Katrin Rönicke
07.04.2011 | 08:00 66

Wir sind das Netz

Alpha-Surferinnen Ohne es zu wollen, bestärken Männer wie Frauen den Mythos, das Internet sei ein digitaler Männerspielplatz. Angewandte Heldinnenforschung kann das ändern. Ein Vorschlag

Unser Handeln und Denken wird in hohem Maße von den Erwartungen bestimmt, die wir haben. Erwartungen wiederum sind eine Folge unserer Erfahrungen. Unterbewusst und schnell greift unser Gedächtnis auf sie zurück, und so kann ich beispielsweise diesen Text in einem Affentempo wegtippen. Mein Gehirn weiß, wie die Tasten auf der Tastatur angeordnet sind. Genauso automatisch wie das Tippen laufen Sortierungen in unserem Kopf ab – kurz: unser Schubladendenken. Wir merken oft gar nicht, wenn wir Männer für die besseren Naturwissenschaftler halten oder glauben, dass Frauen schlechter einparken.

In Deutschland ist der stereotype Blogger ein Mann. Er ist weiß, um die 40 Jahre alt und bloggt über „harte“ Themen wie Politik oder Technik. Spreeblick, Netzpolitik und Bildblog stehen repräsentativ dafür. Alles tolle Blogs, keine Frage. Warum aber sind Blogs von Frauen durch die Bank weniger präsent? Warum werden sie weniger verlinkt und fahren längst nicht so viele Einnahmen ein wie die so genannten Alpha-Blogger? Und warum kommen uns Blogs zu „Frauenthemen“ weniger wichtig vor?

Es ist unser Assoziationsgedächtnis, das uns einen Strich durch die Rechnung macht: Begriffe, die ständig zusammen gedacht werden wie „Politik und Männer“, „Mode und Frauen“ oder „Frauen und Gedöns“ sind nur mit viel Mühe umzusortieren. Es ist Gewohnheit, die uns auf die Alpha-Blogs führt, wenn wir Politisches lesen wollen. Man könnte auch sagen: Faulheit.

Netzhabitus – ein männliches Spiel?

Nicht nur die Seite des Empfängers führt in der Internetgesellschaft zu einem Ungleichgewicht in der Sichtbarkeit. Auch die Akteursseite, die Sender, haben an der Produktion von Stereotypen teil: Friedfertigkeit, Genügsamkeit und Zurückhaltung gelten als typisch weiblich und sind im Verhalten von Frauen deutlich häufiger zu finden als bei Männern.

Je weiter die Forschung über Ursachen und Wirkungen der Trennung der Geschlechter im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben voranschreitet, desto mehr reift die Erkenntnis, dass wir es mit starken sozialisatorischen Kräften zu tun haben, die ein Baby vom ersten Schrei an auf eine geschlechtliche Rolle festlegen. Diese Rollen führen dazu, dass Frauen und Männer unterschiedlich stark in Wettkampfsituationen auftreten.

Die Währung des Internets ist Aufmerksamkeit. Wer steht auf Platz 1 der Blogrankings? Wer wird im Fernsehen, Radio und in den „wichtigsten“ Online-Medien zitiert oder interviewt? Wer wird von anderen am häufigsten verlinkt? Und wer darf auf den jährlichen Blogosphären-Stelldicheins reden? Das alles sind Wettkampfsituationen. Natürlich: Hier geht es um nichts Geringeres als um das alte Gerangel um Macht und Deutungshoheiten. Ein Spiel, dessen Regeln Frauen oft nicht so gut beherrschen und manchmal auch nicht beherrschen wollen.

Die „feinen Unterschiede“ zwischen Alpha- und Beta-BloggerInnen entstehen durch einen ganz bestimmten Verhaltenskodex, einen Netz-Habitus, der beherrscht werden will, wenn die monatliche Auszahlung der Aufmerksamkeits-Dividende zufriedenstellend ausfallen soll. Von „Gamma-BloggerInnen“ mal ganz zu schweigen – oder davon, dass Bloggen an sich schon ein recht großes kulturelles Kapital voraussetzt.

Raus aus den Schubladen!Das gilt überall

Nicht nur online sind Frauen weniger sichtbar. Eine umfassende Medien-Studie der Freien Universität Berlin und der Universität Lüneburg hat gezeigt: Nicht einmal jede fünfte Person aus Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft, über die in ausgewählten repräsentativen Medien zwischen April und September 2008 berichtet wurde, war weiblich. Gemessen an ihrem Anteil in den betrachteten Berufsgruppen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. In der Studie kam zudem heraus, dass bei den wenigen Frauen, über die berichtet wurde, der professionelle Status eine untergeordnete Rolle spielte, wohingegen Profession und Männlichkeit in der medialen Darstellung geradezu verschmelzen. So schrieb etwa die Süddeutsche Zeitung „Sakko weg, Krawatte locker, Ärmel hoch. Und dann geht’s los. Frank-Walter Steinmeier brüllt fast vom ersten Wort an in den Saal“ über den einstigen Vizekanzler. Ministerin Gesine Schwan hingegen wird als „die schlanke, hochgewachsene Dame mit dem Lockenkopf, im blutroten Kostüm, schwarzen, hochhackigen Pumps und filigranen Perlenbällchen an den Ohren“ dargestellt.

Gewohnheit und Faulheit sind unsere ärgsten Feinde, wenn wir nach einer bunteren, vielfältigeren und eben auch weiblicheren Blogosphäre streben. Der Wille allein, Stereotype zu ändern, macht uns noch nicht zu Menschen, die jenseits von Stereotypen denken und handeln. Dennoch ist der erste und mit Sicherheit wichtigste Schritt, sie uns bewusst zu machen. Vielleicht ist es auch der schwerste. Unser Assoziationsgedächtnis arbeitet ja unbewusst und automatisch.

Dazu kommt, dass keiner sich selbst gerne als „Arschloch“ sieht. Wenn uns jemand den Spiegel vorhält und uns zeigt, dass wir andere diskriminieren, wird sich alles in uns gegen diese Unterstellung wehren. Wir sind doch die Guten und kämpfen gegen das Böse!

Auf der Blogkonferenz re:publica 2009 war die Frauenquote unter den Vortragenden miserabel. Fast noch schlimmer war aber die Tatsache, dass alle deutschen Bloggerinnen an einen Katzentisch in Form eines Workshops mit dem Titel „Wenn Frauen bloggen“ gesetzt wurden, anstatt – wie die Männer – ein eigenes Panel pro Thema zu erhalten. Kaum eine hat sich dagegen gewehrt. Sich durchsetzen, die Stimme erheben, lautstark den eigenen Standpunkt vertreten – viele Frauen haben nicht gelernt, dass diese „Künste“ unglaublich wertvoll und wichtig sind. Nicht nur, dass solche Verhaltensweisen von Frauen oft als vermeidenswert und unangenehm betrachtet werden; Frauen, die sich selbstverständlich stark verhalten, werden als sozial inkompetent abgestempelt – von Männern wie Frauen gleichermaßen.

So geht das:Schafft digitale Vorbilder

Dagegen, so „Schubladen“-Forscher und Sozialpsychologe Jens Förster von der Universität Amsterdam, helfen nur Vorbilder. Eine einzelne Frau im Männer-Reigen reiche allerdings nicht – sie würde als „Ausnahme“ klassifiziert. Viele müssten es sein – viele digitale Vorbilder.

Wir müssen aber noch einen Schritt weitergehen: Wir müssen die schon existierenden Vorbilder verstärken. All jene Frauen, die klug, intelligent, pointiert, interessant, anders und herzerwärmend bloggen, müssen auch durch uns lauter, sichtbarer und präsenter werden – sonst gehen sie wie die Spitzenfrauen in den herkömmlichen Medien unter. Um es mit den Worten der Herausgeberinnen der Missy zu formulieren: Wenn die digitale Gesellschaft ein Spielplatz ist, „dann sind 80 Prozent dieses Spielplatzes ohnehin schon von Jungs besetzt“. Und „weil wir keine Lust haben, ihnen immer nur beim Spielen zuzusehen, bringen wir jetzt also unser eigenes Gummitwist mit.“ Das Missy Magazine ist die Antwort auf Spex, Intro und Co – die die Popkultur-Szene bisher dominierten. In der digitalen Welt sind Blogs wie maedchenmannschaft.net eine Antwort auf Netzpolitik, Spreeblick und Co.

Wer das Verlernen lernt, ist klar im Vorteil

Seit dem Jahr 2009 hat sich viel bewegt: Noch auf besagter re:publica wurde der Beschluss gefasst, Frauen stärker zu vernetzen. Es gründete sich die „Girl on Web Society“, die Bloggerinnen aus dem deutschsprachigen Raum zusammenführt – online wie offline. Das Projekt girlscanblog.org von Annina Luzie Schmid stellt in regelmäßigen Abständen tolle Blogs von Frauen vor.

Alle Beteiligten müssen sich enorm anstrengen, ihre festgefahrenen Bewertungen umzucodieren. Stereotype und Vorurteile zu verlernen, ist ein langer und schwerer Prozess – erst recht, wenn man seinem Gegenüber nie real, sondern nur digital gegenübersteht. Quoten, gezieltes Heben von verborgenen Schätzen und direkte Vernetzung der mächtigen mit den unsichtbaren Akteuren sind drei wichtige Bausteine auf dem Weg zur digitalen Vielfalt. Machen wir uns auf.

"Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt", heißt das Motto des Berliner Medienkongress von taz und Freitag. Alle Infos gibt es hier:

Kommentare (66)

elv 07.04.2011 | 12:09

Schöner Artikel und endlich auch mal ein Text, der nicht verzickt aggressiv klingt sondern wirklich zum nachdenken anregt.

Ich habe auch gerade das Projekt www.yummygeeks.de gestartet und wir wollen dort auch die Mädels aktivieren ihre Technik- und Internetvorlieben zu diskutieren. Klar geht es auch mal um Girlythemen, aber das eine schließt das andere bei uns nicht aus.

Danke für den Text, der wird in unsere Linktipps der Woche wandern!

Michael B 07.04.2011 | 12:52

Das ist eben das Problem mit Stereotypen: Man kann schlecht darüber schreiben und ihnen gleichzeitig entkommen. Beispiel: Dass Frauen grundsätzlich friedfertiger und genügsamer wären, halte ich für falsch. (Die Wissenschaft gibt diese Pauschalaussage einfach nicht her. Aber das nur nebenbei - zur Sache.)

Halten wir uns damit also nicht auf, wir wollen ja die von Frauen geschaffenen Medien im Internet etablieren. Und zwar quer über alle Themen. Wo fangen wir damit an? Na im eigenen Kopf. Also schnell auf maedchenmannschaft.net/ gesurft, Alternativen zu Spreeblick sind ja immer begrüßenswert. Und ich muss sagen: mir gefällt es nicht. Die Themenwahl sieht aus wie eine Mischung aus Brigitte und Flugblatt. Die Artikel sind durchweg in Gender-Neusprech verfasst und die Aufmachung in dezentem Pink (#A90060) gefällt mir auch nicht.

Warum bitte sollte ich als Mann ein von Frauen verfasstes Blog lesen, wenn es sich doch wieder nur die alten Stereotypen durch seine eigenen ersetzt? (Und wenn schon die Farbwahl einen spüren lässt, dass man als Leser hier nicht erwünscht ist?)

Auf girlscanblog.org/ kommt da besser weg. Die dort erwähnten Blogs über Mode, Alltag und Kultur sind abschnittsweise doch lesenswert. Aber auch hier bloggt niemand über Politik, Informatik oder Computerspiele. Schade.

Dynamo 07.04.2011 | 13:00

Liebe Katrin Rönicke,

vielen Dank für diesen klaren Artikel. Folgende Überlegungen meinerseits:

1. Frauen setzen natürlich auch ihre Meinung durch. Jedoch tun sie dies eventuell auf andere Art und Weise, als Männer.

2. Warum sollte die "männliche Kultur" immer noch als Benchmark gelten? Wenn wir anders disputieren, dann ist das eben so. Wir müssen Nichts nach machen, wir sind unser eigenes Original! Wenn Frauen aggressive Auseinandersetzungen meiden, dann dürfen sie das... Machtgedöns ist nicht unser Ding? Dann ist dem so, basta...

3. Wir sollten also für die Vielfalt unserer Eigenschaften Eigenmarketing betreiben, uns von Misogynie deutlich distanzieren und unser Ding machen.

4. Wieso heißen eigentlich Alphabloggerinnen/ Blogs immer noch GIRLScanblog, GIRL on web und MISSY Magazine? Ist es wirklich so schwierig, "Frau" zu bewerben? Müssen wir uns denn schon wieder so niedlich machen und warum? Werden wir dann schon wieder nicht "gemocht"?

Beste Grüße und noch einen sonnigen Tag!

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Ehemaliger Nutzer 07.04.2011 | 13:15

Sehr interessanter Text. Im offenen Community Bereich sehe ich den Sinn von Quotierung nicht. Die Diskussion haben wir ja gerade eben in der Community hier. Würde mich interessieren, wo und wie Sie eine Quotierung sehen.

"Frauen, die sich selbstverständlich stark verhalten, werden als sozial inkompetent abgestempelt – von Männern wie Frauen gleichermaßen."

Quod erat demonstrandum
www.freitag.de/community/blogs/calvani/der-freitag-und-die-frauenquote

zeitrafferin 07.04.2011 | 15:38

Steffen, ich weiß nicht, warum du mich angreifen musst. Ich diskutiere gerade sehr zurückgezogen und unpolemisch. Obwohl ich ein Mensch bin, dem "männliche" Kommunikationsformen vorgeworfen werden, der weiß, wie man Macht ausübt. (weil ich es in meiner Zeit in Grünen-Gremien und in meinem Lebensweg an sich gelernt habe)

Es wurde geschrieben

"Frauen, die sich selbstverständlich stark verhalten, werden als sozial inkompetent abgestempelt – von Männern wie Frauen gleichermaßen"

Das passiert mir ständig. Vielleicht auch, weil ich manchmal wirklich mich aufrege. Aber gerade in der Frauenpolitik wurde ich von anderen Frauen belästert und runtergemacht. Und von Frau Lila, ja, von der werde ich auch unsichtbar gemacht.

Zum Glück habe ich das Glück, dass mich Leute anerkennen. Zum Glück habe ich ein schönes Blog, das für sich steht. Inhaltlich und vom Design. Und es ist mitnichten so, dass ich mich machtlos und ausgegrenzt fühle. Sondern lediglich, dass ich mich in den aktuellen frauenpolitischen Diskursen nicht wiederfinde. Das reproduziert sich sehr schön - q.e.d. Frau Lila - im Netz. (Was kann ich dafür?)

Wie gesagt, und nochmal: Wie auch andere hast du mein Statement als Aufmerksamkeitsgeilheit (und ist das in Internetzeiten überhaupt noch schädlich? Und offenbart nicht gerade die Abqualifizierung mit diesem Argument ein strukturelles Problem?) abqualifiziert.

Ich kritisiere das.

Anne Roth 07.04.2011 | 15:41

:)

Unser vielgetrolltes Panel "Das andere Geschlecht" im letzten Jahr bei der re:publica zu genau dem Thema ist auch nicht erwähnt - aber wir könnten es doch positiv sehen: die Lage hat sich insofern verbessert, als es nicht mehr mit drei Klicks zu machen ist, alles zu erwähnen, was dazu gehört. Oder an alle Bloggerinnen zu denken, die in die Blogroll gehören (ich bettele um einen Platz bei der Mädchenmannschaft seit einem Jahr..).

Und dann muss eben manchmal um der Lesbarkeit oder Pointiertheit willen eine Auswahl getroffen werden, und das nehmen wir einfach gelassen hin und drängeln uns dann in den Kommentaren nach Kräften in den Vordergrund ;).

Steffen Kraft 07.04.2011 | 16:10

@zeitrafferin: Habe ich Aufmerksamkeitsgeilheit abqualifiziert? Ich meinte verstanden zu haben, dass es dem Text ebenso wie deinem zweiten Kommentar genau darum geht: dass Frauen sich sichtbarer machen sollen, dass sie also mehr Aufmerksamkeit erzeugen sollen - sowohl für andere als auch für sich. Daran kann ich nichts Schlechtes finden.

Gerade deshalb halte ich es für strategisch ungünstig, ohne Not seinen Ärger auf die Autorin ins Spiel zu bringen, wenn man etwas "zur Sache" schreiben will. Ich zumindest kann von dem Ärger dann das inhaltlich Richtige dann kaum noch abstrahieren - weil ich unsicher bleibe, welche Aussagen dem Ärger und welche der Überzeugung entspringen. Mit anderen Worten: Ich spüre den Wind dann nur noch aus einer Richtung. Und das finde ich schade.

(Eine Ausnahme ist natürlich, wenn der öffentlich gezeigte Ärger eine kommunikative Funktion übernimmt, also Kommunikation auf ein wünschenswertes Ziel hin an- und weitertreibt, wie es in vielen Debatten der Fall ist. Welches könnte das in dieser sein?)

zeitrafferin 07.04.2011 | 16:20

Kritik ist nicht erlaubt. Ein wesentliches Problem.

Ich verstehe mich gut mit der Autorin, das kannst du bei Twitter nachlesen.

Noch einmal: Ich habe lediglich deutlich machen wollen, dass sich Offline-Denkweisen, die ich für nachteilig halte, auch im Netz reproduzieren. Deswegen mein Hinweis auf die aktuellen frauenpolitischen Offline-Diskurse. Und die Erfolgsstrategien für die Sichtbarkeit von Frauen, mit allem, was damit zusammenhängt: Macht am Arbeitsplatz, Macht im Diskurs, Macht/Beziehungen/das Verhältnis "gegenüber" Männern. Und die Disqualifizierung von laut sprechenden Frauen als "unweiblich".

Du hast gesagt: Sieh, wo dein Platz ist, Frau.

Geh mit dieser Kritik um, bitte.

zeitrafferin 07.04.2011 | 16:52

Glaubst du es einem Mann? ;-)

(ich habe nichts anderes gesagt, wusste von dem konkreten Fall allerdings nichts. Ich finde aber: er passt genau in meine Kritik)

Schade finde ich auch, dass meine Kritik ignoriert wird. Du bist da eine Ausnahme, sprangst aber auch nur auf einer verfahrens-Ebene der Autorin bei, was ja, wie ich oben schrieb, nicht nötig ist.

Ich würde gern diskutieren, aber es meldet sich niemand, der mit mir diskutieren möchte, wie wir es hinbekommen, Frauen zu empowern. Wenn ich weiter ignoriert werde, werde ich "hysterisch" (Männer-Frauenruntermachwort) und unsachlich ("Frauen können nicht sachlich sein"). Und rede über Webdesign. Und über Leistung.

Dann könnt ihr mich schön in die Bascha-Mika-Antifeministinnen-Ecke stecken. Platt und blöd.

So, und jetzt bin ich ja langsam etwas ausgerastet :-)

Steffen Kraft 07.04.2011 | 16:56

@zeitrafferin: Ja, deinen Hinweis hatte ich so verstanden - aber nicht, worin der Unterschied zu den Forderungen von Rönickes Text besteht. Willst du darauf hinweisen, dass es eine Kunst ist, sich gleichzeitig durchzusetzen und beliebt zu sein - insbesondere in den aktuellen Geschlechterverhältnissen? Oder ist da noch mehr?

Zum Rest: Die Kritik höre ich, habe meine Haltung dazu ja schon erklärt und eine Frage gestellt.

Steffen Kraft 07.04.2011 | 17:14

@zeitrafferin: "ich habe nichts anderes gesagt, wusste von dem konkreten Fall allerdings nichts"

Hups, habe ich da etwas in deinen Kommentaren übersehen? Na, zumindest diesmal nicht das Augenzwinkern.

Und zur "Verfahrensebene": Ich sehe bisher noch nicht den inhaltlichen Unterschied zu Rönickes Forderungen, von Kritik ganz zu schweigen.

P.S.: Du willst echt mal aufs Podium des "Freitag Salon" wie vor kurzem Bascha Mika? Dann stündest du aber in einer Reihe mit Matthias Mattusek und Henrik Broder.

Ich zweifle zwar, dass der Freitag bald wieder so ein Schaubild über den Feminismus-Diskurs macht: www.freitag.de/pdf-archiv/Schaubild.pdf

Aber das entscheiden die Kolleginnen und Kollegen vom Feuilleton. Kannst ja den Kulturchef Michael Angele auf dem Medienkongress mal fragen: www.freitag.de/community/blogs/medienkongress2011/panel-shitstorm-surfer-trolle-und-andere-nervensaegen

klingnerin 07.04.2011 | 17:18

Liebe Julia, ich habe dich sehr gern in unsere Blogroll aufgenommen. Das Projekt Frau Lila ist gerade mal zarte zwei Wochen alt, da sind Dinge wie unsere Blogroll noch im Aufbau und wir freuen uns über jeden Hinweis auf gute Seiten (auch wenn wir deine Seite natürlich kannten - es braucht eben trotzdem einfach Zeit, bis eine schöne dicke Liste eingepflegt ist).

Gerade wenn ich Mails bekomme, in denen Bloggerinnen schreiben: "Hey, nehmt mich in eure Blogroll auf", freue ich mich darüber. Weil sie eben nicht leise bleiben, sondern sich aktiv vernetzen wollen und an ihrer Sichtbarkeit arbeiten.

zeitrafferin 07.04.2011 | 17:33

Hallo Steffen,
ich werde dann mal sehr hart in meiner Kritik, ok?

Ich habe ein Problem damit, dass Frauen andere Frauen runtermachen. Das wird immer ganz schön ausgeblendet, wenn man über Frauen und Benachteiligungen spricht. Nicht verbal, aber wie ich mit den Beispielen oben zu illustrieren versuchte, auf einer bestimmten unterschwelligen Ebene. Ich habe das bei den Grünen erlebt. Weil ich Männer in Geschlechterpolitik einbeziehen wollte, sagte man über mich "Die macht's ja mit den Männern". Weil ich über Sex sprechen wollte, über Beziehungen, sagte man "die denkt nur an Sex". Man kann sich schön einfach in seinem Frauenraum einrichten und über die Männer schimpfen. Zu Emanzipation wird das m.E. aber nicht führen, weil es auch in der Vergangenheit nicht zu Emanzipation geführt hat. (Warum soll das Netz das ändern? Höchstens doch die Möglichkeit, anonym zu kommunizieren, könnte Emanzipationsfortschritte entzünden)

Nun. Ich habe also ein Problem mit aktuellen Frauenstrukturen, wobei ich hier in erster Linie die bei den Grünen kenne., wo das alles durch Institutionalisierung (und hiermit meine ich nicht die Quote, sondern Gremien) sehr festgefahren ist.

Die Behauptung, dass alles besser wird, wenn "wir Frauen" uns vernetzen, ist vielleicht nicht richtig! Es ist alles nicht so einfach und lustig, und wir sind uns nicht immer alle einig! Und deswegen muss man doch die These, Frauen seien im Netz nicht sichtbar, weil die Alphamänner sie wegdrücken, auch mal hinterfragen!

Frauen und Männer verlangen von Frauen, leise zu sprechen, sich zurückzunehmen, unterwürfig zu sein. Wenn Frauen das nicht machen, ist das eine leichte Möglichkeit für Männer und Frauen, diese Frau runterzumachen, weil ihr Verhalten nicht der Norm entspricht.

Und jetzt bin ich nicht in der Blogroll von diesem Projekt, das sich doch zur Aufgabe gemacht hat, Frauen, die sich mit frauenpolitischen Fragen befassen, zu vernetzen. Ich befasse mich seit 2005, 2006 mit Frauenpolitik und habe hierzu auch schon Ideen formuliert. Ich saß auch mit einer von Frau Lila mal auf einem sehr interessanten Podium zum Thema "Neuer Feminismus". Nur weil ich Frauenpolitik nicht mit dem ständigen Focus auf die Probleme der Frauen mache, sondern nach dem Fehler im Geschlechterverhältnis suche, gehöre ich nicht in diese Blogroll? Weil ich dumm bin? Weil ich agressiv bin und sogar meine besten Freundinnen hart kritisiere? (ich mache das mit Männern genauso, falls du das nicht weisst. Du solltest es aber wissen)

Ich finde es einfach sachlich falsch, dass ich in dieser Blogroll nicht drin bin. bzw: Ich finde, hier reproduziert sich ein Offline-Fehler. Was ist Feminismus heute? Bedeutet das, sich für Frauen einzusetzen? Oder will Feminismus Emanzipation, Stärke, Bewusstwerdung der eigenen Macht? Müssen wir uns in die Jammer-Ecke zurückziehen und mit dem Finger auf die Männer zeigen? Was soll dieses Gelaber von den Alphabloggern? Hätte es mit den Alphabloggern nicht viel schlimmer kommen können? Wäre es nicht vielmehr gut, an die Alphablogger heranzutreten und mit ihnen in den Dialog zu treten? Zum Beispiel bot uns Sascha Lobo bei der taz einen Artikel "Warum ich Feminist" an (er kam dann doch nicht, weil wir Sascha, was ich wirklich bedaure, verärgerten), Markus Beckedahl hatte lange die Emma im Abo, Kathrin Passig, die ja auch immer wieder in solchen Kontexten in Erscheinung tritt, hätte zu dem Thema auch eine Menge beizutragen, und bei Johnny Häusler und Mario Sixtus sind mir keine Sexismen bekannt.

Warum macht man stattdessen ein Blog mit drittklassigem Design und widmet sich da Debatten, die wichtig sind, aber eigentlich wenige außer den Teilnehmenden interessieren (weil sie nicht aktuell sind)?

Frauenräume sind wichtig, wo Frauen bedroht sind, untergebuttert zu werden. Aber bei Diskussionen im Netz? Warum?

Ich will keinen Frauenraum 2.0

Steffen Kraft 07.04.2011 | 18:50

Danke für die Hinweise. Jetzt verstehe ich besser. Neben der Aufnahme in die Blogroll, scheint es dir im Kern hierum zu gehen:

"Die Behauptung, dass alles besser wird, wenn "wir Frauen" uns vernetzen, ist vielleicht nicht richtig!"

Da stimme ich zu, wenn man die Behauptung so versteht, dass Vernetzung reicht, ohne zu akzeptieren, dass Sichtbarkeit nur angenehm ist.

Diese Behauptung finde ich aber im Text nicht, ebenso wie die These, dass Alphablogger die Bloggerinnen wegdrücken; vielmehr sucht der Text den Grund der ungleichen Sichtbarkeit von Männern und Frauen in - sozial vermittelten - Wahrnehmungs- und Verhaltensstrukturen und macht einen Vorschlag, wie die sich ändern ließen.

"Ich will keinen Frauenraum 2.0". Okay, auch wenn ich das von einem Projekt der Gründerinnen der "Männer-Nicht-Hasser"-Mädchenmannschaft nicht erwarte.

Dennnoch ist dir wichtig, anzumerken, dass du nicht auf deren Blogroll stehst, weil du es "sachlich falsch" findest. Und du schreibst zugleich: Ums draufstehen gehe es dir im Grunde nicht. Jetzt einmal nur das Beste unterstellt, nämlich dass sich dieser prima facie Widerspruch sich nicht aus Ärger erklären, muss man also davon ausgehen, dass er einen inhaltlichen Punkt illustrieren soll.

Den kann ich in deinem letzten Kommentar erkennen. Ob die Frau Lila-Leute ihm allerdings widersprechen würden, müssten sie selbst sagen. Ich bezweifle es.

eulen nach athen 07.04.2011 | 20:58

@zeitrafferin
"Frauen und Männer verlangen von Frauen, leise zu sprechen, sich zurückzunehmen, unterwürfig zu sein."

ein altgedienter strohmann und generalisierung. wer genau verlangt das denn z.b von dir? und wie äußert sich das?

"Ich finde es einfach sachlich falsch, dass ich in dieser Blogroll nicht drin bin."

dein sträußchen mit frau lila ist deine angelegenheit.

"Ja, ich finde, Sexismus im Netz muss problematisiert werden."

such dir einfach ganz im sinne von judith bulter ein anderes geschlecht aus.

@Michael B
"Also schnell auf maedchenmannschaft.net/ gesurft, Alternativen zu Spreeblick sind ja immer begrüßenswert."

wenn du diskutiern möchtest, solltest du dich leiber an spreeblick halten. die mädchen moderieren in ihrem rosa blog ganz taff alles weg, was ihnen nicht zustimmt.

@zeitrafferin
"Ich würde gern diskutieren, aber es meldet sich niemand, der mit mir diskutieren möchte, wie wir es hinbekommen, Frauen zu empowern."

frauen müssen sich schon selbst empowern, nicht "sichtbar gemacht WERDEN", sondern sich selbst sichtbar machen.

zeitrafferin 07.04.2011 | 21:03

Lieber Steffen,

es ging mir nicht um deren Blogroll, auch wenn ich da jetzt aufgenommen wurde, wie ich dem einzigen Kommentar zur Sache entnehmen kann.

Ich habe zu der Sache jetzt nochmal mit meiner Mitbewohnerin gesprochen, und die meinte dazu etwas interessantes: Vernetzung muss immer mit einer Tätigkeit verbunden sein. Vernetzung nur um der Vernetzung willen ist leer.

Mein Gedanke, der mir außerdem noch kam, ist: ich ärgere mich so sehr über dieses Projekt, weil es m.E. vergisst, dass Online-Vernetzung aus Offline-Vernetzung resultieren sollte, um mächtig zu sein. Denn auch wenn es Dinge gibt, die ausschließlich online existieren und keine Offline-Entsprechung haben, so ist es doch heute, in den Zeiten des immer um uns seienden Netzes, schon so, dass es etwas blöde ist, von einer Trennung dieser beiden Sphären zu sprechen.

Einschub: Ich finde auch, dass ein Blog ein Abbild des Denkens eines Menschen ist. Auf den Menschen kommt es an, nicht auf das Blog.

Und diese Menschen sollen sich offline vernetzen, dann klappt's auch mit der Online-Sichtbarkeit. Nicht anders herum.

Macht kommt von machen. Nicht vom Wordpress-Blog installieren/konzipieren.

zeitrafferin 07.04.2011 | 21:21

hi eule (mein zweit-lieblingstier)

"ein altgedienter strohmann und generalisierung. wer genau verlangt das denn z.b von dir? und wie äußert sich das?"

Bist in der so genannten "Arbeitswelt" aktiv? Kennst du Hierarchien? Mir ist es zB ganz konkret passiert, dass ich gewarnt wurde, weil ich so "männlich" kommuniziere, dass ich mich in einem anderen Ressort nicht so gut einfinden könne, weil die Frauen da so "weiblich" seien. Das in der taz, woanders ist das sicherlich wesentlich schlimmer. Zum Beispiel in der Frankfurter Börsenwelt, dem krassesten Beispiel von "Kapitalismus"

Extra3- Es geht auch ohne (Frauen)! www.youtube.com/watch?v=3Upv4XsR_wY

Ich wette, dass sich aus nahezu jedem (!) Betrieb derartige Beispiele finden lassen.

Judith Butler ist m.E. keine Theoretikerin, auf der sich zielführend aufbauen lässt, wenn es direkt um Sexismus geht. Ich kann mir kein anderes Geschlecht aussuchen, genauso wie ein Schwarzer sich keine andere Hautfarbe aussuchen kann. Und wenn ich mich als äußerlich erkennbare "Frau" "männlich" - damit meine ich: das, was gesellschaftlich als "männlich" verstanden wird - verhalte, sorgt das für Irritationen. Genauso übrigens Männer, die sich "weiblich" verhalten.

Wie das mit dem Trollmanagement bei mädchenmannschaft ist, weiß ich nicht. Das Design von Spreeblick sagt mir mehr zu. Allerdings will ich das ja nicht bei der mädchenmannschaft oder bei Frau Lila diskutieren, sondern hier. Und ich bin nun mal hier schwer als "Maskulisten-Troll" bezeichenbar, näch?

Zu dem letzten habe ich in meinem vorigen Post was geschrieben. Ich sehe das etwas anders: Frauen müssen in einer patriarchal geprägten Gesellschaft (Beispiel Arbeitswelt, Beispiel mediale Vorbilder) schon ein wenig empowert werden. Und man könnte klugen, mächtigen Offline-Frauen schon Hilfestellung beim Dikskutieren im Netz geben - das ist nämlich nicht trivial. (Kritik kommt zB Online härter rüber, oder: welche Sofftware nutzt man am besten, ... da kann etwas Vernetzung nicht schaden).

Annina Luzie Schmid 07.04.2011 | 21:51

Hallo Michael,

danke erstmal für das - nennen wir es - versteckte Kompliment an GCB. Zwar hast Du recht, dass ich noch keine Frau vorgestellt habe, die über Computerspiele schreibt (würde ich aber wirklich gerne, kennst Du eine?), zu Politik und IT bloggen Frauen aber natürlich auch. Ein paar Beispiele habe ich hier gesammelt: girlsblogtoo.blogspot.com/2011/04/for-german-readers-alpha-surferinnen.html Vielleicht findest Du ja doch noch was? Für neue Vorschläge bin ich immer dankbar, bitte bedenke auch, dass GCB ein Work in Progress ist und in seiner relativ kurzen Existenz natürlich noch nicht das komplette Netz abdecken kann.

In der Hoffnung, dass Du mir als Leser erhalten bleibst, sende ich viele Grüße!

Annina

eulen nach athen 07.04.2011 | 22:23

"Mir ist es zB ganz konkret passiert, dass ich gewarnt wurde, weil ich so "männlich" kommuniziere, dass ich mich in einem anderen Ressort nicht so gut einfinden könne, weil die Frauen da so "weiblich" seien."

da kommen wir der sache schon näher: es ist dir passiert. und es passiert sicher auch anderen. wieder anderen passiert es nie. deine erfahrung legitimiert deine behauptung von oben nicht: "Frauen und Männer verlangen von Frauen, leise zu sprechen, sich zurückzunehmen, unterwürfig zu sein." generalisierendes von sich auf andere / alle schließen.

"Das in der taz, woanders ist das sicherlich wesentlich schlimmer. Zum Beispiel in der Frankfurter Börsenwelt, dem krassesten Beispiel von "Kapitalismus""

reine spekulation auf grund von stereotypen erwartungen.

"Ich sehe das etwas anders: Frauen müssen in einer patriarchal geprägten Gesellschaft (Beispiel Arbeitswelt, Beispiel mediale Vorbilder) schon ein wenig empowert werden."

die arbeitswelt betreffend kann man das so sehen.
aber online müssen frauen sich m.e. schon selbst behaupten. da gibt es keine verdrängung, keine plätze, die bereits belegt sind, sondern unbegrenzten zutritt. mithin ist "online" ein spiegel der gesellschaft: wer gehört und gesehen werden will, muss sich exponieren. wer mitmischen will, muss sich an einige spielregeln halten. leider ist oft von frauen zu lesen, dass sie beides nicht wollen. "im internet spielt das geschlecht keine rolle" ist ein eupemismus. viele frauen *wollen* gar nicht, dass ihr geschlecht im internet keine rolle spielt. sie praktizieren geradzu exzessives doing gender und wundern sich über die reaktionen. regelmäßig wird dann argumentiert, dass das schließlich ihre freiheit sei. ist es auch. man kann auch im pyjama zum vorstellungsgespräch gehen.

ein weiters problem: wer soll denn frauen "sichtbar machen"?
die quintessenz dieser frage lautet: wer soll denn geschlechtsstereotype überwinden?
wieso sollten es andere für frauen erledigen?

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smith 07.04.2011 | 22:31

Zumal maedchenmannschaft.net in erheblichem Maße durch die ideologischen Scheuklappen der Macherinnen verschattet, um nicht zu sagen umnachtet ist. Dies ist natürlich auch eine Art seine Meinung durchzusetzen.
Bloggerinnen, die mehr mit Löschtaste und IP-Sperrung agieren als zu antworten, sollten sich dann jedoch über "geringes Interesse" und also Schattendasein im selbst verrammelten Frauenreservat nicht beklagen.

Dynamo 07.04.2011 | 22:38

Liebe zeitrafferin,

Danke für "die patriarchal-geprägte" Gesellschaft! In der sich viel weniger geändert hat, als wir denken.

Zweites Dingens: genau, es geht um Frauen. Ich lese nur von GIRLScanblog, MISSY Magazine, GIRL on web, webGRRLS...
So wird das Nichts mit dem Ausgleich.

In diesem Sinne: sollten wir nochmal über das Matriarchat schreiben? Dazu empfehle ich die Forschungsarbeiten der Heide Göttner-Abendroth!

Beste Grüße.

sylver 07.04.2011 | 23:15

Ich stelle fest, dass die meisten die hier schreiben stark in der Blogosphäre verankert sind. Das ist sicher gut, aber nicht die Regel. Ich lese gelegentlich auch mal den ein oder anderen Blog. Die meisten sind wohl nicht bekannt genug um sie hier zu erwähnen. Ich kann sagen, dass ich als ich diesen Artikel gelesen habe nicht mal sagen konnte, ob die von Frauen oder Männern geschrieben werden. Gut bei einigen liegt es nahe, aber ich hab z.B. keine Ahnung wer den Bild Blog schreibt. Männer, Frauen, Homsexuel oder mit Migrationshintergrund. Who cares?
Wenn ich einen Blog lese, dann wegen des Inhalts. Der Autor interessiert mich dabei nur insofern, dass ich mir merke wenn jemand Mist schreibt.
Aber fordert der Artikel eigentlich?
Hilfe für Nachwuchsbloggerinnen? Ja sicher. Hilfe braucht jeder. Aber ich denke es gibt mehr als genug Inspirationsquellen im Internet. Ebenso hab ich durch einfaches suchen in Suchmaschinen eine große Menge mehr oder weniger hilfreicher Seiten gefunden, die Tipps zum Bloggen beinhalten.
Bedeutende Journalistinnen, die sich Männer wie Frauen zum Vorbild nehmen können gibt es auch mehr als genug.
Sie schreiben: "All jene Frauen, die klug, intelligent, pointiert, interessant, anders und herzerwärmend bloggen, müssen auch durch uns lauter, sichtbarer und präsenter werden – sonst gehen sie wie die Spitzenfrauen in den herkömmlichen Medien unter."

Klingt ja erstmal ganz nett. Aber sagen Sie doch mal wie? Woran scheitert die Präsenz? Ich glaube wie gesagt nicht, dass eine relevanter Teil der Leser eine Blog danach auswählt, ob ihn eine Mann oder eine Frau geschrieben hat. Soll ich einen Blog jetzt gut finden weil ihn eine Frau geschrieben hat und ihn allen meinen Freunden empfehlen weil ihn eine Frau geschrieben hat? Soll ich Frauen an den PC tragen?
Das ist natürlich überspitzt aber ich check einfach nicht was sie eigentlich bemängeln.

"Frauen, die sich selbstverständlich stark verhalten, werden als sozial inkompetent abgestempelt – von Männern wie Frauen gleichermaßen."

Hier verfallen Sie wieder in Klischees. Sicher gibt es das aber sie verallgemeinern. Die Beispiele unzähliger erfolgreicher starker Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft haben das Gegenteil längst bewiesen.

Sie stellen einen Zusammenhang her, zwischen stereotypen Rollenbildern und dem Erfolg weiblicher Bloggerinnen. Aber wo ist der Beleg dafür?

Wer schreiben will und kann, der wird gelesen. Das Geschlecht spielt da keine Rolle. Wir können und sollten dafür sorgen, das der Gender Gap im Internet abgebaut wird. Die Zahlen die ich kenne sprechen dafür, dass dies bei der jungen Generation bereits der Fall ist. Aber auf das Nutzverhalten können und sollten wir keinen Einfluss nehmen.
Wenn Sie schon eine Quote fordern, dann müssen Sie auch erklären wie Sie sich das praktisch vorstellen. Soll man dann einen Blog verbieten, weil es schon zuviel männliche Autoren gibt? Sollen wir losrennen und Frauen überreden Blogs zuschreiben und bis es soweit ist dürfen halt nur so viele Männer schreiben wie sich Autorinnen finden lassen? Gut ich bin villeicht auch generell kein Freund von Quoten aber hier macht es wirklich gar keinen Sinn.

j-ap 07.04.2011 | 23:15

»Aber nein: Wer Alpha sein will, muss sich alpha verhalten.«

Na das ist doch mal eine ganz grandioser Erkenntnisfortschritt der feministischen »Macht-kommt-von-machen« (read: vom Mittun beim gegenseitigen Unterpflügen) - Fraktion, Frau Seeliger!

Anschlußfrage:
Hätten Sie eigentlich auch weiland den habsburgischen Feudalismus gegen eine größtenteils ja ziemlich derb machomäßig männerverseuchte Aufklärung verteidigt, wo doch die liebe Maria Theresia nach der Pragmatischen Sanktion den weiblichen Alpha-Anteil im Fürstenzirkus auf ganz neue Höhen schraubte?

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Ehemaliger Nutzer 07.04.2011 | 23:22

In einem Punkt sind meine Freundinnen und ich uns einig, wir hassen Frauennetzwerke, weil uns da schlicht die Männer fehlen. Und damit meine ich nicht die ohnehin aussterbende Generation der Gockel, die sich lediglich durch lautes Gehabe und ansonsten durch nichts weiter qualifizieren.
Ich wüsste jetzt beim besten Willen auch nicht, warum ich, nur um beachtet zu werden, mir eine Eigenart antrainieren sollte, die ich schon immer selten dämlich fand. Ob bei Männern oder Frauen. Ich habe auch keine Lust auf das antiquierte Spiel "wir Frauen" "ihr Männer".
Alice Schwarzer hat Frau Merkel auch nur aus einem Grund protegiert - weil sie eine Frau ist. Bisschen wenig, finden Sie nicht. Dieses Beispiel zeigt auch - Frauen sind nicht die besseren Alphawesen nur weil sie Frauen sind.

Ich meine Frauen sollten endlich ein reflektiertes, selbstbewusstes Selbstverständnis entwickeln und das Tun und Sagen, was sie für richtig halten. Und man kann sich, um Interessen durchzusetzen, auch mit Männern solidarisieren. Und darum geht es doch, um Interessen, oder aber doch nur um Beachtung und wäre das nicht ein bisschen armselig?

Mal abgesehen davon, mehr als meinen Standpunkt argumentativ vertreten kann ich nicht, diesen durch Lautstärke und Dominanz durchzusetzen widerspricht meinem Verständnis von Freiheit, Demokratie und Intellektualität, außerdem geht die Welt auch ohne mich und meinen Ergüssen zu Grunde und das Leben findet ohnehin nicht, wie fälschlich angenommen, im Internet statt.

Außerdem frage ich mich, ob ich mir mein frausein von anderen Frauen erklären lassen und mich mit Frauenthemen ( was sollen das überhaupt für Themen sein)beschäftigen muss.

Summa summarum, ich verstehe gar nicht, worum es hier überhaupt geht.

euthydemos 07.04.2011 | 23:31

Nachdem ich einige Probleme bei der Registrierung hier gehabt habe, möchte ich kurz ein paar Gedanken los werden.
Ich bin ein Mann und für mich ist Rollendenken nie ein großes Thema gewesen. Bei manchen mögen da schon Alarmsirenen schrillen. Aber ich glaube so aufgewachsen zu sein, dass abgesehen von Präferrenzen bei der Partnerwahl keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen mache. Daher ist für mich die Diskussion teilweise unverständlich bzw. teilweise nicht zielführend. Häufig entsteht doch erst ein Lagerdenken, indem ich so massiv über ein Thema diskutiere. Das heißt nicht, dass man es tot schweigen soll. Aber in aller Emotionalität dieser Diskussion, fallen dann häufig Sätze, die meiner Meinung nach kontraproduktiv sind. Sind sie unüberlegt oder rühren sie von unterbewusstem Lagerdenken her? Ich weiß es nicht. Solche Formulierungen wie "... die Antwort auf ..." sind doch dahingehend suggestiv, dass festgestellt werden muss, dass es ein Konkurrenzprodukt gibt, das von einer Frau "produziert" wird. Sollte es nicht eigentlich Ziel sein, dass die Qualität entscheidet? Da sind wir uns alle einig, denke ich. Vielleicht gibt es die Filtermechnismen, die im Artikel angesprochen werden. Dann sind sie vielleicht nicht als sexistisch oder zumindest nicht ausschließlich sexistisch aufzufassen, denke ich. Vielleicht hat es auch etwas mit Bildung von Mehrheitsmeinungen zu tun (abseits von Geschlechterollen).
Das sind allerdings nur ein paar flüchtige Gedanken von mir, die ich hier zur Diskussion stelle. Ich lasse mich gerne belehren. Denn ohne das zu wollen gehe ich in keine Diskussion mehr.

THX1138 08.04.2011 | 00:33

Vieleicht hat die Autorin vergessen, dass es sich beim Netz um eine für alle Geschlechter gleichermassen zugängliche Ressource handelt. Daraus ergibt sich auch die NutzerInnenstruktur. Wer von wem wie stark gelesen wird, hängt m. E. ganz entscheidend von der Vermarktungsstrategie der BlogerIn ab- und nicht etwa von Geschlechterstereotypen oder ähnlichem Gugus, wie wir in der Schweiz zu sagen pflegen. Zudem halte ich es für wenig sinnvoll, das Internet ausgerechnet auf die am wenigsten erforschte Blogsphähre zu reduzieren.

Was ein versierter Medienprofi über die Beteiligung von Frauen in der Kommentarspalte von Blogs herausgefunden zu haben glaubt, die in das redaktionelle Konzept vom schweizerischen Tages Anzeiger (Online) eingebunden sind, erfährt man hier:

www.clack.ch/index.php/community/blogbeitrag/Michael%20Marti/2675

Michael Marti ist stellvertretender Chefredaktor (Newsnetz) beim Tages Anzeiger, einer der grössten Tageszeitungen der Schweiz.

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Ehemaliger Nutzer 08.04.2011 | 01:00

…oder etwas deutlicher - diese Spielart des Feminismus hat schon längst, so gut wie
jeden Anspruch gesellschaftlicher und individueller Befreiung (EMANZIPATION!) erfolgreich hinter sich gelassen (falls dieser emanzipatorische Zweck bei den heutigen Protagonistinnen überhaupt jemals vorhanden war!).
Dieser reaktionär-affirmative Yuppie-Feminismus ist so dermaßen erbärmlich und auf die Hündin gekommen – die an die (patriarchalen) Herrschaftsverhältnisse gerichtete Kriegserklärung mutierte zum kreuzbraven Antragswesen für eine GLEICHBERECHTIGTE INDIENSTNAHME durch Dieselbigen (Verhältnisse) – frau möchte ihren repräsentativ GERECHTEN Beitrag dazu leisten dürfen WOLLEN, nun selbst als aktiver (auch administrativer) Teil der ganzen (patriarchalen) Scheiße ihren Mann zu stehen.

Aber selbst diese (post)moderne „feministische“ Spielart (bei allen bisherigen und sicher auch zukünftigen) Fortschritten politischer Affirmation wird da ihre Grenzen haben, wo diese Bewegung für einen reinen, geschlechtsneutralen und gerechten Konkurrenzrassismus, mit dem durch das Kapitalverhältnis bedingten (notwendigen) und geschlechtsspezifisch-arbeitsteiligen Leistungen kollidiert.

Und hier lief diese ganze Blase auch schon mal:

www.freitag.de/alltag/1008-gender-maenner-kongress-duesseldorf-frauen-emanzipation

zeitrafferin 08.04.2011 | 10:27

Ach Eule,

das ist doch die Grundpidee des Feminismus, die auch empirisch belegbar ist, da bin ich mir sicher. Frag doch einfach mal beim DGB oder bei FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) nach. Sie können Dir sicherlich Zahlen liefern, denen du vertrauen kannst.

Ok, und das wars jetzt auch. Meldet sich ja niemand. Und ich hab leider keine Zeit mehr, hier gleichzeitig mit den Herrschaftskritischen und mit den Sexisten zu diskutieren. Morgen tazkongress.

Dann als Fazit: Ich glaube, dass es im Netz eine ziemlich große Gruppe gibt, die auf dieses Prinzip Wagenburg, das sich ja auch im Webkonzept (und auch in den Kommentarspalten dieses Artikels) manifestiert, keine Lust mehr haben.

Ich meine auch, dass aus dem Netz und von denen, die da schon lange "leben", etwas sinnvolles kommen kann. Ich frage sie mal.

zeitrafferin 08.04.2011 | 10:30

Mit (eine) Grundidee meinte ich:

da kommen wir der sache schon näher: es ist dir passiert. und es passiert sicher auch anderen. wieder anderen passiert es nie. deine erfahrung legitimiert deine behauptung von oben nicht: "Frauen und Männer verlangen von Frauen, leise zu sprechen, sich zurückzunehmen, unterwürfig zu sein." generalisierendes von sich auf andere / alle schließen.

und da ich schon länger Frauenpolitik mache, mir schon länger über das Thema Gedanken mache und dazu schon länger lese, meine ich, dass du mein Statement nicht als individuelle Erfahrung abqualifizieren solltest.

Ich fände das auch unfair, weil ich mich mit dieser Aussage verletzlich gemacht habe. Ich hätte sie nicht (öffentlich) getroffen, wenn ich den Aspekt unwichtig finden würde. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Christobert 08.04.2011 | 11:35

Ich habe jetzt nicht alle fast 50 Kommentare gelesen, also entschuldigt falls das schon besprochen wurde:

Es wird angeprangert, dass auf der re:publica 2009 bloggende Frauen an einen "Katzentisch" gesetzt wurden, der sich nur über das Geschlecht definierte.
Auf der anderen Seite wird doch aber mit fraulila.de u.ä genau das gleiche gemacht, nämlich Zusammenschlüsse, Workshops usw. deren Teilnahmebedingung oder Inhalt sich nur über das Geschlecht definiert.
Mit dieser Art wird es weiterhin so sein, dass die Wahrnehmung eine andere sein wird, wenn sogar die Frauen selber ihre Tätigkeiten so sehr darüber definieren, dass sie ja Frauen sind die da bloggen.
Ging es nicht um eine Wahrnehmung die keinen Unterschied macht? Das scheint mir also kontraproduktiv zu sein.
Erinnert an die political correctness, die Ab- und Ausgrenzung eher fördert.

Viele Grüße

Katrin Rönicke 08.04.2011 | 14:21

Lieber Kalle,
werd doch nicht gleich unwirsch. Ich habe zu Hause gerade drei Viertel meiner Familie mit dem Noro-Virus flachliegen (mich eingeschlossen) und finde es auch davon ab eine recht unmenschliche Sitte des Web 2.0, schon nach einem Tag Antwortlosigkeit den Zeigefinger zu wedeln.

Zudem ist Ihre Frage so umfassend und breit, dass allein das Nachdenken darüber mehr als einen Tag bräuchte.

So antworte ich jetzt auch mal sehr unkonkret und allgemein: Quoten sind im Grunde IMMER einer Überlegung wert. Und sie sind immer eine Einzelfall-Lösung. Was meine ich damit: Quoten können den Effekt haben, Stereotype zu vermindern, indem man sie erst einfach strukturell aushebelt und sie sich dann durch ein "new practice" von selbst erledigen. Das ist ja immer das Ziel: Quoten sind ja erstmal kein Selbstzweck.
Andererseits können Quoten aber auch den gegenteiligen Effekt haben: Wenn jemand aufgrund einer Quote - und NUR aufgrund einer Quote, mit schlechten Inhalten oder schlechter Qualifikation an einer Stelle steht, kann er oder sie sogar zur Verstärkung des Stereotyps beitragen.

Nehmen wir mal das Offline-Beispiel Aufsichtsräte: die Idee ist ja, dass es sehr wohl genügend qualifierte und fitte Frauen gibt und sie TROTZDEM aufgrund schon hinreichend bestehender Strukturen und psychologischen Mechanismen, nicht in den AR vertreten sind, wie sie es sein KÖNNTEN. Eine Quote macht hier also Sinn, auch unter dem Aspekt, dass das Risiko, eine solche Frau könne den Ruf von Business-Frauen allgemein verschlechtern, weil sie inkompetent ist, recht gering ist - also ebenso groß, wie bei Männern.

Nehmen wir die Freitags-Community, die ich trotz allem zu wenig kenne und deswegen werfe ich zwei Fragen in den Raum:
Eine Quote macht ja nur dort Sinn, wo eine feste Zahl an Menschen irgendwo stehen. Sonst kann man ja gar keine Zahl bemessen. Man kann natürlich pi mal Daumen verfahren. Oder jedes zweite Mal eine Frau für etwas nehmen - wenn es sich um ein Verfahren handelt.
Jedenfalls - diese Voraussetzung erfüllend - stelle man sich folgende Fragen: Werde ich genügend Frauen finden, die auch ein zufriedenstellendes Ergebnis liefern (zur FC: ich denke ja)? Ergo: GIBT es sie und sie sind tatsächlich einfach weniger sichtbar? Könnten es Stereotype sein? (Problem: wer kennt schon seine Stereotype? - naja, viel Selbstreflexion oder Supervision nötig)
Und: Was ist denn genau mein Ziel?
Das könnte sein: Diversity als Wert an sich; ein Wettbewerbsvorteil ggü. anderen Communities (glaubt immer keineR - aber ja: Frauen sind eine recht große Zielgruppe!); inhaltliche Gründe (Themenvielfalt oder Vielfalt in der Betrachtung - ja: ich gehe hier davon aus, dass Männlein und Weiblein im Durchschnitt unterschiedlich sozialisiert sind und deswegen im Durchschnitt verschieden agieren) - bla bla - wird ja alles hinreichend im Thread diskutiert.
Und dann muss man einfach entscheiden. Im Falle einer Community am besten mit einer Art Abstimmung. Und wenn da eine Mehrheit dafür ist, kann man es ja auch einfach mal versuchen.

Die Quote als Instrument ist ja selbst so wahnsinnig stereotyo besetzt. Nichts hilft besser gegen Ängste, als zum Beispiel als Redaktion des Freitag mal zu sagen: Hey - wir probieren das jetzt mal drei Monate aus und danach stellen wir es zur Diskussion. Schauen, wie es ankommt, was es bewirkt usw. usf... schön ist auch, wenn das jemand von extern begleitet und feedbackt, was sich auch statistisch messbar verändert usw usf...

Macht aber wie gesagt nur Sinn, wenn man prinzipiell davon ausgeht, dass die Vorteile eher überwiegen werden. Und dieses Urteil zu fällen halte ich mich jetzt nicht wirklich für informiert genug.

Boar. So ausführlich wollte ich jetzt gar nicht antworten. Aber ich hoffe, ich konnte deutlich machen, was ich denke.

Ein schönes Wochenende an alle
Katrin

Lethe 08.04.2011 | 14:30

die Peinlichkeit von Alphas ist meiner Ansicht nach völlig unabhängig vom Geschlecht. Normalerweise wird sie außer von Alphas auch von allen bemerkt, vielleicht mit Ausnahme jener, die sich noch Hoffnung machen, selbst eines Tages dazu zu zählen. Alpha zu sein oder zu werden ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung. Und wenn jemand glaubt, er/sie würde gehört, wenn er/sie einfach lauter brüllt als alle anderen, dann ist der Weg schon bereitet, überhaupt nicht mehr gehört zu werden, jedenfalls nicht mehr von den Nachdenklichen. Die stehen dann einfach auf und gehen. Und unser neues Alpha, ob Männchen oder Weibchen, darf sich im Reigen seinesgleichen am erreichten Narrenparadies erfreuen.

Katrin Rönicke 08.04.2011 | 19:39

Oh, das sollte so nicht rüber kommen, dass ich DICH als unmenschlich bezeichne - ich meine das unmenschliche Web 2.0 und die Sitten, die man durch es und in ihm entwickelt - in dem auch ich selbst manchmal dazu neige, sehr ungeduldig zu werden, wenn jemand auf meine Mail nicht innerhalb von 12 Stunden antwortet. ich kenne das nur zu gut - ich wollte dich dafür nicht persönlich angreifen.
Viele Grüße

eulen nach athen 08.04.2011 | 19:53

"und da ich schon länger Frauenpolitik mache, mir schon länger über das Thema Gedanken mache und dazu schon länger lese, meine ich, dass du mein Statement nicht als individuelle Erfahrung abqualifizieren solltest."

das hat mit abqualifizieren gar nichts zu tun. es *ist* deine persönliche erfahrung.

meine erfahrung ist, dass ich immer wieder (auch im internet) von frauen zu lesen bekomme, was frauen vermeintlich "gesagt" und "vorgeschrieben" wird. es sind genau jene formulierungen, wie deine. "frauen bekommen gesagt", "frauen sollen / müssen / können nicht einfach", "von frauen wird dies und jedes erwartet" usw. immer sind frauen objekte.

auf nachfrage, wer konkret diese forderungen stellt, bekam ich noch nur einmal eine antwort, nämlich dein beispiel. es wäre gut möglich, dass es sich bei diese forderungen um die eigenen erwartungen der frauen an sich selbst handelt, um dass, was sie *glauben*, dass es von ihnen erwartet wird.

miauxx 11.04.2011 | 02:17

@Christobert
Genau diese Gedanken, Bestätigung der Geschlechterrollen, hatte ich auch.
Vielleicht ist es tatsächlich so, dass politisch motivierte 'Frauen-Blogs' sich vornehmlich feministisch positionieren. Prominente Beispiele dafür werden hier dann als progressive Ansätze zu mehr weiblicher Präsenz im Netz angeführt. Solche, die vielleicht eher der tradierten Frauen-Rolle entsprechen, sind der Erwähnung nicht wert. Somit wird implizit nahegelegt, nur der feministische Blog könne es mit der so erfolgreichen Männer-Netzwelt aufnehmen. Zu auch nur nahezu ausgeglichenen Verhältnissen der Bloganteile beider Geschlechter in den sogenannten "harten" Themen führt das sicher nicht. So bleibt es eben beim 'Katzentisch'.

Ferner ist es aber wohl leider auch nach wie vor Realität, dass der Frauenanteil mit einem ausgeprägten Interesse für das "harte" Thema Politik gegenüber dem der Männer gering ist. Darüber habe ich heute auch nach dem Lesen des Artikels mit meiner Freundin, die dem kleinen Anteil zugehörig ist, gesprochen. Unsere Wahrnehmungen stimmen da überein.
Und so auch die meisten Frauen im Netz, die eben über die klassischen Frauenthemen bloggen. Wir können eben nicht von einem bestimmten Kosmos, in dem sich Autorinnen, wie Frau Rönicke, die maedchenmannschaft etc. bewegen, auf die Allgemeinheit bzw. eine Mehrheit schließen.

Frau Rönicke spricht oben von der "Faulheit", die eben nicht tiefer graben läßt, sondern einen bei den prominenten Blogs - zumeist von Männern gemacht - aufschlagen läßt. Ich glaube aber nicht, dass der geneigte Sucher den Blog einer Frau, um es mal so konkret zu sagen, außen vor lassen würde. "maedchenmannschaft", "Frau Lila" etc. aber - nun ja, werden dann aber allein ihres Titels und Programms wegen vielleicht eher als ergänzendes Angebot wahrgenommen.
Im Grunde liegt der Ball, und das lese ich so auch aus dem Artikel heraus, bei den Frauen. Sie müssen es freilich nicht genauso machen wie die Männer - was sich vermutlich zwangsläufig auch hergibt -, aber es geht sicher auch ohne die Fixierung auf den Feminismus.
Und vielleicht sind die Untersuchungen der Bloggeraktivität auch allzu sehr auf die "harten" Themen fixiert und das Frauen nun in möglichst gleichem Maße in sogenannte Männerdomänen einbrechen müßten. Auch Männer lesen z.B. Kulturbeiträge. Und vielleicht sind die Themen Kultur und Politik nur allzu fälschlich in den prominenten "Männerblogs", zuungunsten der ersteren, voneinander geschieden ...

silvio spottiswoode 24.04.2011 | 01:46

Danke fuer den spannenden Beitrag. Besonders vor dem Hintergrund der ganzen FRAUENQUOTEN Diskussion ist das Thema wieder mal sehr aktuell.

Zu all den guten Kommentaren waere vielleicht noch hinzuzufuegen, dass wir das WEIBLICHE in unserer patriarchisch dominierten Kultur ja nur als GEGENSATZ zum maennlichen Prinzip kennen und definieren. Aber vielleicht ist es ja aus sich selbst heraus noch mal ganz anders? Was weiss ich als Frau denn wirlich ueber Weiblichkeit? ?? Deshalb ist Gleichberechtigung ja genauso spannend fuer Frauen wie fuer Maenner.