Die Sprache des Krieges ist kalt ...

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Fern des Krieges ist dessen Sprache eher selten anzutreffen. Am häufigsten noch in der Sportberichterstattung, wo schon mal Abwehrschlachten geschlagen werden und Bälle versenkt. Und sie wird im Schloss Bellevue gesprochen, dort vorzugsweise auf Mailboxen und auf Neujahrsempfängen.


Ins Feld geführt wird die Kriegssprache von Bundespräsident Christian Wulff, der BILD-Chefredakteur Kai Diekmann eine Nachricht übermitteltet und ein Beisammensein für den kommenden Tag vorgeschlagen haben soll (ohne Übernachtung), und dann, so wird er bei Focus.online zitiert, „können wir entscheiden, wie wir die Dinge sehen, und dann können wir entscheiden, wie wir den Krieg führen.“ Wo, scheint ja schon beschlossen: Hinterm dem Rubikon geht’s weiter …

Damit, dass Wulff sich im Felde wähnt, ist zu erklären, warum er sich am Freitag seinen Mitarbeitern gegenüber siegesgewiss gab mit der Prognose, er sei zuversichtlich, „dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist”, wie Spiegel.online schreibt. Und: „In einem Jahr ist das alles vergessen.”

Unter dem Titel “Stahlgewitter” hat Ernst Jünger seine Erlebnisse an der deutschen Westfront aufgeschrieben. Auch eine deutsche Rechtsrock-Band nennt sich so. Wulff ist Jahrgang 1959, ist Christdemokrat. Wie hat der Krieg in seinen Sprachgebrauch gefunden? Und welche Opfer hat das dort bereits gefordert? Das erste Opfer des Krieges ist bekanntlich die Wahrheit. Oder um es mit Otto von Bismarck zu sagen: „Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.” Versteht der Bundespräsident deshalb nicht, warum die Truppe derzeit von der Fahne geht?

Dann vielleicht so: Während auf dem Vorfeld des Feldherrenhügels das Fußvolk seine Schuhe zeigt, fahren die Gegner aus der Opposition schwere Geschütze auf. Dabei verläuft die Frontlinie längst durch die Alliierten der Koalition, Friendly Fire aus den eigenen Reihen inklusive, die das scheibchenweise Vorrücken kritisieren. Kollateralschäden werden bereits bei der SPD vermeldet, deren Generalsekretärin Andrea Nahles für den Fall einer Kapitulation Neuwahlen fordert, während Parteichef Sigmar Gabriel der Bundeskanzlerin sogar Zusammenarbeit anbietet bei der Nachfolgersuche. Die von BILD auf den Weg gebrachten Smart Bombs haben Krater ins Feld der Ehre gerissen, in das der Würde sowieso. Es wird so schnell kein Gras darüber wachsen.

(zuerst unter www.lvz-online.de)

18:37 08.01.2012
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