 16:31

Hallo Frau Rönicke,

es ist leider seit langem so, dass die meisten deutschen Medien zu bestimmten Themen nicht mehr informativ berichten. Ob Ukraine, Naher Osten, Russland oder Griechenland, spiegeln die Artikel vorwiegend die Regierungshaltung wieder.Das ist natürlich für jeden Leser unerträglich, der ein wenig Einblick in die Materie oder den Zuständen in den betreffenden Ländern hat.

Gefühlte 1000Mal habe ich in den vergangenen Monaten gelesen oder von Politikern, Journalisten, & sonstigen Experten gehört, dass die griechische Regierung ´liefern ´müsse. Gleichzeitig wird berichtet, dass Reformvorschläge aus Athen eingereicht worden sind, die in Brüssel & Berlin sofort als nicht ausreichend bewertet wurden. Das wird dann 1:1 von den meisten Journalisten übernommen, der Inhalt der Vorschläge wird selten, wenn überhaupt, dargelegt.

Es ist nachvollziehbar, dass das griechische Finanz- & Austeritätsdesaster ein sehr komplexes Thema ist, dass ohne entsprechende Sach- & Fachkenntnisse nicht zu verstehen ist _ da geht es mir nicht anders als den Journalisten.Deswegen habe ich einen versierten Freund ausgefragt, der mir bereits vor Monaten seine Einschätzung gab, dass die Austeritätspolitik komplett gescheitert ist & es keinen vernünftigen Ausweg gibt, der Schuldenschnitt unausweichlich ist. Wenn das so ist, was ja hier & dort auch andere Experten sagen, dann hat diese monatelange Verhandlungstaktik der EU keinerlei konstruktive Elemente sondern dient allein zur Zermürbung der Syriza-Regierung. Dabei machen leider die Medien & Politiker mehrheitlich mit & gehen sogar über das Bashing der Athener Regierung hinaus.Bei manch eine Darstellung über die Griechen, die kaum oder gar nicht arbeiten aber fett Knete kassieren, ständig Party machen & über ihre Verhältnisse leben, könnte man annehmen, dass dort bis zur Wirtschaftskrise das Paradies auf Erden war.

Solche & noch dämlichere Sprüche höre ich immer öfter auch in meinem Freundes- & Kollegenkreis. Dabei stelle ich ebenso fest, dass sie festgezurrt sind , kein Zugang mit Argumenten, warum die Krise immer weiter eskalierte, möglich ist. Das Empfinden dominiert, dass die Deutschen bereits genug gezahlt haben, was ja so nicht stimmt aber nicht weiter zum Nachdenken anregt. Bedauerlicher Weise gibt es bei weitem keine Aufregung, dass die Deutschen die Kriegstreiber in Kiev finanziell unterstützen _ das ist echt crazy…

Jom 11.06.2015 | 22:40

Ab 1945 halfen uns die USA mit dem Marschallplan. Schon vergessen?

Den Marschallpan für GR gab es schon, mehrfach. Es sind hunderte Milliarden an Rettungsschirmen, Subventionen und Strukturhilfen geflossen. Es hat nichts genützt. Man hat jahrelang weitergemacht nach dem Motto: andere sollen zahlen.

Möglicherweise ändert GR sein Geschäftsmodell erst, wenn es mit der alten Drachme zu alter "Größe" zurückgekehrt ist.
Und nein, es gibt keine Schande, die auf meine zukünftigen Kinder und Enkel zurückfallen wird. Diese Hose muß sich Syriza anziehen.

Richard Zietz 12.06.2015 | 09:37

Ob Deutsche, Sonstwoher oder Griechen: Ich denke, wir weniger zugeknöpften, kosmopolitisch orientierten Leute stecken mit in dieser Malaise. Wie in Europa leben, wie es kulturell mit Inhalt füllen, mit menschlichen Bindungen angesichts des Scherbenhaufens, den Politik und Banken – also die vorgeblichen, wahren und einzigen »Mustereuropäer« – dort veranstaltet haben?

Ja – alternative Informationen sind bitter vonnöten. Um mich nicht zu wiederholen, verweise ich an der Stelle auf meinen Kommentar zum Beitrag über den aktuellen Stand der Verhandlungen.

Hjoburg 12.06.2015 | 10:34

Alleine die Frage, von vielen, man verstehe nicht,, warum es so eine negative Stimmung gibt? Diese Frage kann doch nun wirklich nicht Ernst gemeint sein? Wem gehören in Deutschland die sog. Medien auch die sog. Qualitäts Medien? Ein paar wenigen privaten Oligarchen.

Warum werden immer wieder von der Merheit dieselben gewählt, die bisher für Hartz IV und Co. verantwortlichen waren und sind? Wer die Meinungshoheit in diesem Land hat bestimmt wer? Ohne die Medien, wären die Herrschenden doch schon lange nicht mehr Mehrheitsfähig.

Deshalb erübrigt sich die Frage wieso, viele in Deutschland ein so negatives Bild von Griechenland und Europa im allgemeinen und seinen Represäntanten haben? Mit der Medienmacht der Herrschenden in Deutschland konnte man auch den KosovoKrieg beginnen Ohne die Medien wäre das nie möglich gewesen? Ein Bundespräsident ist in Deutschland wegen eines "Bobbycars" gestürzt worden? Das wäre ohne die Medien nicht möglich gewesen. Der Irak Krieg, basierten alles auf Lügen. Jetzt wird wieder ein Feindbild in den Medien aufgebaut, Russland.

Es ist bezeichnend, Griechenland als das kleinste Land in der EU, mit gerade einmal einem BIP von 2,5% als Hauptschuldigen darzustellen. Griechenland ist mitnichten, für die Krise alleine verantwortllich. Erstens waren es die einseitigen und dilletantischen europäischen Verträge. Denn eine Währungsunion ohne eine gmeinsame Fiskal, Steuer und Sozial und konnte, kann und sollte nicht funktionieren. Das wussten die Verantwortlichen. Kaum war der Euro da, baute Deutschland den größten Niedriglohnsektor in Europa auf? Denn ohne eigene Währung der Nachbarn, konnte Deutschland alles niederkonkurrieren, denn die anderen Länder konnten sich ohne eigene Währung nicht mehr wehren.

Mal will in Europa sämtliche soziales abbauen, so wie in den USA, um mit der sog. dritten Welt konkurrieren zu können. Das geht eben nur in der Krise.

Zweitens, folgte deshalb auch die Dergulierung der Finanzmärkte im zweiten Schritt, in deren Folgen es erst möglich wurde, sich so exzessive an den Finanzmärkten zu verspekulieren. Dann wurden Banken die sich verspekuliert haben, durch die Steuerzahler gerettet, und so wurde über Nacht aus einer Finanzkrise eine Staatschuldenkrise? Die angeblichen Hilfsgelder, bekommen doch in über 95% nicht Griechenland und die Griechen, sondern die Gläubiger, und das sind vornehmlich Deutsche, Französische Englische und andere Internationale Banken.

Und wie viele in Deutschland wissen eigentlich, dass die Krise Deutschland in den letzten Jahren Zinsersparnisse von mehr als 80 Milliarden erbracht hat? Deshalb auch die schwarze Null, Deutschland verdient noch an der Krise der Schwächsten im Euroraum. Müsste Deutschland bei einem Aussscheiden Griechenlands zahlen, dann hätte Deutschland noch immer einen "fragwürdigen Gewinn" von ca. 3 Milliarden erziehlt?

Richard Zietz 12.06.2015 | 11:34

»Mal will in Europa sämtliche soziales abbauen, so wie in den USA, um mit der sog. dritten Welt konkurrieren zu können.«

Halte ich in der Tat für einen wesentlichen Aspekt. Nur wird es nicht so kommen.

Das »Konkurrieren« wird zwar auf irgendeinem Level weiter funktionieren. Allerdings um den Preis, dass sich auch in den westlichen Industrienationen in der Breite Dritte-Welt-Verhältnisse einziehen. Tendenziell lässt sich dieser Prozess sehr gut am Beispiel Griechenland beobachten. Ebenso an den restlichen Rändern dies- und jenseits der Imperiumsmauer: den südosteuropäischen Problemstaaten, der erweiterten europäischen Zone (Ukraine) und weiten, nicht so klar definierten Terrains. Doch auch die prosperierenden Zentren beinhalten immer flächendeckendere, immer weiter ausfransende Zonen von Armut und Elend. Letztendlich wird es auf eine neoliberale One World hinauslaufen: Mehr oder weniger dichtgesprenkelte Sicherheits- und Wohlstandszonen für eine Minderheit, daneben die Terrains der im Abstieg Befindlichen, der Abgehängten und Parias.

Mit in der Prognose enthalten: Sämtliche Erscheinungen, die eine derartige Welt der Ungleichheit zu bieten vermag.

namreH 13.06.2015 | 17:05

In der heutigen Ausgabe der FR darf Stefan Hebel "aternativ" schreiben......lesenswert; aber das ist wohl die einzige "Schwalbe", die bekanntlich keinen Frühling macht. Und dabei geht doch der Frühling bald zu Ende!

Leitartikel FRANKFURTER RUNDSCHAU » POLITIK » MEINUNG » LEITARTIKELGRIECHENLANDLEITARTIKELGut genervt, TsiprasVon Stephan Hebel |

Mit ihrem Widerstand gegen die bisher praktizierte „Eurorettung“ trifft die griechische Regierung tatsächlich einen Nerv: Sie stellt die Politik des marktkonformen Syndikats infrage. Mehr...

Fotostrecke: Das griechische Drama in Bildern

anne mohnen 14.06.2015 | 17:18

Lieber Herr Petrick,

Sie laufen wie so oft bei mir "offene Türen ein."

Ich beziehe mich auf den Beitrag von Frau Rönicke und die Behauptung „Wir (Blogger) machen den Job der Journalisten“ (…) und „die“/genau „er keinen Lohn dafür erhält“.

Ich gebe Ihnen recht, dass die Berichterstattung der von mir zitierten Presse nicht nur nicht durchweg selbstkritisch ist, sondern liefere doch auch den Grund dafür mit: „neoliberal“! Und ja, die Syriza-Regierung wurde bereits als „Versager“ an die Wand gemalt, bevor sie überhaupt durchstarten konnten.

Aber sorry: „„Ich will eigentlich kein negatives Bild der griechischen Regierung zeichnen – aber in Griechenland ist schon das Problem, dass die Griechen sehr lange über ihre Verhältnisse gelebt haben“, sagt sie. „Es wurden viele Staatsgeschenke gegeben. Man zahlt keine Studiengebühren und man bekommt Bücher für das Studium kostenlos. Aber wenn das bei uns so üblich wäre, würde auch keiner fragen: Woher kommt denn das Geld.“( Haben Sie das überlesen? (Das kann natürlich nicht bei Springer stehen, sag ich jetzt mal zynisch, denn, wenn der deutsche gehobene Mittelstand sozialistisch ist, dann beim Protest gegen Studiengebühren))

Diese Analyse müsste Se doch auch beschäftigen: „Auch für sie ist der Regierungswechsel die einzig logische Konsequenz nach all den Problemen und der jahrelangen Korruption in der politischen Elite gewesen. „Wirtschaft und Politik sind extrem miteinander verwoben gewesen. Die Mechaniken der Demokratie konnten wegen der Korruption gar nicht wirklich wirken.“ Das habe den Staat geschwächt und im Volk auch eine Mentalität begünstigt, sich zu nehmen, was geht: Steuern hinterziehen, Renten für Tote, Schmiergelder allerorten.“ Hier wird Ursache und Wirkung verwechselt bei der Frage nach den Hoheitsfunktionen des Staates und der Akzeptanz durch die Bürger. Leider ist das aber auch kein Thema in den Zeitungen. Dazu gehörte dann auch die Analyse, warum in Griechenland diese das moderne Griechenland kennzeichnende Distanz zum Staat herrührt (mir fällt da eine Menge zu ein: z.B. u.a. Militärjunta etc.).

Das Thema „Hoheitsfunktionen des Staates „gehört auf die EU-Agenda, nicht nur, weil es darüber in der EU wegen der unterschiedlichen Historie der Mitgliedstaaten sehr unterschiedliche Meinungen gibt, sondern weil die Globalisierung die alten Nationalstaatsidee überrollt ( Nation (Ökonomie/Recht)). Bereits an dem kleinen Griechenland 8mit der Dimension eines Bundeslandes wie Hessen), zeigt sich doch, wie notwendig solche Debatten wären. Zurzeit reibt man sich rückwärtsgewandt an dem Themen: Subsidiarität Ja7oder neune und weit sollte die gehen (…)

Doch zurück zu meiner kleinen Anmerkung an den Rönicke-Beitrag. Mich beeindruckt zutiefst an den Griechen die Solidarität, die untereinander geübt wird. Darüber wird aus guten Gründen hierzulande wenig den großen Medien wenig berichtet.

LG, am

namreH 14.06.2015 | 22:39

Ich verfolge nun wirklich die Berichte über Grichenland seit der Wahl im Januar (siehe meine Beiträge "Die 2. Chance" Teil 1-4), aber einen echt fairen Artikel habe ich in den "Qualitätsmedien" nicht gefunden bis zum heutigen Tag. (Vielleicht ist es hart für die FR , wenn ich sie nicht zu den "Qualitätsmedien" rechne - siehe meinen obigen Kommentar zu Stafan Hebel dort, der aber auch dort recht singulär war)

Und siehe da: Heute erscheint er doch tatsächlich bei ZEIT-Online: http://www.zeit.de/2015/22/griechenland-eurokrise-souveraenitaet

Vom Euro erschlagen

Alle prügeln auf Griechenland ein. Die linke Regierung soll endlich einknicken, damit es mit Europa wieder aufwärtsgeht. Diese Rechnung kann nicht stimmenVON THOMAS ASSHEUER

Allerings gibt es auch gleich - neben wenigen verständnisvollen - sofort auch eine Fülle unsäglicher Kommentare. Für mich eine Frucht der durchgängigen Hetze gegen Griechenland, die bei vielen Lesern auch dieser Zeitung inzwischen internalisiert ist.